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== Kretinismus ==
 
== Kretinismus ==
Nach einer von Veits-Falk zitierten Untersuchung im Jahr 1880 machten die Kretinen in der Stadt Salzburg 0,7 und im Lungau 1,3 Prozent der Bevölkerung aus.<ref>Veits-Falk, Zeit der Not, 76.</ref> Kretine waren sichtbar - vielleicht allgegenwärtig in Salzburg und vor allem im Lungau, deswegen wurde einiges über sie geschrieben. Auch [[Augustin Winkelhofer]] berichtet von den "Lappen, Fexen und Kretins, welche beynahe ganz des Verstandes beraubt, nichts sprechen, sondern bloß durch weniges Mienenspiel Zeigen oder Deuten, sich verständlich machen, übrigens fast ein thierisches Leben führen, und hauptsächlich im Gebirge angetroffen werden."
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Nach einer von Veits-Falk zitierten Untersuchung im Jahr 1880 machten die Kretinen in der Stadt Salzburg 0,7 und im Lungau 1,3 Prozent der Bevölkerung aus.<ref>Veits-Falk, Zeit der Not, 76.</ref> Kretine waren sichtbar - vielleicht allgegenwärtig in Salzburg und vor allem im Lungau, deswegen wurde einiges über sie geschrieben. Auch [[Augustin Winkelhofer]] berichtet von den "Lappen, Fexen und Kretins, welche beynahe ganz des Verstandes beraubt, nichts sprechen, sondern bloß durch weniges Mienenspiel Zeigen oder Deuten, sich verständlich machen, übrigens fast ein thierisches Leben führen, und hauptsächlich im Gebirge angetroffen werden." Dr. [[Wolfgang Oberlechner|Oberlechner]] machte sich mit verschiedenen Veröffentlichungen einen Namen, darunter die „Beyträge zur Kenntnis und Verminderung des Kretinismus“, die 1926 im Salzburger Amts- und Intelligenzblatt erschienen.
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Den Versuch einer ersten Erziehungsanstalt für Kretins gab es bereits zu Karl Maffeis Zeit, und zwar ausgerechnet in Salzburg. Von dem Lehrer Gotthard Guggenmoos (um 1775–1838) gegründet, bestand sie von 1816 bis 1835.<ref>J. P. GERHARDT, Zur Geschichte und Literatur des Idiotenwesens in Deutschland, Hamburg 1904, 13-14; Lisa Maria Hofer, "Die Schuljugend erscheint (...) in Feyertagskleidung, vorzüglich reinlich gewaschen und gekämmt." : zwischen Appeasement-Pädagogik und Inklusion im Salzburger Elementarschulwesen von 1810 bis 1830, Salzburg 2018, Hochschulschrift</ref> Sowohl Dr. [[Joseph Servatius d'Outrepont|Outrepont]] als auch Dr. [[Franz Ferchl|Ferchl]]
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erstellten zu Beginn des Wirkens von Guggenmoos in Hallein Gutachten über seine ersten drei tauben Schüler und deren Fortschritte.
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Auch Dr. [[Wolfgang Oberlechner|Oberlechner]] machte sich mit verschiedenen Veröffentlichungen einen Namen, darunter die „Beyträge zur Kenntnis und Verminderung des Kretinismus“, die 1926 im Salzburger Amts- und Intelligenzblatt erschienen.
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Im Oktober 1829 erschien im Salzburger Amts- und Intelligenzblatt eine „Kundmachung und Aufforderung an alle Menschenfreunde“ aus der Feder des Grafen Welsperg, den größten Teil der zum Kretinismus veranlagten Kinder "durch
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eine zwar mühsame, aber sehr häufig vom günstigsten Erfolge belohnte Behandlung zu retten".<ref>Karl WAGNER, Gotthard Guggenmoos und seine Lehranstalt in Hallein und Salzburg, in: MGSL, 58 (1919), 103-
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130, hier: 103-111. </ref>
 
== Bedeutung ==
 
== Bedeutung ==