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Textersetzung - „Jahrhunderte lang “ durch „jahrhundertelang “
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Kurz nach Holzegg heißt es, sich zu entscheiden: Pilger, die noch viele Sünden abzubüßen haben, sollten geradeaus weiter gehen und sich weiterhin auf hartem Asphalt neben der vielbefahrenen Straße über Hinterreit nach Großgmain schleppen. Diejenigen mit lässlichen Sünden werden sich nach rechts wenden und ins nahe Marzoll spazieren. Dort erwartet sie  ein schattiger Wirtsgarten und die Kirche des heiligen Valentin. Wie es zu der einst bedeutenden Wallfahrt nach Marzoll gekommen ist, lässt sich aus einer historischen Aufzeichnug erfahren: „Im jahr Christi 1496 hat es sich zuegetragen, dass ein knab von 12 jahren, auß Thallgey gebürttig, der mit der laidigen hinfahlendten sucht elendiglich behafft gewesen. Sen vatter mit nahmen Christian Fischer verlobt ihm auß sonderbarer einsprechung Gottes anhero zu dem heiligen Valentinum mit einen lebendigen opffer, einer schwartzen henn. Was geschicht den jüngling? Wurde nit allein durch vorbitt deß Heiligen also bald von seiner schwaren noth befreyet und erlediget, also dass ihm die zeit seines lebens  nit mehr angestossen, sondern was thuet Gott nit zu mehrerer bekräfftigung seiner wunder und miracul, die er durch seinen heiligen würckhe! Weil man vielleicht dißen leuthen nit geglaubt hette, ist die schwarze henn weiß worden. Und das ist in beysein viller zeigen als benantlich deß damahligen herr pfarrer, herrn Pellinger als eben zu selbiger zeit richter in gschloss Plain, der beeden kirchprobsten Martin Pockhel und Sigismund Zeller wie dann auch viller andern frommen Christen bekennet und außgesagt worden.“ Trotz der einträglichen Wallfahrt wird die Entlohnung des Marzoller Mesners für Mesnerdienst, Orgelspiel und Schulunterricht wohl nicht allzu üppig gewesen sein, denn dieser suchte sich weitere Betätigungsfelder, um seine Einkünfte zu erhöhen. Der Siezenheimer Mesner Michael Greppler bat 1743 in einem Brief an das Salzburger Domkapitel, weiterhin seinen Nebentätigkeiten nachgehen zu dürfen. Dabei führte er an, dass sich die Mesner von Marzoll, Salzburghofen und Nonntal ebenfalls mit dem Schneiden von Haaren und Bärten ein Zusatzeinkommen verdienen würden.  
 
Kurz nach Holzegg heißt es, sich zu entscheiden: Pilger, die noch viele Sünden abzubüßen haben, sollten geradeaus weiter gehen und sich weiterhin auf hartem Asphalt neben der vielbefahrenen Straße über Hinterreit nach Großgmain schleppen. Diejenigen mit lässlichen Sünden werden sich nach rechts wenden und ins nahe Marzoll spazieren. Dort erwartet sie  ein schattiger Wirtsgarten und die Kirche des heiligen Valentin. Wie es zu der einst bedeutenden Wallfahrt nach Marzoll gekommen ist, lässt sich aus einer historischen Aufzeichnug erfahren: „Im jahr Christi 1496 hat es sich zuegetragen, dass ein knab von 12 jahren, auß Thallgey gebürttig, der mit der laidigen hinfahlendten sucht elendiglich behafft gewesen. Sen vatter mit nahmen Christian Fischer verlobt ihm auß sonderbarer einsprechung Gottes anhero zu dem heiligen Valentinum mit einen lebendigen opffer, einer schwartzen henn. Was geschicht den jüngling? Wurde nit allein durch vorbitt deß Heiligen also bald von seiner schwaren noth befreyet und erlediget, also dass ihm die zeit seines lebens  nit mehr angestossen, sondern was thuet Gott nit zu mehrerer bekräfftigung seiner wunder und miracul, die er durch seinen heiligen würckhe! Weil man vielleicht dißen leuthen nit geglaubt hette, ist die schwarze henn weiß worden. Und das ist in beysein viller zeigen als benantlich deß damahligen herr pfarrer, herrn Pellinger als eben zu selbiger zeit richter in gschloss Plain, der beeden kirchprobsten Martin Pockhel und Sigismund Zeller wie dann auch viller andern frommen Christen bekennet und außgesagt worden.“ Trotz der einträglichen Wallfahrt wird die Entlohnung des Marzoller Mesners für Mesnerdienst, Orgelspiel und Schulunterricht wohl nicht allzu üppig gewesen sein, denn dieser suchte sich weitere Betätigungsfelder, um seine Einkünfte zu erhöhen. Der Siezenheimer Mesner Michael Greppler bat 1743 in einem Brief an das Salzburger Domkapitel, weiterhin seinen Nebentätigkeiten nachgehen zu dürfen. Dabei führte er an, dass sich die Mesner von Marzoll, Salzburghofen und Nonntal ebenfalls mit dem Schneiden von Haaren und Bärten ein Zusatzeinkommen verdienen würden.  
