Ortsnamen im Land Salzburg
Etymologie der Salzburger Stadtteil- und einiger umliegender Ortsnamen.
Als erstes zum Namen Salzburg selbst: Während der römischen Besiedlung der Provinz Noricum, wahrscheinlich aber schon früher, trug die Stadt die Bezeichnung Iuvavum. Dieser Name blieb zunächst traditionsgemäß bis in das späte Mittelalter in Gebrauch, in offiziellen Urkunden erscheint Iuvavum und vor allem das Adjektiv Iuvavensis noch viel später. Die Etymologie von Iuvavum ist sehr kompliziert, es existieren dazu verschiedene Hypothesen. Hier sei dazu nur soviel gesagt, dass es sich bei Iuvavum um ein vorrömisches, evt. alteuropäisches Substratwort handelt.
Seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. jedoch, als allmählich auch althochdeutsche Sprachformen schriftlich fixiert wurden, trat das mit den Römern in Verbindung gebrachte Iuvavum in den Hintergrund zugunsten der auf dem Salzhandel basierenden deutschen Bezeichnung. Gerade das fast gleichzeitige Aufkommen der neuen Flussbezeichnung Salzach und des Stadtnamens Salzburg ist ein einzigartiges Phänomen der Namenkunde und scheint auf einen gewollten Bruch mit der römisch/romanischen Tradition abgezielt zu haben.
Die erste Bezeugung von Salzburg findet sich in der „Vita Bonifatii“, der Lebensbeschreibung des Hl. Bonifatius, die bald nach dessen Tod im Jahre 754 von Willibald, einem angelsächsischen Priester, abgefasst wurde. In diesem wertvollen Dokument, erhalten in einer nur wenig jüngeren Abschrift des verlorenen Originals, die in der bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt wird, erscheint der Stadtname in seiner ältesten Gestalt: salzpurch. Zum zweitenmal taucht der Name in der „Notitia Arnonis“ auf als salzburch, mit stimmhaftem b, was auf eine noch nicht gefestigte Schreibung hindeutet, die phonetische Unterschiede recht genau wiedergibt.
Betrachtet man die Wortbildung, so ist Salzburg eine Wortzusammensetzung, in der der zweite Bestandteil durch den ersten in seiner Bedeutung präzisiert wird - also, ganz allgemein formuliert, eine 'Stadt, in der Salz eine wesentliche Rolle spielte'. Die historischen Fakten, nämlich der Salzhandel und seine wesentlichen wirtschaftlichen Konsequenzen, vermögen diese Bezeichnung überzeugend zu motivieren. - Die Übertragung des bloßen Stadtnamens auf das Land setzt erst im Spätmittelalter ein und ist in Verbindung zu bringen mit den territorialen Verhältnissen des Erzbistums.
Als Stadtteile Salzburgs werden heute zwischen 23 bis 26 Gebiete aufgefasst, die aber nicht genau voneinander abgegrenzt sind (und nicht mit der verwaltungsmäßigen Einteilung in Katastralgemeinden ident sind).
Abfalter kommt von ahd. Aphalter = Apfelbaum, der wohl einmal hier gewachsen sein muss. - Außerdem gibt es in der Sage einen Riesen Abfalter: Vor mehreren hundert Jahren hauste auch der Riese Abfalter auf dem Untersberge. Noch sieht man einen großen Felsgraben auf dem Rücken des Berges, der ihm zum Lager diente. Die Hügel von Wald, Liefering und Maxglan sowie die Golferhügel da und dort, auf denen jetzt meistens Kirchen stehen, sollen von den Steinen herrühren, die er bisweilen zum Zeitvertreib herabwarf. Am Fuße des Gaisberges soll er einst einer Riesenjungfrau begegnet sein, welche, vom Abersee kommend, Steine in der Schürze trug, um auf selben als Trittsteinen über die Salzach zu schreiten, selbe aber unterwegs unbemerkt bei Plainfeld verloren hatte, weil die Schürze ein Loch bekam. Abfalter soll sie dann über die Salzach getragen haben.
