| Zeile 2: |
Zeile 2: |
| | Die '''Gabrielskapelle''' ist die Grabkapelle (Mausoleum) des [[Fürsterzbischof]]s [[Wolf Dietrich von Raitenau]] in der [[Stadt Salzburg]]. Sie zählt, wie die gesamte Friedhofsanlage, zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt. | | Die '''Gabrielskapelle''' ist die Grabkapelle (Mausoleum) des [[Fürsterzbischof]]s [[Wolf Dietrich von Raitenau]] in der [[Stadt Salzburg]]. Sie zählt, wie die gesamte Friedhofsanlage, zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt. |
| | {{googlemapsort|Linzer+Gasse_41B+5020+Salzburg}} | | {{googlemapsort|Linzer+Gasse_41B+5020+Salzburg}} |
| − | == Lage == | + | == Einleitung == |
| − | Sie befindet sich auf dem [[Sebastiansfriedhof]] in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] Salzburgs.
| + | Die Gabrielskapelle befindet sich auf dem [[Sebastiansfriedhof]] in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen]] [[Altstadt]] Salzburgs. Ihre Weihe am [[Michaelitag]], dem [[29. September]] [[1603]], steht wahrscheinlich mit dieser Patroziniumstendenz in Verbindung. |
| | | | |
| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| − | Die dem hl. Gabriel geweihte Kapelle wurde von [[1597]] bis [[1603]] - noch zu Lebens- und Regierungszeit des Fürsterzbischofs ([[1587]] bis [[1612]]) - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs errichtet. Der architektonische Entwurf sowie die überaus originelle teils keramische, teils stuckierte Innendekoration stammen vom italienischen Baumeister und Stuckateur [[Elia Castello]] († 23. Jänner 1602). Die Ausführung dürfte dem Salzburger Hafnermeister [[Hans Knapp]] zuzuschreiben sein. An der Ausstattung der Kapelle waren ferner beteiligt: Giacomo Bertolt, dessen Name mit dem Datum 1600 über der Altarnische im Stuck eingeritzt ist, und Stefan Grosser, [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürger]] und Kupferschmied in Salzburg, der das Dach der Kapelle mit Kupfer deckte. | + | Die dem hl. Gabriel geweihte Kapelle wurde von [[1597]] bis [[1603]] - noch zu Lebens- und Regierungszeit des Fürsterzbischofs ([[1587]] bis [[1612]]) - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs errichtet. Der architektonische Entwurf sowie die überaus originelle teils keramische, teils stuckierte Innendekoration stammen vom italienischen Baumeister und Stuckateur [[Elia Castello]] († [[23. Jänner]] [[1602]]). Die Ausführung dürfte dem Salzburger Hafnermeister [[Hans Knapp]] zuzuschreiben sein. An der Ausstattung der Kapelle waren ferner beteiligt: Giacomo Bertolt, dessen Name mit dem Datum 1600 über der Altarnische im Stuck eingeritzt ist, und Stefan Grosser, [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürger]] und Kupferschmied in Salzburg, der das Dach der Kapelle mit Kupfer deckte. |
| | | | |
| | Wolf Dietrich starb am [[16. Jänner]] [[1617]] nach langer Haft auf der [[Festung Hohensalzburg]] und wurde am [[19. Jänner]] 1617 - entgegen den Bestimmungen in seinem Testament - auf Veranlassung seines Nachfolgers Fürsterzbischof [[Markus Sittikus von Hohenems]] in einem großen prunkvollen Begräbnis in der Gabrielskapelle beigesetzt. | | Wolf Dietrich starb am [[16. Jänner]] [[1617]] nach langer Haft auf der [[Festung Hohensalzburg]] und wurde am [[19. Jänner]] 1617 - entgegen den Bestimmungen in seinem Testament - auf Veranlassung seines Nachfolgers Fürsterzbischof [[Markus Sittikus von Hohenems]] in einem großen prunkvollen Begräbnis in der Gabrielskapelle beigesetzt. |
| Zeile 12: |
Zeile 12: |
| | [[1690]] und [[1750]] fanden erste Restaurierungen der Kapelle statt. Die Gabrielskapelle wurde um [[2000]] von Stadtrestauratorin [[Ursula Mair]] in Stand gesetzt. | | [[1690]] und [[1750]] fanden erste Restaurierungen der Kapelle statt. Die Gabrielskapelle wurde um [[2000]] von Stadtrestauratorin [[Ursula Mair]] in Stand gesetzt. |
