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| | [[Datei:Unwetter naht.jpg|thumb|Unwetter naht]] | | [[Datei:Unwetter naht.jpg|thumb|Unwetter naht]] |
| − | Das '''Wetterläuten''' war in früheren Zeiten ein Brauch, um Unwetter abzuwehren. | + | Das '''Wetterläuten''' war in früheren Zeiten ein [[Brauch]], um Unwetter abzuwehren. |
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| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| − | Eine durch [[Unwetter]] oder [[Hagel]] zerstörte Ernte konnte die wirtschaftliche Existenz eines Bauernhofes gefährden. Um sich selbst und die Ernte zu schützen, gab es eine Vielzahl an religiösen Abwehrmaßnahmen, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind. Am wirksamsten galt das Wetterläuten gegen „Gemachte Wetter“. Manche Glocken waren besonders kräftig, sie hießen „hochgeweihte“ und sie vermochten das unheilvolle Wirken der Hexen aufzuheben. | + | Eine durch [[Unwetter]] oder [[Hagel]] zerstörte Ernte konnte die wirtschaftliche Existenz eines [[Bauernhof]]es gefährden. Um sich selbst und die Ernte zu schützen, gab es eine Vielzahl an religiösen Abwehrmaßnahmen, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind. Am wirksamsten galt das Wetterläuten gegen „Gemachte Wetter“. Manche Glocken waren besonders kräftig, sie hießen „hochgeweihte“ und sie vermochten das unheilvolle Wirken der Hexen aufzuheben. |
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| | Bei einem drohenden Gewitter musste vom Pfarrer oder vom Mesner genau zum richtigen Zeitpunkt die Kirchenglocke geläutet werden, damit sich das Unwetter nicht über dem Ort entlud. Als Dank bekam er von den Bauern die sogenannten „''Läutergarben''“, die aus verschiedenen Getreidegarben, wie [[Weizen]] und [[Hafer]], bestanden. | | Bei einem drohenden Gewitter musste vom Pfarrer oder vom Mesner genau zum richtigen Zeitpunkt die Kirchenglocke geläutet werden, damit sich das Unwetter nicht über dem Ort entlud. Als Dank bekam er von den Bauern die sogenannten „''Läutergarben''“, die aus verschiedenen Getreidegarben, wie [[Weizen]] und [[Hafer]], bestanden. |
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| | Es gab aber immer wieder Bedenken gegen diesen Brauch. So kam es vor, dass zum Beispiel im Jahre [[1709]] der Mesner von [[Bergheim]] die Glocke schon wegen jeder größeren Wolke läutete, auch in der Nacht, was von vielen als Lärmbelästigung empfunden wurde. Die Bauern beschlossen, die „Wetterläut-Garben“ zu verweigern, und es kam zu Unstimmigkeiten und Streit. | | Es gab aber immer wieder Bedenken gegen diesen Brauch. So kam es vor, dass zum Beispiel im Jahre [[1709]] der Mesner von [[Bergheim]] die Glocke schon wegen jeder größeren Wolke läutete, auch in der Nacht, was von vielen als Lärmbelästigung empfunden wurde. Die Bauern beschlossen, die „Wetterläut-Garben“ zu verweigern, und es kam zu Unstimmigkeiten und Streit. |
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| − | Im [[18. Jahrhundert]], in der Zeit der Aufklärung, wurde unter [[Erzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo]] eine ganze Reihe von Verordnungen erlassen, die dieses religiöse Brauchtum als finsterer Aberglaube verbot. Man sagte, dass das Geläute Gewitter und Blitze eher anziehen als vertreiben würde. Auf Grund einer Reihe von Berichten über verletzte und getötete Menschen sowie beschädigte Kirchtürme sah man sich in dieser Meinung bestätigt. | + | Im [[18. Jahrhundert]], in der Zeit der Aufklärung, wurde unter [[Fürsterzbischof]] [[Hieronymus Graf Colloredo]] eine ganze Reihe von Verordnungen erlassen, die diesen religiöse Brauch als finsterer Aberglaube verbot. Man sagte, dass das Geläute Gewitter und Blitze eher anziehen als vertreiben würde. Auf Grund einer Reihe von Berichten über verletzte und getötete Menschen sowie beschädigte Kirchtürme sah man sich in dieser Meinung bestätigt. |
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| | Ebenso wurde das Wetterschießen, ein weiterer Brauch, um Unwetter abzuwehren, unter Androhung hoher Geldstrafen und sogar von Gefängnis, verboten. Gegen diese Verbote formierte sich allerdings bald energischer Widerstand, sowohl von Seiten der Bauern als auch von Seiten der geistlichen und weltlichen Obrigkeiten. Ein Ansuchen um Aufhebung der Verordnungen beim [[Hofrat|Erzbischöflichen Hofrat]] wurde abgelehnt. Es gelang aber trotzdem nicht, diese lärmverursachenden Bräuche abzuschaffen. | | Ebenso wurde das Wetterschießen, ein weiterer Brauch, um Unwetter abzuwehren, unter Androhung hoher Geldstrafen und sogar von Gefängnis, verboten. Gegen diese Verbote formierte sich allerdings bald energischer Widerstand, sowohl von Seiten der Bauern als auch von Seiten der geistlichen und weltlichen Obrigkeiten. Ein Ansuchen um Aufhebung der Verordnungen beim [[Hofrat|Erzbischöflichen Hofrat]] wurde abgelehnt. Es gelang aber trotzdem nicht, diese lärmverursachenden Bräuche abzuschaffen. |
