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[[1690]] und [[1750]] fanden erste Restaurierungen der Kapelle statt. Die Gabrielskapelle wurde um [[2000]] von der Stadtrestauratorin [[Ursula Mair]] und ihren Mitarbeitern in Stand gesetzt.
 
[[1690]] und [[1750]] fanden erste Restaurierungen der Kapelle statt. Die Gabrielskapelle wurde um [[2000]] von der Stadtrestauratorin [[Ursula Mair]] und ihren Mitarbeitern in Stand gesetzt.
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== Beschreibungen ==
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== Beschreibung ==
==== Beschreibung von Thomas Schmiedbauer ====
   
[[Datei:Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau Gabrielskapelle Sebastiansfriedhof 01.jpg|thumb|Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau]]
 
[[Datei:Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau Gabrielskapelle Sebastiansfriedhof 01.jpg|thumb|Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau]]
Der Bau besitzt einen kreisrunden Grundriss mit einer angebauten rechteckigen Apsis. Außen ist der Bau durch toskanische Pilaster gegliedert.<ref>[https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Sebastiansfriedhof austria-forum.org]</ref>
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Die Gabrielskapelle wurde 1597-1603 im Stil der späten [[Renaissance]] bzw. des Manierismus in der Mitte des fast quadratischen St. Sebastian- Friedhofes errichtet. Der im Grundriss kreisrunder Bau besitzt angebaut eine rechteckige Apsis. Außen ist der Bau durch toskanische Pilaster gegliedert.<ref>[https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Sebastiansfriedhof austria-forum.org]</ref> Das kuppelförmige Kupferdach mit seinen vier kleinen Gauben ist nach außen hin leicht geschweift. Im Giebel über dem Eingang findet sich das Wappen des Erzbischofs. Das schmiedeeiserne Eingangsgitter stammt ebenfalls noch aus der Zeit der Erbauung um 1600.
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Innen ist die Kapelle überaus reich ausgestattet und ist vergleichsweise auffallend bunt gestaltet. Die Innenwand des Rundbaus ist mit mittelgroßen quadratischen Keramikfliesen in acht auffälligen Farben (Gelb, Ocker, Mintgrün, Dunkelgrün, Azur-blau, Lapislazuli-blau, Lila und Weiß), angeordnet in vertikalen und horizontalen Bändern, die Kuppel mit kleinen rautenförmigen Keramikfliesen in den Farben gelb und blau verkleidet.
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Keramikfliesen wurden als Wandschmuck in der Antike schon in Ägypten und Persien bekannt. Die islamischen Mauren brachten die Fliesen auf die Iberische Halbinsel. In der frühen Neuzeit wurde Holland ein Mittelpunkt der Fliesenherstellung. Die Fliesen in der Kapelle gehen dabei auch auf maurische und byzantinische Vorbilder zurück. Sie sind im deutschen Raum einzigartig.
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Die großen Statuen in den seitlichen Nischen sind die vier Evangelisten des Neuen Testamentes:
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* Matthäus (Symbol Mensch),
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* Markus (Symbol Löwe),
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* Lukas (Symbol Stier) und
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* Johannes (Symbol Adler).
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Umgeben werden diese Skulpturen von Halbreliefs weiblicher Karyatiden mit geflochtenen Fischschwänzen.
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Das Altarblatt der Kapelle mit Jesus, seinen Jüngern die Füße waschend, malte [[Jakob Zanussi]] [[1749]] auf Kupfer.<ref>[https://books.google.at/books?id=wppmAAAAcAAJ&pg=PA52 Touristen-Handbuch für Salzburg, 1845]</ref> Der ursprüngliche Altar mit dem gleichen Motiv war eine Reliefarbeit von [[Hans Waldburger]].<ref>Hildegard Kretschmer, Reclams Städteführer Salzburg: Architektur und Kunst, 2016</ref> Die seitlichen Figuren des Heiligen Christophorus und des Heiligen Georg aus der Mitte des 17. Jahrhunderts werden [[Anton Pfaffinger]] zugeschrieben. Zuoberst auf dem Altar findet sich im gesprengten Giebel erneut das Wappen des Erzbischofs.
