Schach-Landesverband Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Von Schach-Kaffee´s zum modernen Turnier''' | '''Von Schach-Kaffee´s zum modernen Turnier''' | ||
Zwischen Jänner 1869 und März 1879 sind in der Stadt Salzburg drei kleine Stadtturniere im Café Baldauf am [[Platzl]] ([[Linzer Gasse]]) und Nachfolger Cafe´s, dokumentiert | Zwischen Jänner 1869 und März 1879 sind in der Stadt Salzburg drei kleine Stadtturniere im Café Baldauf am [[Platzl]] ([[Linzer Gasse]]) und Nachfolger Cafe´s, dokumentiert. Sieger 1873 der Fotograph Ludwig Hardtmuth (1826-1875), 1878/1879 Baumeister Josef Christoph (1842-1913) und wird im Oktober 1868 ein Schachklub mit etlichen "tüchtigen Spielern" in Zeitungen erwähnt. Dann folgt eine Lücke. | ||
Das Schachspiel in der [[Stadt Salzburg]] verlagert sich nach dem Bahnbau 1860 und der Westbahn[[1875]] vor allem in den [[1890er]] Jahren und der aufkommenden wirtschaftlichen Entwicklung in ein neu errichtetes Café Koller in der [[Neustadt]] an der heutigen [[Rainerstraße]]. Vielleicht war dieses nach dem Dragoner-Offizier Koller benannt. In den Cafés trifft sich das Bürgertum, höhere Beamte, Gewerbetreibende, Künstler. Zeitungslesen, Billard und Spiele prägen diese Kultur. | Das Schachspiel in der [[Stadt Salzburg]] verlagert sich nach dem Bahnbau 1860 und der Westbahn[[1875]] vor allem in den [[1890er]] Jahren und der aufkommenden wirtschaftlichen Entwicklung in ein neu errichtetes Café Koller in der [[Neustadt]] an der heutigen [[Rainerstraße]]. Vielleicht war dieses nach dem Dragoner-Offizier Koller benannt. In den Cafés trifft sich das Bürgertum, höhere Beamte, Gewerbetreibende, Künstler. Zeitungslesen, Billard und Spiele prägen diese Kultur. | ||
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Die Arbeiterschaft und Landbevölkerung kämpfen in dieser Zeit noch ums Überleben. Es wird zwar genauso gespielt, wenngleich mehr Kartenspiel, in Salzburg Watten, Schnapsen, Färbeln, aber auch Brettspiele, Würfeln, Kegeln, Stockschießen im Winter, Bölzlschießen (Scheibenschießen),... nur gibt es dazu kaum Aufzeichnungen. Schach wurde gelegentlich in Gasthäusen, Kantinen oder Arbeiterheimen, aber eher lose gespielt. Ab 1909 gab es zB. in Wien einen eigenen Arbeiterschachklub. Auch in anderen Sportarten gibt es viele gute Hobbysportler, die aber doch keinem Meisterschaftsbetrieb beitreten wollen.<br /> | Die Arbeiterschaft und Landbevölkerung kämpfen in dieser Zeit noch ums Überleben. Es wird zwar genauso gespielt, wenngleich mehr Kartenspiel, in Salzburg Watten, Schnapsen, Färbeln, aber auch Brettspiele, Würfeln, Kegeln, Stockschießen im Winter, Bölzlschießen (Scheibenschießen),... nur gibt es dazu kaum Aufzeichnungen. Schach wurde gelegentlich in Gasthäusen, Kantinen oder Arbeiterheimen, aber eher lose gespielt. Ab 1909 gab es zB. in Wien einen eigenen Arbeiterschachklub. Auch in anderen Sportarten gibt es viele gute Hobbysportler, die aber doch keinem Meisterschaftsbetrieb beitreten wollen.<br /> | ||
Wenngleich sich aus der Geschichte des Schach zeigt, dass viele der stärksten Spieler aus einfachen Verhältnissen stammen, Schach durchwegs | Wenngleich sich aus der Geschichte des Schach zeigt, dass viele der stärksten Spieler aus einfachen Verhältnissen stammen, Schach durchwegs realtiv bildungs unabhängig ist, es auch einer sehr speziellen analytischen Begabung (und wie bei jedem Sport) vor allem intensiven Trainings und guter Nerven unter hohem Druck bedarf. Wie zB. auch Stefan Zweig in seiner Schachnovelle ausführt.<br /> | ||
Vergleich: Bei den übrigen Sportvereinen gibt es die ersten Organisierten früh im 19. Jhd. bei den Turnern und Athlethen, Wettkämpfe bei den Ruderern, der noble Pferdesport. Dann folgt Leichtathletik. Um 1905 bilden sich zB. etliche Schiklubs im Pongau/Pinzgau, um Gäste ausbilden zu können. Landhockey folgt, und erst nach dem ersten Weltkrieg entwickelt sich langsam der organisierte Fußballsport. Das damals häufige Feldhandball hat sich zum harten Hallensport mutiert. Es herrschte auch um dese Zeit noch die 6 Tage Arbeitswoche mit dem Ziel einer 48 Stundenwoche. Die Freizeit war demnach bei einer ca. 60 Stunden Abeitswoche dem normalen Volk noch sehr begrenzt. | Vergleich: Bei den übrigen Sportvereinen gibt es die ersten Organisierten früh im 19. Jhd. bei den Turnern und Athlethen, Wettkämpfe bei den Ruderern, der noble Pferdesport. Dann folgt Leichtathletik. Um 1905 bilden sich zB. etliche Schiklubs im Pongau/Pinzgau, um Gäste ausbilden zu können. Landhockey folgt, und erst nach dem ersten Weltkrieg entwickelt sich langsam der organisierte Fußballsport. Das damals häufige Feldhandball hat sich zum harten Hallensport mutiert. Es herrschte auch um dese Zeit noch die 6 Tage Arbeitswoche mit dem Ziel einer 48 Stundenwoche. Die Freizeit war demnach bei einer ca. 60 Stunden Abeitswoche dem normalen Volk noch sehr begrenzt. | ||
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Der "Mehrer des Schach´s" wurde erster Obmann, kam aber schon ab 1912 beruflich nach Wien, Hrdina nach Tirol, wo er dann Innsbrucker Klubmeister wurde. | Der "Mehrer des Schach´s" wurde erster Obmann, kam aber schon ab 1912 beruflich nach Wien, Hrdina nach Tirol, wo er dann Innsbrucker Klubmeister wurde. | ||
Viele Lehrer (Amannshauser, Barth,...), Schuldirektoren, Beamte, auch Bahn-und Postbeamte, Gewerbetreibende, Dachdeckermeister Otto Kunstmann,.. Adjunkt, Primarius, einige Offiziere, ein Fotograph (Carl P. Wagner, der aber bald nach Innsbruck ging). Morawetz, Kuhn, Juristen .. Landesrat Dr. Tischlinger, finden sich berufsmäßig in der Mitgliederliste und den ersten Jahren aus anfangs 37 Personen. (Vielleicht bessere Spieler aus dem Arbeiterstand hätten sich damals die teuren Standes-Cafes und Klubgebühren gar nicht leisten können. Von denen wurde noch eher lose in Gasthäusern gespielt.) | Viele Lehrer (Amannshauser, Barth,...), Schuldirektoren, Beamte, auch Bahn-und Postbeamte, Gewerbetreibende, Dachdeckermeister Otto Kunstmann,.. ein Adjunkt, Primarius, einige Offiziere, ein Fotograph (Carl P. Wagner, der aber bald nach Innsbruck ging). Morawetz, Kuhn, Juristen .. Landesrat Dr. Tischlinger, finden sich berufsmäßig in der Mitgliederliste und den ersten Jahren aus anfangs 37 Personen. (Vielleicht bessere Spieler aus dem Arbeiterstand hätten sich damals die teuren Standes-Cafes und Klubgebühren gar nicht leisten können. Von denen wurde noch eher lose in Gasthäusern gespielt.) | ||
Am 12. Juni 1910 finden im Gasthaus zur Rose und im Herbst in Bayern große Mannschaftsvergleichskämpfe gegen das bayrische [[Traunstein]] (und später gegen [[Trostberg]]) statt. Großmeister R. Spielmann u. Schapiro werden dazu engagiert. Der Initator der SGS, der Meisterspieler Ing. Josef Hrdina, erringt am 23.7.1911 sogar die bayrische Meisterwürde am 3. bayrischen Schachkongress (17.-23.7. 1911) in München (für das bayrische Traunstein spielend) und erhält den Prinzregenten Ehrenpreis. <br /> | Am 12. Juni 1910 finden im Gasthaus zur Rose und im Herbst in Bayern große Mannschaftsvergleichskämpfe gegen das bayrische [[Traunstein]] (und später gegen [[Trostberg]]) statt. Großmeister R. Spielmann u. Schapiro werden dazu engagiert. Der Initator der SGS, der Meisterspieler Ing. Josef Hrdina, erringt am 23.7.1911 sogar die bayrische Meisterwürde am 3. bayrischen Schachkongress (17.-23.7. 1911) in München (für das bayrische Traunstein spielend) und erhält den Prinzregenten Ehrenpreis. <br /> | ||