| | | | |
| − | == Beschreibung == | + | == Beschreibungen == |
| | + | ==== Beschreibung von Mag. Thomas Schmiedbauer ==== |
| | [[Datei:Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau Gabrielskapelle Sebastiansfriedhof 01.jpg|thumb|Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau]] | | [[Datei:Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau Gabrielskapelle Sebastiansfriedhof 01.jpg|thumb|Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau]] |
| | Der Bau besitzt einen kreisrunden Grundriss mit einer angebauten rechteckigen Apsis. Außen ist der Bau durch toskanische Pilaster gegliedert.<ref>[https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Sebastiansfriedhof austria-forum.org]</ref> | | Der Bau besitzt einen kreisrunden Grundriss mit einer angebauten rechteckigen Apsis. Außen ist der Bau durch toskanische Pilaster gegliedert.<ref>[https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Sebastiansfriedhof austria-forum.org]</ref> |
| Zeile 20: |
Zeile 21: |
| | Die großen Statuen in den seitlichen Nischen sind die vier Evangelisten aus dem Neuen Testament: Matthäus (Symbol Mensch), Markus (Symbol Löwe), Lukas (Symbol Stier) und Johannes (Symbol Adler). Sie stammen vermutlich von [[Josef Anton Pfaffinger]]. | | Die großen Statuen in den seitlichen Nischen sind die vier Evangelisten aus dem Neuen Testament: Matthäus (Symbol Mensch), Markus (Symbol Löwe), Lukas (Symbol Stier) und Johannes (Symbol Adler). Sie stammen vermutlich von [[Josef Anton Pfaffinger]]. |
| | | | |
| − | Das Altarblatt der Kapelle, die Fußwaschung, malte [[Jakob Zanussi]] [[1749]] auf Kupfer.<ref>[https://books.google.at/books?id=wppmAAAAcAAJ&pg=PA52 Touristen-Handbuich für Salzburg, 1845]</ref> Der ursprüngliche Altar war eine Arbeit von [[Hans Waldburger]].<ref>[Hildegard Kretschmer, Reclams Städteführer Salzburg: Architektur und Kunst, 2016]</ref> | + | Das Altarblatt der Kapelle, die Fußwaschung, malte [[Jakob Zanussi]] [[1749]] auf Kupfer.<ref>[https://books.google.at/books?id=wppmAAAAcAAJ&pg=PA52 Touristen-Handbuich für Salzburg, 1845]</ref> Der ursprüngliche Altar war eine Arbeit von [[Hans Waldburger]].<ref>Hildegard Kretschmer, Reclams Städteführer Salzburg: Architektur und Kunst, 2016</ref> |
| | | | |
| | Über dem Altar befindet sich ein Rundbogengewölbe, das mit buntem [[Stuck]] von Elia Castello — ähnlich wie in der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] — ausgestattet wurde. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. In Zentrum befindet das [[Wappen der Fürsterzbischöfe|Wappen]] von Wolf Dietrich von Raitenau (schwarze Kugel auf silbernem Feld). Umgeben ist es von vier Feldern mit ovalem Rahmen, in denen die vier Grundtugenden oder Kardinaltugenden als allegorische weibliche Figuren in Farbe dargestellt sind: die Gerechtigkeit (lat. ''iustitia'' mit den Attributen Waage und Schwert), die Mäßigung (lat. ''temperantia'' mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale), die Stärke (lat. ''fortitudo'' mit dem Attribut Säule) und die Weisheit (lat. ''sapientia'' mit dem Attribut Spiegel). In den Ecken sind vier Felder mit quadratischem Rahmen, in denen vier Kirchenmänner (zwei Bischöfe, ein Kardinal und der Papst) dargestellt sind. | | Über dem Altar befindet sich ein Rundbogengewölbe, das mit buntem [[Stuck]] von Elia Castello — ähnlich wie in der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] — ausgestattet wurde. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. In Zentrum befindet das [[Wappen der Fürsterzbischöfe|Wappen]] von Wolf Dietrich von Raitenau (schwarze Kugel auf silbernem Feld). Umgeben ist es von vier Feldern mit ovalem Rahmen, in denen die vier Grundtugenden oder Kardinaltugenden als allegorische weibliche Figuren in Farbe dargestellt sind: die Gerechtigkeit (lat. ''iustitia'' mit den Attributen Waage und Schwert), die Mäßigung (lat. ''temperantia'' mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale), die Stärke (lat. ''fortitudo'' mit dem Attribut Säule) und die Weisheit (lat. ''sapientia'' mit dem Attribut Spiegel). In den Ecken sind vier Felder mit quadratischem Rahmen, in denen vier Kirchenmänner (zwei Bischöfe, ein Kardinal und der Papst) dargestellt sind. |
| Zeile 29: |
Zeile 30: |
| | | | |
| | Der Boden ist mit quadratischen Steinen aus rotem [[Adneter Marmor]] und weißem [[Untersberger Marmor]] ausgelegt. In der Mitte befindet sich eine rechtwinkelige rote Grabplatte, in die ein Bronzegitter eingelassen wurde. Darunter befindet sich die Grabkammer mit dem Sarkophag von Wolf Dietrich von Raitenau. | | Der Boden ist mit quadratischen Steinen aus rotem [[Adneter Marmor]] und weißem [[Untersberger Marmor]] ausgelegt. In der Mitte befindet sich eine rechtwinkelige rote Grabplatte, in die ein Bronzegitter eingelassen wurde. Darunter befindet sich die Grabkammer mit dem Sarkophag von Wolf Dietrich von Raitenau. |
| | + | |
| | + | ==== Beschreibung nach Franz Fuhrmann<ref>Quelle Begleitbuch [[Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau]] zur gleichnamigen [[Landesausstellung]] [[1987]], Seite 201f</ref> (Auszug) ==== |
| | + | Das schlichte Äußere des überkuppelten Zentralbaus mit Rechteckchor steht im Gegensatz zu seinem reich ausgestatteten Innenraum. Dieser wird von kräftigem, vergoldetem Stuck in figuraler und ornamentaler Art bestimmt, der sich mit Ausnahme der Nischen mit den überlebensgroßen Figuren der vier Evangelisten in weißem Stuck auf die Gewölbe beschränkt. Mit quadratischen, in der Kuppelschale rhombischen, Fliesenplättchen ausgestattet sind die Wände im Inneren. Die vielfach farbig schimmernden Plättchen erwecken den Eindruck distanzierter Kühle und geheimnisvoller Heiterkeit. Dies weist mehr auf die frohe Gewissheit der Auferstehung hin als auf den Ernst des Todes. Zitat "''Diesem anschaulichen Charakter entspricht das [[Patrozinium]] der Kapelle ebenso, wie deren isolierte Lage im Zentrum des Friedhofes der absolutistischen Einstellung dieses geistlichen Fürsten, der dessen ungeachtet inmitten seiner Untertanen dem Jüngsten Tag entgegenharren will.''" Den der Patron der Kapelle, Erzengel Gabriel, gilt ebenso wie der hl. [[Michael]] als Seelenführer ins Jenseits. Nur, Gabriel führt seine Seelen nicht wie Michael vor den Richterstuhl Gottes, sondern - Zitat - "''zur unmittelbaren Anschauung Gottes in der Herrlichkeit des Himmels.''". Die siebenfache Anbringung seines Wappens spricht für das Selbstbewusstseins Wolf Dietrichs. |
| | + | |
| | + | Die von Kleinigkeiten original erhaltene Gabrielskapelle lassen einige stilistische Grundzüge des Kunstverständnisses des Fürsterzbischofs erkennen. Zitat "''Die Klarheit und Festigkeit des tektonischen Gefüges, die Schärfe der Linien, die Glätte der Flächen - im Inneren durch den Glanz der glasierten Tonplättchen ins Unwirkliche gesteigert -, die Isoliertheit der Einzelteile, die aber durch eine feinfühlige Proportionierung zu einer Einheit von kühler Vornehmheit verknüpft ist.''" |
| | + | |
| | + | ==== Beschreibung nach Hans Tietze (Auszug) ==== |
| | + | Die Gabrielskapelle ist ein überaus origineller Zentralbau, an dessen dunkel gehaltenen runden Hauptraum sich die kleine hell erleuchtete Apsis anschließt. Die reiche Innendekoration, zum Teil aus bunten |
