Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen
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Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 22/10/71", rückseitig "Wien 25/10" und "Salzburg Stadt 26/10 10-11 … 71" [teils verwischt]; kleines rotes Lacksiegel "F Sp". - [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel'' // [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // 2. Sto[c]k''. Zwei Bögen, ein Blatt bzw. Halbbogen; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX = unleserlich:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 22/10/71", rückseitig "Wien 25/10" und "Salzburg Stadt 26/10 10-11 … 71" [teils verwischt]; kleines rotes Lacksiegel "F Sp". - [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel'' // [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // 2. Sto[c]k''. Zwei Bögen, ein Blatt bzw. Halbbogen; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX = unleserlich:<br /> | ||
''Mödling 22. Oct // 1871 Abends // 7 XX // Meine liebe Fanny! // Ich komme soeben aus der Kanzlei; denn bei uns ist es wirklich eine ganz malheureuse Geschichte, dß nun, wo mit heute der ältere Adjunkt von seinem Urlaub hätte zurü[c]kkommen sollen, derselbe sich krank meldet, u auf 6 – 8 Wochen zu einer Cur nach Wien geht; wir sind also wieder nur zu zweien u dermalen ohne Aushilfe; es ist wirklich als ob sich alles verschworen hätte, dß wir zu keiner Ruhe kommen. // Wenn ich nun tro[t]zdem dß ich ziemlich abgehe[t]zt bin, Dir heute schon wieder schreibe, so hat dieß seinen Grund in der Wo[h]nungsangelegenheit. Ich habe nämlich heute nach Tisch die unter N 10 im Verzeichniß angedeutete Wo[h]nung oberhalb N 2 / angesehen, u sie wirklich sehr [!] hübsch gefunden; sie ist etwas größer in dem einen Raum, der ebenerdig den Hausgang einnimmt, im 1. Sto[c]k noch zur Wo[h]nung kommt, sodß das schmale einfenstrige Cabinet des Erdgeschoßes sich hier zu einem mit 2 Fenstern versehenen recht hübschen Zimmer umgestaltet, u außerdem noch ein kleiner Vorraum dazu kommt. // Der Plan ist dann folgender'' [… siehe Abbildung, untere Hälfte] ''Die Magd müßte bei dieser Einteilung in der Küche schlafen; denn besonders im Winter / würde uns das 3. Zimmer als Wohn- [!] u Schlafzimmer wegen deßen Südseite besonders angene[h]m sein, u im Vorzimmer ein Bett'' […] | ''Mödling 22. Oct // 1871 Abends // 7 XX // Meine liebe Fanny! // Ich komme soeben aus der Kanzlei; denn bei uns ist es wirklich eine ganz malheureuse Geschichte, dß nun, wo mit heute der ältere Adjunkt von seinem Urlaub hätte zurü[c]kkommen sollen, derselbe sich krank meldet, u auf 6 – 8 Wochen zu einer Cur nach Wien geht; wir sind also wieder nur zu zweien u dermalen ohne Aushilfe; es ist wirklich als ob sich alles verschworen hätte, dß wir zu keiner Ruhe kommen. // Wenn ich nun tro[t]zdem dß ich ziemlich abgehe[t]zt bin, Dir heute schon wieder schreibe, so hat dieß seinen Grund in der Wo[h]nungsangelegenheit. Ich habe nämlich heute nach Tisch die unter N 10 im Verzeichniß angedeutete Wo[h]nung oberhalb N 2 / angesehen, u sie wirklich sehr [!] hübsch gefunden; sie ist etwas größer in dem einen Raum, der ebenerdig den Hausgang einnimmt, im 1. Sto[c]k noch zur Wo[h]nung kommt, sodß das schmale einfenstrige Cabinet des Erdgeschoßes sich hier zu einem mit 2 Fenstern versehenen recht hübschen Zimmer umgestaltet, u außerdem noch ein kleiner Vorraum dazu kommt. // Der Plan ist dann folgender'' [… siehe Abbildung, untere Hälfte] ''Die Magd müßte bei dieser Einteilung in der Küche schlafen; denn besonders im Winter / würde uns das 3. Zimmer als Wohn- [!] u Schlafzimmer wegen deßen Südseite besonders angene[h]m sein, u im Vorzimmer ein Bett'' […] | ||