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Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit Kapitel), der mittig in bunten Farben erneut das Prunkwappen von Wolf Dietrich zeigt. Das folgende Rundbogengewölbe wurde mit buntem [[Stuck]] (wohl von Elia Castello) — ähnlich wie in der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] — ausgestattet. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. Mittig befindet sich das [[Wappen der Fürsterzbischöfe|Prunkwappen]] von Wolf Dietrich von Raitenau (Hut mit zwei Federn, roter Löwe mit Blau in goldenem Schrägbalken, mittig schwarze Kugel auf silbernem Feld).
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In den Ecken des Gewölbebogens befinden sich vier Felder mit quadratischem Rahmen, in denen die vier alten Kirchenväter dargestellt werden, die alle ein gelehrtes Buch in Händen halten:
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*der Hl. Gregor mit päpstlicher Tiara und einer Taube,
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*der Hl. Hieronymus mit einem roten Kardinalshut,
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*der Hl. Augustinus mit grünen (innen goldenen) Gewand und einem weißen Bart unter dem Bischofshut sowie
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*der Hl. Ambrosius, der mit goldenem Gewand (innen grün) und ebenfalls mit einem weißen Bart unter dem Bischofshut dargestellt wurde.
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Die Gabrielskapelle wurde im Stil der [[Renaissance]] errichtet und innen reich ausgestattet. Sie ist vergleichsweise auffallend bunt gestaltet. Die Innenwand des Rundbaus ist mit mittelgroßen quadratischen Keramikfliesen in acht auffällig bunten Farben (Gelb, Ocker, Mintgrün, Dunkelgrün, Azur-blau, Lapislazuli-blau, Lila und Weiß), mosaikartig angeordnet in vertikalen und horizontalen Bändern, die Kuppel mit kleinen quadratischen Keramikfliesen in den Farben gelb und blau (gleich wie die Kuppel des Badezimmer in der Neuen Residenz) verkleidet. Keramikfliesen waren damals ein typisches Gestaltungselement in der islamisch-arabischen Architektur und im deutschen Raum einzigartig.  
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Dazwischen finden sich vier Felder mit ovalem Rahmen, in denen die vier Kardinaltugenden als farbige allegorische Frauenfiguren zu sehen sind:
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*die Gerechtigkeit (lat. ''iustitia'' mit den Attributen Waage und Schwert),  
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*die Mäßigung (lat. ''temperantia'' mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale),  
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*die Stärke (lat. ''fortitudo'' mit dem Attribut Säule) und  
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*die Weisheit (lat. ''sapientia'' mit dem Attribut Spiegel).  
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Die großen Statuen in den seitlichen Nischen sind die vier Evangelisten aus dem Neuen Testament: Matthäus (Symbol Mensch), Markus (Symbol Löwe), Lukas (Symbol Stier) und Johannes (Symbol Adler). Sie stammen vermutlich von [[Josef Anton Pfaffinger]].
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Die Seitenwände der Altarnische sind mit farbigen Kacheln geschmückt, die ein umlaufendes Blattrankenornament zeigen.
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Der Boden ist mit quadratischen Steinen aus rotem [[Adneter Marmor]] und weißem [[Untersberger Marmor]] ausgelegt. In der Mitte ist im Boden ein Bronzegitter eingelassen, das den Blick in die darunter liegende Grabkammer des Erzbischofs ermöglicht. Hier liegt der Sarkophag von Wolf Dietrich von Raitenau, der 1967 in den alten Formen neu errichtet worden war.  
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Das Altarblatt der Kapelle, die Fußwaschung, malte [[Jakob Zanussi]] [[1749]] auf Kupfer.<ref>[https://books.google.at/books?id=wppmAAAAcAAJ&pg=PA52 Touristen-Handbuich für Salzburg, 1845]</ref> Der ursprüngliche Altar war eine Arbeit von [[Hans Waldburger]].<ref>Hildegard Kretschmer, Reclams Städteführer Salzburg: Architektur und Kunst, 2016</ref>
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==== Ausführungen seitens prominter Kunsthistoriker ====
 
