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| | Das '''Hotel Kirchenwirt''' in [[Leogang]] ist das älteste noch bestehende Wirtshaus des [[Pinzgau]]s und des [[Bundesland Salzburg|Bundeslandes Salzburg]]. | | Das '''Hotel Kirchenwirt''' in [[Leogang]] ist das älteste noch bestehende Wirtshaus des [[Pinzgau]]s und des [[Bundesland Salzburg|Bundeslandes Salzburg]]. |
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| − | ==Das historische Gebäude== | + | == Geschichte == |
| − | Das Gasthaus steht unter [[Denkmalschutz]]. Es ist, wie Pürstl bemerkt, nicht nur das auffälligste, sondern auch das interessanteste Haus im Tal. Ein bedeutendes Erbe aus der Vergangenheit ist das [[Gotik|gotische]] Gewölbe im Samerstall. | + | Der Gasthof wurde als Taverne zur [[Pfarrkirche zum hl. Leonhard (Leogang)|Pfarrkirche zum hl. Leonhard]] [[1326]] erstmals urkundlich erwähnt. Damit ist es das älteste durchgehend bewirtschaftete Gasthaus im [[Land Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] (in der [[Stadt Salzburg]] ist der [[Peterskeller]] noch älter). Der benachbarte Samerstall, der zum Besitz gehört, dürfte noch älter sein. Barbara Kottke, die mit ihrem Bruder Hans-Jörg Unterrainer den Kirchenwirt führt, sagt, hier sei eine Pferdewechselstelle für den Handel zwischen [[Südtirol]] und dem [[Erzstift Salzburg]] gewesen. Die [[Samer]] transportierten mit ihren Tieren vor allem [[Salz]], [[Wein]] und Gewürze über die [[Alpen]]. Die Kammern der Samer befanden sich direkt über dem Stall. So nützte man die von den Tieren aufsteigende Wärme. Das ganze Ensemble mit dem Kirchenwirt und dem Samerstall im Zentrum von Leogang ist sehr gut erhalten und steht heute unter [[Denkmalgeschützte Objekte in Leogang|Denkmalschutz]]. |
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| | + | [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] ließ seine Geliebte [[Salome Alt]] hier einige Zeit wohnen, da das Gebäude als hof[[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#U|urbar]]<nowiki>es</nowiki> Lehen den Fürsterzbischöfen gehörte. |
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| | + | Das Gasthaus ist nicht nur das auffälligste, sondern auch das interessanteste Haus im [[Leoganger Tal]]. Ein bedeutendes Erbe aus der Vergangenheit ist das [[Gotik|gotische]] Gewölbe im Samerstall. |
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| − | Von [[2010]] bis [[2014]] wurde das Haus renoviert. Dabei entfernte man an der Außenseite den alten Kalkputz und stellte fest, dass das Haus bis zum Dach mit Bachsteinen errichtet worden war. Damit das Haus atmen kann, wurde neuerlich Kalkputz aufgetragen. Renoviert wurde auch das Kellergewölbe, das aus dem [[Mittelalter]] stammt. Hier ragen man noch immer die Haken von der Decke, an denen einst die Lebensmittel aufgehängt wurden, um sie vor Mäusen zu schützen. Es wurde [[2025]] reaktiviert und wird als Galerie genutzt.