[[Datei:Brief vom 22. bis 25. Oktober 1871, 1. Bogen, Seite 2.JPG|thumb| Brief vom 22. bis 25. Oktober 1871, 1. Bogen, Seite 2.]] | |||
Die Wohnung hat eine abschließbare Tür, zum Teil mit Glasfenster, Fußboden, Waschküche, Garten, alles sehr gut erhalten, bis auf einige kleinere Reparaturen; das Eszimmer weniger gut. Das Haus wurde vor 4 Jahren erbaut; der Herd hat zwei Feuerstellen mit eisernen Ringen. Wenn der Großmutter der Preis nicht zu hoch scheint, 350 Gulden ÖW [österreichische Währung], schwerlich wären 10 bis 20 Gulden abzuhandeln. Die Entfernungsverhältnisse hatte er schon gegeben. Eine Alternative hat im Augenblick kaum Aussicht, weil jetzt in Wien gar keine Stellen frei sind; vielleicht könnte das im nächsten Herbst anders sein. Er verkennt nicht, dass die Wohnung für den augenblicklichen Bedarf fast zu groß ist; in Wien würden sie sich sicherlich etwas einschränken müssen, doch es ist die beste Wohnung, die er gefunden hat, und der Bezirksrichter [zweiter Bogen:], der die Verhältnisse gut kennt, rät mir unbedingt dazu. Er weist darauf hin, dass nach wirtschaftlichen Grundsätzen die Wohnung ein Sechstel des Jahresbudgets kosten darf, und er rechnet mit 2200 Gulden; damit wäre 1/6tel nicht überschritten und es bleiben ihnen Reparaturkosten erspart. Eine andere, sehr hübsche Wohnung würde erst im November 1872 frei, aber auch die hätte eine Miete von 380 bis 400 Gulden. Falls sie noch in Mödling bleiben, könnten sie dann umziehen, aber das wäre umständlich. Er bittet, mit der Großmutter zu sprechen und ihm bald zu schreiben. ''Adieu für heute; ich gehe je[t]zt ins Gasthaus soupi[e]ren. Morgen nach Empfang Deines Briefes Fortsetzung.'' | Die Wohnung hat eine abschließbare Tür, zum Teil mit Glasfenster, Fußboden, Waschküche, Garten, alles sehr gut erhalten, bis auf einige kleinere Reparaturen; das Eszimmer weniger gut. Das Haus wurde vor 4 Jahren erbaut; der Herd hat zwei Feuerstellen mit eisernen Ringen. Wenn der Großmutter der Preis nicht zu hoch scheint, 350 Gulden ÖW [österreichische Währung], schwerlich wären 10 bis 20 Gulden abzuhandeln. Die Entfernungsverhältnisse hatte er schon gegeben. Eine Alternative hat im Augenblick kaum Aussicht, weil jetzt in Wien gar keine Stellen frei sind; vielleicht könnte das im nächsten Herbst anders sein. Er verkennt nicht, dass die Wohnung für den augenblicklichen Bedarf fast zu groß ist; in Wien würden sie sich sicherlich etwas einschränken müssen, doch es ist die beste Wohnung, die er gefunden hat, und der Bezirksrichter [zweiter Bogen:], der die Verhältnisse gut kennt, rät mir unbedingt dazu. Er weist darauf hin, dass nach wirtschaftlichen Grundsätzen die Wohnung ein Sechstel des Jahresbudgets kosten darf, und er rechnet mit 2200 Gulden; damit wäre 1/6tel nicht überschritten und es bleiben ihnen Reparaturkosten erspart. Eine andere, sehr hübsche Wohnung würde erst im November 1872 frei, aber auch die hätte eine Miete von 380 bis 400 Gulden. Falls sie noch in Mödling bleiben, könnten sie dann umziehen, aber das wäre umständlich. Er bittet, mit der Großmutter zu sprechen und ihm bald zu schreiben. ''Adieu für heute; ich gehe je[t]zt ins Gasthaus soupi[e]ren. Morgen nach Empfang Deines Briefes Fortsetzung.'' | ||