Aigen war ursprünglich nur der Name des 1402 zum ersten Mal urkundlich genannten hier gelegenen Ansitzes und wurde später auf die ganze Siedlung bzw. Gegend übertragen. Ein aigen, mhd. eigen bedeutet „Eigentum, namentlich ererbtes Grundeigentum“, also einen freien Eigenbesitz im Gegensatz zum Lehen. Ein Aigner ist ein freier Bauer, der ein nicht abgabepflichtiges Gut („Aigen“) besitzt. – Am 1. 1. 1939 nach Salzburg eingemeindet.
Aiglhof: nach dem dominanten Adelssitz Lindhof, den einst das Geschlecht der Aigl besaß und das seit 1604 dem Stift St. Peter gehört. „Aigl“ könnte dieselbe Herkunft haben wie „Aigen“ (s.o.)
Alpensiedlung: wurde nach der 1936/37 durch noch unverbautes Auland der Salzach angelegten Alpenstraße benannt. Der eigentliche Stadtteil ist erst im Zug des stürmischen Bevölkerungswachstums Salzburgs nach dem 2. Weltkrieg entstanden.
Andräviertel: bezeichnet nach der hier gelegenen Stadtpfarrkirche St. Andrä. Eine dem Apostel Andreas geweihte Kirche stand ursprünglich an jener Ecke des Platzls, wo Linzer Gasse und Dreifaltigkeitsgasse aufeinander treffen. Diese wurde 1861 wegen besserer Zufahrtsmöglichkeiten durch die Linzer Gasse abgerissen und 1892 - 98 durch die jetzige Kirche am Mirabellplatz ersetzt.
Äußerer Stein: Gebiet am äußeren Ende der Steingasse. Auf dieser Stufe des Kapuzinerbergs wurden schon in der frühesten Siedlungszeit vor der Salzach geschützte Häuser gebaut, die buchstäblich „auf dem Stein“ standen.
Burgfried: wahrscheinlich alter Siedlungskern Maxglans. Mit „Burgfried“ bezeichnete man im Mittelalter den erhöhten rechtlichen Schutz ummauerter Plätze, später auch allgemein das unmittelbare Stadtgebiet.
Elisabethvorstadt: hieß früher Froschheim (nach den hier früher gelegenen Auen der Salzach mit ihren vielen Fröschen?) und wurde 1901 aus Anlass der Enthüllung des Kaiserin-Elisabeth-Denkmals vor dem (alten) Hotel Europa nach der Kaiserin („Sissy“, 1837 – 1898) umbenannt.
Esch: Siedlungsname nach den dort wachsenden Eschen.
Gaisberg: Um 700 als „Keizperch“ und „Gaisloberch“ nachgewiesen. Auf dem Berg hatten die Anrainer die Weiden für ihre Geißen.
Glanhofen von „Hof/Höfe an der Glan“: Der Flussname Glan, rivolus Glane, ist schon um 700 urkundlich belegt. Nach Hörburger kommt er aus dem keltischen „glan“, wo er „rein“, „lauter“, „schön“ bedeutet.
Glas: Der Name der schon um 700 genannten Ortschaft lässt sich nach Hörburger mit althochdeutsch glas = „gläsern, glänzend“ in Verbindung bringen, aus idg."*ghlé/ghló", vgl. germ."glít", anord."glitra", ahd."glizzan", asächs."glita", aslav."gledati"; oft im Zusammenhang mit Sumpf/Moorworten; benennt auch Orte der Verehrung der chtonischen Göttin (chtonisch = der Erde zugehörig; die frühesten menschlichen Kulturen verehrten wahrscheinlich die Große Göttin, als Gaia, die Göttin der Erde. Gaia ist griechisch, ihr ursprünglicher Name ist nicht mehr bekannt. Man sagt, dass die älteste Vorstellung von ihr die der Erde selbst war).
Glasenbach ist die Gegend am Bach durch den Ort Glas.
