Kobler-Spängler-Briefe von 1873 bis 1874: Unterschied zwischen den Versionen
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''Die Elise, dermalen Frau v Scherer in München die beßte Freundin der Fammil[i]e Duregger war zum Sterben kranck, befindet sich aber wider beßer. Mir geht es Gottlob gut, ich gehe fleißig auß was mir recht gut bekömmt. Bey der Späth fürchten wir geht es für die'' [kleksig:] ''Rudonfer [?] nicht sehr gut auß indem sie es nicht so gemacht hat, das die Lotti nun den Nutzgenuß hätte, so werden die Gläubiger darum langen [?] sie ist oft sehr verzagt, weil er auch so kräncklicht ist, das er sich wenig verdienen kann. Der Hof wurde denen Verwan[d]ten von ihr gemacht'' [vermacht, Anm.] '', sie müßen ihr bey Lebzeiten 3 Theil von dem Ertrag geben. Lebt recht wohl meine lieben – mit Tausend küßen Eure Euch treu liebende Mutter Spángler.'' / [vierte Seite, Brief zweimal geknickt, im mittleren Teil einige Zahlenkolonnen und:] ''Aan meine lieben in Mödling.'' [auf dem dritten Teil:] ''Ich habe vergeßen Euch zu schreiben das den Lürzer seine Frau nun in gesegneten Umständen ist; sie sind beyde auf 14 Tage in die Fusch [?] gegangen, und nun ist sie ganz glücklich und ebenso er, Ihr müßt schon auch im nächsten Jahr ein gleiches thun. Gott gebe'' [längerer Strich] ''seinen Heil Segen'' | ''Die Elise, dermalen Frau v Scherer in München die beßte Freundin der Fammil[i]e Duregger war zum Sterben kranck, befindet sich aber wider beßer. Mir geht es Gottlob gut, ich gehe fleißig auß was mir recht gut bekömmt. Bey der Späth fürchten wir geht es für die'' [kleksig:] ''Rudonfer [?] nicht sehr gut auß indem sie es nicht so gemacht hat, das die Lotti nun den Nutzgenuß hätte, so werden die Gläubiger darum langen [?] sie ist oft sehr verzagt, weil er auch so kräncklicht ist, das er sich wenig verdienen kann. Der Hof wurde denen Verwan[d]ten von ihr gemacht'' [vermacht, Anm.] '', sie müßen ihr bey Lebzeiten 3 Theil von dem Ertrag geben. Lebt recht wohl meine lieben – mit Tausend küßen Eure Euch treu liebende Mutter Spángler.'' / [vierte Seite, Brief zweimal geknickt, im mittleren Teil einige Zahlenkolonnen und:] ''Aan meine lieben in Mödling.'' [auf dem dritten Teil:] ''Ich habe vergeßen Euch zu schreiben das den Lürzer seine Frau nun in gesegneten Umständen ist; sie sind beyde auf 14 Tage in die Fusch [?] gegangen, und nun ist sie ganz glücklich und ebenso er, Ihr müßt schon auch im nächsten Jahr ein gleiches thun. Gott gebe'' [längerer Strich] ''seinen Heil Segen'' | ||
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==== Brief vom 9. und 10. November 1874 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; Jahreszahl fehlt: erschlossen<ref>Der Brief lagt im Bündel "1877" (jetzt mit Bleistift markiert "1874"), da aber von dem Umzug nach Wien geschrieben wird, gehört er in das Jahr 1874.</ref>; / = Seitenwechsel (Leseabsätze eingefügt):<br /> | |||
''Salzburg den 9t[en]/11 Meine lieben Theuren! Endlich heute fühle ich mich so wohl das ich beginne, an Euch meine Lieben zu schreiben, und vor allen zu dancken, für die Aufmerksamkeit, mir noch einige Trauben zu schücken. Leider konnte ich auch nicht meine Beren essen, weil ich so starke Diaree und schmerzen hatte, ich mußte ein paar Tage liegen, weil es mich so matt gemacht hat, ich bin noch nie außgegangen, vieleicht in ein paar Tagen werde ich probiren außzugehen. Wie sehr freute es mich durch die Großmutter zu hören das du nun endlich deinen Wunsch erreicht hast, nach Wien zu kommen gebe der liebe Gott, das es dir recht gut dort gehen möge. Wie ich höre hast du so viele Arbeit, das du / Täglich bis 12 Uhr arbeiten wilst – O mein lieber guter Franz, du plagst dich zu viel, und niemand wird es dir danken<ref>Das Wort ist durch den Zeilensprung getrennt: "dan ken" mit dem üblichen (sehr kleinen) Trennungszeichen = , daher fehlt vielleicht das kleine Häckchen "c", mit dem sie sonst "dancken" und ähnliche Wörter schreibt.</ref>, wie es meinen Vater, und Bruder gegangen ist, welche sich fast zu Tode gearbeitet haben. Mir wird oft bange wenn ich an dich dencke, da hat sich Otto den beßren Theil erwählt, wen er auch oft auch Tage, viel zu thun und zu schreiben hat, aber die Abende hat er immer frey.'' | |||
''Ich bitte dich lese in dieser Zeit wo du so viel zu thun hast, die Presse höchst oberflächlich lich<ref>Sie schreibt auf dem aufgefalteten Blatt manchmal über die Faltung hinweg und hier wiederholt sie versehentlich "lich".</ref>, damit dir diese nicht so viele zeit raubt, damit du leichter'' [ganz klein:] ''den 10 t[en] mit dem Geschäftlichen fertig wirst. Meine Gedancken sind oft bey Euch. Die Fany wird vieleicht auch gerne nach Wien gehen, und wird sich in ihren Gedancken / maches außmahlen wie sie es einrichten will, Gott gebe das Ihr auch eine ordentliche Wohnng bekömmt – nicht in einen 5 ten Stock, da Franz gerne an Kopfweh leidet – O meine lieben! möge der liebe Gott alles, was für Euch gut ist zusenden, dann bin ichs zufrieden. Wie ist es den wan muß der Franz schon nach Wien ins Geschäft? ich bin sehr begierig dieses zu hören. Gestern ist der alte Mitterbacher<ref>Vielleicht Heinrich Mitterbacher, dem das Eisenhammerwerk Sinnhub gehörte, vgl. [[Hammerwerk]].</ref> gestorben und am Sonntag wurde der Herr Gogl begraben. Da soll sehr viel Vermögen vor Handen sein. Die Leute reden von einer Million. Der Herr von Duregger ist schon seit einigen Tagen im Bett, an einen langwirigen Husten, es geht im ganzen beßer, aber liegen muß er doch.'' / | |||
''Otto läßt Euch recht herzlich grüßen eben so Louise und und die Kindlein Otto der kleine geht schon in die Schule – die Paula im Kindergarten, es ist dieß eine große Wohlthat, den zu Hauße ist viel mehr Ruhe, und selbst die 2 größ[eren] wissen sich viel beßer zu beschäftigen. Die Großmutter hat mich schon 3 mal besucht gerne immer nur auf kurze Zeit, wie ich außgehe werde ich gleich hin gehen und sie besuchen, sie hat nun auch viel zu thun bis sie sich ihre Häußlichkeit zusammen bringt. Lebt recht wohl meine lieben – lieben seid herzlich gesegnet und geliebt von Euerer Euch treuliebenden Mutter Spángler'' [daneben:] ''Die Großmutter sieht sehr gut auß, mich hat es sehr her genohmen.'' | |||
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