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| | ==Familie== | | ==Familie== |
| − | [[File:GrabErzbischofKuenburg.JPG|thumb|Grabmal von Fürsterzbischof Maximilianus Gandolphus Graf von Kuenburg im [[Salzburger Dom]]]] | + | [[File:GrabErzbischofKuenburg.JPG|thumb|Grabmal von Fürsterzbischof Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg im [[Salzburger Dom]]]] |
| | Maximilianus Gandolphus Vater war der erzherzoglich-steirische Landesviezedeom Reinprecht Moritz Freiherr von [[Kuenburg (Adelsgeschlecht)|Kuenburg]] (* 1577; † 1638). Zur väterlichen Verwandtschaft gehören auch Max Gandolphs Amtsvorgänger [[Michael von Kuenburg]] (* 1514; † 1560; Fürsterzbischof ab 1554), und [[Georg von Kuenburg]] (* 1530; † 1587). Geboren im Schrattenbach'schen Haus zu Graz im Sack, verlor der geschwisterlose Max Gandolph früh seine Mutter, Helena, geb. von [[Schrattenbach]] (* 1585; † 1623). | | Maximilianus Gandolphus Vater war der erzherzoglich-steirische Landesviezedeom Reinprecht Moritz Freiherr von [[Kuenburg (Adelsgeschlecht)|Kuenburg]] (* 1577; † 1638). Zur väterlichen Verwandtschaft gehören auch Max Gandolphs Amtsvorgänger [[Michael von Kuenburg]] (* 1514; † 1560; Fürsterzbischof ab 1554), und [[Georg von Kuenburg]] (* 1530; † 1587). Geboren im Schrattenbach'schen Haus zu Graz im Sack, verlor der geschwisterlose Max Gandolph früh seine Mutter, Helena, geb. von [[Schrattenbach]] (* 1585; † 1623). |
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| | * [[7. Juli]] [[1668]] Wahl zum Salzburger Fürsterzbischof, am [[18. August]] 1668 zog der neue Fürst von [[Schloss Mirabell]] in seine Residenzstadt ein | | * [[7. Juli]] [[1668]] Wahl zum Salzburger Fürsterzbischof, am [[18. August]] 1668 zog der neue Fürst von [[Schloss Mirabell]] in seine Residenzstadt ein |
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| − | ==Wirken als Fürsterzbischof== | + | ==Der Bau von Kirchen und Klöstern == |
| − | ===Kirchliche Maßnahmen===
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| | Max Gandolph stand fest in der Tradition der katholischen Kirche. Er gründete das [[Kollegiatstift Seekirchen]] (1679), erbaute die [[Ursprungskapelle]], die erste Wallfahrtskirche in [[Maria Plain]], und gründete die Augustinerklöster von [[Augustinerkloster Hallein|Hallein]] und [[Tittmoning]] sowie das [[Theatinerkloster]] zu Salzburg. Auch erneuerte er die [[St. Johannes am Imberg|Imbergkirche]] zu Salzburg und ließ die [[Stadtpfarrkirche St. Erhard|Erhardkirche]] sowie die [[Kajetanerkirche]] errichten. | | Max Gandolph stand fest in der Tradition der katholischen Kirche. Er gründete das [[Kollegiatstift Seekirchen]] (1679), erbaute die [[Ursprungskapelle]], die erste Wallfahrtskirche in [[Maria Plain]], und gründete die Augustinerklöster von [[Augustinerkloster Hallein|Hallein]] und [[Tittmoning]] sowie das [[Theatinerkloster]] zu Salzburg. Auch erneuerte er die [[St. Johannes am Imberg|Imbergkirche]] zu Salzburg und ließ die [[Stadtpfarrkirche St. Erhard|Erhardkirche]] sowie die [[Kajetanerkirche]] errichten. |
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| − | ===Politik=== | + | =sonstige Bautätigkeit== |
| − | ===Religionspolitik===
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| − | Maximilianus Gandolphus initiierte verschiedene Maßnahmen im Sinne der katholischen Gegenreformation. Unter seiner Regierung brach ein neuer [[Protestantenvertreibung|Verfolgungssturm]] gegen die [[Protestanten]] im Lande aus.