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/kultur/im-gasthof-salzburgs-galerie-174802396 www.sn.at], 8. März 2025</ref> Im großen Vorraum sieht man noch jene Metallringe, an denen die Gäste früher ihre Pferde anbanden. | + | Von [[2010]] bis [[2014]] wurde das Haus renoviert. Dabei entfernte man an der Außenseite den alten Kalkputz und stellte fest, dass das Haus bis zum Dach mit Bachsteinen errichtet worden war. Damit das Haus atmen kann, wurde neuerlich Kalkputz aufgetragen. Renoviert wurde auch das Kellergewölbe, das aus dem [[Mittelalter]] stammt. Hier ragen man noch immer die Haken von der Decke, an denen einst die Lebensmittel aufgehängt wurden, um sie vor Mäusen zu schützen. Es wurde [[2025]] reaktiviert und wird als Galerie genutzt. Im großen Vorraum sieht man noch jene Metallringe, an denen die Gäste früher ihre Pferde anbanden. |
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| | Die "Gänge" vor den Zimmern sind keine Schläuche, sondern richtige Säle, die früher auch als Tanzboden genutzt wurden. Bis nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] gab es nämlich keine Gästezimmer; in den Zimmern wohnten normale Mieter und Handwerker, denen die Vorräume als Gemeinschaftszimmer dienten. Im Haus waren Klassen der [[Volksschule Leogang|Volksschule]], [[Bergknappen]], eine Tischlerei, eine Schneiderei und auch ein Schreiber untergebracht. Der Schreiber berichtete nach Salzburg, als das Haus zum erzbischöflichen Besitz gehörte. | | Die "Gänge" vor den Zimmern sind keine Schläuche, sondern richtige Säle, die früher auch als Tanzboden genutzt wurden. Bis nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] gab es nämlich keine Gästezimmer; in den Zimmern wohnten normale Mieter und Handwerker, denen die Vorräume als Gemeinschaftszimmer dienten. Im Haus waren Klassen der [[Volksschule Leogang|Volksschule]], [[Bergknappen]], eine Tischlerei, eine Schneiderei und auch ein Schreiber untergebracht. Der Schreiber berichtete nach Salzburg, als das Haus zum erzbischöflichen Besitz gehörte. |
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| − | Alle 17 Zimmer sind unterschiedlich gestaltet und haben ein Motto, das mit ihrer Geschichte zusammenhängt. So gibt es ein Knappenzimmer und das Schreiberzimmer. Für die Restaurierung wurden eigens Zeitzeugen befragt, die früher noch selbst im Haus gelebt hatten. "Die Gäste lieben es, dass jedes Zimmer anders ist", sagt die Wirtin. "Viele Stammgäste wollen immer dasselbe Zimmer haben, wenn sie zu uns kommen." | + | Alle 17 Zimmer sind unterschiedlich gestaltet und haben ein Motto, das mit ihrer Geschichte zusammenhängt. So gibt es ein Knappenzimmer und das Schreiberzimmer. Für die Restaurierung wurden eigens Zeitzeugen befragt, die früher noch selbst im Haus gelebt hatten. |
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| − | == Geschichte == | + | === Galerie im Samerstall === |
| − | Eine erstmalige urkundliche Erwähnung des Hauses findet sich im Jahr [[1326]]. Damit ist der Kirchenwirt das älteste Wirtshaus im Land Salzburg. Kaiser und Könige machten in den vergangenen Jahrhunderten im Kirchenwirt Halt. [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] ließ seine Geliebte [[Salome Alt]] hier einige Zeit wohnen, da das Gebäude als hof[[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#U|urbar]]<nowiki>es</nowiki> Lehen den Fürsterzbischöfen gehörte.