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Am Marzoller Schlossweiher verlässt der Pilgerpfad die Straße, biegt nach links ab und führt von nun an über nicht asphaltierte Wanderwege nach St. Zeno. Den Kohlerbach überquert man am ehemaligen Standort der Haggenmühle, wo einst Getreide und Öl verarbeitet wurden. Nach dieser Mühle war der Wasserlauf Jahrhunderte lang Haggenbach genannt worden, bevor er seinen heutigen Namen vom Kolleranwesen in Türk an seinem Unterlauf erhielt. Seit die Mühlengebäude 1920 abgerissen wurden, sollen an der Haggenmühle Geister umgehen. Meist parallel zur Landesgrenze verläuft der Weg nun auf der Anhöhe des Tumpen bis zur Tumpenkapelle, von der sich ein weiter Bick ins Reichenhaller Tal und zum Sonntagshorn bietet. Durch einen Hohlweg gelangt man zur schmucken Obermühle am Weißbach, die zur Einkehr einlädt. Das 1415 erstmals erwähnte Anwesen war die oberste der drei Weißbacher Mühlen. Lohnend ist ein Blick in die barocke Kapelle St. Leonhard, die in das später erbaute Nebengebäude integriert wurde. An dem von einer steinernen Madonna bewachten Hauseck wendet sich der Jakobsweg nach rechts und führt auf einem Steg über den Weißbach. Pilgerfreundliche Anwohner weisen hier den Wanderern mit echten Jakobsmuscheln den Weg. Auf einer Wiese gabelt sich der Pfad und man tut gut daran, den rechten Weg zu wählen, auch wenn es ein „Privatweg“ ist und seine „Benützung auf eigene Gefahr“ erfolgt. Hinter einer Abzweigung nach links beginnt ein leichter Anstieg auf das Kirchholz. Ein romantischer Weg, der auch unter dem Namen „Königsweg“ bekannt ist, führt dann durch schönsten Mischwald am Westabhang des Kirchholzes entlang. Besonders auffällig ist hier der große Bestand an Eiben, wie er sonst kaum irgendwo anzutreffen ist. Sanft bergab verläuft der Weg bis nach St. Zeno, das als die nächste offizielle Station der Jakobspilger gilt. In einem Reiselesebuch wird davon berichtet, dass die Gebeine des heiligen Zeno in der früheren Stiftskirche ruhen würden. In Wahrheit hütet man hier lediglich eine Reliquie des Bischofs in einer silbernen Büste. Eine Sage erzählt, dass die Stiftskirche früher sogar von den Untersberger Mandln aufgesucht wurde: Einmal ging der Kutscher von St. Zeno erst um Mitternacht zu Bett. Plötzlich sprang die Tür seines Zimmers auf und ein langer Zug von Gestalten mit Umhängen und Kapuzen marschierte schweigend durch den Raum. Da öffnete sich das gegenüber liegende Fenster von selbst, die geheimnisvollen Besucher stiegen hindurch und gingen auf die Stiftskirche zu. Deren Tor stand weit offen und die unheimlichen Gestalten zogen in die Kirche ein.  