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| − | Zunächst gründete er neue Vikariate in den abgelegenen Gebirgstälern, um dort die katholische Religion zu stärken. Nachdem die Missionierungsversuche im [[Osttirol]]er damals salzburgischen [[Defereggental]] und bei den [[Salzbergwerk Dürrnberg|Dürrnberg]]er Bergknappen erfolglos geblieben waren, schritt der Fürsterzbischof zur Ausweisung der Protestanten. In den Jahren 1684 bis 1686 wurden insgesamt 691 [[Protestanten]] wegen ihres Bekenntnisses aus dem Defereggental vertrieben. Um [[1685]] und [[1686]] wurden auch die von [[Joseph Schaitberger]] angeführten Dürrnberger Bergknappen schließlich zur [[Protestantenvertreibung#Der Auszug der Protestanten|Auswanderung]] gezwungen.
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| − | Die Kinder der ausgewiesenen Protestanten wurden allerdings zurückbehalten; Väter, die ihre Söhne heimlich zu entführen suchten, wurden zur [[Galeerenstrafe]] in [[Venedig]] verurteilt. Erst das Eingreifen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (* 1620; † 1688) ermöglichte es einzelnen Kindern, ihren Eltern nachzufolgen.
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| − | ===Rechtsetzung===
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| − | Als weltlicher Fürst seines Landes war Maximilianus Gandolphus sehr auf Recht und Ordnung bedacht und erließ etliche polizeiliche Regelungen:
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| − | * [[Salzburger Feuerlöschordnung]] ([[1677]]) mit dem Gebot der viermaligen Kehrung der Kamine,
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| − | * Ruhe- und Sicherheitsordnung,
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| − | * Almosenordnung ([[1678]]) mit der Einführung eines „[[Bettler in Salzburg|Bettler]]katasters“,
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| − | * Sauberkeitsordnung zur Vermeidung des Gassengießens und Anordnung der Reinigung vor den Häusern einmal je Woche und vor Feierlichkeiten,
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| − | * Infektionsordnung ([[1679]]) usw.
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| − | ===Bautätigkeit===
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| | [[Datei:Wappen von Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg am Kanonikalhaus Mozartplatz Nr 8.jpg|thumb| [[Wappen]] von Maximilianus Gandolphus Graf von Kuenburg am [[Kanonikalhaus]] für die [[Domherr]]en aus der Familie Kuenburg <br/> [[Mozartplatz]] Nr. 8 ]] | | [[Datei:Wappen von Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg am Kanonikalhaus Mozartplatz Nr 8.jpg|thumb| [[Wappen]] von Maximilianus Gandolphus Graf von Kuenburg am [[Kanonikalhaus]] für die [[Domherr]]en aus der Familie Kuenburg <br/> [[Mozartplatz]] Nr. 8 ]] |
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| | Die Bautätigkeit des Fürsten zog zahlreiche namhafte Künstler an, darunter den aus [[Laufen]] stammenden bedeutenden Maler [[Johann Michael Rottmayr]] (1654 - 1730). Max Gandolph war ein Freund und Förderer von Wissenschaft und Gelehrsamkeit, wie u.a. die Gründung der nachmals nach ihm benannten Salzburger Hofbibliothek zeigt. | | Die Bautätigkeit des Fürsten zog zahlreiche namhafte Künstler an, darunter den aus [[Laufen]] stammenden bedeutenden Maler [[Johann Michael Rottmayr]] (1654 - 1730). Max Gandolph war ein Freund und Förderer von Wissenschaft und Gelehrsamkeit, wie u.a. die Gründung der nachmals nach ihm benannten Salzburger Hofbibliothek zeigt. |
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| − | ===Die grausame Verfolgung Bettlerbuben in den ''Hexenprozessen''=== | + | ==Vertreibung der Protestanten== |
| | + | Maximilianus Gandolphus initiierte verschiedene Maßnahmen im Sinne der katholischen Gegenreformation. Unter seiner Regierung brach ein neuer [[Protestantenvertreibung|Verfolgungssturm]] gegen die [[Protestanten]] im Lande aus. |
