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| − | [[Datei:Waagplatz DSC 0127.JPG|thumb|Das "Schaffner-Haus" Waagplatz 2]] | + | [[Datei:Waagplatz DSC 0127.JPG|thumb|Das "Schaffner-Haus" Waagplatz 2]]{{Googlemapsort|5020+Salzburg+Waagplatz_2}} |
| − | Das '''Schaffner-Haus''' ist ein unter [[Denkmalschutz]] stehendes historisches Gebäude in der [[Salzburg]]er [[Altstadt]] am [[Waagplatz]]. | + | Das '''Schaffner-Haus''' ist ein unter [[Denkmalschutz]] stehendes historisches Gebäude in der [[Salzburg]]er [[Altstadt]] am [[Waagplatz]] Nr. 2. |
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| | == Einleitung == | | == Einleitung == |
| − | Das Schaffner-Haus besteht aus zwei Gebäuden. Im direkt an den Waagplatz grenzenden Gebäude befindet sich heute das [[K+K Restaurant am Waagplatz]], in dem ein historisches Gewölbe aus dem [[12. Jahrhundert]] als [[Freysauffkeller]] genutzt wird. | + | Das Schaffner-Haus hat einen geschichtlichen Zusammenhang mit dem Haus [[Rudolfkai 32]]. Baulich handelt es sich jedoch um zwei Gebäude, die seit der letzten Besitztrennung auch zwei verschiedene Adressen besitzen. |
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| − | Der hintere Teil, der über einen kurzen Weg an der linken Gebäudeecke erreichbar ist, trägt heute die Adresse ''Waagplatz 1a'' und wird als [[Georg-Trakl-Haus]] bezeichnet. Dieser Teil des Gebäudes ist das Geburtshaus des Dichters [[Georg Trakl]] (* [[1887]]; † [[1914]]).
| + | Im direkt an den Waagplatz grenzenden Gebäude befindet sich heute das [[K+K Restaurant am Waagplatz]], in dem ein historisches Gewölbe aus dem [[12. Jahrhundert]] als [[Freysauffkeller]] genutzt wird. |
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| − | Der Großteil der Bausubstanz beider Gebäudeteile stammt aus dem [[16. Jahrhundert]]. Die heutige Fassade wurde um [[1860]] neu gestaltet. | + | Der hintere Teil, der über einen kurzen Weg an der linken Gebäudeecke erreichbar ist, trägt heute die Adresse ''Waagplatz 1a'' und wird seit [[1975]] als [[Georg-Trakl-Haus]] bezeichnet. Dieser Teil des Gebäudes ist das Geburtshaus des Dichters [[Georg Trakl]] (* [[1887]]; † [[1914]]). In diesem hinteren Gebäude und um dessen Hof herum befinden sich heute eine Gedenkstätte mit Museum für Georg Trakl sowie der Sitz der [[Salzburger Kulturvereinigung]]. |
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| − | Heute befinden sich im hinteren Gebäude und um dessen Hof eine Gedenkstätte mit Museum für Georg Trakl sowie die [[Salzburger Kulturvereinigung]].
| + | Im sogenannten Trakl-Hof kann man die von Arno Breker geschaffene Büste des senegalesischen Politikers und Dichters [[Léopold Sédar Senghor]] (* [[1906]]; † [[2001]]) und einen [[Ziehbrunnen Innenhof Waagplatz 1a|Ziehbrunnen]] sehen. Die Bürgerhäuser um diesen Hof stammen im Kern aus dem [[Mittelalter]]. |
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| − | Im sogenannten Trakl-Hof kann man die von Arno Breker geschaffene Büste des senegalesischen Politikers und Dichters [[Léopold Sédar Senghor]] (* [[1906]]; † [[2001]]) und einen [[Ziehbrunnen Innenhof Waagplatz 1a|Ziehbrunnen]] sehen. Die Bürgerhäuser um diesen Hof stammen im Kern aus dem [[Mittelalter]].
| + | Der Großteil der Bausubstanz beider Gebäudeteile stammt aus dem [[16. Jahrhundert]]. Die Fassade am vorderen Haus wurde um [[1860]] im Stil des [[Rokoko]] historisierend neu gestaltet. |
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| | == Geschichte der Gebäudeteile == | | == Geschichte der Gebäudeteile == |
| − | Wie der Fund eines Mosaikbodens innerhalb der Toreinfahrt beweist, stehen die Gebäude auf Resten des alten [[Iuvavum]].