| + | Dass das Gewölbe künftig als Galerie genützt wird, hat mit der international bekannten Malerin [[Evi Fersterer]] aus [[Saalbach]] zu tun. Sie hatte beim Kirchenwirt ihre Jugend verbracht und habe sich zum Malen in das nun freigelegte Gewölbe zurückgezogen, sagt ihre Nichte Barbara Kottke. Im Alter von 19 Jahren heiratete Evi [[1968]] Sepp Fersterer aus Saalbach und baute mit ihm das Hotel Hinterhag und die legendäre Hinterhagalm auf, wo das Après-Ski begann. Daneben beschäftigte sie sich immer intensiver mit der Malerei. |
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| | + | Die neue Galerie nennt sich "kunSTall". Neben der Dauerausstellung mit den Werken von Evi Fersterer gibt es in einem zweiten Raum wechselnde Ausstellungen von jungen Künstlern. Eine Eröffnung oder Vernissage gab es nicht und wird es auch nicht geben. |
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| | + | === Besitzerfolge === |
| | Die nachgewiesene Besitzerfolge ist diese: | | Die nachgewiesene Besitzerfolge ist diese: |
| | * [[1562]]: Salome Kharl''in'' kauft von den Kindern ihres ersten Mannes namens Nesslinger deren Anteile | | * [[1562]]: Salome Kharl''in'' kauft von den Kindern ihres ersten Mannes namens Nesslinger deren Anteile |
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| | * [[1646]] bis [[1755]] Familie Piebmpacher (Pirnbacher), und zwar | | * [[1646]] bis [[1755]] Familie Piebmpacher (Pirnbacher), und zwar |
| | ** 1646: Rupprecht, | | ** 1646: Rupprecht, |
| − | ** 1667: Jakob, | + | ** [[1667]]: Jakob, |
| − | ** 1702: Franz, | + | ** [[1702]]: Franz, |
| − | ** 1747: Josef Franz durch Kauf und (dessen Tod) | + | ** [[1747]]: Josef Franz durch Kauf und (dessen Tod) |
| − | ** 1754: dessen Töchter, | + | ** [[1754]]: dessen Töchter, |
| − | * 1755 bis [[1830]] Familie [[Poschacher]] (Potschacher), und zwar | + | * [[1755]] bis [[1830]] Familie [[Poschacher]] (Potschacher), und zwar |
| − | ** 1755: Georg (* 1736; † 1766), der die Witwe Anna Pirnbacher''in'' geborene Schaller''in'' heiratet; | + | ** 1755: Georg (* [[1736]]; † 1766), der die Witwe Anna Pirnbacher''in'', geborene Schaller''in'', heiratet; |
| − | ** 1766: Sebastian (* 1746; † 1815), Georgs Bruder, verheiratet mit Maria Agathe (* 1747; † 1786), Tochter des vorgenannten Josef Franz Pirnbacher und der vorgenannten Anna Poschacher''in'' verw. Pirnbacher''in'' geborene Schaller''in'', | + | ** [[1766]]: Sebastian (* [[1746]]; † [[1815]]), Georgs Bruder, verheiratet mit Maria Agathe (* 1747; † [[1786]]), Tochter des vorgenannten Josef Franz Pirnbacher und der vorgenannten Anna Poschacher''in'' verw. Pirnbacher''in'' geborene Schaller''in'', |
| − | ** 1801: Johann oder Josef (einer der elf Söhne Sebastians), | + | ** [[1801]]: Johann oder Josef, einer der elf Söhne Sebastians, |
| − | ** 1826: Georg; | + | ** [[1826]]: Georg; |
| − | * 1830: Mathias und Agathe Schwarzbäck durch [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#G|Gant]]<nowiki>kauf</nowiki>; | + | * [[1830]]: Mathias und Agathe Schwarzbäck durch [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#G|Gant]]<nowiki>kauf</nowiki>; |
| − | * 1870: Johann Wohlfahrtstätter im Gantwege; | + | * [[1870]]: Johann Wohlfahrtstätter im Gantwege; |
| − | * 1878: Gabriel Kröll durch Kauf; | + | * [[1878]]: Gabriel Kröll durch Kauf; |
| − | * seit [[1888]]: Familie Stöckl/Unterrainer | + | * seit [[1888]]: Familie Stöckl-Unterrainer |
| | ** 18.. (nach kurzem Zwischenbesitz) Ulrich Stöckl, Schwiegersohn des Gabriel Kröll, gewesener Irrachbauer und Unterwirt in [[Saalbach]]; | | ** 18.. (nach kurzem Zwischenbesitz) Ulrich Stöckl, Schwiegersohn des Gabriel Kröll, gewesener Irrachbauer und Unterwirt in [[Saalbach]]; |
