Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen

Zeile 485: Zeile 485:


''24 Oct früh 6 Uhr // Da ich schon wieder seit circa einer Stunde wach war'' […], hatte er Zeit nachzudenken. Er malt sich ihr künftiges Zusammensein aus; aber auch die Wohnungsfrage beschäftigt ihn. Er überlegt die Verteilung der Zimmer neu, damit auch ein Raum für liebe Besucher, für die Großmutter da ist, auch vielleicht einmal für seine Mutter. Er erzählt von Besuchen (in Mödling und Wien), er war bei Angermayer und Vetter Julius (Spängler), bei Dr. Kaserer und Anton Sattler. Er spricht von Bildern, die er gesehen hat. ''Adieu lieber Scha[t]z u. habe mich lieb! // Mittwoch 25/10/1871 // Ich habe gestern Deinen lieben Brief erhalten'' […], da war die Commission für die Wasserleitung bereits versammelt, und er konnte nur in einer Pause / [beiliegender Halbbogen:] den Brief durchfliegen, erst abends in Ruhe lesen. Er versteht, dass die Großmutter jetzt nicht reisen will; er verweist auf Angermayer, Wien-Josefstadt, Schmidgasse Nr. 3, neben dem geografischen Institut, 3. Stock, Tür Nr. 20. Nochmals die Wohnungsfrage: Er hat eine neue Wohnung, die ihm nicht empfehlenswert scheint. Was die angedachte Wohnung betrifft, so ist beim Haus ein Brunnen; das Wasser ist nicht zum Trinken, sondern nur zum Waschen und Abspülen. Trinkwasser muss in 80 Schritte Entfernung auf der Gasse geholt werden. Als "Holzgewölbe" (Brennholz) dient ein abgesonderter Teil im Keller und auf dem Dachboden. Auf ihren Brief wird er nächstens antworten; Grüße an die Großmutter. ''Ich schließe mit der Versicherung meiner aufrichtigen Liebe, u. der Bitte mir recht bald zu schreiben, u verbleibe mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz''
''24 Oct früh 6 Uhr // Da ich schon wieder seit circa einer Stunde wach war'' […], hatte er Zeit nachzudenken. Er malt sich ihr künftiges Zusammensein aus; aber auch die Wohnungsfrage beschäftigt ihn. Er überlegt die Verteilung der Zimmer neu, damit auch ein Raum für liebe Besucher, für die Großmutter da ist, auch vielleicht einmal für seine Mutter. Er erzählt von Besuchen (in Mödling und Wien), er war bei Angermayer und Vetter Julius (Spängler), bei Dr. Kaserer und Anton Sattler. Er spricht von Bildern, die er gesehen hat. ''Adieu lieber Scha[t]z u. habe mich lieb! // Mittwoch 25/10/1871 // Ich habe gestern Deinen lieben Brief erhalten'' […], da war die Commission für die Wasserleitung bereits versammelt, und er konnte nur in einer Pause / [beiliegender Halbbogen:] den Brief durchfliegen, erst abends in Ruhe lesen. Er versteht, dass die Großmutter jetzt nicht reisen will; er verweist auf Angermayer, Wien-Josefstadt, Schmidgasse Nr. 3, neben dem geografischen Institut, 3. Stock, Tür Nr. 20. Nochmals die Wohnungsfrage: Er hat eine neue Wohnung, die ihm nicht empfehlenswert scheint. Was die angedachte Wohnung betrifft, so ist beim Haus ein Brunnen; das Wasser ist nicht zum Trinken, sondern nur zum Waschen und Abspülen. Trinkwasser muss in 80 Schritte Entfernung auf der Gasse geholt werden. Als "Holzgewölbe" (Brennholz) dient ein abgesonderter Teil im Keller und auf dem Dachboden. Auf ihren Brief wird er nächstens antworten; Grüße an die Großmutter. ''Ich schließe mit der Versicherung meiner aufrichtigen Liebe, u. der Bitte mir recht bald zu schreiben, u verbleibe mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz''
<hr>
==== Brief vom 26. und 27. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr., zusätzlich aufgeklebt 10 kr. und 5 kr. [Einschreiben:] "Recom No" ''330''; Poststempel "Salzburg Stadt 27/10/ 10 F", rückseitig "Wien 2…" [verwischt] und "Mödling 28/10"; ''Herrn // Doctor'' [unterstrichen:] ''Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in'' [unterstrichen:] ''Mödling // bei'' [unterstrichen:] ''Wien. // Rekommandi[e]rt'' - Von Franz Spängler Vermerk: ''XXXIV erh[alten] 28/10 1871 // beantw[ortet] 29/10''. Rückseitig kleines rotes Lacksiegel "AS"; zusätzlich unterschrieben ''Aufgegeben von // Fanni Schlegel // Marktplatz 10 // Salzburg''. - Zwei Bögen, blauer Prägedruck "FS"; [Ergänzung]; // = Absatz:<br />
''Salzburg 26. Oktober // 1871. // Mein lieber Franz! // Indem ich an die Beantwortung deines lieben Briefes gehe, muß ich vor Allem mein Bedauern aussprechen, daß sich die Arbeit wieder so vermehrt hat, und du dich nun so anstrengen mußt.'' […] Sie bittet ihn, auf seine Ruhezeit zu achten und will lieber auf einen Brief von ihm verzichten, statt ihn müde und abgehetzt zu wissen. / Auch müssen seine Briefe in diesem Fall nicht so ausführlich sein. Sie dankt für die genaue Beschreibung der Wohnungen; sie stimmt seiner Wahl zu, trotz des für Mödling hohen Preises, doch der Aufwand dient ihrem Wohlbefinden. ''Wenn nur ja gewiß keine Wanzen drin sind. Das wäre schrecklich!!!!'' / […] Sie hat die verschiedenen Pläne seiner Mutter gezeigt; auch sie stimmte für die Wohnung Nr. III, die dort im ersten Stock wäre sehr wünschenswert. ''Der Plan gefällt mir sehr gut ich denke, wir werden das'' [unterstrichen:] ''Gefängniß recht behaglich finden, meinst du nicht auch?'' […] / Sie stellt sich vor, wie sie sich gegenseitig von der Tagesarbeit erzählen werden; auch hört sie gerne von Politik, wenn er sich die Mühe macht, ihr die Tagesfragen zu erläutern. Sie hofft, ihn zu Weihnachten zu sehen. /
[zweiter Bogen:] Datiert Freitag, 27., gesteht sie, dass sie ein sehr lebhaftes Kind war; in der Schwimmschule hat sie ihren Übermut ausgetobt. Sie scherzt, sie wäre ein Teufelchen, also sollte sie eigentlich nicht so helle Haar- und Augenfarben haben. / Sie erzählt von einem Gedicht, das ihr gefällt. Sie fügt Trauriges an: ''Maria Gattermay[e]r wird wo[h]l kaum mehr gesund werden.'' / Mari[a] war der Liebling aller; sie plant auch jetzt für die nächste Zeit. – Fanni schickt Fotos, zwei Grubbenbilder, / und ehe sie Salzburg verlässt, will sie sich nochmals fotografieren lassen und Fotos an verschiedene Personen geben. ''Doch nun ruft die Pflicht ich schließe indem ich dich herzlich grüße. Behalte lieb deine treue // Fanni. // Großmutter grüßt dich''
<hr>
<hr>