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Doch aller Anfang war schwer – oder ''ohne Noten koa Musi''. Auf gut deutsch hieß das: Michael Fuchsberger musste sich zunächst einmal auf die Suche nach brauchbaren Noten machen, selbst wenn er viele Melodien im Kopf hatte und aufgrund seiner musikalischen Begabung auch in der Lage war, sie auf Papier zu bringen.
 
Doch aller Anfang war schwer – oder ''ohne Noten koa Musi''. Auf gut deutsch hieß das: Michael Fuchsberger musste sich zunächst einmal auf die Suche nach brauchbaren Noten machen, selbst wenn er viele Melodien im Kopf hatte und aufgrund seiner musikalischen Begabung auch in der Lage war, sie auf Papier zu bringen.
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Fündig wurde der Gründer der Koppler Trachtenmusikkapelle dabei vor allem beim "Lahner“, dem damaligen Kapellmeister in der [[Faistenau]], der über ein großes Notenarchiv verfügte. Erfreut über diesen Fund nahm er den Griffel in die Hand, um Notenblatt für Notenblatt abzuschreiben.
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Fündig wurde der Gründer der Koppler Trachtenmusikkapelle dabei vor allem beim "Lahner", dem damaligen Kapellmeister in der [[Faistenau]], der über ein großes Notenarchiv verfügte. Erfreut über diesen Fund nahm er den Griffel in die Hand, um Notenblatt für Notenblatt abzuschreiben.
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Die Ebenauer, die unliebsame Konkurrenz fürchteten, bekamen Wind davon, was sich beim "Lahner“ abspielte. Sie sannen auf Rache und schlichen sich an das Haus des Faistenauer Kapellmeisters, um dem Koppler eine Abreibung zu verpassen. Doch der entkam knapp – über Stall und Hinterausgang. Ein bitterer Wermutstropfen blieb trotzdem: Die eigene Haut war gerettet, nicht aber alles Notenmaterial, das er schon übertragen hatte. Das vernichteten die Ebenauer. Doch was ein richtiger Koppler ist, der geht seinen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt und geradlinig weiter. Also alles wieder von vorne.
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Die Ebenauer, die unliebsame Konkurrenz fürchteten, bekamen Wind davon, was sich beim "Lahner" abspielte. Sie sannen auf Rache und schlichen sich an das Haus des Faistenauer Kapellmeisters, um dem Koppler eine Abreibung zu verpassen. Doch der entkam knapp – über Stall und Hinterausgang. Ein bitterer Wermutstropfen blieb trotzdem: Die eigene Haut war gerettet, nicht aber alles Notenmaterial, das er schon übertragen hatte. Das vernichteten die Ebenauer. Doch was ein richtiger Koppler ist, der geht seinen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt und geradlinig weiter. Also alles wieder von vorne.
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Beschwerlich war für Fuchsberger jedenfalls die Arbeit als Kapellmeister. Das schwierigste daran war wohl die Ausbildung der Jungmusiker. So haperte es beim einen daran, dass er keine Noten lesen konnte, beim anderen, dass er die Noten in eine Melodie umsetzen konnte. So sang und pfiff Fuchsberger seinen Musikern die Stücke so lange vor, bis sie sie "drinnen“ hatten.
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Beschwerlich war für Fuchsberger jedenfalls die Arbeit als Kapellmeister. Das schwierigste daran war wohl die Ausbildung der Jungmusiker. So haperte es beim einen daran, dass er keine Noten lesen konnte, beim anderen, dass er die Noten in eine Melodie umsetzen konnte. So sang und pfiff Fuchsberger seinen Musikern die Stücke so lange vor, bis sie sie "drinnen" hatten.
    
In den Anfängen rückten die Koppler Musikanten neben kirchlichen Anlässen hauptsächlich zu Hochzeiten und zu Gartenfesten in [[Guggenthal]] aus. Die Gartenfeste fanden, im Gegensatz zum heute beliebten Frühschoppen, Sonntag nachmittags statt. Die Koppler, Guggenthaler, aber auch die Leute aus [[Gnigl]] kamen bei diesen Anlässen zusammen, um miteinander zu plaudern; getanzt wurde nicht.
 
