Schneegattern: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die Ortschaft Schneegattern hieß bis zum [[12. März]] [[1910]] „Weißenbach“, benannt nach dem die Ortschaft vom Norden her durchfließenden Bach. Die dortige Wirtschaft ist wesentlich vom Holzreichtum des umgebenden [[Kobernaußerwald]]es geprägt. Deshalb entwickelte sich hier bereits früh ein Industriestandort. [[1791]] errichtete hier Anton Hauer aus Schlägl im Mühlviertel die erste k.k. priv. Glasfabrik. Der nötige Kies wurde aus dem Bachbett des Riedlbaches entnommen. [[1780]] wurde ein Dampfsägewerk errichtet. Auch Pottasche (durch Auslaugen von Holzasche) wurde hier erzeugt. Im Jahr [[1820]] waren nach einem Bericht der digitalen Oberösterreichischen Landesbibliothek in Schneegattern 860 Arbeiter bei den Betrieben beschäftigt. | Die Ortschaft Schneegattern hieß bis zum [[12. März]] [[1910]] „Weißenbach“, benannt nach dem die Ortschaft vom Norden her durchfließenden Bach. Die dortige Wirtschaft ist wesentlich vom Holzreichtum des umgebenden [[Kobernaußerwald]]es geprägt. Deshalb entwickelte sich hier bereits früh ein Industriestandort. [[1791]] errichtete hier Anton Hauer aus Schlägl im Mühlviertel die erste k.k. priv. Glasfabrik. Der nötige Kies wurde aus dem Bachbett des Riedlbaches entnommen. [[1780]] wurde ein Dampfsägewerk errichtet. Auch Pottasche (durch Auslaugen von Holzasche) wurde hier erzeugt. Im Jahr [[1820]] waren nach einem Bericht der digitalen Oberösterreichischen Landesbibliothek in Schneegattern 860 Arbeiter bei den Betrieben beschäftigt. | ||
'''Aufstellung über die Geschichte von Schneegattern:''' | |||
* Kirche Schneegattern | |||
Bis 1923 hatte Schneegattern keine Kirche. | |||
In diesem Jahr erwarb der Kirchenbauverein die im Flüchtlingslager in Braunau | |||
stehende Holzkirche. | |||
Sie wurde in Braunau abgetragen und in der Nähe des Gasthauses Pühringer | |||
wieder aufgestellt. Die Notkirche war recht geräumig und bei Sonntagsgottes- | |||
diensten sehr stark besucht. | |||
* Heutige Lourdeskirche | |||
Erbaut unter Initiative und tatkräftiger Mithilfe von Pfarrer Johann Weißengruber | |||
nach den Plänen von Architekt Richard Puchner aus Bad Hall. | |||
Bemerkenswert ist, dass die Kirche in einer Zeit größter Not entstanden ist. | |||
Von diesen bitteren Jahren der Arbeitslosigkeit kündet eine Glocke am Krieger- | |||
denkmal in der Nähe der Kirche, neben der ein Schürhaken der stillgelegten | |||
Glashütte angebracht ist. | |||
Auf einer Marmortafel kann man folgenden Spruch lesen: | |||
* Notglocke von Schneegattern | |||
„Ich bin ein lauter Zeuge der Arbeitsnot und Pein – | |||
und künd’ der Welt die Sorgen, die hier bei uns verborgen. | |||
Fünfhundert Menschen hungern. Zehn Jahre schon ohn’ Brot. – | |||
Das Leben uns’res Ortes, ist elend jetzt – voll Not. | |||
1936 | |||
* Kirchendetails: | |||
Dreischiffiges Langhaus mit offenem Dachstuhl. | |||
Der Hochaltar zeigt ein mächtiges Kruzifix – | |||
dieses Holzbildwerk stammt von Pfarrer Weißenbrunner. | |||
Der linke Seitenaltar bildet eine Lourdesgrotte. | |||
Pfarrhof wurde gleichzeitig mit Kirche erbaut. (um 1936) | |||
1970-71 Restaurierung der Innenkirche und äußeren Kirchenmauern. | |||
Turmkreuzsteckung fand am 28.03 1971 statt. | |||
* Holztrift in Schwemmbach und Mattig | |||
Städte und Agrargebiete brauchten Holz.Die Wegstrecken dorthin waren oft | |||
zu lang und der Transport zu schwierig. Es gab noch keine Eisenbahnen und | |||
die Straßen waren zu schlecht. Es gab nur eine Möglichkeit das Holz zu den | |||