Für Gneis gibt es zwei Erklärungsversuche: Hörburger leitet es vom romanischen „canales“ = Wasserrinne ab. Zillner sieht darin auf Grund der auch vorkommenden Schreibungen „Gnälls“ und „Gnäusel“ ein mundartlich entstelltes „Knaus“ oder „Knäuslein“, d.i. ein Ansatz außen am Brotlaib, dem die Gegend, eine alte Uferterrasse der Salzach, ähnelt.
Gnigl ist eigentlich der Name des Guggenthaler oder Alterbachs, er wird 790 als „glanicle“ erstmals urkundlich genannt und ist möglicherweise eine Verkleinerungsform von „glan“ (siehe dort). – Am 1. Juli 1935 nach Salzburg eingemeindet.
Herrnau: -au ist oberdeutsch ein Hinweis auf Wasser, kommt entweder von mittelhochdeutsch ouwa oder eingedeutscht für das slawische –ow. Schon 1574 wurde ein Teil der Hellbrunner Au nach den Besitzverhältnissen als Herrnau bezeichnet. 1631 erhielt auch das neue dort errichtete Herrenhaus (Eschenbachg. 21) diesen Namen.
Itzling, altdeutsch Uzilinga, gehört zu den Ortsnamen auf –ing. Die ing-Namen stellen eine sehr alte Namensschicht innerhalb des sich ab dem 7./8. Jahrhundert etablierenden althochdeutschen Namenkorpus dar. Wenn man die Funktion dieses wohl produktivsten germanischen Suffixes betrachtet, so bezeichnet es ganz allgemein gesagt die Zugehörigkeit entweder zu einer Person (vgl. ahd. edeling 'Edler') oder zu einer Sache. Einen sehr großen Teil der ahd. -ing-Bildungen in den Ortsnamen bildet die Ableitung zu Personennamen. Es handelt sich demnach um einen Insassennamentyp, der in Folge auf die Ortschaften übertragen wurde. Dieser Typus scheint in althochdeutscher Zeit neben mehreren Formen vor allem im Nominativ Plural mit der Endung -a auf (vgl. die Formen der Erstnennung in der Notitia Arnonis N. Pl. uzilinga und liueringa). Er bezeichnet die Personengruppe um die im Stamm genannte Person und ist dann auf die Siedlungsstelle, wo diese Personengruppe sesshaft gewesen war, übertragen worden. Eine Unmenge an weiteren ebenso gebildeten -ing-Namen lässt sich anführen (vgl. die alten Notitia Arnonis-Namen Aching/Eching, Pabing, Anthering u.v.a.), was die Produktivität dieses Ortsnamentyps augenfällig demonstriert. Itzling bedeutet daher soviel wie Heim, Hof, Siedlung der Sippe Uzzo. / Am 1. Juli 1935 nach Salzburg eingemeindet.
Josefiau: Das Siedlungsgebiet entstand 1932 durch Rodungen der Salzachau (-au ist oberdeutsch ein Hinweis auf Wasser, kommt entweder von mittelhochdeutsch ouwa oder eingedeutscht für das slawische –ow) und übernahm den Namen von der hier gelegenen Kapelle St. Josef, die 1677 vom reichen Handelsmann Abraham Zillner bei seinem Ansitz errichtet worden war und in der Folge dem Gut samt Schlösschen den Namen „St. Josefs-Hof“ verschaffte (heute als Castellani Parkhotel Kasererhof genutzt).
Kasern kommt aus der uralten Wortfamilie hebräisch chatzer (chaser) = Hof , lateinisch casa = Haus, auf vielen Almen als „Kaser“ erhalten. Das Wort Käse hat demgegenüber eine andere Sprachwurzel und kommt von lateinisch "caseus" = Labkäse, was ebenso wie die Herkunft von „Sennerin“ aus lateinisch "seniora" belegt, dass die zugewanderten Bajuwaren vor rund 1.500 Jahren die Almwirtschaft von der romanisch-keltischen Bevölkerung übernahmen.