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===== Franz Fuhrmann (Auszug) <ref>Quelle [[Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des barocken Salzburg.]], [[1987]] , Seite 201f</ref> (Auszug) =====
Über dem Altar befindet sich ein Rundbogengewölbe, das mit buntem [[Stuck]] von Elia Castello — ähnlich wie in der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] — ausgestattet wurde. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. In Zentrum befindet das [[Wappen der Fürsterzbischöfe|Wappen]] von Wolf Dietrich von Raitenau (schwarze Kugel auf silbernem Feld). Umgeben ist es von vier Feldern mit ovalem Rahmen, in denen die vier Grundtugenden oder Kardinaltugenden als allegorische weibliche Figuren in Farbe dargestellt sind: die Gerechtigkeit (lat. ''iustitia'' mit den Attributen Waage und Schwert), die Mäßigung (lat. ''temperantia'' mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale), die Stärke (lat. ''fortitudo'' mit dem Attribut Säule) und die Weisheit (lat. ''sapientia'' mit dem Attribut Spiegel). In den Ecken sind vier Felder mit quadratischem Rahmen, in denen vier Kirchenmänner (zwei Bischöfe, ein Kardinal und der Papst) dargestellt sind.
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Die Seitenwände der Altarnische sind mit farbigen Kacheln geschmückt, die eine umlaufende Ranke (Akanthus?) zeigen. 
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Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit korinthischem Kapitel), der im Zenit das Wappen von Wolf Dietrich (schwarze Kugel auf silbernem Feld) in bunten Farben zeigt. Auch sonst ist überall in der Kapelle und am Altar das Wappen des Fürsterzbischofs zu sehen. Auch in der Mitte der Laterne, wo sich nach katholischer Tradition ein Symbol für die Dreifaltigkeit befinden sollte, sehen wir das Wappen des Raitenauers, umgeben von einem Kranz aus acht Engelsköpfen. Es weist eine Besonderheit auf: Unter der schwarzen Kugel an der Basis der Voluten befindet sich ein bürgerlichem ''Frauenkopf'', zu erkennen an der Haartracht und dem Kopftuch. Man sagt, es sehe [[Salome Alt]] ähnlich, seiner langjährigen Lebensgefährtin.
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Der Boden ist mit quadratischen Steinen aus rotem [[Adneter Marmor]] und weißem [[Untersberger Marmor]] ausgelegt. In der Mitte befindet sich eine rechtwinkelige rote Grabplatte, in die ein Bronzegitter eingelassen wurde. Darunter befindet sich die Grabkammer mit dem Sarkophag von Wolf Dietrich von Raitenau.
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==== Beschreibung nach Franz Fuhrmann<ref>Quelle [[Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des barocken Salzburg.]], [[1987]] , Seite 201f</ref> (Auszug) ====
   
Das schlichte Äußere des überkuppelten Zentralbaus mit Rechteckchor steht im Gegensatz zu seinem reich ausgestatteten Innenraum. Dieser wird von kräftigem, vergoldetem Stuck in figuraler und ornamentaler Art bestimmt, der sich mit Ausnahme der Nischen mit den überlebensgroßen Figuren der vier Evangelisten in weißem Stuck auf die Gewölbe beschränkt. Mit quadratischen, in der Kuppelschale rhombischen, Fliesenplättchen ausgestattet sind die Wände im Inneren. Die vielfach farbig schimmernden Plättchen erwecken den Eindruck distanzierter Kühle und geheimnisvoller Heiterkeit. Dies weist mehr auf die frohe Gewissheit der Auferstehung hin als auf den Ernst des Todes. Zitat "''Diesem anschaulichen Charakter entspricht das [[Patrozinium]] der Kapelle ebenso, wie deren isolierte Lage im Zentrum des Friedhofes der absolutistischen Einstellung dieses geistlichen Fürsten, der dessen ungeachtet inmitten seiner Untertanen dem Jüngsten Tag entgegenharren will.''" Den der Patron der Kapelle, Erzengel Gabriel, gilt ebenso wie der hl. [[Michael]] als Seelenführer ins Jenseits. Nur, Gabriel führt seine Seelen nicht wie Michael vor den Richterstuhl Gottes, sondern - Zitat - "''zur unmittelbaren Anschauung Gottes in der Herrlichkeit des Himmels.''". Die siebenfache Anbringung seines Wappens spricht für das Selbstbewusstseins Wolf Dietrichs.
 