Absatzgebieten zu transportieren – den Wasserweg. | |||
Der Kobernaußerwald liegt weitab schiffbarer Flüsse. So musste ein anderer | |||
Weg gefunden werden. Die vielen Täler des Kobernaußerwaldes führen alle | |||
kleine Bäche und Rinnsale. Am Südrand vereinen sie sich und eilen der | |||
Mattig und schließlich dem Inn zu. | |||
1760-1765 Errichtung einer Triftanstalt durch die kurbayerische Regierung, | |||
Das ermöglichte den Transport von Scheiterholz auf dem Wasserwege. | |||
Die österr. Regierung setzte nach dem Erwerb des Innviertels 1779 das Werk fort. | |||
Es wurden Triftkanäle und Klausen (Wasserspeicher) oder Floßteiche errichtet. | |||
Achbachklause 1784 Weißenbachklause 1786 | |||
Riedlbachklause 1802 Schwarzmoosklause 1882 | |||
Triftholzhacker fällten Bäume arbeiteten das Holz auf und schafften es zum | |||
Lagerplatz. (1814 wird ihre Zahl mit 60 – 70 angegeben). | |||
Oft erbauten sie sich im Wald am Ufer des Baches kleine Häuser, wo sie mit | |||
Frau, Kindern und Vieh lebten. | |||
Die Holzhauer bildeten untereinander „Gespannschaften“. Diese besorgten | |||
das Einwerfen der Scheiter in den Bach und das Abtriften. | |||
Zeit der Holztrift war im Frühjahr. (Waldschneeschmelze) | |||
Schwemmkanäle waren etwa 1,3 – 1,6 m breit und ca. einen halben Meter tief. | |||
Entlang der Kanäle wurde das Holz aufgestapelt. Die Klausen mussten sich stets | |||
untereinander verständigen. Sie durften ihre Schleusen nur abwechselnd öffnen. | |||
Mit dem Schwemmwasser musste gespart werden. Das Einwerfen musste rasch | |||
vor sich gehen. Das eingeworfene Holz konnte man auch nicht sich selbst über- | |||
lassen. Entlang der gesamten Schwemmstrecke waren Scheitertreiber aufgestellt. | |||
Sie regulierten mit einer etwa 3 m langen Stange, an deren Ende ein eiserner | |||
Haken (=Griaßbeil) angebracht war die Trift. | |||
Bei Dietfurt, unweit Braunau, befand sich in der Mattig ein großer Rechen, der | |||
die Scheiter auffing. Hier wurde das Holz aus dem Wasser gezogen und im | |||
„Holzgarten“ aufgeschichtet und vermessen. | |||
Reparaturen der Klausen, Wehren und Schwemmkanäle verursachten hohe Kosten. | |||
In Spitzenjahren betrug die jährliche Triftmenge bis zu 75.000 Raummeter Holz. | |||
Ende der Holztrift - 1887 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Steindorf-Braunau | |||
mit Industriebahn nach Schneegattern. Errichtung des Holzplatzes zur Beladung. | |||
Nach der Hochwasserkatastrophe 27.. 28., und 29 Juli 1897 wurde die immer noch | |||
ausgeübte lokale Holztrift im Raum Schneegattern aufgegeben. | |||
Anstelle wurde eine Waldbahn in das Riedl- und Weißenbachtal gebaut. | |||
Heute erinnert nur mehr der Name des Baches an die ursprüngliche Nutzung. | |||
Seit jener Zeit heißt er Schwemm-,Scheiter- oder Triftbach. | |||
* Industrieort Schneegattern | |||
Besiedlung dieses Teiles unserer Gemeinde erfolgte verhältnismäßig spät. | |||
Der Wald, das nasse Tal und das raue Klima haben dazu beigetragen. | |||
Der ursprüngliche Name „Weißenbach“ kommt erstmals 1363 vor. | |||
Namensänderung auf „Schneegattern“ am 29.März 1910 laut Kundmachung | |||
der k. k. Statthalterei in Linz wegen der Häufigkeit des Namens in Österreich. | |||
Schneegattern ein alter Industrieort | |||
Schon Ende des 16.Jh. (ca. 1589) soll es in Höcken eine Farbenfabrik gegeben | |||
haben. | |||
Zu Beginn des 17.Jh. sollte eine churfürstliche bayrische Rohrschmiede für | |||
Musketen und Pistolen geplant gewesen sein, die aber nicht errichtet wurde. | |||
Damals tauchten erste Pläne zur Errichtung einer Glashütte auf. | |||