Kleingmain: Gmain (in Großgmain) hat sich in seiner ursprünglichen Form Mona (urkundlich 9. Jh.) bisher allen Deutungsversuchen widersetzt. Die lautliche Weiterentwicklung legt eine volksetymologische Umdeutung nahe, so dass der Name heute wohl in seiner dialektalen Form gmoa als Gemeinde zu interpretieren ist.
Langwied ist ein alter Flurname und enthält den altdeutschen Wortbestandteil wid = Holz.
Lehen. Wahrscheinlich kommt der Name von früher hier gelegenen „Lehen“ = kleinen Bauerngütern. Das Gebiet zwischen heutiger Bahn, Glan und Glandurchstich sowie Salzach liegt im Bereich einer Alluvialterrasse, die im Gegensatz zu den höher gelegenen Stadtterrassen ständig von Überschwemmungen der Glan und der Salzach bedroht war. Zwischen der alten Vorstadt Mülln und dem uralten Bauern- und Fischerort Liefering gab es hier nur einige verstreut liegende Höfe nahe der Straße und eine kleine Gruppe von Anwesen, die neben Landbewirtschaftung die Wasserkraft des vermutlich im 14. Jahrhundert von der Glan abgezweigten Gailenbachs nutzten. - Franz Valentin Zillner leitet den Namen alternativ von „Loh“, „Löhen“ = nasse, sumpfige Stellen her, weil dieses nahe dem Zusammenfluss von Saalach und Salzach gelegene Gebiet ursprünglich sehr wasserreich und sumpfig war. Er nannte den Streifen zwischen Glan und Mühlbach das "salzburgische Mesopotamien“ (Zweistromland) und beschrieb das Gebiet in der zweiten Hälfte des 19. Jh. so: "Wer nach starkem Sommerregen bei eintretender Abendkühle etwa von der Öde des einstigen Mönchsteinturmes gegen Liefering ausblickt, dem wird ohne Zweifel der stets auftretende Nebelstrich und die blinkenden, bandartigen, übervollen Wasserstreifen beider Bäche ins Auge fallen, an denen der Vorort Lehen liegt." Leopoldskron: Das Moor südlich des Mönchsberges wurde erst im 18. Jahrhundert kultiviert. An einem schon vorher bestehenden Weiher ließ Erzbischof Leopold Anton von Firmian 1736 – 1740 ein Schloss errichten, das Keimzelle der Ansiedlung wurde. Das Schloss blieb bis 1828 im Besitz der Grafen von Firmian, danach gab es häufige Besitzerwechsel. Bis 1938 gehörte es Max Reinhardt, dann enteigneten es die Nazis. Nach dem Weltkrieg wurde es an die Erben Reinhardts restituiert, die es 1969 an die US-Stiftung „Salzburg Seminar“ verkauften. – Am 1. 1. 1939 nach Salzburg eingemeindet.
Liefering: Urkundlicher Erstbeleg „Liueringa“ (in den Breves Notitiae, ca. 8. Jh.). Ein weiterer Ortsname auf –ing (Beschreibung siehe Itzling) mit der Bedeutung „Heim, Hof, Siedlung der Sippe Liuphari oder Liupheri, was mit großer Wahrscheinlichkeit ein romanischer Personenname und von lateinisch „liber“ = 'frei(geboren)' abgeleitet ist. – Am 1. 1. 1939 nach Salzburg eingemeindet.
Loig kommt von ad. „leug“ = warmes Bad, was offenbar schon die Römer entdeckten, von denen hier 1815 durchgeführte Ausgrabungen Mosaikböden zu Tage förderten.
Maxglan: Der Name „Maxglan“ leitet sich vom Heiligen Maximilian (römischer Märtyrer) ab, dessen Gebeine nahe der Glan bestattet wurden. Der ursprüngliche Name „Maximilian an der Glan“ wurde im Lauf der Jahre zu "Maxglan" verkürzt. St. Maximilian ist auch der Kirchenpatron der hiesigen Pfarre. – Am 1. Juli 1935 nach Salzburg eingemeindet.
