Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen

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''Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: "Athen" und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang "Frithiofs Rückkehr" stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der "Salzburger Landeskunde" hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.''
''Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: "Athen" und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang "Frithiofs Rückkehr" stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der "Salzburger Landeskunde" hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.''
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==== Brief vom 29. und 30. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 30/11/71", rückseitig "Salzburg Stadt 1/12/ 9-10/Früh/71"; kleines rotes Lacksiegel "F Sp"; [unterstrichen:] ''Fräulein Fanny Schlegel // '' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Mit Bleistift markiert ''November 1871''. Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br />
''Mödling 29 Nov 1871 // Meine liebe Fanny! // Meinen herzlichen Dank für deinen lieben Brief, den ich heute wieder zu gewohnter Stunde erhielt.'' […] Er freut sich, dass sie ihn für einen soliden Ehemann hält; dies bestätigen auch Anna Lanser und andere. Das erinnert ihn an die Zeit in Graz, 1858 bis 1860; / er hofft, dass seine "Anlagen" gut sind und dass er ihr gegenüber die entspr. Probe besteht. […] / Es ist ein Seelenaustausch mit einem geliebten Weib […] / Wenn er mitunter etwas abgespannt aus der Kanzlei kommt, bittet er jetzt schon um Nachsicht; dazu passt wieder ein Dichterwort Geibels. // Datiert 29. November abends: [… zweiter Bogen:] Er las in der neuen freien Presse [Zeitung] über ein Bild von Makart, [[Hans Makart]], "an Zeichnung und Kolorit viel vollendeter als andere Bilder" von ihm, eine große Gruppe, die aber ohne die Erläuterung des Künstlers kaum zu verstehen ist. Den Abend verbrachte er bei Gut[t]enbergs, die Angermay[e]r und Spängler grüßen lassen. / Über Frau von Engroth [?], das hat ihn frappiert; er könnte durch seinen Bruder und Leopoldine Spängler mehr erfahren. // Betty tut ihm leid, wenn sie unglücklich sein sollte, sie ist gutmütig. / ''Doch lassen wir das; es stimmt die Beschäftigung mit einem solchen Vorkommniß nicht heiter!'' // […]
Datiert 30/11 1871: ''Erst je[t]zt nach Tisch komme ich dazu den Brief zu vollenden;'' […] Er hatte zu tun, aber wieder passt ein Geibel-Gedicht. / ''Sauter, D[r] Kaserer u der dir auch von unserem Besuche bei Anna Lanser wa[h]rscheinlich noch erinnerl[iche] Dr Wallmann veranstalten nun monatlich 1mal Zusammenkünfte aller in Wien u Umgebung wohnhaften Salzburger<ref>Von diesen Treffen der Salzburger in Wien ist in den folgenden Briefen öfters die Rede; vgl. die Briefe vom 2. Dezember 1871, von 4. Dezember 1871, von 7. Jänner 1872, vom 7. und 8. Jänner 1872 und von 10. und 11. Jänner 1872, besonders den Brief vom 18. und 19. Jänner 1872 mit einem Hinweis. Dr. Wallmann als "Obmann" der "Gesellschaft" wird in einem Brief vom 6. und 7. März 1878 erwähnt. [[Heinrich Wallmann]] (* 1827; † 1898), war ab 1871 in Wien.</ref> u so werde ich da nächster Samstag Ab[en]ds eine solche ist, schon Samstag Ab[en]ds nach Wien fahren u. auch den Sonntag wenigstens teilweise dort zubringen;'' […] Sie soll also den nächsten Brief an folgende Adresse schicken: Wien VIII, Schmidgasse 3, Tür 20, III. Stock (Lg. R. Angermay[e]r), damit er ihn nicht erst spät abends erhält. ''Nun lebe recht wo[h]l! Grüße mir die Großmutter u deinen Vater, u. behalte lieb // deinen // dich treu liebenden // Franz''
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