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Fossilien sind versteinerte Pflanzen und Tiere und die Spuren, die sie hinterlassen haben.
==Einführung==
Im folgenden Text wird der Versuch gemacht, in groben Zügen das zum Grundverständnis Wichtigste über Fossilien, sowie ihr Vorkommen im [[Salzburger Land]] zu vermitteln.
==Was ist ein Fossil?==
fossil (fossilis) bedeutet „ausgegraben“. Als Fossilien oder Versteinerungen bezeichnet man „die Gesamtheit der fossil überlieferten Pflanzen- und Tiergesellschaften, die sich in den aufeinander folgenden Formation der Erdgeschichte erhalten haben.“ Dazu gehören auch „Gebilde, die durch die Tätigkeit von Lebewesen entstanden sind, wie Fährten und Spuren, Grab- und Wohngänge.“ Die Wissenschaftsrichtung, die sich mit Fossilien beschäftigt, ist die Paläontologie.
==Entstehung von Fossilien==
Fossilien sind keine Zufallsgebilde. Stirbt ein Organismus, bleibt er üblicherweise nicht erhalten und wird daher auch nicht zu einem Fossil. Damit ein Fossil entstehen kann, muss das abgestorbene Lebewesen den natürlichen Einflüssen der Erdoberfläche entzogen werden, was durch Einschluss in ein werdendes Gestein erfolgt aber nur selten passiert. Von den so Eingebetteten versteinern nur die Hartteile. Organismengruppen ohne Hartteile verschwinden hingegen spurlos.
=====Fossile Gemeinschaften (Biozönose)=====
Wenn die Einbettung in wenig bewegter Umgebung passiert (Sedimentation), bleibt die eingebettete fossile Gemeinschaft jener der ursprünglichen Lebensgemeinschaft ähnlich.
=====Grabgemeinschaften (Taphozönose)=====
Wenn zwischen dem Tod der Organismen und der endgültigen Einbettung Unterbrechungen passieren, wie z.B. an flachen Meeresufern, in Flussbetten, in Dünen, und die Organismen daher zwischenzeitlich bewegt und umgelagert werden, entsteht eine sog. Grabgemeinschaft.
=====Erhaltung von Weichteilen durch Sauerstoffmangel=====
Sauerstoffmangel kommt in abgeschlossenen Meeresbecken oder Seen vor, verhindert oder verlangsamt die Verwesung und trägt so zur Erhaltung von Weichteilen bei. Unter diesen Bedingungen tritt in flachen Gewässern statt Verwesung unter Mitwirkung von Bakterien Fäulnis auf und es entstehen Kohlenwasserstoffe, die sich ablagern. Es entwickelt sich Torf, der sich auch zu Steinkohle wandeln kann. In tieferen Gewässern entsteht bituminöser Schiefer. Diese Reste sind nicht mehr zu identifizieren und daher nicht als Fossilien im üblicherweise verstandenen Sinn zu bezeichnen.
=====Erhaltung durch Einfrierung, Mumifizierung, Einschluss =====
Unter besonderen Bedingungen könne Organismen samt ihren Weichteilen fossil erhalten werden. Beispiele sind eingefrorene Kadaver (u.a. das Mammut in Sibirien) oder unter Wüstenbedingungen ausgetrocknete Lebewesen, die mumifiziert erhalten bleiben. Eine andere Form sind die Bernstein-Insekten, die in ursprünglich flüssigem Baumharz eingeschlossen wurden.
==Versteinerungsmittel==
Der in der Mehrzahl der Fälle durch Lösung verschwundene Rest des Organismus wird durch nachträgliche mineralische Ausscheidungen aus Grund- oder Sickerwasser ersetzt (Versteinerungsmittel). Die drei bedeutenden Versteinerungsmittel sind:
* Schwefelkies
* Kalk (Kalzit)
* Kieselsäure
==Einteilungskategorien==
Fossilien werden nach ihrer Erhaltung in Steinkernfossilien (Positivabdruck) oder Spurenfossilien (Negativabdruck), nach ihrer Größe in Macro- oder Microfossilien und nach ihrer Entstehunszeit nach dem jeweiligen Erdzeitalter, bzw. den dazu gehörigen Formationsperioden benannt (z.B. Tertiärfossilien). Nach geltender systematischer Einteilung werden Fossilien sog. Überreichen, Reichen, Stämmen, Klassen, Unterklassen, Ordnungen und Unterordnungen zugeordnet. Innerhalb dieser Systematik gehören bestimmte tierische und pflanzliche Fossilien zu bestimmten Gruppen, z.B. Weichtiere, Stachelhäuter oder Gliederfüßer u.a.m.