Moos: Flurname für das im Süden der Stadt gelegene Moorgebiet.
Der Name Morzg kommt aus dem lateinischen Marciaco und bedeutet „Siedlung des Marcius“. Der Ort wurde erstmals 790 urkundlich erwähnt, als der Bayernherzog Theodebert dem Kloster Nonnberg "Marciago" schenkt. – Am 1. 1. 1939 nach Salzburg eingemeindet.
Mülln hat mit den Mühlen zu tun („ad molendina“), die hier mit dem Überwasser des Moores und später durch einen Arm des Almkanals betrieben wurden und der Gegend seit dem 12. Jahrhundert diesen Namen gaben.
Nonnberg: Das Kloster Nonnberg ist das älteste, seit seiner Gründung (713-715) ununterbrochen bestehende Frauenkloster nördlich der Alpen. Als Gründer wird der Heilige Rupert bezeichnet, der das Kloster seiner Nichte Erentrudis als erster Äbtissin überantwortete.
Nonntal: das Tal = die Ebene unterhalb des Klosters Nonnberg.
Parsch, in Urkunden von 1122 „Porras“ und „Porss“ genannt, ist etymologisch umstritten. Einige leiten es vom lateinischen „pars“ = der Teil her, andere vom „parzigen“ = verkrüppelten Buschwerk der einst hier gelegenen Aulandschaft am Gersbach; auch eine Herkunft aus dem Keltischen kann nicht ausgeschlossen werden.
Plain: Hier wurde 1652 eine Gnadenkapelle „auf dem Plaindl“, einem Austragshaus des Gutes Kemating, erbaut. Bei Plain /auch: Pliden handelt es sich nach Hörburger um eine Bildung zum Personennamenstamm Blid- (vgl. Plidolf 888/907). 1671 – 1674 ließ Erzbischof Max Gandolf auf dem Gut die große Wallfahrtskirche errichten, die 1810 an das Kloster St. Peter fiel und 1952 von Papst Pius XII zur Basilica minor erhoben wurde. – Von der Dipl.Dolmetscherin Mag. Ulrike Prlic erhalten wir den Hinweis, dass für „Plain“ ein keltischer Ursprung nahe liege, weil zahlreiche Bergnamen den Bestandteil „plan/plain“ enthalten, zB Planai oder die serbische Start Velika Plana (im Slawischen ist die Bezeichnung für Gebirge „planine“). Das slowenische Appellativ planina ‘Bergweide, Hochebene; (slowen.) Alm’, plan-/plań- ‘offene, freie Fläche’ ist gerade an der slaw.-roman. Sprachgrenze bzw. im roman.-slaw. Übergangsgebiet besonders produktiv. Romanische Herkunft liegt nahe, doch dagegen spricht, dass das dem südslaw. planina entsprechende ukrain. polonyna ‘Bergweide’ (durch „Volllaut“ < *păln- entstanden) lautet und daher kein roman. Lehnwort sein kann. Wahrscheinlich ist nur für die Bedeutung ‘Ebene, Fläche’ romanische Herkunft bzw. romanischer Einfluss anzunehmen. Es gibt im „Alpenslawischen“ bzw. Slowenischen zwei plan-, und zwar plan- I gemeinslaw. Herkunft mit der Bedeutung ‘unfruchtbar, wild’, auch in Zusammenhang mit dem Hoch- und Bergland, und plan- II als Entlehnung aus dem roman. in der Bedeutung ‘eben, flach’, letzteres ist in mittelhochdeutscher Zeit auch ins Deutsche gelangt, z.B. mittelhochdeutsch plânîe im Bergnamen Planai (Steiermark, Niedere Tauern, Schladming).