1732 – Vorhaben von Johann Wolfgang Schmauß und zwanzig Jahre später | |||
Ing. Oberleutnant Ritter von Groth von Groote. | |||
1760 suchte Jakob Hulz und 1771 Franz von Rauschenfels um Genehmigung | |||
zur Errichtung einer Glashütte an. | |||
1870 Errichtung eines Dampfsägewerkes, das bis 1907 von der Firma Brüll | |||
geführt wurde. | |||
Was während der bayrischen Zeit nicht realisiert wurde, kam bald, nachdem | |||
das Innviertel österreichisch wurde zustande. | |||
Anton Hauer, früherer Glashüttenmeister beim Stift Schlägl war der Erbauer und | |||
Erster Besitzer der k. k. priv. Glasfabrik in Schneegattern. | |||
Im 19. Jh. Hatte die Glasfabrik verschiedene Besitzer. | |||
1836 Brand der Fabrik - 1874 verlegte man die Betriebsstätte vom heutigen | |||
Ortsteil „Alte Hütte“ in den südlichen Ortsteil. Die Öfen wurden auf Gasfeuerung | |||
umgestellt. 1891 wurde ein zweites Gebäude dazugebaut. | |||
1920 waren 4 Öfen, davon drei Hafenöfen mit je 12 Hafen in Betrieb. | |||
800 Beschäftigte fanden Arbeit. | |||
4. 12. 1924 wurde der gesamte Betrieb stillgelegt. | |||
Während der Inflation wurde die Glasfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. | |||
1926 neuer Anlauf der Glashütte – nach 20 Arbeitswochen mussten die 400 einge- | |||
Stellten Arbeiter neuerlich entlassen werden. | |||
Ein weiterer Versuch dauerte von 1929 bis 1932. Export bis Indien und Balkan. | |||
Ab 1932 herrschte große Arbeitslosigkeit. Fabriksanlagen wurden vernachlässigt, | |||
Schneegattern wurde zum Notstandsgebiet. | |||
Anschluss ans Deutsche Reich: Umstellung von Glasfabrikation auf Metallindustrie | |||
für die Rüstung. Inbetriebnahme im Herbst 1940 – 600 in- und ausländische Arbeiter | |||
stellten Granathülsen her. | |||
Nach dem Krieg ging man rasch wieder zur Glasfertigung über. | |||
Mehrmalige Rückschläge in der Glasindustrie infolge Absatzkrisen bis heute. | |||
In den 60er und 70er Jahren gab es ein Wechselbad der Gefühle. | |||
Große Geldschwierigkeiten 1966, 1967 und1968. Keine Weihnachts- und Urlaubs- | |||
gelder. Gespenst der Schließung war allgegenwärtig. 1968 konnten die Löhne | |||
nicht mehr ausbezahlt werden. Der Aufsichtsrat erklärte den Ausgleich, dieser | |||
wurde abgelehnt. Mit 29.1.68 standen 430 Arbeiter auf der Straße. | |||
Die oö. Landesregierung verhandelte mit Pro. Claus Josef Riedel (Tiroler Glashütte). | |||
Neue Glashütte - Grundsteinlegung: 26. Juni 1968 | |||
Kurt Wokan großes Eröffnungsfest für alle Schneegatterer am 5.10.1968. | |||
Die alte Glashütte soll nun Ingrid-Hütte Austria Schneegattern heißen. | |||
Arbeitskämpfe – Einführung der 43-Stunden-Woche. Ein dreimonatiger kostspieliger | |||
Arbeitskampf folgt. | |||
1971 errichtet Wokan eine dritte Halle. | |||
1973 – weltweite Ölkrise Wokan baut eine Fabrik in Portugal-billige Arbeitskräfte! | |||
Die Auftragslage in Schneegattern wurde immer schlechter. Im Jänner 1976 | |||
musste die Ingrid-Hütte ihre Tore schließen und Konkurs anmelden. | |||
Direktor Hantich nahm am 18.2.76 mit einer Pachtgesellschaft den Betrieb wieder auf. | |||
1977 wurde die Kaufabsicht durch Einspruch Wokans zunichte gemacht. | |||
Die Pachtfirma resignierte und kaufte in Regen (Bayerischer Wald) eine Glashütte | |||
und produzierte auch in Uttendorf. | |||
16.12.1977 Glashütte wird wieder an Wokan übergeben. Er kann aber den Betrieb | |||
nicht wieder aufnehmen. Er hatte keinen finanziellen Mitteln mehr. | |||
=="Die Drehscheibe" als Treffpunkt in der Krise== | =="Die Drehscheibe" als Treffpunkt in der Krise== | ||