Bürmooser Glasindustrie: Unterschied zwischen den Versionen
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Der typische Tagesablauf in der hierarchisch organisierten Glasfabrik begann um Mitternacht. Da mussten die Schwengelbuben zuerst die Glasbläser-Herren, für die sie zuständig waren, wecken. Dann begann um zwei Uhr früh die Schicht, die bis Mittag gedauert hatte. Dieser Rhythmus war wegen des Werkstoffs Glas notwendig, da dieses eineinhalb Tage gebraucht hatte, bis es geschmolzen war. Die beschwerliche Arbeit mit dem tausend Grad heißen Glas habe die Arbeiter auch körperlich schwer in Mitleidenschaft gezogen. Viele Glasmacher sind relativ jung an Tuberkulose gestorben, einer typischen Berufskrankheit, die häufig über die Glasmacherpfeife weitergegeben wurde. | Der typische Tagesablauf in der hierarchisch organisierten Glasfabrik begann um Mitternacht. Da mussten die Schwengelbuben zuerst die Glasbläser-Herren, für die sie zuständig waren, wecken. Dann begann um zwei Uhr früh die Schicht, die bis Mittag gedauert hatte. Dieser Rhythmus war wegen des Werkstoffs Glas notwendig, da dieses eineinhalb Tage gebraucht hatte, bis es geschmolzen war. Die beschwerliche Arbeit mit dem tausend Grad heißen Glas habe die Arbeiter auch körperlich schwer in Mitleidenschaft gezogen. Viele Glasmacher sind relativ jung an Tuberkulose gestorben, einer typischen Berufskrankheit, die häufig über die Glasmacherpfeife weitergegeben wurde. | ||
Stiassnys Sohn ließ das Werk verkommen und war nie da. Vor Weihnachten 1929 wurde die Fabrik plötzlich eingezäunt. Und dann wurde das Werk zu Silvester von einen Tag auf den anderen zugedreht. Vom Torfstecher über andere Zuarbeiter der Glasindustrie waren alle über Nacht arbeitslos geworden. Die Hintergründe des Verkaufs lagen im Konkurrenzverhalten des Unternehmens. Stiassny hatte das Werk 1926 gekauft, weil es eine Konkurrenz war und er es stilllegen wollte. Beleg dafür sei, dass er das Areal 1931/32 weiterverkauft habe – "''mit der Auflage, dort nie wieder Glas zu erzeugen''". | Stiassnys Sohn ließ das Werk verkommen und war nie da. Vor [[Weihnachten]] 1929 wurde die Fabrik plötzlich eingezäunt. Und dann wurde das Werk zu Silvester von einen Tag auf den anderen zugedreht. Vom Torfstecher über andere Zuarbeiter der Glasindustrie waren alle über Nacht arbeitslos geworden. Die Hintergründe des Verkaufs lagen im Konkurrenzverhalten des Unternehmens. Stiassny hatte das Werk 1926 gekauft, weil es eine Konkurrenz war und er es stilllegen wollte. Beleg dafür sei, dass er das Areal 1931/32 weiterverkauft habe – "''mit der Auflage, dort nie wieder Glas zu erzeugen''". | ||
Durch das Ende der Glasindustrie sei eine schwere Zeit für Bürmoos angebrochen. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche haben Arbeit beim Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]] bekommen. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als "ausgesteuert". So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, "''weil sie zu den Bauern bis ins Innviertel [[Betteln|betteln]] gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt''" erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchgeschlagen, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der [[Salzburger Lokalbahn]] eine berufliche Heimat gefunden hatte. | Durch das Ende der Glasindustrie sei eine schwere Zeit für Bürmoos angebrochen. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche haben Arbeit beim Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]] bekommen. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als "ausgesteuert". So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, "''weil sie zu den Bauern bis ins Innviertel [[Betteln|betteln]] gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt''" erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchgeschlagen, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der [[Salzburger Lokalbahn]] eine berufliche Heimat gefunden hatte. | ||