Riedenburg war der ursprüngliche Name des Rainberg-Felsens (a rupe que Ritinburc appellatur, 1139), der inmitten von moorigen Wiesen = Rieden aufragte. Die Rieden-burger Sümpfe („Die Pferde sanken dort bis zum Bauch ein und verloren im Morast die Hufeisen“) wurden erst im 16. Jahrhundert trocken gelegt und das Gebiet wurde (bäuerlich) besiedelt.
Rott ist ein uralter, aus der Zeit der bajuwarischen Landnahme stammender Siedlungsname aus der Familie der „reuth“ u.ä. und bedeutet „Rodung“.
Sam: nach dem Gut „Savme“, das schon 1250 urkundlich erwähnt wird und dem Stift. St. Peter grunduntertänig war. „Samer“ waren die ersten Transporteure über die Alpen und den Bayerischen Wald. Jahrhunderte lang beförderten sie auf dem Rücken von Pferden oder Maultieren vor allem Salz und Wein über die Pässe. Um Säumer zu sein, musste man ein Pferd, einen Maulesel oder ein Maultier besitzen; ein Säumer war also ursprünglich ein Pferde- oder Maultierführer und arbeitete auf eigene Rechnung im Auftrage fremder Kaufleute oder Kunden. Zum Teil waren die Säumer auch in Säumergenossenschaften organisiert, einzelne Samer stiegen zu Fernhandelskaufleuten auf und gelangten zu erheblichem Wohlstand wie die Salzburger Samer, die im 14. und 15. Jh. eines des reichsten Bürgergeschlechter der Stadt Salzburg waren und ansehnliche Stiftungen an das Bürgerspital machten.
Schallmoos: vielleicht Bezeichnung für ein „schales“ = dickflüssiges, unreines Moorgebiet. Das Moor wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts trocken gelegt.
Taxham. Ausgehend vom Grund des Gutes Daxenheim, das dem Stadtteil auch seinen Namen gab, begann die intensive Besiedlung in den 1960er Jahren. - Neben den Namen auf –ing (vgl. unter Itzling) ist-heim- bzw. ham eine zweite weit verbreitete althochdeutsche Ortsnamenfamilie. Die Verbreitung dieser beiden ältesten Namentypen ist unterschiedlich: die -heim-Namen konzentrieren sich auf das oberösterreichische Alpenvorland bis gegen die Enns und den Salzburger Flachgau, während die echten -ing-Namen nicht nur etwas weiter nach Süden ins beginnende Bergland hineinreichen, sondern sich vor allem über die Enns hinaus in den niederösterreichischen Donauraum bis ins Wiener Becken nach Osten erstrecken. Grund ist der unterschiedliche Bedeutungsaspekt der beiden Namentypen hinsichtlich des Wohnortes. In den -ing-Namen wird der Besitzanspruch auf Grund und Boden deutlich, so dass dieser Namentyp beim Vordringen in die slawisch besiedelten Gebiete östlich der Enns nach den Awarenkriegen Karls des Großen seit dem ausgehenden 8. Jh. und noch im auslaufenden 10. Jh. nach Errichtung der Markgrafschaft Österreich 976 für die Besitzergreifung und Neuansiedlung bestens geeignet war. Dagegen gab man -heim-Namen in jenen Gebieten, in denen man schon länger ansässig war und sich beheimatet fühlte. Daher umgrenzen die -heim-Namen, obwohl jünger, deutlich den ursprünglichen bairischen Siedlungsraum, wobei die heute österreichischen Gebiete Oberösterreichs und Salzburgs selbstverständlich die östlichen Bereiche der auch in Nieder- und Oberbayern massenhaft auftretenden beiden Namentypen sind. Dass sie im Alpenraum nur eine geringe Rolle spielen, beruht auf der bis ins 12./13. Jh. dort fortbestehenden romanischen Siedlung im Westen und der slawischen im Osten, wobei – vom romanisch-slawischen Überschneidungsgebiet Osttirols und Oberkärntens abgesehen –, ein wechselseitiger Ausschluss der romanischen, slawischen und der beiden ältesten deutschen Namentypen besteht. So kommen vor allem die -ing-Namen hauptsächlich nur dort vor, wo sich schon früh bairische Siedlungskerne im romanischen bzw. slawischen Raum bildeten. Das geschah vor allem in jenen Tälern, in denen ein leichtes Vordringen möglich war, wie schon früh in Tirol im Inntal um Innsbruck und im Pustertal um Bruneck, im Saalacher Becken in Salzburg und dann später im obersteirischen Ennstal und von dort über das Palten- und Liesingtal ins Murtal.