In den Anfängen rückten die Koppler Musikanten neben kirchlichen Anlässen hauptsächlich zu Hochzeiten und zu Gartenfesten in [[Guggenthal]] aus. Die Gartenfeste fanden, im Gegensatz zum heute beliebten Frühschoppen, Sonntag nachmittags statt. Die Koppler, Guggenthaler, aber auch die Leute aus [[Gnigl]] kamen bei diesen Anlässen zusammen, um miteinander zu plaudern; getanzt wurde nicht.
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Gerne eingeladen wurden die Koppler Trachtenmusiker am Anfang der [[20. Jahrhundert]]s und vor allem nach dem [[Ersten Weltkrieg]] zu Konzerten in die Stadt Salzburg. Für die Auftritte in der Stadt verlangte man von den Kopplern, dass sie in der so genannten "Alten Tracht“, einer Bauerntracht des zu Ende gehenden [[19. Jahrhundert]]s, auftraten. Die Tracht bestand aus einem grauen Trachtenrock mit Stehkragen und Revers, sowie einem grauen Hut mit grünem Band. Sie musste von den Musikern teilweise ausgeliehen werden.
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Gerne eingeladen wurden die Koppler Trachtenmusiker am Anfang der [[20. Jahrhundert]]s und vor allem nach dem [[Ersten Weltkrieg]] zu Konzerten in die Stadt Salzburg. Für die Auftritte in der Stadt verlangte man von den Kopplern, dass sie in der so genannten "Alten Tracht", einer Bauerntracht des zu Ende gehenden [[19. Jahrhundert]]s, auftraten. Die Tracht bestand aus einem grauen Trachtenrock mit Stehkragen und Revers, sowie einem grauen Hut mit grünem Band. Sie musste von den Musikern teilweise ausgeliehen werden.
    
===In der Zwischenkriegszeit===
 
===In der Zwischenkriegszeit===
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Johann Fuchsberger, der Sohn des Gründers, übernahm 1945 den notwendig gewordenen Wiederaufbau und leitete die Musikkapelle bis 1955. 1949 gab es dann eine neue Tracht, die Röcke blieben grau, dazu kamen schwarze Hosen und ein Salzburger Hut mit Schildhahnfeder.
 
Johann Fuchsberger, der Sohn des Gründers, übernahm 1945 den notwendig gewordenen Wiederaufbau und leitete die Musikkapelle bis 1955. 1949 gab es dann eine neue Tracht, die Röcke blieben grau, dazu kamen schwarze Hosen und ein Salzburger Hut mit Schildhahnfeder.
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1955 übernahm der überaus beliebte Johann Leitner das Amt des Kapellmeisters. Er drückte der Musik seinen Stempel bis 1969 auf, als er leider allzu früh im Alter von 43 Jahren von einem heimtückischen Krebsleiden besiegt wurde. Josef Teufl (Obmann von 1956 bis 1980) beschrieb ihn als überaus umgänglichen und lebenslustigen Kameraden: "''Er war musikalisch unumstritten, hat Zwistigkeiten rasch vergessen und war nie nachtragend.''
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1955 übernahm der überaus beliebte Johann Leitner das Amt des Kapellmeisters. Er drückte der Musik seinen Stempel bis 1969 auf, als er leider allzu früh im Alter von 43 Jahren von einem heimtückischen Krebsleiden besiegt wurde. Josef Teufl (Obmann von 1956 bis 1980) beschrieb ihn als überaus umgänglichen und lebenslustigen Kameraden: "''Er war musikalisch unumstritten, hat Zwistigkeiten rasch vergessen und war nie nachtragend.''"
    
Erwähnenswert aus den [[1960er|Sechzigerjahren]] des vorigen Jahrhunderts sind auch die schwierigen Umstände, unter denen 1964 die Neuinstrumentierung erfolgte. Die Musikkameraden mussten alles selbst vorfinanzieren. Jeder zahlte 2.000 [[Schilling]] in die Kasse, das Geld bekam man in zwei Jahresraten wieder zurück. Für die rund 100.000 Schilling, die erforderlich waren, spendeten die Koppler Bauern Bäume, durch deren Verkauf die Musikkapelle Einnahmen erzielte.
 
