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In den Monaten nach dem „Anschluss“ machte sich der Salzburger für die NS-Bewegung so unverzichtbar, dass er im Februar 1938 zum Landespropagandaleiter der NSDAP bestellt wurde. Ernst Kaltenbrunner, Führer des SS-Oberabschnittes Donau, bescheinigt dem SS-Kollegen Mühlmann anlässlich einer Beförderung: „Am Tage der Machtergreifung war M. an exponierter Stelle im Bundeskanzleramt tätig.“ Bereits 1938 wurde Mühlmann von Seyß-Inquart zum Staatssekretär für Inneres und kulturelle Angelegenheiten bestellt. In den kommenden Monaten war Mühlmann unter anderem mit der Verwahrung und Weitergabe „arisierter“ Kunstwerke an NS-Institutionen und hohe Würdenträger betraut. Als Staatssekretär bekleidete er zu diesem Zeitpunkt das höchste Amt, das ein Salzburger in der damaligen nationalsozialistischen österreichischen Regierung erreicht hat. Im Frühjahr 1938 war Mühlmann am Höhepunkt seiner NS-Karriere angelangt.  
 
In den Monaten nach dem „Anschluss“ machte sich der Salzburger für die NS-Bewegung so unverzichtbar, dass er im Februar 1938 zum Landespropagandaleiter der NSDAP bestellt wurde. Ernst Kaltenbrunner, Führer des SS-Oberabschnittes Donau, bescheinigt dem SS-Kollegen Mühlmann anlässlich einer Beförderung: „Am Tage der Machtergreifung war M. an exponierter Stelle im Bundeskanzleramt tätig.“ Bereits 1938 wurde Mühlmann von Seyß-Inquart zum Staatssekretär für Inneres und kulturelle Angelegenheiten bestellt. In den kommenden Monaten war Mühlmann unter anderem mit der Verwahrung und Weitergabe „arisierter“ Kunstwerke an NS-Institutionen und hohe Würdenträger betraut. Als Staatssekretär bekleidete er zu diesem Zeitpunkt das höchste Amt, das ein Salzburger in der damaligen nationalsozialistischen österreichischen Regierung erreicht hat. Im Frühjahr 1938 war Mühlmann am Höhepunkt seiner NS-Karriere angelangt.  
 
==Raubzug in Polen==
 
==Raubzug in Polen==
Im Juni 1939 wurde Mühlmann aufgrund von Unstimmigkeiten von Reichskommissar Josef Bürckel seines Amtes enthoben. Es wurde ihm vorgeworfen, dass er die Interessen des ehemaligen Österreichs im neuen NS-Staat zu sehr vertrete. Doch Mühlmann fand rasch eine neue Aufgabe. Nach der Kapitulation [[Polen]]s wurde er von Göring zum „Sonderbeauftragten des Reichsmarschalls für die Sicherung der Kunst- und Kulturgüter in ehemals polnischen Gebieten“ ernannt. Er erhielt den Auftrag zur systematischen „Arisierung“ und Veräußerung von Kunstwerken aus jüdischem Eigentum und aus Kirchen- und Staatsbesitz. Mühlmann war in Polen dem Generalgouverneur Hans Frank unterstellt. Am Beginn seiner Tätigkeit in Krakau wurde er mit der Inventarisierung der im Lager des Nationalmuseums und im Schloss Wawel in Krakau zusammengepferchten Kunstwerken betraut. Er versorgte in dieser Zeit die höchsten politischen Kreise mit gestohlener Kunst. Auf seiner Abnehmerliste standen Adolf Hitler, Reinhard Heydrich und Hans Frank. Um die starke Nachfrage zu bedienen, beschäftigte der Salzburger zwei zwölf Mann starke Kommandos, die das eroberte Gebiet systematisch durchkämmten und plünderten. Josef Mühlmann, ein Halbbruder von Kajetan Mühlmann, befehligte eines der beiden Kommandos. Er wurde nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] Kustos der [[Salzburger Landesgalerie]].
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Im Juni 1939 wurde Mühlmann aufgrund von Unstimmigkeiten von Reichskommissar Josef Bürckel seines Amtes enthoben. Es wurde ihm vorgeworfen, dass er die Interessen des ehemaligen Österreichs im neuen NS-Staat zu sehr vertrete. Doch Mühlmann fand rasch eine neue Aufgabe. Nach der Kapitulation [[Polen]]s wurde er von Göring zum „Sonderbeauftragten des Reichsmarschalls für die Sicherung der Kunst- und Kulturgüter in ehemals polnischen Gebieten“ ernannt. Er erhielt den Auftrag zur systematischen ''Arisierung'' und Veräußerung von Kunstwerken aus jüdischem Eigentum und aus Kirchen- und Staatsbesitz. Mühlmann war in Polen dem Generalgouverneur Hans Frank unterstellt. Am Beginn seiner Tätigkeit in Krakau wurde er mit der Inventarisierung der im Lager des Nationalmuseums und im Schloss Wawel in Krakau zusammengepferchten Kunstwerken betraut. Er versorgte in dieser Zeit die höchsten politischen Kreise mit gestohlener Kunst. Auf seiner Abnehmerliste standen Adolf Hitler, Reinhard Heydrich und Hans Frank. Um die starke Nachfrage zu bedienen, beschäftigte der Salzburger zwei zwölf Mann starke Kommandos, die das eroberte Gebiet systematisch durchkämmten und plünderten. Josef Mühlmann, ein Halbbruder von Kajetan Mühlmann, befehligte eines der beiden Kommandos. Er wurde nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] Kustos der [[Salzburger Landesgalerie]].
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==Dienststelle Mühlmann In Den Haag==
 
==Dienststelle Mühlmann In Den Haag==
 
Mühlmann war mit seinen Raubzügen derart erfolgreich, dass ihn sein Freund und SS-Kamerad Arthur Seyß-Inquart, der [[1940]] zum „Reichskommissar der besetzten Niederlande“ bestellt wurde, zur Fortsetzung seiner Tätigkeit in den Westen berief, damit er auch hier Kunstschätze „für das Reich sichere“. Ende 1940 übersiedelte Mühlmann mit seinem Stab in die Niederlande und gründete in Den Haag die „Dienststelle Mühlmann“, die Arthur Seyß-Inquart unterstellt war. Diese hatte ihren Hauptsitz in Den Haag und unterhielt Niederlassungen in Amsterdam, Brüssel, Paris, Wien und Berlin.
 
Mühlmann war mit seinen Raubzügen derart erfolgreich, dass ihn sein Freund und SS-Kamerad Arthur Seyß-Inquart, der [[1940]] zum „Reichskommissar der besetzten Niederlande“ bestellt wurde, zur Fortsetzung seiner Tätigkeit in den Westen berief, damit er auch hier Kunstschätze „für das Reich sichere“. Ende 1940 übersiedelte Mühlmann mit seinem Stab in die Niederlande und gründete in Den Haag die „Dienststelle Mühlmann“, die Arthur Seyß-Inquart unterstellt war. Diese hatte ihren Hauptsitz in Den Haag und unterhielt Niederlassungen in Amsterdam, Brüssel, Paris, Wien und Berlin.
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