Und hier noch einige Hinweise über Ortsnamen im Umland der Stadt:
Der Name Adnet (mit seinem Erstbeleg in den Breves Notitiae „Atanate“) kann zumindest dem Suffix nach hohes Alter bescheinigt werden. So findet sich das keltische -ate-Suffix beispielsweise in „Arelate“ in Caesars Bellum Gallicum. Die Bedeutung des keltischen Namens ist 'Siedlung am Sumpf'.
Anif (frühe Belege: Anaua, Anua) geht nach einer Deutung von Eberhard Kranzmayer auf ein keltisches *anapa ‘ = Sumpfwasser’ zurück, das aus zwei keltischen Gewässer-wörtern zusammengesetzt ist: anos ‘Sumpf’ und apa ‘Wasser’; möglicherweise ist der Name aber schon voreinzelsprachlicher Herkunft.
Anthering (urkundlich 788: ad Antheringas) ist eine Bildung aus der altdeutschen –ing-Ortsnamenfamilie (vgl. Itzling) und bedeutet Heim, Hof, Siedlung der Sippe Antheri.
Bergheim (urkundlich 927: Percheim) ist ein Kompositum aus Berg und Heim. Im älteren Deutsch und in den Ortsnamen hatte Berg eine weitere Bedeutung und bezeichnete generell eine höhere Lage (hier die Hochlage der Kirche). Der zweite Bestandteil -heim bedeutete ursprünglich ‘Heim, Haus’, in Ortsnamen aber auch – über die Semantik ‘Häuserkollektiv’ – ‘Dorf’. Bergheim bedeutet also wörtlich „Siedlung in erhöhter Lage“.
Eichet: Flurnamen nach den hier urspünglich wachsenden Eichen.
Bei Elsbethen (urkundlich 1417: zu St. Elspethen) handelt es sich um einen Patroziniumsnamen, d.h. der Ort ist nach seiner Kirchenpatronin, der hl. Elisabeth, benannt.
Die Namen Gols und Gois kommen vom lateinischen collis = Hügel.
Grödig erweist sich als romanisch, der urkundliche Erstbeleg Crethica (8. Jh.) erinnert an ein alpenromanisches Wort (friaul. cret) mit der Bedeutung ‘Fels, Felsspalte eines Berges’, eine Benennung, die den Untersberg im Auge hatte; diese Ansicht stützt sich auf die Bedeutung von vlat. crepitare ‘platzen, rissig werden’ und seine rückläufige Ableitung *crepita > cretta ‘Riss, Spalte’. Andere, auch keltische Deutungen sind weniger stringent.
Guggenthal ist als „Gukkental“ schon 1400 urkundlich bezeugt und wahrscheinlich nach einer hier vorkommenden Pflanze benannt: Heugucke = Herbstzeitlose, Arschgucke = Küchenschelle, mundartlich Guggen = Frühlingsenzian.
Hallwang ist urkundlich als Haldinwanc (10. Jh.) belegt. Das Bestimmungswort Hall- kommt von ahd. halda, mhd. halde ‘Abhang’, das Grundwort ist ahd., mhd. wang ‘Wiese, Grünland’; die Bedeutung des Kompositums ist somit ‘Wiese am Hang’. Die mundartliche Aussprache hoiming ist durch Assimilationsvorgänge und Abschwächung entstanden: hald(e)nwang > halmwang > halmang > halming (Anklang an -ing-Ortsnamen).
