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| | Die mindere gesellschaftliche Stellung der Juden in der [[Mittelalter|mittelalterlichen]] Gesellschaft hinderte die Salzburger Erzbischöfe aber nicht, mit ihnen Handels- und Geldgeschäfte zu machen. Erzbischof [[Konrad IV. von Fohnsdorf]] lieh sich beispielsweise einen Gutteil der Kaufsumme für das [[Gasteiner Tal]] von jüdischen Bankiers. | | Die mindere gesellschaftliche Stellung der Juden in der [[Mittelalter|mittelalterlichen]] Gesellschaft hinderte die Salzburger Erzbischöfe aber nicht, mit ihnen Handels- und Geldgeschäfte zu machen. Erzbischof [[Konrad IV. von Fohnsdorf]] lieh sich beispielsweise einen Gutteil der Kaufsumme für das [[Gasteiner Tal]] von jüdischen Bankiers. |
| − | * siehe auch: [[Erwerb des Gasteinertales]] | + | * Siehe auch: [[Erwerb des Gasteinertales]] |
| | =====Diskriminierung===== | | =====Diskriminierung===== |
| | Im Mittelalter waren die Juden verschiedensten Diskriminierungen ausgesetzt. Für Männer war der Spitzhut vorgeschrieben, für Frauen das Tragen einer Schelle an der Kleidung. Juden waren zur Zahlung von Sonderzinsen an den Landesherrn verpflichtet und durften das Land nicht ohne seine Einwilligung verlassen. | | Im Mittelalter waren die Juden verschiedensten Diskriminierungen ausgesetzt. Für Männer war der Spitzhut vorgeschrieben, für Frauen das Tragen einer Schelle an der Kleidung. Juden waren zur Zahlung von Sonderzinsen an den Landesherrn verpflichtet und durften das Land nicht ohne seine Einwilligung verlassen. |
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| | Die Synagoge befand sich bis 1404 in der Judengasse im Umfeld des ([[Höllbräu]]es - heute [[Radisson Altstadthotel]]). Für das spätere [[15. Jahrhundert]] ist keine Synagoge mehr belegt. Der jüdische Friedhof lag am Nordende des [[Mönchsberg]]s oberhalb von [[Mülln]] im Bereich des heutigen [[Schloss Mönchstein|Schlosses Mönchstein]]. | | Die Synagoge befand sich bis 1404 in der Judengasse im Umfeld des ([[Höllbräu]]es - heute [[Radisson Altstadthotel]]). Für das spätere [[15. Jahrhundert]] ist keine Synagoge mehr belegt. Der jüdische Friedhof lag am Nordende des [[Mönchsberg]]s oberhalb von [[Mülln]] im Bereich des heutigen [[Schloss Mönchstein|Schlosses Mönchstein]]. |
| − | * Hauptartikel: [[Judendorf]] | + | * Siehe auch: [[Judendorf]] |
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| | ==Wirtschaftliche Tätigkeiten== | | ==Wirtschaftliche Tätigkeiten== |
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| | ==Neuzeit== | | ==Neuzeit== |
| − | Nach fast zwei Jahrhunderten der Fernhaltung erhielt von [[Erzbischof]] [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] ([[1687]] - [[1700]]) zum ersten Mal wieder ein Jude, trotz des Widerstandes der [[Hohe Salzburger Landschaft]], Niederlassungserlaubnis. | + | [[Datei:Krimmler Achental.jpg|thumb|Letzte Station auf Salzburger Gebiet der Juden als [[Displaced Persons]] bei der so genannten [[Krimmler Judenflucht]] 1947 war das [[Krimmler Tauernhaus]] im [[Krimmler Achental]]]] |
| | + | [[Datei:Krimmler Tauernhaus.jpg|thumb|Krimmler Tauernhaus, Alpine Peace Crossing 2010]] |
| | + | * Siehe dazu auch [[Novemberpogrom]] |
| | + | Nach fast zwei Jahrhunderten der Fernhaltung erhielt von [[Fürsterzbischof]] [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] ([[1687]] - [[1700]]) zum ersten Mal wieder ein Jude, trotz des Widerstandes der [[Hohe Salzburger Landschaft]], Niederlassungserlaubnis. |
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| | Mit dem Staatsgrundgesetz von [[1867]] endeten die gesetzlichen Diskriminierungen der jüdischen Staatsbürger. Viele Juden ließen sich in Salzburg nieder und wurden zu Stützen des liberalen Bürgertums. [[1884]] absolvierte [[Theodor Herzl]] seine Gerichtspraxis als Dr. juris in Salzburg. Er verließ die ihm lieb gewordene Stadt nur, weil er, wie er selbst schrieb, »''Als Jude… nie zur Stellung eines Richters befördert worden wäre. Deshalb nahm ich damals von Salzburg und der Rechtsgelehrsamkeit Abschied''«. [[1901]] wurde eine Synagoge in der [[Lasserstraße]] und ein jüdischer Friedhof in [[Aigen]] eingerichtet. | | Mit dem Staatsgrundgesetz von [[1867]] endeten die gesetzlichen Diskriminierungen der jüdischen Staatsbürger. Viele Juden ließen sich in Salzburg nieder und wurden zu Stützen des liberalen Bürgertums. [[1884]] absolvierte [[Theodor Herzl]] seine Gerichtspraxis als Dr. juris in Salzburg. Er verließ die ihm lieb gewordene Stadt nur, weil er, wie er selbst schrieb, »''Als Jude… nie zur Stellung eines Richters befördert worden wäre. Deshalb nahm ich damals von Salzburg und der Rechtsgelehrsamkeit Abschied''«. [[1901]] wurde eine Synagoge in der [[Lasserstraße]] und ein jüdischer Friedhof in [[Aigen]] eingerichtet. |