==Mögliche Fundorte==
=====Natürliche Aufschlüsse=====
Natürliche Aufschlüsse sind Stellen im Gelände, die entweder durch Erosion, Einwirkung von Fließgewässern, Felssturz, Hangrutschung u.ä. entstehen.
=====Künstliche Aufschlüsse=====
Es handelt sich dabei um Aufschlüsse, die durch die Gewinnung von Material (Bergbau, Steinbrüche, Schottergruben) oder durch das Anschneiden von Geländeformationen (z.B. durch Straßen- oder Güterwegbau) entstehen.
==Abriss der geologische Großeinheiten im Salzburger Land==
Salzburgs geologischer Aufbau ist komplex, von Verwerfungen, Verschiebungen und Störungen gekennzeichnet. Überblicksweise hat Salzburg Anteil an folgenden großen geologischen Einheiten:
* Die [[Molassezone]],
(im [[Alpenvorland]]) am äußersten Norden des Landes mit Ablagerungen vom [[Eozän]] bis ins [[Myozän]].
* Das [[Helvetikum]],
mit Ablagerungen von der [[Oberkreide]] bis ins Eozän, zieht sich vom [[Oichtental]] über den Teufeslgraben bei Seeham und Mattsee bis zum Ostufer des [[Niedertrumersee]]s.
* Das [[Ultrahelvetikum]],
eine schmale Zone am Südrand der Helvetikums.
* Die [[Flyschzone]],
sie reicht vom Süden der helvetischen Zone bis zu einer Grenzlinie, „die von der [[Saalach]] nördlich des [[Walserberg]]es über [[Mülln]] ([[Stadt Salzburg]]) und den Nordfuß des [[Nockstein]]s, sowie ein Gebiet nördlich des [[Fuschlsees]] zum Nordfuß des [[Schober]]s, der [[Drachenwand]] und des [[Schafberg]]s reicht.“
* Die [[Walserbergserie]],
kleinräumige Ablagerungen beiderseits der [[Salzach]] südwestlich von Käferheim.
* Die [[Nördlichen Kalkalpen]]
(Oberostalpin) reichen von der Walserberg- und Flyschzone nach Süden bis zum Südfuß der [[Leoganger Steinberge]], des [[Steinernen Meer]]s und des [[Höchkönig]]s. Östlich der Salzach reicht die Zone bis zu einer Linie von [[Bischofshofen]] bis nördlich von Filzmoos.
* Die [[Grauwackenzone]]
oder Schieferzone ([[Oberostalpin]]) an die Nördlichen Kalkalpen anschließend. Sie reicht im Süden „etwa bis zu einer Linie, die von Ost nach West entlang der Salzach bis zu deren Nordknick und weiter über [[Flachau]] quer durch die südlichen Seitentäler der [[Enns]] verläuft.“ Diese Zone ist für Fossiliensammler wenig interessant.
* Das [[Altkristallin]]
des östlichen Lungaus (Ober- und Mittelostalpin). In dieser Zone kommen am Frauennock zahlreiche Pflanzenfossilien vor.
* Das [[Unterostalpin]]
besteht in Salzburg aus der oberen und unteren Radstädter Deckengruppe und der Katschbergzone. Diese Zone enthält kaum Fossilien.
* Das [[Tauernfenster]]
(Penninikum), dessen Salzburger Anteil vier größere Kerne umfasst und mehr für den Mineraliensammler zu bieten hat als für den Paläontologen.
Die fundreichsten Zonen sind die Nördlichen Kalkalpen und das sog. Helvetikum.
=====Fossilien des Helvetikums=====
Fast alle eozänen Gesteine des Helvetikum enthalten Fossilien wie Nummuliten, Assilinen und Discocyclinen. Die wichtigsten Fundorte im Helvetikum sind der [[Kroisbachgraben]], [[St. Pankraz]], und [[Mattsee]]. Die sog. Fossilschicht ist jene Schicht, für die Mattsee und St. Pankraz in paläontologischer Hinsicht berühmt ist.
=====Fossilien der Nördlichen Kalkalpen=====
In den Schichten der Nördlichen Kalkalpen finden sich Ammoniten, Nautiliden, Belemniten, Brachiopoden, Muscheln, Schnecken, Foraminiferen, Echinodermen, Seelilien, Korallenstöcke und Einzelkorallen, Schwämme, Algen, Spongien, Bryozoen, Microfossilien u.a.m.