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Am Marzoller Schlossweiher verlässt der Pilgerpfad die Straße, biegt nach links ab und führt von nun an über nicht asphaltierte Wanderwege nach St. Zeno. Den Kohlerbach überquert man am ehemaligen Standort der Haggenmühle, wo einst Getreide und Öl verarbeitet wurden. Nach dieser Mühle war der Wasserlauf jahrhundertelang Haggenbach genannt worden, bevor er seinen heutigen Namen vom Kolleranwesen in Türk an seinem Unterlauf erhielt. Seit die Mühlengebäude 1920 abgerissen wurden, sollen an der Haggenmühle Geister umgehen. Meist parallel zur Landesgrenze verläuft der Weg nun auf der Anhöhe des Tumpen bis zur Tumpenkapelle, von der sich ein weiter Bick ins Reichenhaller Tal und zum Sonntagshorn bietet. Durch einen Hohlweg gelangt man zur schmucken Obermühle am Weißbach, die zur Einkehr einlädt. Das 1415 erstmals erwähnte Anwesen war die oberste der drei Weißbacher Mühlen. Lohnend ist ein Blick in die barocke Kapelle St. Leonhard, die in das später erbaute Nebengebäude integriert wurde. An dem von einer steinernen Madonna bewachten Hauseck wendet sich der Jakobsweg nach rechts und führt auf einem Steg über den Weißbach. Pilgerfreundliche Anwohner weisen hier den Wanderern mit echten Jakobsmuscheln den Weg. Auf einer Wiese gabelt sich der Pfad und man tut gut daran, den rechten Weg zu wählen, auch wenn es ein „Privatweg“ ist und seine „Benützung auf eigene Gefahr“ erfolgt. Hinter einer Abzweigung nach links beginnt ein leichter Anstieg auf das Kirchholz. Ein romantischer Weg, der auch unter dem Namen „Königsweg“ bekannt ist, führt dann durch schönsten Mischwald am Westabhang des Kirchholzes entlang. Besonders auffällig ist hier der große Bestand an Eiben, wie er sonst kaum irgendwo anzutreffen ist. Sanft bergab verläuft der Weg bis nach St. Zeno, das als die nächste offizielle Station der Jakobspilger gilt. In einem Reiselesebuch wird davon berichtet, dass die Gebeine des heiligen Zeno in der früheren Stiftskirche ruhen würden. In Wahrheit hütet man hier lediglich eine Reliquie des Bischofs in einer silbernen Büste. Eine Sage erzählt, dass die Stiftskirche früher sogar von den Untersberger Mandln aufgesucht wurde: Einmal ging der Kutscher von St. Zeno erst um Mitternacht zu Bett. Plötzlich sprang die Tür seines Zimmers auf und ein langer Zug von Gestalten mit Umhängen und Kapuzen marschierte schweigend durch den Raum. Da öffnete sich das gegenüber liegende Fenster von selbst, die geheimnisvollen Besucher stiegen hindurch und gingen auf die Stiftskirche zu. Deren Tor stand weit offen und die unheimlichen Gestalten zogen in die Kirche ein.  
    
Eine Einkehr im traditionsreichen Hofwirt zu St. Zeno ist derzeit nicht möglich, da das Gebäude umgebaut wird. Bernhard Rottenwalder, im 17. Jahrhundert Propst von St. Zeno,  berichtet in seinen Aufzeichnungen von einem Chorrherrn, der neben anderen Verfehlungen mehrfach den Opferstock in der Stiftskirche aufbrach, um das Geld anschließend beim Hofwirt zu vertrinken. Dort schenkte man den Wein aus den stiftseigenen Weingütern bei Krems in der Wachau aus. Von 1720 bis 1803 brauten die Chorherren für ihren Eigenbedarf Bier, das auch in den unterstellten Pfarreien ausgeschenkt werden durfte. Der unerlaubte Verkauf des Bieres an Reichenhaller Wirte führte zu heftigen Konflikten mit den Reichenhaller Brauern. Diese waren in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich und verwüsteten 1786 den Brunnen, aus dem das Stift sein Brauwasser bezog. Außerdem schrieben sie dem Kürfürsten, er möge St. Zeno die Braukonzession entziehen. Das Stift stelle eine wirtschaftliche Bedrohung dar und eine Aufhebung desselben würde zum Nutzen der ganzen Stadt und der Bürgerschaft geschehen, sowie zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen.
 
Eine Einkehr im traditionsreichen Hofwirt zu St. Zeno ist derzeit nicht möglich, da das Gebäude umgebaut wird. Bernhard Rottenwalder, im 17. Jahrhundert Propst von St. Zeno,  berichtet in seinen Aufzeichnungen von einem Chorrherrn, der neben anderen Verfehlungen mehrfach den Opferstock in der Stiftskirche aufbrach, um das Geld anschließend beim Hofwirt zu vertrinken. Dort schenkte man den Wein aus den stiftseigenen Weingütern bei Krems in der Wachau aus. Von 1720 bis 1803 brauten die Chorherren für ihren Eigenbedarf Bier, das auch in den unterstellten Pfarreien ausgeschenkt werden durfte. Der unerlaubte Verkauf des Bieres an Reichenhaller Wirte führte zu heftigen Konflikten mit den Reichenhaller Brauern. Diese waren in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich und verwüsteten 1786 den Brunnen, aus dem das Stift sein Brauwasser bezog. Außerdem schrieben sie dem Kürfürsten, er möge St. Zeno die Braukonzession entziehen. Das Stift stelle eine wirtschaftliche Bedrohung dar und eine Aufhebung desselben würde zum Nutzen der ganzen Stadt und der Bürgerschaft geschehen, sowie zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen.