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== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
Die Franz-Fischer-Hütte ist für Wanderer ein besonders zentrales Schutzhaus am Fuße des [[Mosermandl]]s in den Niederen Tauern. Sie gehörte über Jahrzehnte der Wiener AV-Sektion Tauriska, die sich aber Mitte der [[2000er]]-Jahre aufgelöst hat. 2011 erklärte sich die AV-Sektion Lungau bereit, die Wartung der Wanderwege rund um diese Hütte für das [[Riedingtal (Lungau)|Riedingtal]] und das [[Twenger Lanschfeld]] zu übernehmen.
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Die Franz-Fischer-Hütte ist für Wanderer ein besonders zentrales Schutzhaus am Fuße des [[Mosermandl]]s in den Niederen Tauern. Sie gehörte über Jahrzehnte der Wiener AV-Sektion Tauriska, die sich aber Mitte der [[2000er]]-Jahre aufgelöst hat. 2011 erklärte sich die [[Alpenverein Sektion Lungau]] bereit, die Wartung der Wanderwege rund um diese Hütte für das [[Riedingtal (Lungau)|Riedingtal]] und das [[Twenger Lanschfeld]] zu übernehmen.
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Um 700.000 Euro wurde 2013 die in den [[1950er]]-Jahren erbaute Franz-Fischer-Hütte mit viel öffentlicher Unterstützung neu aufgebaut. Franz Prieler von der AV-Sektion Lungau sagte gegenüber den [[Lungauer Nachrichten]], dass sich sehr bald herausgestellt hatte, dass eine Renovierung keinen Sinn mehr hatte, und man Neubaupläne wälzte. Im Vorfeld gab es dazu einen heftigen Rechtsstreit mit einem Grundstücksnachbarn. Grundbesitzer rund um die Fischerhütte ist ein deutscher Unternehmer mit Sitz in Hongkong<ref>[http://salzburg.orf.at/news/stories/2596170/ Streit um Bau von Alpenvereinshütte] im ORF-ON vom 3. August 2013 abgerufen am 11. August 2013</ref> , dessen Vater das Areal vor Jahrzehnten erworben hatte. Der Nachfolger wollte das Vorhaben offenbar verhindern. Er war zwar nie persönlich bei Verhandlungen dabei, wohl aber zwei von ihm beauftragte Rechtsanwälte. Ein Verhandlungsteilnehmer: „''Unser Eindruck war, dass sie nur den Auftrag hatten, das Bauvorhaben zu verhindern.''“
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Um 700.000 Euro wurde 2013 die in den [[1950er]]-Jahren erbaute Franz-Fischer-Hütte mit viel öffentlicher Unterstützung neu aufgebaut. Franz Prieler von der AV-Sektion Lungau sagte gegenüber den [[Lungauer Nachrichten]], dass sich sehr bald herausgestellt hatte, dass eine Renovierung keinen Sinn mehr hatte, und man Neubaupläne wälzte. Im Vorfeld gab es dazu einen heftigen Rechtsstreit mit einem Grundstücksnachbarn. Grundbesitzer rund um die Fischerhütte ist ein deutscher Unternehmer mit Sitz in Hongkong<ref>[http://salzburg.orf.at/news/stories/2596170/ Streit um Bau von Alpenvereinshütte] im ORF-ON vom 3. August 2013 abgerufen am 11. August 2013</ref> , dessen Großvater das Areal vor Jahrzehnten erworben hatte. Der Nachfolger wollte das Vorhaben offenbar verhindern. Er war zwar nie persönlich bei Verhandlungen dabei, wohl aber zwei von ihm beauftragte Rechtsanwälte. Ein Verhandlungsteilnehmer: „''Unser Eindruck war, dass sie nur den Auftrag hatten, das Bauvorhaben zu verhindern.''“
    
Was aber nicht gelungen ist: Ende 2012 gab es einen positiven Bescheid der [[Bezirkshauptmannschaft Tamsweg]], der vom Grundstücksnachbarn aber prompt beeinsprucht wurde. Die Berufung jedoch wurde Mitte Februar 2013 vom [[Land Salzburg]] abgelehnt.
 
Was aber nicht gelungen ist: Ende 2012 gab es einen positiven Bescheid der [[Bezirkshauptmannschaft Tamsweg]], der vom Grundstücksnachbarn aber prompt beeinsprucht wurde. Die Berufung jedoch wurde Mitte Februar 2013 vom [[Land Salzburg]] abgelehnt.
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Die Hütte ist ab [[20. Juni]] [[2014]] wieder eröffnet. Die offizielle Eröffnungsfeier findet am [[13. Juli]] [[2014]] statt.
 
Die Hütte ist ab [[20. Juni]] [[2014]] wieder eröffnet. Die offizielle Eröffnungsfeier findet am [[13. Juli]] [[2014]] statt.
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=== 2014: Deutscher Grundbesitzer aus Hongkong beklagt Zerstörung der Natur ===
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Das Grundstück, auf dem die Hütte steht, ist eine Insel in der 337 Hektar großen [[Eslalm]], die Marc-Eric Mullikas gehört. Der 44-jährige Deutsche ist Textilien- und Immobilienunternehmer in Hongkong. Seine aus Hamburg stammende Familie ist seit drei Generationen Grundbesitzer im Lungau. Der Großvater habe dem Alpenverein eine Parzelle geschenkt.
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Mullikas hat den Lungauer Alpenverein mit einer Serie von Klagen eingedeckt. Er ärgert sich über „''die Schändung der Natur ausgerechnet durch einen Verein, der sich zum Anwalt der Alpen aufschwingt''“. Er beklagt massive Naturzerstörungen im empfindlichen alpinen Gelände. So seien Steinhügel aus der [[Eiszeit]] und [[Wollgras]] nun weg. Die Arbeiten seien zum Teil ohne Bewilligungen und ohne seine Zustimmung durchgeführt worden. Der Almbesitzer ließ die Schäden am Zufahrtsweg, an der vergrößerten Wehranlage am [[Zaunersee]] sowie an der neuen Quellfassung genau dokumentieren. Besonders erbost ihn, dass die Baufirma einen 0,5 Meter tiefen Graben für die 620 Meter lange Wasserleitung gezogen hat. „''In einer Nacht-und-Nebel-Aktion sind bei uns auf dem Grundstück die Bagger aufgefahren. Die haben sich aufgeführt wie die Axt im Wald. Und das alles in einem Affentempo''“, schildert der Unternehmer. Einen Baustopp, den er erwirkt habe, habe der Alpenverein einfach ignoriert.
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Von einem Dutzend seiner Klagen habe er die Hälfte schon gewonnen (unter anderem gegen das Bauunternehmen), sagte der Deutsche.  Anhängig ist aktuell (Oktober 2014) zum Beispiel eine Schadenersatzklage auf 240.000 Euro. Neben Schadenersatz verlangt Mullikas „die Bestrafung“ des Bauherrn Alpenverein. Der Kläger will sogar eine Auflösung des Lungauer Alpenvereins erzwingen, weil dieser seinen Zweck nicht erfülle.
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Der Unternehmer hat selbst eine kleinere Hütte im Almgebiet. „''Ich habe Material sogar hinauftragen lassen, um die Natur zu schonen.''“ Er sei sechs, sieben Mal im Jahr meist für einige Tage im Lungau. „Ich bin öfter in Österreich als in Deutschland.“ Während der Kläger „Alibi-Renaturierungen“ kritisiere, beteuere der Alpenverein, dass jetzt „alles passt“, wie der Naturschutz des Landes festgestellt habe, sagt ÖAV-Landesvorsitzende [[Brigitte Slupetzky]]. Der Oesterreichische Alpenverein nimmt die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Lungau in Schutz, wehrt sich gegen die Vorwürfe und geht zum Gegenangriff über: „''Ehrenamtliche Funktionäre werden von einem deutschen Großunternehmer mit Klagen bombardiert und für ‚mutwillige Zerstörung der Natur‘ an den Pranger gestellt. Bisher waren wir bemüht, die Differenzen auf direktem Weg zu regeln. Doch nach der erneuten Strafanzeige sehen wir uns gezwungen, die Stimme gegen diese haltlosen Anschuldigungen zu erheben.''“<ref>{{Quelle SN|2. Oktober 2014}}</ref>
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Slupetzky glaubt Mullikas wahre Absicht durchschaut zu haben: „''Er möchte die Hütte und wird uns das Leben zur Hölle machen. Aber er kriegt sie nicht. Wir können sie nicht einem x-Beliebigen geben. Wir sind unseren Statuten verpflichtet.''“ Ein Sprecher von Mullikas dementiert: „''Was soll er mit der Riesenhütte?''“
    
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