Erwähnenswert aus den [[1960er|Sechzigerjahren]] des vorigen Jahrhunderts sind auch die schwierigen Umstände, unter denen 1964 die Neuinstrumentierung erfolgte. Die Musikkameraden mussten alles selbst vorfinanzieren. Jeder zahlte 2.000 [[Schilling]] in die Kasse, das Geld bekam man in zwei Jahresraten wieder zurück. Für die rund 100.000 Schilling, die erforderlich waren, spendeten die Koppler Bauern Bäume, durch deren Verkauf die Musikkapelle Einnahmen erzielte.
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Nach dem frühen Tod von Johann Leitner übernahm zwischen 1969 und 1975 Hermann Fuchsberger (vulgo Eggerbauer) die musikalische Leitung, der dieses Amt noch einmal von 1979 bis 1982 inne hatte. Auf ihn folgte das Intermezzo des Franz Reichl (1975–1976), der sehr bald die Kapellmeisterposition zurücklegte, da er eine Stelle als Posaunist am Stadttheater Ulm in [[Deutschland]] erhielt.
 
Nach dem frühen Tod von Johann Leitner übernahm zwischen 1969 und 1975 Hermann Fuchsberger (vulgo Eggerbauer) die musikalische Leitung, der dieses Amt noch einmal von 1979 bis 1982 inne hatte. Auf ihn folgte das Intermezzo des Franz Reichl (1975–1976), der sehr bald die Kapellmeisterposition zurücklegte, da er eine Stelle als Posaunist am Stadttheater Ulm in [[Deutschland]] erhielt.
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Danach kam der Enkel des Gründers, der Ebenbauer Johann Fuchsberger als musikalischer Leiter der Trachtenmusikkapelle. Er führte die Musikanten, mit einer Unterbrechung (1979–1982), von 1976 bis 1991 dreizehn Jahre an. Unter seiner Regentschaft gab es die ersten Studioaufnahmen beim [[ORF|ORF-Landesstudio Salzburg]] (1986) und die erste Teilnahme an einem Wertungsspiel (1990). Der Abschied war von leichter Resignation und Verärgerung begleitet. Im Jahresbericht 1990/91 hält der Chronist schriftlich fest:  Es werde zu Hause zu wenig geübt, dadurch habe man keinen "Ansatz“. Es gebe zu viele Ausreden, um versäumte Probenbesuche zu entschuldigen. Fazit des Kapellmeisters: "''Die moderne Freizeitgesellschaft hat heutzutage viel mehr zu bieten als zu Zeiten meines Großvaters.''Die Musik sei leider für viele nicht mehr die ganz große Leidenschaft, der man früher alles unterordnete.
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Danach kam der Enkel des Gründers, der Ebenbauer Johann Fuchsberger als musikalischer Leiter der Trachtenmusikkapelle. Er führte die Musikanten, mit einer Unterbrechung (1979–1982), von 1976 bis 1991 dreizehn Jahre an. Unter seiner Regentschaft gab es die ersten Studioaufnahmen beim [[ORF|ORF-Landesstudio Salzburg]] (1986) und die erste Teilnahme an einem Wertungsspiel (1990). Der Abschied war von leichter Resignation und Verärgerung begleitet. Im Jahresbericht 1990/91 hält der Chronist schriftlich fest:  Es werde zu Hause zu wenig geübt, dadurch habe man keinen "Ansatz". Es gebe zu viele Ausreden, um versäumte Probenbesuche zu entschuldigen. Fazit des Kapellmeisters: "''Die moderne Freizeitgesellschaft hat heutzutage viel mehr zu bieten als zu Zeiten meines Großvaters.''" Die Musik sei leider für viele nicht mehr die ganz große Leidenschaft, der man früher alles unterordnete.
    