Himmelreich teilt sich seinen Namen mit hunderten anderen derartigen Ortsbezeichnungen im deutschen Sprachraum, von alters her nannte man nämlich insbesondere hoch gelegene, fruchtbare Fluren "Himmel".
Der Name Muntigl kommt aus dem lateinischen Monticulus = kleiner Berg, Hügel.
Die Namen Ober- und Niederalm gehen wohl auf das vorindogermanische *alb- = Berg zurück, das schon früh an die Wortfamilie von lateinisch albus = weiß angeschlossen wurde.
Siezenheim: urkundlich Suozinheim, 927, umgelautet Syetzenheim, 1214, ist eine Bildung zum Personennamen *Suozo und bedeutet ‘Heim = Siedlung des Suozo’ (zu den Ortsnamen auf -heim vgl. Taxham).
Thalgau: In sehr frühe Zeit weisen die -gau-Namen, deren Grundbestandteil ahd. gouwi 'Gau, Gegend', aber auch 'Ort' bezeichnete; Thalgau bedeutet also 'Ort im Tal'.
Viehhausen: Flurname nach den hier siedelnden, Viehzucht treibenden Bauern.
Vigaun rührt von einem romanischen *vicóne = Großdorf her (von lateinisch vicus = Dorf). Die für das Germanische untypische Endbetonung Vigáun ist zumeist ein Indiz für romanischen Ursprung. Man darf darüber hinaus annehmen, dass die Erstnennung in der Notitia Arnonis, „ad Fuginas“, eine Verschreibung für Figunas darstellt, was weitere urkundliche Schreibungen (vgl. in den Breves Notitiae: „ad Vigûn“) bzw. das heutige Resultat Vigaun nahe legen.
Wals: In seiner ursprünglichen urkundlichen Gestalt Uualachouuis (8./9. Jh.) ist der Name Wals altbairisch und lässt sich analysieren als ahd. uualachô (Genitiv Pl. von uualach ‘Romane’ < Volcae, urspr. gallischer Stamm, später übertragen auf benachbarte Völker) und ahd. uuîs ‘Dorf’ (vgl. got. weihs, weiters Weichbild; lat. vicus). Das romanische Pendant vicus Romaniscus (8./9. Jh.), möglicherweise eine getreue Übersetzung des altbairischen Namens, lässt keinen Zweifel an der Bedeutung von Wals als „romanische Siedlung, Dorf der Welschen“ aufkommen.
Diese Angaben sind aus folgenden Quellen zusammen gestellt:
Beiträge in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSKL): Franz Viktor ZILLNER, Busch und Baum, Wald und Au in salzburgischen Flur- und Ortsnamen, in: MGSLK 20, 1880, S. 130-147 Ludwig STEUB, Die romanischen Ortsnamen im Lande Salzburg, in: MGSLK 21, 1881, S. 98-102 Franz Viktor ZILLNER, Das Wasser in salzburgischen Flur- und Ortsnamen, in: MGSLK 22, 1882, S. 37-61 Theodor von GRIENBERGER, Die Ortsnamen des Indiculus Arnonis und der Breves Notitiae Salzburgenses in ihrer Ableitung und Bedeutung , in: MGSLK 26, 1886, S. 1-78 Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch. 9. Ergänzungsband der Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Salzburg 1982
Franz Valentin Zillner: Geschichte der Stadt Salzburg. Salzburg 1885 und 1890.
Franz Martin: Salzburger Straßennamen. Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 4. Auflage 1995
Tribüne, Zeitschrift für Sprache und Schreibung, Heft 1 / 2003: Ortsnamen in Österreich
Heinz Dopsch: Das Frühmittelalter – Bajuwaren und Romanen. Die Ortsnamen, in: EU-Regio Salzburg, Berchtesgadener Land, Traunstein (Hg.), Heimat mit Geschichte und Zukunft, o. Ort 2004, S. 23–30.
Homepage von Manfred Sellner, Linguist an der Universität Salzburg: http://www.sbg.ac.at/spr/people/manfred_sellner/multimedia/alphabetisches%20lexikon.htm