Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen

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''Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das "Alter der Liebe" Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der "Gartenlaube"? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das "Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr "Schlafhaube". Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!''
''Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das "Alter der Liebe" Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der "Gartenlaube"? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das "Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr "Schlafhaube". Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!''
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==== Brief vom 3. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Josefstadt Wien…" [verwischt], rückseitig "Westbahn…" [verwischt] und "Salzburg Stadt…" [verwischt]; kleines rotes Lacksiegel " F Sp"; [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // II Sto[c]k''; [mit Bleistift:] ''December 1871''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br />
''Wien 3 Dez 1871 / Vorm. // Meine liebe Fanny // Herzlichsten Dank für deine mir soeben zugekommenen Zeilen, es war se[h]r freundlich von dir, dß du meinen Wunsch, heute jedenfalls von dir einen Brief [in Wien] zu erhalten so freundlich nachgekommen bist.'' […] Das Paketchen wird dagegen nach Mödling geschickt, die Pakete kommen erst am zweiten Tag an den Ort ihrer Bestimmung. Er wird, wenn möglich, ihr dann morgen antworten. / […] ''Von der Salzburger Zusammenkunft kurz folgendes: // Es waren im Ganzen etwa 60-80 überwiegend Studierende doch auch eine ziermliche Anza[h]l meiniger Zeitgenossen, so die 3 Niedermoser Dr Kaserer [[Sattler]] [[Sauter]], Julius [[Spängler]], [[Poschacher]] u. noch einige andere; wir unterhielten uns recht gut; es wurde ein Vortrag über Paul Hofheimer<ref>[[Paul Hofhaimer]]</ref> (einen Salzburger Compositeur aus dem 16 Ja[h]rhundert) gehalten, dann fand eine Lotterie statt deren Erträgniß einen Beitrag zu der für Hofheimmer [!] im Friedhof zu St Peter / zu errichtenden Gedenktafel liefern soll.<ref>Abbildung bei [[Paul Hofhaimer]]</ref> // Im Uebrigen fanden noch einige Deklamationen statt, auch einige Studentenlieder wurden gesungen Es war recht gemütlich u. ich war sehr heiter, u. fü[h]lte so eine starke junggesellenhafte Anwandlung, wie ich neulich schrieb – in Folge daran ich noch veranlaßte, dß wir me[h]rere nach dem etwa um Mitternacht stattgehabten Schluße der Zusammenkunft noch in ein Cafehaus gingen, u ich dann erst um ½ 2 Uhr früh nach Hause kam. Du siehst, dein Mann kann auch liederlich sein. Nichts desto weniger las ich noch, freilich erst heute, aber noch vor dem Schlafengehen die 3 Gedichte, u. freute mich noch auf deinen heute zu erwartenden u auch richtig eingelangten Brief.'' /
Heute in drei Wochen ist ''Weihnachts Abend'', und er ist in Salzburg. Aber vorher hat er noch viel Arbeit zu vollenden, die er nicht in das neue ''Ja[h]r'' übertragen möchte. // Fannis Grüße von Angermay[e]r hat er entrichtet. // Er erhielt eine Todesnachricht ''hinsichtlich Fenzl'' durch den ''Partezettel''; er macht heute einen Condolenzbesuch. // Seine Cousine Angermay[e]r sitzt neben ihm und bessert kleine Schäden an seinem Überrock, und sie meint, dass es höchste Zeit ist, dass Franz in den Ehestand tritt. ''Nun lebe recht wo[h]l, u[n]d behalte lieb deinen // treuen Franz''
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