Mit Beginn der [[1980er|Achtzigerjahre]], also bereits unter Johann Fuchsberger, begann eine kontinuierliche Jugendarbeit. Mit der Einführung von Musikschulen und der Ausbildung der Musiker von professionellen Lehrern wurden sowohl die Quantität wie auch die Qualität in der Musikkapelle gesteigert. Waren es bis Ende der [[1970er|Siebzigerjahre]] ca. 30 Spielleute, so wuchs die Kapelle bis zur Jahrtausendwende auf ca. 50 Musiker und Musikerinnen an. Durch die Verjüngung der Kapelle wird auch teilweise eine modernere Literatur gespielt. Seit 1991 übte [[Wolfgang Bahngruber]] ([[Volksschule Guggenthal|Volksschuldirektor]] in Guggenthal) das schwierige, aber ungemein reizvolle Amt des Kapellmeisters aus. Er verschloss sich neuen Komponisten nicht und vergisst dabei auch nicht auf das Traditionelle. Besonders war er darauf bedacht, dass sich sowohl die jungen wie auch die älteren Musikanten in der Musikkapelle akzeptiert wissen.
 
Mit Beginn der [[1980er|Achtzigerjahre]], also bereits unter Johann Fuchsberger, begann eine kontinuierliche Jugendarbeit. Mit der Einführung von Musikschulen und der Ausbildung der Musiker von professionellen Lehrern wurden sowohl die Quantität wie auch die Qualität in der Musikkapelle gesteigert. Waren es bis Ende der [[1970er|Siebzigerjahre]] ca. 30 Spielleute, so wuchs die Kapelle bis zur Jahrtausendwende auf ca. 50 Musiker und Musikerinnen an. Durch die Verjüngung der Kapelle wird auch teilweise eine modernere Literatur gespielt. Seit 1991 übte [[Wolfgang Bahngruber]] ([[Volksschule Guggenthal|Volksschuldirektor]] in Guggenthal) das schwierige, aber ungemein reizvolle Amt des Kapellmeisters aus. Er verschloss sich neuen Komponisten nicht und vergisst dabei auch nicht auf das Traditionelle. Besonders war er darauf bedacht, dass sich sowohl die jungen wie auch die älteren Musikanten in der Musikkapelle akzeptiert wissen.
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In seiner über 20-jährigen Tätigkeit als Kapellmeister wurden jährlich zwei  Konzerte gespielt, welche die musikalischen Höhepunkte für die Musikanten darstellten. Daneben wurden zwei Tonträger aufgenommen und wurde an zwei  Wertungsspielen teilgenommen. Der erste Tonträger mit dem Titel "Durchs Jahr, durchs Lebn“ entstand im Jahre 1996, anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Trachtenmusikkapelle. 2011 folgte die zweite CD, gemeinsam mit weiteren Musikgruppen und Chören aus Koppl, mit dem Titel "Verkabelt“.
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In seiner über 20-jährigen Tätigkeit als Kapellmeister wurden jährlich zwei  Konzerte gespielt, welche die musikalischen Höhepunkte für die Musikanten darstellten. Daneben wurden zwei Tonträger aufgenommen und wurde an zwei  Wertungsspielen teilgenommen. Der erste Tonträger mit dem Titel "Durchs Jahr, durchs Lebn" entstand im Jahre 1996, anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Trachtenmusikkapelle. 2011 folgte die zweite CD, gemeinsam mit weiteren Musikgruppen und Chören aus Koppl, mit dem Titel "Verkabelt".
    
Im Jahr 2015 löste Lukas Bahngruber seinen Vater Wolfgang als Kapellmeister ab. Im selben Jahr übernahm Ägidius Trickl das Amt des Obmanns von Matthias Mösl, der drei Jahre zuvor dem langjährigen Obmann Martin Reichl nachgefolgt war.
 
Im Jahr 2015 löste Lukas Bahngruber seinen Vater Wolfgang als Kapellmeister ab. Im selben Jahr übernahm Ägidius Trickl das Amt des Obmanns von Matthias Mösl, der drei Jahre zuvor dem langjährigen Obmann Martin Reichl nachgefolgt war.