Das schlichte Äußere des überkuppelten Zentralbaus mit Rechteckchor steht im Gegensatz zu seinem reich ausgestatteten Innenraum. Dieser wird von kräftigem, vergoldetem Stuck in figuraler und ornamentaler Art bestimmt, der sich mit Ausnahme der Nischen mit den überlebensgroßen Figuren der vier Evangelisten in weißem Stuck auf die Gewölbe beschränkt. Mit quadratischen, in der Kuppelschale rhombischen, Fliesenplättchen ausgestattet sind die Wände im Inneren. Die vielfach farbig schimmernden Plättchen erwecken den Eindruck distanzierter Kühle und geheimnisvoller Heiterkeit. Dies weist mehr auf die frohe Gewissheit der Auferstehung hin als auf den Ernst des Todes. Zitat "''Diesem anschaulichen Charakter entspricht das [[Patrozinium]] der Kapelle ebenso, wie deren isolierte Lage im Zentrum des Friedhofes der absolutistischen Einstellung dieses geistlichen Fürsten, der dessen ungeachtet inmitten seiner Untertanen dem Jüngsten Tag entgegenharren will.''" Den der Patron der Kapelle, Erzengel Gabriel, gilt ebenso wie der hl. [[Michael]] als Seelenführer ins Jenseits. Nur, Gabriel führt seine Seelen nicht wie Michael vor den Richterstuhl Gottes, sondern - Zitat - "''zur unmittelbaren Anschauung Gottes in der Herrlichkeit des Himmels.''". Die siebenfache Anbringung seines Wappens spricht für das Selbstbewusstseins Wolf Dietrichs.
    
Die von Kleinigkeiten original erhaltene Gabrielskapelle lassen einige stilistische Grundzüge des Kunstverständnisses des Fürsterzbischofs erkennen. Zitat "''Die Klarheit und Festigkeit des tektonischen Gefüges, die Schärfe der Linien, die Glätte der Flächen - im Inneren durch den Glanz der glasierten Tonplättchen ins Unwirkliche gesteigert -, die Isoliertheit der Einzelteile, die aber durch eine feinfühlige Proportionierung zu einer Einheit von kühler Vornehmheit verknüpft ist.''"
 
Die von Kleinigkeiten original erhaltene Gabrielskapelle lassen einige stilistische Grundzüge des Kunstverständnisses des Fürsterzbischofs erkennen. Zitat "''Die Klarheit und Festigkeit des tektonischen Gefüges, die Schärfe der Linien, die Glätte der Flächen - im Inneren durch den Glanz der glasierten Tonplättchen ins Unwirkliche gesteigert -, die Isoliertheit der Einzelteile, die aber durch eine feinfühlige Proportionierung zu einer Einheit von kühler Vornehmheit verknüpft ist.''"
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==== Beschreibung nach Hans Tietze (Auszug) ====
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===== Hans Tietze (Auszug) =====
 
Die Gabrielskapelle ist ein überaus origineller Zentralbau, an dessen dunkel gehaltenen runden Hauptraum sich die kleine hell erleuchtete Apsis anschließt. Die reiche Innendekoration, zum Teil aus bunten
 
Die Gabrielskapelle ist ein überaus origineller Zentralbau, an dessen dunkel gehaltenen runden Hauptraum sich die kleine hell erleuchtete Apsis anschließt. Die reiche Innendekoration, zum Teil aus bunten
 
Fliesen, zum Teil aus buntem Stuck ausgeführt, bewirkt einen überraschenden, höchst eigenartigen Effekt dieser einheitlichen Schöpfung des Elia Castello.
 
Fliesen, zum Teil aus buntem Stuck ausgeführt, bewirkt einen überraschenden, höchst eigenartigen Effekt dieser einheitlichen Schöpfung des Elia Castello.
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