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| | d. h. keinen Schaden stiften.</blockquote> | | d. h. keinen Schaden stiften.</blockquote> |
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| − | Arg verfolgt von den Wetterglocken war der berüchtigte [[Zauberer Jackl]] aus dem Lungau, der viele geheime Künste, besonders das [[Wetterzauber|Wettermachen]], verstand. Lassen wir ihn selbst erzählen:<blockquote>„''Wenn ich mit dem Wetter durch den [[Pass Lueg|Paß Lueg]] fahren will, so läßt mich der [[Werfen]]er Schloßhund oft nicht vorbei, ich muß dann draußen bleiben oder über [[Abtenau]] fahren. Schlaft aber der Schloßhund und komm ich dann glücklich vorbei und fahr ich dann durch die [[Fritztal|Fritz]], so kommt mir schon bei der Höllbrück der große [[Altenmarkt]]er Hund entgegen und läßt mich nicht über die Kreisten hinauf, ja, nicht einmal in die Oberfritz hinein. Will ich dann ausweichen und übern Gasthofberg nach [[St. Martin am Tennengebirge|St. Martin]] fahren, dann geht’s erst recht los; mit dem Gasthofhund fangen alle Gasthofberghündlein zu belfern an und ich muß meinen Zorn auf den Höllberg auslassen oder ich muß zurück und übers Brunnhäusl nach St. Martin hinein. Schlüpfe ich aber bei der Höllbrücke glücklich durch und fahre ich durch die Oberfritz gegen [[Filzmoos]], so kommen mir gleich die kleinen Filzmooser Bellerl entgegen und lassen mich nicht weiter fahren. Was will ich tun? An den Neuberg hinein lassen mich die Neuberger „Schepperl“ nicht und zum Rückzug bin ich zu müde, und in der Fritz lassen mich die „Bauernbelferl“ nicht einmal niedersitzen auf der „bockstickein“ Leiten. Das „Burenbelferl“ ist da ein gar arges. Ich muß also todmüde noch einmal auf die Berge hinaufsteigen und über die Gsengplatte oder über den [[Roßbrand]] oder wenn’s gut geht, über den Wurmeck hinfahren und dort an unschuldige Weiden und Wäldern meinen Zorn auslassen und an Forst und Vieh mich rächen, bis ich endlich am Dachstein mich niederlassen und ausruhen kann.“'' (Karl Adrian: ''Wind und Wetter im Glauben und Brauchtum unseres Volkes'')</blockquote> | + | Arg verfolgt von den Wetterglocken war der berüchtigte [[Zauberer Jackl]] aus dem Lungau, der viele geheime Künste, besonders das [[Wetterzauber|Wettermachen]], verstand. Lassen wir ihn selbst erzählen:<blockquote>„''Wenn ich mit dem Wetter durch den [[Pass Lueg|Paß Lueg]] fahren will, so läßt mich der [[Werfen]]er Schloßhund oft nicht vorbei, ich muß dann draußen bleiben oder über [[Abtenau]] fahren. Schlaft aber der Schloßhund und komm ich dann glücklich vorbei und fahr ich dann durch die [[Fritztal|Fritz]], so kommt mir schon bei der Höllbrück der große [[Altenmarkt]]er Hund entgegen und läßt mich nicht über die Kreisten hinauf, ja, nicht einmal in die Oberfritz hinein. Will ich dann ausweichen und übern Gasthofberg nach [[St. Martin am Tennengebirge|St. Martin]] fahren, dann geht’s erst recht los; mit dem Gasthofhund fangen alle Gasthofberghündlein zu belfern an und ich muß meinen Zorn auf den Höllberg auslassen oder ich muß zurück und übers Brunnhäusl nach St. Martin hinein. Schlüpfe ich aber bei der Höllbrücke glücklich durch und fahre ich durch die Oberfritz gegen [[Filzmoos]], so kommen mir gleich die kleinen Filzmooser Bellerl entgegen und lassen mich nicht weiter fahren. Was will ich tun? An den Neuberg hinein lassen mich die Neuberger „Schepperl“ nicht und zum Rückzug bin ich zu müde, und in der Fritz lassen mich die „Bauernbelferl“ nicht einmal niedersitzen auf der „bockstickein“ Leiten. Das „Burenbelferl“ ist da ein gar arges. Ich muß also todmüde noch einmal auf die Berge hinaufsteigen und über die Gsengplatte oder über den [[Roßbrand]] oder wenn’s gut geht, über den Wurmeck hinfahren und dort an unschuldige Weiden und Wäldern meinen Zorn auslassen und an Forst und Vieh mich rächen, bis ich endlich am Dachstein mich niederlassen und ausruhen kann.“'' ([[Karl Adrian]]: ''Wind und Wetter im Glauben und Brauchtum unseres Volkes'')</blockquote> |
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