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| | + | Zunächst gründete er neue Vikariate in den abgelegenen Gebirgstälern, um dort die katholische Religion zu stärken. Nachdem die Missionierungsversuche im [[Osttirol]]er damals salzburgischen [[Defereggental]] und bei den [[Salzbergwerk Dürrnberg|Dürrnberg]]er Bergknappen erfolglos geblieben waren, schritt der Fürsterzbischof zur Ausweisung der Protestanten. In den Jahren 1684 bis 1686 wurden insgesamt 691 [[Protestanten]] wegen ihres Bekenntnisses aus dem Defereggental vertrieben. Um [[1685]] und [[1686]] wurden auch die von [[Joseph Schaitberger]] angeführten Dürrnberger Bergknappen schließlich zur [[Protestantenvertreibung#Der Auszug der Protestanten|Auswanderung]] gezwungen. |
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| | + | Die Kinder der ausgewiesenen Protestanten wurden allerdings zurückbehalten; Väter, die ihre Söhne heimlich zu entführen suchten, wurden zur [[Galeerenstrafe]] in [[Venedig]] verurteilt. Erst das Eingreifen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (* 1620; † 1688) ermöglichte es einzelnen Kindern, ihren Eltern nachzufolgen. |
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| | + | ==Rechtsetzung== |
| | + | Als weltlicher Fürst seines Landes war Maximilianus Gandolphus sehr auf Recht und Ordnung bedacht und erließ etliche polizeiliche Regelungen: |
| | + | * [[Salzburger Feuerlöschordnung]] ([[1677]]) mit dem Gebot der viermaligen Kehrung der Kamine, |
| | + | * Ruhe- und Sicherheitsordnung, |
| | + | * Almosenordnung ([[1678]]) mit der Einführung eines „[[Bettler in Salzburg|Bettler]]katasters“, zur "Bekämpfung" der Zahl der Bettler |
| | + | * Sauberkeitsordnung zur Vermeidung des Gassengießens und Anordnung der Reinigung vor den Häusern einmal je Woche und vor Feierlichkeiten, |
| | + | * Infektionsordnung ([[1679]]) usw. |
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| | + | ==Die grausame Verfolgung v.a. von Bettlerbuben (''Hexenprozesse'')== |
| | Unter Maximilianus Gandolphus setzte heute eine kaum mehr erklärbare [[Hexenprozesse|Hexenverfolgung]] ein. Unter seiner Regentschaft kam es zu 153 Todesurteilen nach Hexenprozessen. | | Unter Maximilianus Gandolphus setzte heute eine kaum mehr erklärbare [[Hexenprozesse|Hexenverfolgung]] ein. Unter seiner Regentschaft kam es zu 153 Todesurteilen nach Hexenprozessen. |
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| | Gemeinsam mit der Verfolgung der Protestanten zeigt diese Hinrichtungswelle eine sehr bedenkliche und unwürdige Haltung Max Gandolfs als Erzbischof auf. | | Gemeinsam mit der Verfolgung der Protestanten zeigt diese Hinrichtungswelle eine sehr bedenkliche und unwürdige Haltung Max Gandolfs als Erzbischof auf. |
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| − | === Nepotismus ===
| + | == Nepotismus == |
| | Max Gandolphs Nepotismus zeigte sich z. B. an einigen für seine Familie erfolgten Bauführungen. Max Gandolph begünstigte aber nicht nur seine engere Familie, sondern auch seine weitverzweigte Verwandtschaft, die er mit Ämtern und Gütern reich bedachte. Max Gandolphs Günstling [[Augustin Friedrich Freiherr von Hegi]] fiel in Ungnade, nachdem er sich unvorsichtigerweise zu einer kritischen Äußerung an dieser Freunderlwirtschaft hinreißen hatte lassen. Max Gandolph enthob ihn aller seiner Ämter und verwehrte ihm den Zutritt zum [[Salzburger Fürstenhof|Fürstenhof]]. | | Max Gandolphs Nepotismus zeigte sich z. B. an einigen für seine Familie erfolgten Bauführungen. Max Gandolph begünstigte aber nicht nur seine engere Familie, sondern auch seine weitverzweigte Verwandtschaft, die er mit Ämtern und Gütern reich bedachte. Max Gandolphs Günstling [[Augustin Friedrich Freiherr von Hegi]] fiel in Ungnade, nachdem er sich unvorsichtigerweise zu einer kritischen Äußerung an dieser Freunderlwirtschaft hinreißen hatte lassen. Max Gandolph enthob ihn aller seiner Ämter und verwehrte ihm den Zutritt zum [[Salzburger Fürstenhof|Fürstenhof]]. |
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