Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen

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Er schreibt über den Termin der Vermählung, und mit Rücksicht auf die Hochzeitsreise möchte er diese keinesfalls für später als den 8. oder 10. April planen, eventuell Mittwoch in der Osterwoche oder Montag nach dem weißen Sonntag [beiliegendes Blatt:] oder Donnerstag vor dem Faschingssonntag. Wenn er doch alle Monate einmal mit ihr zusammensein könnte! // ''21/10. früh.'' Er fügt ein paar Zeilen bei. Er freut sich über den Fortgang der Ausstattungsarbeiten. Grüße an die Großmutter, die Eltern, an Familie Zeller und Lida. ''Sei herzlichst umarmt u. geküßt von // Deinem treuen // Franz''
Er schreibt über den Termin der Vermählung, und mit Rücksicht auf die Hochzeitsreise möchte er diese keinesfalls für später als den 8. oder 10. April planen, eventuell Mittwoch in der Osterwoche oder Montag nach dem weißen Sonntag [beiliegendes Blatt:] oder Donnerstag vor dem Faschingssonntag. Wenn er doch alle Monate einmal mit ihr zusammensein könnte! // ''21/10. früh.'' Er fügt ein paar Zeilen bei. Er freut sich über den Fortgang der Ausstattungsarbeiten. Grüße an die Großmutter, die Eltern, an Familie Zeller und Lida. ''Sei herzlichst umarmt u. geküßt von // Deinem treuen // Franz''
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==== Brief vom 21. und 22. Oktober 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr., zusätzlich aufgeklebt 15 kr.; Poststempel "Mödling…" [verwischt], rückseitig "Salzburg…" [verwischt]; kleines rotes Lacksiegel "F. Sp. "; vorne gestempelt RECOM. [eingeschrieben] und "168". ''An Fräulein'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 II Sto[c]k''. Vier Bögen; [Ergänzung]:<br />
''Mödling 21. Oct'' [ohne Jahr] ''// 11 Uhr Ab[en]ds // Meine innigst geliebte Fanny! // Gerne habe ich erst heute Mittags einen Brief an Dich aufgegeben, aber doch kann ich den Tag nicht beschließen ohne einen neuen an Dich anzufangen, um Dir immer wieder zu sagen, wie gern ich Dich habe, wie oft ich Deiner liebend gedenke.'' […] – Er war bei einer Liedertafelproduktion, an die sich nun ein Kränzchen anschließt. Walzer und Polka erklingen, die Paare drehen sich, und er geht nach Hause, um ihr zu schreiben und nennt sie mit einem Gedicht von Geibel "liebes Kind". Es kommen weitere Assoziationen zu Gedichten Geibels […] 22. Oktober früh. Er hat in der Kirche für sie und für die Großmutter gebetet, und er fügt ein Verzeichnis der Wohnungen bei, zu denen er umfangreiche Hinweise gibt.<ref>Die Wohnungen I. bis IX. sind auf den folgenden drei Bögen ausführlich beschrieben, Zeichnungen der Grundrisse sind eingefügt und beschriftet. Aus diesen Unterlagen greife ich, [[Otto Holzapfel]], nur (für mich) Auffälliges heraus.</ref> Falls die Großmutter erlaubt, dass Fanni nach Wien kommt, müsste das verschoben werden, weil er in einer großen "Commission" für die Wiener Wasserleitung ist und einige Tage damit beschäftigt ist. Er hofft, dass Fanni die Großmutter bewegen kann, die Reise zu erlauben. ''Mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz''