| + | Der Fund eines [[Römer|römischen]] Mosaikbodens unter der Toreinfahrt belegt, dass sich in diesem Bereich das alte [[Iuvavum]] befand. |
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| | Um [[1181]]–83 wird ein ''Meinhard '''vor''' der [[Pforte]]'' als Besitzer des Hauses genannt. Damit wurde ausdrückt, dass Meinhard vor der damals dort gelegenen Pforte zur [[Bischofsburg in Salzburg|Bischofsburg]] wohnte − im Gegensatz zu seinem Sohn oder Enkel, den man um [[1231]] als ''Meinhard '''an''' der Pforte'' bezeichnete. | | Um [[1181]]–83 wird ein ''Meinhard '''vor''' der [[Pforte]]'' als Besitzer des Hauses genannt. Damit wurde ausdrückt, dass Meinhard vor der damals dort gelegenen Pforte zur [[Bischofsburg in Salzburg|Bischofsburg]] wohnte − im Gegensatz zu seinem Sohn oder Enkel, den man um [[1231]] als ''Meinhard '''an''' der Pforte'' bezeichnete. |
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| | [[1250]] findet sich in den Büchern des [[Domkapitel]]s eine Geldanweisung an die Söhne von Karl von [[Guetrater|Gutrat]], Otto und [[Chuno]], die im Hause ''Meinhard an der Pforte'' wohnten. Dieses Haus hatten die Gutrater zu Erbrecht, den noch [[1364]] den Namen ''des drugsazz haws''' - die Gutrater waren des [[Erzstift Salzburg|Erzstifts]] [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#T|Erbtruchsesse]]. | | [[1250]] findet sich in den Büchern des [[Domkapitel]]s eine Geldanweisung an die Söhne von Karl von [[Guetrater|Gutrat]], Otto und [[Chuno]], die im Hause ''Meinhard an der Pforte'' wohnten. Dieses Haus hatten die Gutrater zu Erbrecht, den noch [[1364]] den Namen ''des drugsazz haws''' - die Gutrater waren des [[Erzstift Salzburg|Erzstifts]] [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#T|Erbtruchsesse]]. |
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| − | [[Erzbischof]] [[Friedrich III. von Leibnitz]] tauschte [[1327]] mit dem [[Benediktinerstift Admont]] deren älteren [[Admonter Hof]] gegen diese beiden Häuser am Waagplatz. Friedrich errichtete daraufhin anstelle des alten Admonter Hofes das [[Bürgerspital St. Blasius]]. | + | === Jüngerer Admonter Hof === |
| | + | [[Erzbischof]] [[Friedrich III. von Leibnitz]] tauschte [[1327]] mit dem [[Benediktinerstift Admont]] deren älteren [[Admonter Hof]], um das [[Bürgerspital St. Blasius]] zu errichten, gegen zwei Häuser am Brotmarkt, ein steinernes und ein hölzernes. Daher kommt auch der Name "(jüngerer) Admonter Hof"<!-- wenn beide Gebäude an Admont gingen, müssten doch wohl beide Gebäude so geheißen haben: (für das hintere Gebäude) -->. |
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| | [[1412]] gab Abt <span style="color:green">Georg Lueger</span><ref>siehe Ennstalwiki → [[enns:Georg Lueger]]</ref><ref>{{ennswiki}}</ref> von Admont das Haus dem Goldschmied Peter zu ''Leibgeding'' (auf drei ''Leib'': Peter, seiner Frau und Schwester). | | [[1412]] gab Abt <span style="color:green">Georg Lueger</span><ref>siehe Ennstalwiki → [[enns:Georg Lueger]]</ref><ref>{{ennswiki}}</ref> von Admont das Haus dem Goldschmied Peter zu ''Leibgeding'' (auf drei ''Leib'': Peter, seiner Frau und Schwester). |
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| | Das Gebäude ging dann höchstwahrscheinlich [[1575]] in das erzbischöfliche [[Urbar]] über und befand sich noch [[1650]] in demselben. | | Das Gebäude ging dann höchstwahrscheinlich [[1575]] in das erzbischöfliche [[Urbar]] über und befand sich noch [[1650]] in demselben. |
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| − | [[1593]] erwarb es Wolf [[Paurnfeind|Baurnfeind]] durch Kauf, des Mathias Baurnfeind Witwe, geb. Zapler, wieder verheiratete [[Freysauff|''Fraißsauf'']], erhielt [[1641]] beide Häuser. [[1647]] besaß Egidius Berner den hinten errichteten Neubau, das ''Bernerstöckl''. Seine Frau Sophia war eine Tochter Baurnfeinds. Frau von [[Kimpflern]], geb. Baurfeind, vereinigte dann [[1676]] beide Häuser. | + | === Paurnfeind'sche Behausung === |
