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''Die Beleuchtung wird elektrisch sein, zu welchem Zwecke 2&nbsp;500 elektrische Lampen installiert werden, die den Strom vom städtischen Elektrizitätswerke Salzburg beziehen. Den Verkehr werden im Lager Fahrstraßen, Gassen und Wege vermitteln. Die Fahrstraße erhält eine Länge von sieben Kilometern. Zu den Magazinen führt ein Schleppgeleise von der Lokalbahn, das vom Bahnhofe Grödig abzweigt.'' </br>
 
''Die Beleuchtung wird elektrisch sein, zu welchem Zwecke 2&nbsp;500 elektrische Lampen installiert werden, die den Strom vom städtischen Elektrizitätswerke Salzburg beziehen. Den Verkehr werden im Lager Fahrstraßen, Gassen und Wege vermitteln. Die Fahrstraße erhält eine Länge von sieben Kilometern. Zu den Magazinen führt ein Schleppgeleise von der Lokalbahn, das vom Bahnhofe Grödig abzweigt.'' </br>
 
''Die Einfriedung des Gefangenenlagers besteht aus einem 2,5 Meter hohen Stacheldrahtzaun, dessen unterer Teil aus einem Drahtgeflechte besteht, um ein Durchkriechen zu verhindern. Die Länge der äußeren und der im Inneren notwendigen Einfriedung wird auf sechs Kilometer geschätzt.''</blockquote>''
 
''Die Einfriedung des Gefangenenlagers besteht aus einem 2,5 Meter hohen Stacheldrahtzaun, dessen unterer Teil aus einem Drahtgeflechte besteht, um ein Durchkriechen zu verhindern. Die Länge der äußeren und der im Inneren notwendigen Einfriedung wird auf sechs Kilometer geschätzt.''</blockquote>''
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<blockquote>''Vierzig Baracken wurden bereits an Baufirmen vergeben. Diese Baracken werden, weil eine Übereinkunft mit den Grundbesitzern nicht erzielt werden konnten, nicht anschließend an die anderen 200 Baracken gebaut, sondern am Fuße des Untersberges zwischen St. Leonhard und der oberen Mühle der Zementfabrik der Gebrüder [[Leube]] links vom Werkkanal dieser Firma entstehen.
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<blockquote>''Vierzig Baracken wurden bereits an Baufirmen vergeben. Diese Baracken werden, weil eine Übereinkunft mit den Grundbesitzern nicht erzielt werden konnten, nicht anschließend an die anderen 200 Baracken gebaut, sondern am Fuße des Untersberges zwischen St. Leonhard und der oberen Mühle der Zementfabrik der Gebrüder [[Leube]] links vom Werkkanal dieser Firma entstehen.  
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Am [[10 Februar]] 1915 berichtete die Salzburger Chronik:<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref> </br>
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''</blockquote>''<blockquote>''Um die bedeutende Anzahl russischer Kriegsgefangener unterbringen zu können, erschien es notwendig, eine weitere große Barackenanlage zu schaffen. Es werden nun zwischen dem Almkanal in St. Leonhard und dem Fuße des Untersberges 100 weitere Baracken für russische Kriegsgefangene errichtet werden. Die Felder, auf denen die Baracken erbaut werden, gehören zum Großteil Bauern von St. Leonhard. Der Plan ist bereits ausgearbeitet. Es wird sich als notwendig ergeben, einen Teil des Waldes zu schlägern.''</blockquote>''
    
=== Errichtung ===
 
=== Errichtung ===
 
Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager.  
 
Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager.  
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Lager I (in Grödig) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]]) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I umfasste zunächst 50 Wohnbaracken. Es erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet.
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Lager I (in Grödig; ca. 160 Baracken) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]], ca. 100 Baracken) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet.
    
Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Architekten Gangl an folgende Firmen vergeben: Baumeister [[Valentin Ceconi & Sohn|Ceconi]] und [[Franz Wagner (senior)|Franz Wagner]] für Beton- und Pflasterarbeiten, ferner Stadtzimmermeister I. Bachinger, Salzburg, Fürstenweg, und Heuberger, Thalgau, und Stadtzimmermeister M. Kirschbichler, Oberndorf-Salzburg; namens der übrigen Salzburger Zimmermeister und Unternehmer Pürmoser aus [[Kufstein]]. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war Für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht. Das Gefangenenlager wird eine kleine Stadt werden, müssen doch 144 Baracken und drei Hütten für die Wachmannschaft erbaut werden. Einzelne Baracken haben 300, ein Teil der Baracken 400 Mann Belagsraum. Der Bezug der Anlage ist für Anfangs Februar festgesetzt. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war Für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150102&query=%22Barackenbauten%22+%22Heuberger%22&seite=7 ANNO], Volksfreund, 2. Januar 1915, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141226&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 26. Dezember 1914, Seite 4]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141228&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 28. Dezember 1914, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19141229&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 29. Dezember 1914, Seite 5]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19150113&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Wacht, 13. Januar 1915, Seite 5]</ref>
 
Die Arbeiten wurden unter der Leitung des Architekten Gangl an folgende Firmen vergeben: Baumeister [[Valentin Ceconi & Sohn|Ceconi]] und [[Franz Wagner (senior)|Franz Wagner]] für Beton- und Pflasterarbeiten, ferner Stadtzimmermeister I. Bachinger, Salzburg, Fürstenweg, und Heuberger, Thalgau, und Stadtzimmermeister M. Kirschbichler, Oberndorf-Salzburg; namens der übrigen Salzburger Zimmermeister und Unternehmer Pürmoser aus [[Kufstein]]. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war Für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht. Das Gefangenenlager wird eine kleine Stadt werden, müssen doch 144 Baracken und drei Hütten für die Wachmannschaft erbaut werden. Einzelne Baracken haben 300, ein Teil der Baracken 400 Mann Belagsraum. Der Bezug der Anlage ist für Anfangs Februar festgesetzt. Für die Errichtung wurde durch die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft ein Industriegleis dorthin gelegt. Die Errichtung war Für 150 Arbeiter eine lohnende Beschäftigung. Zum sofortigen Antritt wurden 150 Erdarbeiter, Maurer, Schlosser, Spengler, Zimmerer etc. um guten Lohn gesucht.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150102&query=%22Barackenbauten%22+%22Heuberger%22&seite=7 ANNO], Volksfreund, 2. Januar 1915, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141226&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 26. Dezember 1914, Seite 4]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19141228&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Volksblatt, 28. Dezember 1914, Seite 7]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19141229&query=%22Baracken%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 29. Dezember 1914, Seite 5]</ref><ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19150113&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Wacht, 13. Januar 1915, Seite 5]</ref>
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Die meisten Gefangenen und Internierten waren [[Russland|Russen]], weshalb bald die Bezeichnung ''Russenlager'' aufkam. Davon abgeleitet ist wiederum der Beiname ''Russenfriedhof'' für den [[Lagerfriedhof Grödig|Lagerfriedhof]]. Neben Menschen aus dem Osten, waren auch [[Serbien|Serben]] vom Balkan und später auch [[Italien]]er inhaftiert.  
 
Die meisten Gefangenen und Internierten waren [[Russland|Russen]], weshalb bald die Bezeichnung ''Russenlager'' aufkam. Davon abgeleitet ist wiederum der Beiname ''Russenfriedhof'' für den [[Lagerfriedhof Grödig|Lagerfriedhof]]. Neben Menschen aus dem Osten, waren auch [[Serbien|Serben]] vom Balkan und später auch [[Italien]]er inhaftiert.  
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Am [[3. März]] 1915 begann man mit der Errichtung des Lagers II, das sich westlich des [[Almkanal]]s zwischen [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] im Süden von Grödig und dem [[Drachenloch]] erstreckte.
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Am [[3. März]] 1915 begann man mit der Errichtung des Lagers II (mit 100 Baracken), das sich westlich des [[Almkanal]]s zwischen [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]] im Süden von Grödig und dem [[Drachenloch]] erstreckte.
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Das [[Lager Niederalm|Lager III]] (in [[Niederalm]] war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen [[Habsburgermonarchie|Donaumonarchie]] in [[Galizien]] und der [[Bukowina]] vorgesehen.  
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Das [[Lager Niederalm|Lager III]] (in [[Niederalm]]) war für Flüchtlinge aus den Gebieten der östlichen [[Habsburgermonarchie|Donaumonarchie]] in [[Galizien]] und der [[Bukowina]] vorgesehen.  
    
=== Kriegsgefangene ===
 
=== Kriegsgefangene ===