==Trias==
Oberrhätische Kalke und Kössener Schichten mit den Fundorten [[Rötelwandriff]], [[Feichtenstein bei Hintersee]], [[Gruberalmriff]], [[Hanslkirchenriff]], [[Adneter Riff]], [[Mörtelbach]], [[Steindlbach]] im [[Hinterwiestal]] und [[Hintersee]].
=====Dachstein-Riffkalk=====
mit den Fundgebieten [[Göllmassiv]], [[Schwarzer Berg]] bei [[Golling]], [[Hagengebirge]], [[Hochkönig]] und [[Tennengebirge]].
=====Hallstätter Kalk=====
am [[Dürrnberg]] bei [[Hallein]] und [[Hohes Brett]] im Göllmassiv.
=====Zlambachschichten=====
im [[Grünbachgraben]] bei St. Leonhard.
==Jura==
=====Adneter Schichten=====
kommen in der [[Glasenbachklamm]], im [[Kehlbachgraben]], in [[Adnet]], im [[Mörtelbachgraben]] in [[Gaissau]], im [[Lämmerbach]] bei [[Hintersee]], im [[Davidgraben]] im [[Tauglboden]], am Schwarzen Berg bei Golling, im [[Bluntautal]] und auf der [[Kratzalmm]] und der [[Angertalm]] vor.
=====Tauglbodenschichten=====
finden sich am [[Tauglboden]].
=====Oberalmer Kalke=====
kommen am [[Oberalmberg]], am [[Rengerberg]], am [[Schlenken]] und am [[Schmittenstein]] vor.
==Kreide==
=====Schrambachschichten=====
stehen im [[Schrambachgraben]] an.
=====Untere Rossfeldschichten=====
sind bestimmte Schichten im Raum Kuchl.
=====Gosauschichten=====
sind einerseits Fossilschichten im Becken von [[Gosau]] und [[Rußbach]] mit Z.T. berühmten Fundorten wie der [[Randobach]], der [[Zimmergraben]], der [[Stöcklwaldgraben]], die [[Schneckenwand]], die [[Traunwand]], der [[Nefgraben]] und der [[Pass Gschütt]], andererseits Fossilschichten im Norden des [[Untersberg]]es, mit dem [[Morzger Hügel]], dem Gebiet [[Latschenwirt]] – [[Wolfschwang]] und mit [[Fürstenbrunn]].
==Fossilien sammeln==
=====Was beim Sammeln wichtig und zu beachten ist=====
* Entsprechendes Wissen über Fundorte
* Geologische Grundkenntnisse
* Entsprechende Ausrüstung
wie ein Geologenhammer, ein Spitz- und ein Flachmeißel, sowie ein Fäustel. Eine Lupenbrille benötigt man zum Sammeln von Kleinfossilien.
In alpinem Gelände ist die entsprechende Ausrüstung selbstverständlich, in den Gräben der kleinen Bäche sind wasserfeste Gummistiefel vonnöten.
Für Freilegung und Präparierung von Fossilien sind ebenfalls entsprechende Kenntnisse für den Erfolg ausschlaggebend.
Letztlich sind auch die rechtlichen Bestimmungen zu beachten.
=====Museen mit Schausammlungen=====
* Haus der Natur, Salzburg
* Adneter Marmormuseum, Adnet
* Museum Burg Golling
* Salzburger Dommuseum
* Naturhistorisches Museum Wien
==Bekannte Sammler im Salzburger Raum==
* Franz und Käthe Böhm, Salzburg
* Gero Moosleitner
* Rudi Schmid, Traunstein
* Hilde Steinbacher, Berchtesgaden
==Quellen==
* Das Fremdwörterbuch, Duden, Band 5, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, 1990
* Gero Moosleitner, „Fossilien sammeln im Salzburger Land“ Ein Führer zu klassischen und neuen Fundstellen, edition Goldschneck im Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co. Wiebelsheim 2004
* „Fossilien –Fossilien der Wirbellosen mit Anhang Wirbeltiere und Pflanzen“, Hrsg Gunter Steinbach, Orbis Naturführer, Orbis Verlag
* „Tertiärfossilien Österreichs“ : Wirbellose, niedere Wirbeltiere und marine Säugetiere; schöne, interessante, häufige und wichtige Macrofossilien aus den Beständen des Naturhistorischen Museums Wien und Privatsammlungen; eine Bilddokumentation / Ortwin Schulz. Mit Beiträgen von Fred Rögl.-Korb : Goldschneck-Verlag, 1998
[[[Kategorie:Geologie]]
[[Kategorie:Nördliche Kalkalpen]]