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| | [[Hedwig Kainberger]], Redakteurin der [[Salzburger Nachrichten]], ist der Ansicht, dass der Inhalt dieses Buch herzergreifend und exzellent recherchiert ist. ''Das himmelschreiende Unrecht, das dieser Goldegger Bäuerin widerfahren ist, als sie in Salzburg im März [[1943]] zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, schildert die Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan. Sie bettet ihren Bericht über diese tapfere Salzburgerin in eine umfassende zeithistorische Darstellung des bäuerlichen Lebens der 20er- und 30er-Jahre im Pongau, des Nationalsozialismus in Innergebirg und einer der monströsen Absurditäten des NS-Regimes: des sogenannten verbotenen Umgangs mit einem Kriegsgefangenen.'' | | [[Hedwig Kainberger]], Redakteurin der [[Salzburger Nachrichten]], ist der Ansicht, dass der Inhalt dieses Buch herzergreifend und exzellent recherchiert ist. ''Das himmelschreiende Unrecht, das dieser Goldegger Bäuerin widerfahren ist, als sie in Salzburg im März [[1943]] zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, schildert die Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan. Sie bettet ihren Bericht über diese tapfere Salzburgerin in eine umfassende zeithistorische Darstellung des bäuerlichen Lebens der 20er- und 30er-Jahre im Pongau, des Nationalsozialismus in Innergebirg und einer der monströsen Absurditäten des NS-Regimes: des sogenannten verbotenen Umgangs mit einem Kriegsgefangenen.'' |
| | ==Rezension 1== | | ==Rezension 1== |
| − | Die Enkelin Brigitte Menne aus [[Werfen]] sammelt unter zum Teil widrigen Umständen seit Jahren Material über ihre mütterliche Großmutter Maria Etzer, bevor ihre Freundin und Studienkollegin Maria Prieler-Woldan die Aufgabe übernimmt, das Schicksal von Maria Etzer wissenschaftlich aufzuarbeiten und das Ergebnis zu publizieren. Die Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan schildert in ihrem Buch mit dem Titel „Das Selbstverständliche tun“ das Leben der Pongauer Bergbäuerin Maria Etzer, die wegen ihrer religiösen und antinazistischen Haltung mit dem ihr zugeteilten französichen Kriegsgefangenen einen menschlichen Umgang pflegt. Nach Denunziation aus ihrem engeren Umfeld wird ihr ein „Geschlechtsverkehrsverbrechen“ unterstellt und Maria Etzer wird zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945, nach ihrer Entlassung aus der Haft, sieht sie sich aufgrund der moralischen Verurteilung, die das Leben ehemaliger NS-Zuchthaus-Häftlinge und KZ-Insassen nach Ende des Nationalsozialismus meist lebenslänglich prägt, nicht imstande, auf ihren Hof zurückzukehren. | + | Die Enkelin Mag. Brigitte Menne aus [[Werfen]] sammelt unter zum Teil widrigen Umständen seit Jahren Material über ihre mütterliche Großmutter Maria Etzer, bevor ihre Freundin und Studienkollegin Mag. Dr. Maria Prieler-Woldan die Aufgabe übernimmt, das Schicksal von Maria Etzer wissenschaftlich aufzuarbeiten und das Ergebnis zu publizieren. Die Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan schildert in ihrem Buch mit dem Titel „Das Selbstverständliche tun. das Leben der Pongauer Bergbäuerin Maria Etzer, die wegen ihrer religiösen und antinazistischen Haltung mit dem ihr zugeteilten französichen Kriegsgefangenen einen menschlichen Umgang pflegt. Nach Denunziation aus ihrem engeren Umfeld wird ihr ein „Geschlechtsverkehrsverbrechen“ unterstellt und Maria Etzer wird zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945, nach ihrer Entlassung aus der Haft, sieht sie sich aufgrund der moralischen Verurteilung, die das Leben ehemaliger NS-Zuchthaus-Häftlinge und KZ-Insassen nach Ende des Nationalsozialismus meist lebenslänglich prägt, nicht imstande, auf ihren Hof zurückzukehren. |
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| | Der Autorin gelingt es mittels genauer Recherche und durch Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen und Zeitzeuginnen hervorragend, Maria Etzer und ihr ländliches Umfeld in der Zeit der NS-Diktatur zu portraitieren. Sie hat Maria Etzers Schicksal stellvertretend für eine ganze Gruppe von verdrängten NS-Opfern, nämlich jener Personen – es sind in der Mehrzahl Frauen, - die aufgrund von angeblichen Liebesverhältnissen mit Vertretern oder Vertreterinnen des „Feindes“ als politische Verbrecher verurteilt und inhaftiert wurden, aus der kollektiven Verdrängung in die Mitte unserer Gesellschaft zurückgeholt. Dieses Buch stellt nicht nur die Ehre von Maria Etzer - Bergbäuerin in Goldegg im Pongau - wieder her, es ist darüber hinaus dazu geeignet, die längst überfällige Rehabilitierung dieser Opfergruppe, die in der Rangordnung noch niedriger als die ebenfalls tabuisierten Wehrmachtsdeserteure gereiht zu sein scheint, auszulösen und voranzutreiben. | | Der Autorin gelingt es mittels genauer Recherche und durch Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen und Zeitzeuginnen hervorragend, Maria Etzer und ihr ländliches Umfeld in der Zeit der NS-Diktatur zu portraitieren. Sie hat Maria Etzers Schicksal stellvertretend für eine ganze Gruppe von verdrängten NS-Opfern, nämlich jener Personen – es sind in der Mehrzahl Frauen, - die aufgrund von angeblichen Liebesverhältnissen mit Vertretern oder Vertreterinnen des „Feindes“ als politische Verbrecher verurteilt und inhaftiert wurden, aus der kollektiven Verdrängung in die Mitte unserer Gesellschaft zurückgeholt. Dieses Buch stellt nicht nur die Ehre von Maria Etzer - Bergbäuerin in Goldegg im Pongau - wieder her, es ist darüber hinaus dazu geeignet, die längst überfällige Rehabilitierung dieser Opfergruppe, die in der Rangordnung noch niedriger als die ebenfalls tabuisierten Wehrmachtsdeserteure gereiht zu sein scheint, auszulösen und voranzutreiben. |
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