| | + | [[1593]] erwarb es Wolf [[Paurnfeind|Baurnfeind]] durch Kauf, des Mathias Baurnfeind Witwe, geb. Zapler, wieder verheiratete [[Freysauff|''Fraißsauf'']], erhielt [[1641]] beide Häuser. |
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| | + | [[1647]] besaß Egidius Berner den hinten errichteten Neubau, das ''Bernerstöckl''. Seine Frau Sophia war eine Tochter Baurnfeinds. Frau von [[Kimpflern]], geb. Baurfeind, vereinigte dann [[1676]] beide Häuser zu einem Besitz.. |
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| | Mehrere Verwandte erhielten die Gebäude und es kam immer wieder zu Teilungen. | | Mehrere Verwandte erhielten die Gebäude und es kam immer wieder zu Teilungen. |
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| | Es folgte Johann Sebastian.<!-- das war die Besitzerreihenfolge nach Franz Valentin Zillner: ''dann [[1806]] Caspar von Freißauf (Fraißauf und Freisauf), 1808 ein Kaufmann Freyssauf, [[1813]] dessen Erbe und vier weitere Verwandte und [[1818]] der Kaufmann Schaffner, der dem Haus den Namen gab. [[1858]] gab es drei Besitzer und [[1874]] folgten [[Karl Roll]] und Harretsberger.'' Die nachstehende Besitzerreihenfolge nach den Artikeln der Handlungen und dortigen Quellen --> | | Es folgte Johann Sebastian.<!-- das war die Besitzerreihenfolge nach Franz Valentin Zillner: ''dann [[1806]] Caspar von Freißauf (Fraißauf und Freisauf), 1808 ein Kaufmann Freyssauf, [[1813]] dessen Erbe und vier weitere Verwandte und [[1818]] der Kaufmann Schaffner, der dem Haus den Namen gab. [[1858]] gab es drei Besitzer und [[1874]] folgten [[Karl Roll]] und Harretsberger.'' Die nachstehende Besitzerreihenfolge nach den Artikeln der Handlungen und dortigen Quellen --> |
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| − | [[1705]] gründete Caspar [[Freysauff|Freysauf]] die [[Caspar Freysauf'sche Handlung]] in diesem Haus. [[1803]]/[[1804]] war sie zusammen mit dem Haus an [[Franz Anton Schaffner]] verkauft worden, der die Handlung unter dem alten Namen weiterführte. Am [[1. Mai]] [[1815]] wurde sie aufgelöst und [[Franz Anton Schaffner]], der alleiniger Eigentümer von Haus und Handlung (Faktorei) blieb, führte das Geschäft nun unter seinem eigenen Namen als [[Franz Anton Schaffner'sche Handlung]] weiter. Er war mit Theresia, geb. [[Späth]] (die jüngere Schwester von [[Franz Xaver Späth]]) verheiratet, die von [[1837]] bis [[1841]] Haus und Handlung besaß und zusammen mit dem Prokuristen Alois Hauptmann bis zu ihrem Tod [[1870]] führte. | + | === Freysauff'sche Behausung === |
| | + | [[1705]] gründete Caspar [[Freysauff|Freysauf]] die [[Caspar Freysauf'sche Handlung]] in diesem Haus. <ref>[[Lorenz Hübner]], I, '' Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg'', 1792, Seite 179</ref> |
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| | + | === Schaffner-Haus === |
| | + | [[1803]]/[[1804]] war sie zusammen mit dem Haus an [[Franz Anton Schaffner]] verkauft worden, der die Handlung unter dem alten Namen weiterführte. Am [[1. Mai]] [[1815]] wurde sie aufgelöst und [[Franz Anton Schaffner]], der alleiniger Eigentümer von Haus und Handlung (Faktorei) blieb, führte das Geschäft nun unter seinem eigenen Namen als [[Franz Anton Schaffner'sche Handlung]] weiter. Er war mit Theresia, geb. [[Späth]] (die jüngere Schwester von [[Franz Xaver Späth]]) verheiratet, die von [[1837]] bis [[1841]] Haus und Handlung besaß und zusammen mit dem Prokuristen Alois Hauptmann bis zu ihrem Tod [[1870]] führte. |
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| | Im September desselben Jahres stand das Haus im Besitz von Theresia Schaffner die Jüngere.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18700910&query=%22Schaffner%22&seite=3 anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 10. September 1870]</ref> Nach dem von Therese Schaffner die Ältere [[1870]]<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18700516&query=%22Schaffner%22+%22Therese%22&ref=anno-search&seite=4 Salzburger Zeitung 16. Mai 1870]</ref> stand das Haus im September desselben Jahres im Besitz von Theresia Schaffner die Jüngere.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18700910&query=%22Schaffner%22&seite=3 anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 10. September 1870]</ref> | | Im September desselben Jahres stand das Haus im Besitz von Theresia Schaffner die Jüngere.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18700910&query=%22Schaffner%22&seite=3 anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 10. September 1870]</ref> Nach dem von Therese Schaffner die Ältere [[1870]]<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18700516&query=%22Schaffner%22+%22Therese%22&ref=anno-search&seite=4 Salzburger Zeitung 16. Mai 1870]</ref> stand das Haus im September desselben Jahres im Besitz von Theresia Schaffner die Jüngere.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18700910&query=%22Schaffner%22&seite=3 anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 10. September 1870]</ref> |
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| | [[1877]] waren k.k. Landesgerichtsrat [[Karl Roll]] und [[Johann Haretsberger]] die Hausbesitzer.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18770913&query=%22Carl%22+%22Roll%22&ref=anno-search&seite=2 anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 13. September 1877]</ref> | | [[1877]] waren k.k. Landesgerichtsrat [[Karl Roll]] und [[Johann Haretsberger]] die Hausbesitzer.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18770913&query=%22Carl%22+%22Roll%22&ref=anno-search&seite=2 anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 13. September 1877]</ref> |
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| | + | === Waagplatz 2 === |
| | [[1899]] ging der Besitz von Karl Roll durch Kauf auf [[Josef Wierer]] und [[Ernst Müller]], Buchdruckerei, über.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18990213&query=%22Schaffner%22&seite=4 anno.onb.ac.at, Salzburger Chronik, 13. Februar 1899]</ref> | | [[1899]] ging der Besitz von Karl Roll durch Kauf auf [[Josef Wierer]] und [[Ernst Müller]], Buchdruckerei, über.<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=18990213&query=%22Schaffner%22&seite=4 anno.onb.ac.at, Salzburger Chronik, 13. Februar 1899]</ref> |
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| | * Die Einleitung stammt vom Text "Waagplatz" und dortigen Quellen | | * Die Einleitung stammt vom Text "Waagplatz" und dortigen Quellen |
| | * [[Franz Valentin Zillner]]: ''Geschichte der Stadt Salzburg'', I. Buch, Salzburg 1885, Seite 277 (bei [https://archive.org/details/bub_gb_M5MJAAAAIAAJ/page/n291 Internetabfrage] Seite 291) | | * [[Franz Valentin Zillner]]: ''Geschichte der Stadt Salzburg'', I. Buch, Salzburg 1885, Seite 277 (bei [https://archive.org/details/bub_gb_M5MJAAAAIAAJ/page/n291 Internetabfrage] Seite 291) |
| | + | * [https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_144_0145-0218.pdf www.zobodat.at: Die „Lebenserinnerungen“ des Franz Xaver Späth von Isolde Schlager-Dattenböck, Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Seite 151/152] |
| | * [[Digitaler Stadtplan von Salzburg]] | | * [[Digitaler Stadtplan von Salzburg]] |
| − | * [https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_144_0145-0218.pdf www.zobodat.at: Die „Lebenserinnerungen“ des Franz Xaver Späth von Isolde Schlager-Dattenböck, Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Seite 151/152]
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| | == Weblinks == | | == Weblinks == |