| | Johann Evangelist Schmid stammte aus Wangen im Allgäu, wo er zunächst das Schreinerhandwerk und dann, bei Samuel Oexle<ref>Dessen Sohn Caspar Oechsle als letzter Reichsabt von Salem einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat; siehe Wikipedia: [https://de.wikipedia.org/wiki/Caspar_Oechsle], aufgerufen am 21. September 2015.</ref> in Schömberg, die Orgelbaukunst erlernte. Danach begab er sich auf Wanderschaft: zuerst nach Wien, wo er fünf Jahre verbrachte, dann nach Budapest, weiter über Böhmen nach Dresden und nach Leipzig und schließlich nach Augsburg. | | Johann Evangelist Schmid stammte aus Wangen im Allgäu, wo er zunächst das Schreinerhandwerk und dann, bei Samuel Oexle<ref>Dessen Sohn Caspar Oechsle als letzter Reichsabt von Salem einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat; siehe Wikipedia: [https://de.wikipedia.org/wiki/Caspar_Oechsle], aufgerufen am 21. September 2015.</ref> in Schömberg, die Orgelbaukunst erlernte. Danach begab er sich auf Wanderschaft: zuerst nach Wien, wo er fünf Jahre verbrachte, dann nach Budapest, weiter über Böhmen nach Dresden und nach Leipzig und schließlich nach Augsburg. |
| − | In Augsburg arbeitet er über ein Jahr bei dem berühmten Klavier- und [[Orgelbauer]] Johann Andreas Stein, da er sich ''… in Hinsicht der Klavier-Instrumente noch zu schwach'' [fühlte]. ''... Stein verdankte er auf diesem Gebiet alles''<ref>[[Benedikt Pillwein|Pillwein, Benedikt]]: ''Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer theils verstorbener theils lebender Künstler, auch solcher, welche Kunstwerke für Salzburg lieferten e''[t]''c'', Salzburg: [[Johann Baptist Mayr|Mayr’sche Buchhandlung]] 1821, S. 209.</ref>. Dort dürfte er die Bekanntschaft mit [[Leopold Mozart]] gemacht haben, der einige seiner Klaviere an Salzburger Bürger vermittelte. Im Auftrag von [[Fürsterzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo]] fragte Leopold Mozart bei Schmidt, der seine Werkstätte mittlerweile in Stühlingen hatte, nach, ob er nicht die Stelle des Salzburger Hoforgelmachers übernehmen wolle, weil Hoforgelmacher [[Johann Rochus Egedacher]] am [[14. Juni]] [[1785]] verstorben sei. Nach seiner Zusage erhielt Schmidt am [[20. November]] [[1785]] das Salzburger Hoforgelmacherdekret. Im Jänner 1786 wollte er nach Salzburg ziehen und sein Quartier im [[Amannhaus]], [[Getreidegasse]] 21 aufschlagen, sein Gehalt war schon vereinbart worden und betrug monatlich 19 [[Gulden]]<ref>Wilhelm A. Bauer / Otto Erich Deutsch: ''Mozart. Briefe und Aufzeichnungen''. Kassel u.a. 1963, Bd. III, Nr. 904, Z. 55-60.</ref>. Die günstige Auftragslage ermöglichte ihm dann, eine Etage im [[Elephantenhaus]], [[Kajetanerplatz]] 3, zu erwerben, am [[10. September]] [[1801]] kauft er das ''[[Benefiziatenhaus Imberg]] an der Kapuzinerstiege'' (jetzt [[Imbergstiege]] 4), in das er im Jahre 1800 gezogen war. Neben diesem Haus wollte er auch ein Windrad errichten, das über einen Seilzug eine Säge und einen Schleifstein betreiben sollte. Wegen der Befürchtung der Nachbarn, dass die ''Mühle'' den Blitz anzöge, musste er sie wieder abtragen. | + | In Augsburg arbeitet er über ein Jahr bei dem berühmten Klavier- und [[Orgelbauer]] Johann Andreas Stein, da er sich ''… in Hinsicht der Klavier-Instrumente noch zu schwach'' [fühlte]. ''... Stein verdankte er auf diesem Gebiet alles''<ref>[[Benedikt Pillwein|Pillwein, Benedikt]]: ''Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer theils verstorbener theils lebender Künstler, auch solcher, welche Kunstwerke für Salzburg lieferten e''[t]''c'', Salzburg: [[Johann Baptist Mayr|Mayr’sche Buchhandlung]] 1821, S. 209.