Alle Zeichnungen sind genordet. I. Wohnung im ersten Stock in einem hübsch gebauten Haus, ein Zimmer, zwei ''Cabinet[t]e'' [kleine Zimmer], Eingang durch die Küche: schlecht einzuteilen, weil nur ein großes Zimmer. Aussicht sehr hübsch, Garten, Keller, [Dach-]Boden-Anteil; Waschküche und Brunnen im Haus, schlechter Herd, Magdzimmer fehlt, außer dass sie in der (schmalen) Küche schläft; Preis 350 Gulden; von Kirche, Markt und Kanzlei sehr nah; prächtige Spaziergänge auf den Lichtenstein in unmittelbarer Nähe. – II. Im zweiten Stock, Aussicht sehr hübsch, zwei ziemlich geräumige Zimmer, zwei Cabinette, danebenbefindliche Zimmer vermietet; Lage am Markt neben dem Bezirksgericht, Gartenmitbenutzung, im Haus zugleich ein Gasthaus, Preis 250 Gulden; soll nicht frei von Wanzen sein; Zimmer daneben vermietet; mögliche Unannehmlichkeiten mit einem jungen Dienstmädchen. – III. Wohnung ebenerdig und Tiefparterre, auf der Hauptstraße sehr viel Lärm; nach Versicherung des gegenwärtigen Mieters gut heizbar, Preis 250 Gulden, vom Gericht ca. 6 Minuten, zur Kirche 8 bis 10 Minuten, 3 bis 4 Minuten zum Bahnhof. –  IV. Allerliebste Wohnung, erster Stock, Gartenmitbenützung, doch keine Waschküche; nette, aber kleine Küche; sehr kalt und schwer zu heizen; Hausfrau eine unangenehme Person (so meint der Bezirksrichter); Preis 270 Gulden; einige Reparaturen nötig, die der Mieter selbst bezahlen muss. – V. Freundlich, neu hergestellte Wohnung, Haus erst 1870 gebaut; Spuren von Feuchtigkeit, sonst trocken; Keller und Boden-Anteil, Mitbenutzung des kleinen Gartens; keine Waschküche, aber Waschkessel in der Küche, Herd gut eingerichtet; Retirade [WC] im Hofe, abgesondert; Entfernung zum Markt und Bezirksgericht ca. 5 Minuten, in der Nähe der Schwimmschule und der Badeanstalt. Preis 200 Gulden ohne die kürzlich angeschafften Möbel, welche die Hausfrau (Vermieterin) anderweitig verwenden will, sonst 250 Gulden.
VI. Die Wohnung wird nur am Morgen etwas von der Sonne gestreift; die Zimmer in einem sehr verwahrlosten Zustand, Fußböden schlecht, viel müsste gerichtet werden, Zugang garstig, viel Fuhrwerk auf der Straße; Preis 300 Gulden, wahrscheinlich auf 280 herunterzuhandeln. Gemeinsame Stiege mit der Wohnung, in der Offiziere der Garnison wohnen. – VII. Wohnung im ersten Stock in der Hauptstraße in einem alten Haus, das im Ganzen keinen guten Eindruck macht; Zimmer geräumig, neu ausgemalt, aber Fenster und Türen brauchen manche Ausbesserung, Fußboden uneben, Küche sehr klein, keine Waschküche, Retirade [WC] ebenerdig im Hof ziemlich entfernt, also höchst unbequem; kleiner Garten, Entfernungen… Preis 300 Gulden, Reparaturen selbst zu bezahlen. – VIII. Eine Minute von Bureau und Markt, würde bis Anfang Mai frei werden; konnte er sich nicht ansehen, weil dem Mieter noch nicht gekündigt wurde; Preis 200 Gulden. – IX. Zwei kleine Wohnungen, jede mit Zimmer, Cabinet und Küche, wobei sich die eine Küche leicht als Wohnzimmer behandeln ließe, eine Verbindung könnte durchbrochen werden; Preis 200 Gulden, doch der Hausfrau ist die Kündigung des jetzigen Mieters unangenehm. // ''Endlich habe ich heute dem Gemeindediener, der den meisten Parteien hier die Kündigungen macht, Auftrag gegeben, u. er hat mir versprochen, mir'' [sich für mich] ''um Wohnungen umzusehen X. Auch glaubt er, dß es ihm gelingen dürfte, die Hausfrau von der Wo[h]nung III zu bewegen, die ebenfalls derselben im I Sto[c]ke gelegenen, gleich eingeteilte Wo[h]nung, die bisher Sommerparteien vermietet wurde, mir zu überlassen; dieselbe dürfte übrigens sicher 300 – 350 fl kosten. Aber wenn ich diese erreichen könnte, würde ich sie allen anderen vorziehen. Ich se[t]ze übrigens die Nachforschungen fort u werde allfällige Nachträge Dir sogleich mitteilen. Es wäre mir jedoch angene[h]m bis längstens Anfangs November Deinen u der Großmutter Meinung zu hören, sei es schriftlich u[n]d noch lieber mündlich. weßhalb ich gleichzeitig der Großmutter schreibe.''
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