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| | Mit der Emanzipation wuchs auch der Antisemitismus, so führten mehrere Vereine in Salzburg einen Arierparagraphen ein und Gemeinden wie [[Mattsee]], [[Mittersill]] und [[St. Johann im Pongau]] fällten judenfeindliche Gemeinderatsbeschlüsse ("Sommerfrischen-Antisemitismus"). Trotz des radikalen Antisemitismus wurde Salzburg ein beliebtes Urlaubsziel für das jüdische Bürgertum ([[St. Gilgen]], [[Bad Gastein]] und andere Orte). | | Mit der Emanzipation wuchs auch der Antisemitismus, so führten mehrere Vereine in Salzburg einen Arierparagraphen ein und Gemeinden wie [[Mattsee]], [[Mittersill]] und [[St. Johann im Pongau]] fällten judenfeindliche Gemeinderatsbeschlüsse ("Sommerfrischen-Antisemitismus"). Trotz des radikalen Antisemitismus wurde Salzburg ein beliebtes Urlaubsziel für das jüdische Bürgertum ([[St. Gilgen]], [[Bad Gastein]] und andere Orte). |
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| − | In den [[1920er]] Jahren bildeten die [[Salzburger Festspiele]] einen Anziehungspunkt für die künstlerische Elite, in der der jüdische Beitrag groß war. Bedeutende Namen aus dieser Zeit sind zB [[Max Reinhardt]] und [[Stefan Zweig]]. | + | In den [[1920er]]-Jahren bildeten die [[Salzburger Festspiele]] einen Anziehungspunkt für die künstlerische Elite, in der der jüdische Beitrag groß war. Bedeutende Namen aus dieser Zeit sind z. B. [[Max Reinhardt]] und [[Stefan Zweig]]. |
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| | Nach der Machtübernahme der [[Nationalsozialisten]] in Österreich ([[1938]]) begann eine massive Verfolgung. Jüdischer Besitz wurde [[Arisierungen im Bundesland Salzburg|"arisiert"]], wer Glück hatte, konnte fliehen. Wie der Zeitungsdokumentation des Historikers [[Siegfried Göllner]] über das Jahr 1938 zu entnehmen ist, wurde den jüdischen Ärzten mit Kassenvertrag bereits am [[1. Juni]] [[1938]] der Kassenvertrag gekündigt. Auch da Tragen von Trachten wurde Juden per Erlass verboten. | | Nach der Machtübernahme der [[Nationalsozialisten]] in Österreich ([[1938]]) begann eine massive Verfolgung. Jüdischer Besitz wurde [[Arisierungen im Bundesland Salzburg|"arisiert"]], wer Glück hatte, konnte fliehen. Wie der Zeitungsdokumentation des Historikers [[Siegfried Göllner]] über das Jahr 1938 zu entnehmen ist, wurde den jüdischen Ärzten mit Kassenvertrag bereits am [[1. Juni]] [[1938]] der Kassenvertrag gekündigt. Auch da Tragen von Trachten wurde Juden per Erlass verboten. |
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| − | [[Datei:Krimmler Achental.jpg|thumb|Letzte Station auf Salzburger Gebiet der Juden als [[Displaced Persons]] bei der so genannten [[Krimmler Judenflucht]] 1947 war das [[Krimmler Tauernhaus]] im [[Krimmler Achental]]]]
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| − | [[Datei:Krimmler Tauernhaus.jpg|thumb|Krimmler Tauernhaus, Alpine Peace Crossing 2010]]
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| | Diese Unterdrückungsmaßnahmen hatten zur Folge, dass die jüdische Gemeinde in Salzburg nach dem Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] klein blieb. | | Diese Unterdrückungsmaßnahmen hatten zur Folge, dass die jüdische Gemeinde in Salzburg nach dem Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] klein blieb. |
| | Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern entstanden in Stadt und Land Salzburg mehrere Siedlungen jüdischer »Displaced Persons«. Es kam zur [[Krimmler Judenflucht]], deren seit einigen Jahren im Rahmen des [[Alpine Peace Crossing]] gedacht wird. In Salzburg bildete sich ein jüdisches Komitee. Die ersten der befreiten Juden wurden im [[Sigmundsstollen]] (im [[Mönchsberg]]) in einer zum bombensicheren Bunker ausgebauten Bergfestung untergebracht. Gleichzeitig entstand in [[Bad Gastein]] ein Lager von versprengten jüdischen KZ-Überlebenden. | | Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern entstanden in Stadt und Land Salzburg mehrere Siedlungen jüdischer »Displaced Persons«. Es kam zur [[Krimmler Judenflucht]], deren seit einigen Jahren im Rahmen des [[Alpine Peace Crossing]] gedacht wird. In Salzburg bildete sich ein jüdisches Komitee. Die ersten der befreiten Juden wurden im [[Sigmundsstollen]] (im [[Mönchsberg]]) in einer zum bombensicheren Bunker ausgebauten Bergfestung untergebracht. Gleichzeitig entstand in [[Bad Gastein]] ein Lager von versprengten jüdischen KZ-Überlebenden. |
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| | [[1953]] wurde die [[Israelitische Kultusgemeinde Salzburg]] neu gegründet. 1990 lebten ca. 100 Juden in Stadt und Land Salzburg. | | [[1953]] wurde die [[Israelitische Kultusgemeinde Salzburg]] neu gegründet. 1990 lebten ca. 100 Juden in Stadt und Land Salzburg. |
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| − | * siehe dazu auch [[Novemberpogrom]]
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| | ==Literatur== | | ==Literatur== |
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| | * [[Adolf Altmann|Altmann, Adolf]], ''Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg'', Otto Müller Verlag Salzburg 1990 | | * [[Adolf Altmann|Altmann, Adolf]], ''Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg'', Otto Müller Verlag Salzburg 1990 |
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| | * [[Albert Lichtblau|Lichtblau, Albert]], „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Salzburg. Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, Band 17/2, Oldenbourg Verlag Wien München 2004 | | * [[Albert Lichtblau|Lichtblau, Albert]], „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Salzburg. Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, Band 17/2, Oldenbourg Verlag Wien München 2004 |
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| | * [[Marko Feingold|Feingold, Marko]], ''Ein ewiges Dennoch - 125 Jahre Juden in Salzburg'', Böhlau Verlag Wien - Köln - Weimar 1993 | | * [[Marko Feingold|Feingold, Marko]], ''Ein ewiges Dennoch - 125 Jahre Juden in Salzburg'', Böhlau Verlag Wien - Köln - Weimar 1993 |
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| | * Wilhelm Wadl, ''Geschichte der Juden in Kärnten im Mittelalter'', Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 1992 | | * Wilhelm Wadl, ''Geschichte der Juden in Kärnten im Mittelalter'', Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 1992 |
| | + | * [[Daniela Ellmauer]], [[Helga Embacher]], [[Albert Lichtblau]] (Hrsg.), ''Geduldet, verschmäht und vertrieben'', [[Otto Müller Verlag]] Salzburg 1998 |
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| − | * [[Daniela Ellmauer]], [[Helga Embacher]], [[Albert Lichtblau]] (Hrsg.), ''Geduldet, verschmäht und vertrieben'', [[Otto Müller Verlag]] Salzburg 1998 | + | == Weblink == |
| | + | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19111215&seite=5&zoom=33 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], Ausgabe vom 15. Dezember 1911, über einen Vortrag vom Salzburger Rabbiner [[Adolf Altmann]] über die Geschichte der Juden in Salzubrg |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
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| | * Eveline Brugger, Martha Keil, Albert Lichtblau, Christoph Lind, Barbara Staudinger, "Geschichte der Juden in Österreich", Ueberreuther, Wien, 2006 | | * Eveline Brugger, Martha Keil, Albert Lichtblau, Christoph Lind, Barbara Staudinger, "Geschichte der Juden in Österreich", Ueberreuther, Wien, 2006 |
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| | + | ==== Einzelnachweis ==== |
| | + | <references/> |
| | [[Kategorie:Geschichte]] | | [[Kategorie:Geschichte]] |
| | [[Kategorie:Religion]] | | [[Kategorie:Religion]] |
| | [[Kategorie:Judentum in Salzburg|!]] | | [[Kategorie:Judentum in Salzburg|!]] |