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| | Im Oktober 1829 erschien im Salzburger Amts- und Intelligenzblatt eine „Kundmachung und Aufforderung an alle Menschenfreunde“ aus der Feder des Grafen Welsperg, den größten Teil der zum Kretinismus veranlagten Kinder "durch | | Im Oktober 1829 erschien im Salzburger Amts- und Intelligenzblatt eine „Kundmachung und Aufforderung an alle Menschenfreunde“ aus der Feder des Grafen Welsperg, den größten Teil der zum Kretinismus veranlagten Kinder "durch |
| | eine zwar mühsame, aber sehr häufig vom günstigsten Erfolge belohnte Behandlung zu retten".<ref>Karl WAGNER, Gotthard Guggenmoos und seine Lehranstalt in Hallein und Salzburg, in: MGSL, 58 (1919), 103- | | eine zwar mühsame, aber sehr häufig vom günstigsten Erfolge belohnte Behandlung zu retten".<ref>Karl WAGNER, Gotthard Guggenmoos und seine Lehranstalt in Hallein und Salzburg, in: MGSL, 58 (1919), 103- |
| − | 130, hier: 103-111. </ref> | + | 130, hier: 103-111.</ref> |
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| | + | Karl Maffei verfolgte zeitlebens einen anderen Ansatz. Er wollte den Zusammenhang zwischen dem endemischen Kretinismus und der Umgebung oder den Lebensbedingungen erkennen und fußend auf dieser Erkenntnis die Menschen heilen. |
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| | + | Wagner von Jauregg (1857–1940), der letztendlich eine vorbeugende Therapie zur Verhinderung des Kretinismus entwickelt hat, hebt die Wichtigkeit von Obduktionen bei Kretins und die Untersuchung der Schilddrüsen derselben hervor und erwähnt eine hohe Anzahl an Sektionsbefunden von Kretins, die bereits 1912 in der Literatur vorlagen. Über die früheren Erklärungsversuche des endemischen Kretinismus urteilt Wagner von Jauregg, dass alle Theorien über die Ursachen |
| | + | und das Wesen des Kretinismus aus der Zeit vor den 1880er-Jahren nur einen historischen Wert hätten. |
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| | + | == Prävention == |
| | + | Im Jahr 1820, neun Jahre nach der Entdeckung von Jod durch einen Pariser Salpetersieder, publizierte der Schweizer Arzt Jean Francois Coindet (1774–1834) in Genf seine ursprünglich auf einer |
| | + | eindrucksvollen Einzelbeobachtung basierende Erfahrung, dass Jod ein sehr wirksames Mittel zur Behandlung von Kröpfen sei. Da aber die noch unsichere Dosierung zu starken Nebenwirkungen führte, geriet die Anwendung wieder in Vergessenheit. Der deutsche Chemiker Eugen Baumann (1846–1896) wies Jod in der Schilddrüse nach und vermutete, dass das Jod ein lebenswichtiger Bestandteil der Schilddrüse sein könnte. In Österreich beschäftigte |
| | + | sich der Psychiater Julius Wagner von Jauregg mit der Gabe von Jod „als neues Heilmittel“ für Kretins in extremen Jodmangelgebieten der Steiermark, wo er aus eigenen Mitteln eine Anstalt für die Kropfforschung einrichtete. Er schlug 1898 prophylaktisch den Verkauf von jodiertem Kochsalz in Kropfgegenden vor, was in weiterer Folge dazu führte, dass Kropf und endemischer Kretinismus nach und nach aus den Alpengegenden verschwanden. |
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| | + | Eine wichtige Forschungsarbeit zum Skeptizismus gegenüber der Prävention mittels jodiertem Speisesalz hat Olaf Rittinger verfasst. Seine Masterarbeit "Skeptizismus und Irrglaube im Medizinhistorischen Kontext, |
| | + | unter besonderer Berücksichtigung des Endemischen Kretinismus" kann kostenlos in "ubsearch" heruntergeladen werden.<ref>https://eplus.uni-salzburg.at/urn/urn:nbn:at:at-ubs:1-42821</ref> |
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| | == Bedeutung == | | == Bedeutung == |
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