| | + | Fliesen, zum Teil aus buntem Stuck ausgeführt, bewirkt einen überraschenden, höchst eigenartigen Effekt dieser einheitlichen Schöpfung des Elia Castello. |
| | + | |
| | + | Äußeres: In der Mitte des Sebastiansfriedhofes gelegen, rötlich gefärbelt, die gliedernden Teile gelb, der Sockel unverputzt |
| | + | aus Nagelfluh, die Tür- und Fensterlaibung aus Marmor. Zylindrischer Bau, an der Vorderseite abgeflacht, an der Rückseite mit angebautem, rechteckigem Chore. Umlaufender, profilierter, mit Rundstab |
| | + | abschließender Sockel und gleichfalls umlaufendes, seicht profiliertes Abschlußgesims mit ausladender Abschlußplatte. |
| | + | |
| | + | Hauptraum: Die Wandtäfelung aus quadratischen Plättchen - grün, weiß, blau, rot und gelb - in einer Art Schachbrettmuster, nach oben von einem dreiteiligen Gebälk abgeschlossen, das mit Astragalus, |
| | + | Perlschnur und lesbischem Kymation geziert und in der Attika mit einer Akanthusranke besetzt ist. In den Hauptrichtungen ist die Ranke durch ein polychromes Wappenschild des Erzbischofs Wolf Dietrich unterbrochen. Über dem Gebälk ist die Kuppel mit kleineren blauen und roten Plättchen in einem Schachbrettmuster bedeckt und von acht Bändern aus vergoldeten, von Cherubsköpfchen unterbrochenen |
| | + | Blattstauden in Kappen geteilt. [...] In den Nischen weiße, mit Gold verzierte Stuckstatuen der vier Evangelisten, mit ihren Symbolen |
| | + | neben sich und Büchern in den Händen stehend. [...] Der Altarraum ist um zwei Stufen erhöht und wird von einem Rundbogen mit dem Wappen im Scheitel über seitlichen Pilasterbündeln vom Hauptraum geschieden; die Öffnung von einem weiteren Pilasterbündel eingefaßt. [...] Das mittelste [des dreiteiligen Gebälks] trägt das erzbischöfliche Wappen, die vier Eckfelder in rechteckigem Stuckrahmen die sitzenden Figuren der vier Kirchenväter, die übrigen die vier Kardinaltugenden; alIe Figuren auf Wolken thronend (modern bemalt). |
| | | | |
| | == Testament von Wolf Dietrich == | | == Testament von Wolf Dietrich == |
| Zeile 50: |
Zeile 69: |
| | | | |
| | Die strengen Anordnungen des Testaments bilden einen auffallenden Kontrast zum umtriebigen Lebensstil des Fürsterzbischofs. | | Die strengen Anordnungen des Testaments bilden einen auffallenden Kontrast zum umtriebigen Lebensstil des Fürsterzbischofs. |
| | + | |
| | + | == Grabsteine == |
| | + | Links und rechts von der Tür befinden sich je eine graue Steinplatte mit Inschrift auf die [[Bischöfe von Chiemsee]] [[Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg]] († [[1814]]) und [[Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil]] († [[1786]]). Rechts davon graue Steinplatte, dreigeteilt. Oben ein Relief, zwei Wappen zwischen Draperie und Cherubsköpfchen, im unteren Teile Relief: Totenkopf, Grabscheite und andere Todesembleme ; in der Mitte Inschrift auf Johann Göppinger † [[1655]] und seine Gattin Johanna † [[1654]]. Weitere Grabsteine sind von Matthäus Janschitz † [[1605]]; renoviert [[1694]]; Carl Georg Hagenpuech † [[1643]] und seine Gattin Agathe, geb. Traberin, † [[1649]]; Andreas Uraster † [[1685]] und seine Frauen Agnes Mayrin † [[1669]] und Ursula Heelin (Datum nicht ausgefüllt); Andreas Gschwandtner † [[1714]] nachgetragen, Franziskus Joachim Antonius Weckherlin † [[1701]]; Thomas Perger, gesetzt von Fürsterzbischof [[Paris Graf von Lodron]] [[1641]] aus der St. [[Niklaskirche]] im [[Kai]] stammend; Anna de Block, Gattin des Thomas Perger † [[1608]]; Johann Martin Weckerlin † [[1731]] und Gattin Clara Theresia † [[1719]]; Stadtkaplan Franz Gotthard Etty † [[1787]]; Christoph Hafenstainer, Kaplan † [[1693]] sowie Andrä Übelacker † [[1790]]; |
| | | | |
| | == Besichtigungen == | | == Besichtigungen == |