</ref>. Dort dürfte er die Bekanntschaft mit [[Leopold Mozart]] gemacht haben, der einige seiner Klaviere an Salzburger Bürger vermittelte. Im Auftrag von [[Fürsterzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo]] fragte Leopold Mozart bei Schmid, der seine Werkstätte mittlerweile in Stühlingen hatte, nach, ob er nicht die Stelle des Salzburger Hoforgelmachers übernehmen wolle, weil Hoforgelmacher [[Johann Rochus Egedacher]] am [[14. Juni]] [[1785]] verstorben sei. Nach seiner Zusage erhielt Schmid am [[20. November]] [[1785]] das Salzburger Hoforgelmacherdekret. Im Jänner 1786 wollte er nach Salzburg ziehen und sein Quartier im [[Amannhaus]], [[Getreidegasse]] 21 aufschlagen, sein Gehalt war schon vereinbart worden und betrug monatlich 19 [[Gulden]]<ref>Wilhelm A. Bauer / Otto Erich Deutsch: ''Mozart. Briefe und Aufzeichnungen''. Kassel u.a. 1963, Bd. III, Nr. 904, Z. 55-60.</ref>. Die günstige Auftragslage ermöglichte ihm dann, eine Etage im [[Elephantenhaus]], [[Kajetanerplatz]] 3, zu erwerben, am [[10. September]] [[1801]] kauft er das ''[[Benefiziatenhaus Imberg]] an der Kapuzinerstiege'' (jetzt [[Imbergstiege]] 4), in das er im Jahre 1800 gezogen war. Neben diesem Haus wollte er auch ein Windrad errichten, das über einen Seilzug eine Säge und einen Schleifstein betreiben sollte. Wegen der Befürchtung der Nachbarn, dass die ''Mühle'' den Blitz anzöge, musste er sie wieder abtragen. |
| − | Seine Zeitgenossen bewunderten seine Klaviere, insbesondere seine ''pyramidenförmigen Fortepianos''. Wenig ist über seine Qualitäten als Orgelbauer in Salzburg bekannt, weil durch seinen frühen Tod nur wenige Orgelprojekte zur Ausführung kamen. Als fortschrittlicher Orgelbauer war er in Salzburg auf eine rückständige Orgelbautradition gestoßen. Verbittert schrieb er z. B. in einem Befund, dass die Orgel der [[Kollegienkirche]] Salzburg von einer ''Beschränktheit'' [sei]'', die in keiner Gegend Deutschlands mehr anzutreffen ist. Ueberall haben die Manuale über vier Oktaven im Umfang, nur hier ist noch die sogenannte [[Klaviatur#Entwicklung der Klaviaturen mit 12 Tasten pro Oktave|kurze Oktav]] üblich; es mangeln da die halben Töne zwischen c. d.'' (=Cis und Dis fehlen) ''und in den meisten Orgel auch f# und g#'' (=Fis und Gis fehlen). ''Zu einer Zeit wo die Tonsetzter ihre Werke nur in 6 oder 8 Tonarten darstellten, und keine Mitteltönne zur Tonnika wählten, reichten die kurzen Oktaven leicht zu: jetzt aber, wo aus 24 Tonarten Musikwerker vorhanden sind, klingt die Sache so mager ...''<ref>Universitätsarchiv Salzburg: ''Universitätsakten Nr. 29''. Zit. nach Gerhard Walterskirchen: ''Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart''. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation Salzburg 1982, S. 118.</ref>. | + | Seine Zeitgenossen bewunderten seine Klaviere, insbesondere seine ''pyramidenförmigen Fortepianos''. Wenig ist über seine Qualitäten als Orgelbauer in Salzburg bekannt, weil durch seinen frühen Tod nur wenige Orgelprojekte zur Ausführung kamen. Als fortschrittlicher Orgelbauer war er in Salzburg auf eine rückständige Orgelbautradition gestoßen. Verbittert schrieb er z. B. in einem Befund, dass die Orgel der [[Kollegienkirche]] Salzburg von einer ''Beschränktheit'' [wäre]'', die in keiner Gegend Deutschlands mehr anzutreffen'' [sei]''. Ueberall haben die Manuale über vier Oktaven im Umfang, nur hier ist noch die sogenannte [[Klaviatur#Entwicklung der Klaviaturen mit 12 Tasten pro Oktave|kurze Oktav]] üblich; es mangeln da die halben Töne zwischen c. d.'' (=Cis und Dis fehlen) ''und in den meisten Orgel auch f# und g#'' (=Fis und Gis fehlen). ''Zu einer Zeit wo die Tonsetzter ihre Werke nur in 6 oder 8 Tonarten darstellten, und keine Mitteltönne zur Tonnika wählten, reichten die kurzen Oktaven leicht zu: jetzt aber, wo aus 24 Tonarten Musikwerker vorhanden sind, klingt die Sache so mager ...''<ref>Universitätsarchiv Salzburg: ''Universitätsakten Nr. 29''. Zit. nach Gerhard Walterskirchen: ''Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart''. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation Salzburg 1982, S. 118.</ref>. |