| − | ** 1915 Georg I. Stöckl; | + | ** [[1915]] Georg I. Stöckl; |
| − | ** 1954? Georg II. und Franziska Stöckl, geborene Gassner; | + | ** [[1954]]? Georg II. und Franziska Stöckl, geborene Gassner; |
| − | ** 1976 Elisabeth und Hannes Unterrainer; | + | ** [[1976]] Elisabeth und Hannes Unterrainer; |
| − | ** 2010 Hans-Jörg Unterrainer und Barbara Unterrainer. | + | ** [[2010]] Hans-Jörg Unterrainer und Barbara Unterrainer, verheiratet Kottke. |
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| − | Seit 1888 führt die Familie Stöckl/Unterrainer den Kirchenwirt, mittlerweile in fünfter Generation. Hans-Jörg Unterrainer und seine Schwester Barbara (verh. Kottke) haben 2010 das Wirtshaus von ihren Eltern übernommen. | + | Seit 1888 führt die Familie Stöckl-Unterrainer den Kirchenwirt, mittlerweile in fünfter Generation. Hans-Jörg Unterrainer und seine Schwester Barbara haben [[2010]] das Wirtshaus von ihren Eltern übernommen. |
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| − | 2015 erhielt der Kirchenwirt die vom renommierten "Wirtshausführer Österreich" vergebene begehrte Auszeichnung "Wirt des Jahres"; es war dies zum erste Mal, dass die Wahl auf ein westösterreichisches Wirtshaus fiel. | + | 2015 erhielt der Kirchenwirt die vom renommierten "Wirtshausführer Österreich" vergebene begehrte Auszeichnung "Wirt des Jahres". Es war dies zum erste Mal, dass die Wahl auf ein westösterreichisches Wirtshaus fiel. |
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| | == Quellen == | | == Quellen == |
| | {{homepage|https://www.hotelkirchenwirt.at}} | | {{homepage|https://www.hotelkirchenwirt.at}} |
| − | * [[SN]], Lokalausgabe, 19. September 2012: [http://search.salzburg.com/display/ks191000_19.09.2012_41-42339016 ''Neuer Schwung im ältesten Gasthaus Salzburgs''] ([[Anton Kaindl]]) | + | * "[[Salzburger Nachrichten]]": |
| − | * SN, Lokalausgabe, 30. August 2014: [http://search.salzburg.com/display/ks300800_30.08.2014_41-54344465 ''Zum "Wirt des Jahres" gekürt''] (Anton Kaindl)
| + | : Lokalausgabe, 19. September 2012: [http://search.salzburg.com/display/ks191000_19.09.2012_41-42339016 ''Neuer Schwung im ältesten Gasthaus Salzburgs''], ein Beitrag von [[Anton Kaindl]] |
| − | * [[Ludwig Pürstl|Pürstl, Ludwig]]: ''Leoganger Heimatkunde'' (erschienen 1953/54), S. 77-81 | + | : Lokalausgabe, 30. August 2014: [http://search.salzburg.com/display/ks300800_30.08.2014_41-54344465 ''Zum "Wirt des Jahres" gekürt''], ein Beitrag von Anton Kaindl |
| | + | _ [https://www.sn.at/salzburg/kultur/im-gasthof-salzburgs-galerie-174802396 www.sn.at], 8. März 2025: "Kirchenwirt in Leogang: Im ältesten Gasthof Salzburgs gibt es eine neue Galerie", ein Beitrag von Anton Kaindl |
| | + | * [[Ludwig Pürstl|Pürstl, Ludwig]]: "Leoganger Heimatkunde", erschienen 1953/54, S. 77-81 |
| | * [[Poschacher]]-Familienchronik | | * [[Poschacher]]-Familienchronik |
| | *[[APA]]/OTS, 4. September 2014: [http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140904_OTS0036/der-wirtshausfuehrer-oesterreich-2015-ist-da-bild ''Der Wirtshausführer Österreich 2015 ist da''] | | *[[APA]]/OTS, 4. September 2014: [http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140904_OTS0036/der-wirtshausfuehrer-oesterreich-2015-ist-da-bild ''Der Wirtshausführer Österreich 2015 ist da''] |
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| − | == Einzelnachweis ==
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| − | <references/>
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