Änderungen

K
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 5: Zeile 5:     
== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
Vom legendären "[[Glocknerbus]]", dem Gräf & Stift 120 OGL, wurden ab 1950 bei der Automobilfabrik Gräf & Stift  A.G. im 19. Wiener Gemeindebezirk zwölf extra für den Einsatz auf der Großglockner Hochalpenstraße konzipierte Fahrzeugen produziert. Sie wurden von der Post ab 1950 im Liniendienst auf der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt. 25 Passagiere fanden darin Platz.  
+
Vom legendären "[[Glocknerbus]]" Gräf & Stift 120 OGL wurden ab [[1950]] bei der Automobilfabrik Gräf & Stift  A.G. im 19. Wiener Gemeindebezirk zwölf extra für den Einsatz auf der Großglockner Hochalpenstraße konzipierte Fahrzeugen produziert. Sie wurden von der Post ab 1950 im Liniendienst auf der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt. 25 Passagiere fanden darin Platz. Der Bus besaß neben einer Dachrandverglasung (um auch seitlich nach oben Aussicht aus dem Bus zu haben) auch ein Schiebedach. Waren die Wetterverhältnisse günstig, fuhren die Busse ohne Verdeck und die Reisenden genossen besonders eindrucksvoll das grandiose Bergpanorama entlang der hochalpinen Panoramastraße.
   −
Die Typenbezeichnung ''120 OGL'' steht für die Leistung des Motors (120 PS) und für das Einsatzgebiets des Busses: <u>O</u>mnibus <u>GL</u>ockner (OGL). Dieses Modell entstand aus einer sehr bewährten Standardkonstruktion vom Jahr [[1937]], dem 120-O (= 120-PS-Omnibus). Von diesem Typ wurden bis 1951 mehrere hundert Stück in zahlreichen Varianten gebaut wurde. Während des ''Dritten Reiches'' wurden von der ''Deutschen Reichspost'''  für damalige Verhältnisse große Stückzahlen bestellt. Gräf &amp; Stift fertigte daraufhin den ''120 OGW'' als erste österreichische Buskonstruktion in Großserie. Die Robustheit führte zu einer zuverlässigen Einsatzdauer von mehreren Jahrzehnten. Die Kriegswirren und der [[Nachkriegszeit]] überlebte jedoch kein Fahrzeug der Vorkriegsproduktion, lediglich ein Fahrzeug der Kriegsproduktion blieb erhalten. Ab 1948 wurde die Produktion im kriegszerstörten Werk Wien19 wieder aufgenommen. Der Typ ''120 O'' mit seinen Ableitungen wie den ''120 OGL'' wurde dann bis 1951 wieder produziert. 1950 wurde begann man mit der Entwicklung moderneren Typs 120-FON mit der typischen Rundhaube, der die Reihe ''120 O'' ablöste.
+
Die Typenbezeichnung ''120 OGL'' steht für die Leistung des Motors (120 PS) und für das Einsatzgebiets des Busses: <u>O</u>mnibus <u>GL</u>ockner (OGL). Dieses Modell entstand aus einer sehr bewährten Standardkonstruktion des Jahres [[1937]], dem 120-O (= 120-PS-Omnibus). Von diesem Typ wurden bis 1951 mehrere hundert Stück in zahlreichen Varianten gebaut wurde. Während des Dritten Reiches hatte die Deutsche Reichspost für damalige Verhältnisse große Stückzahlen bestellt. Gräf &amp; Stift fertigte daraufhin den ''120 OGW'' als erste österreichische Buskonstruktion in Großserie. Die Robustheit führte zu einer zuverlässigen Einsatzdauer von mehreren Jahrzehnten. Die Kriegswirren und die [[Nachkriegszeit]] überlebte jedoch kein Fahrzeug der Vorkriegsproduktion, lediglich ein Fahrzeug der Kriegsproduktion blieb erhalten. Ab [[1948]] wurde die Produktion im kriegszerstörten Werk Wien19 wieder aufgenommen. Der Typ ''120 O'' mit seinen Ableitungen wie den ''120 OGL'' wurde dann bis 1951 wieder produziert. 1950 wurde begann man mit der Entwicklung moderneren Typs 120-FON mit der typischen Rundhaube, der die Reihe ''120 O'' ablöste.
    
Das besondere Markenzeichen der Gräf & Stift Fahrzeuge war der  mit den Vorderpfoten auf der Weltkugel stehende Löwe als Kühlerfigur. Pate für diese Figur stand einer der Löwen beim von Otto Wagner gebauten Schleusenbauwerk beim Wiener Donaukanal im 19. Bezirk.
 
Das besondere Markenzeichen der Gräf & Stift Fahrzeuge war der  mit den Vorderpfoten auf der Weltkugel stehende Löwe als Kühlerfigur. Pate für diese Figur stand einer der Löwen beim von Otto Wagner gebauten Schleusenbauwerk beim Wiener Donaukanal im 19. Bezirk.
Zeile 15: Zeile 15:  
Dieser 120-OGL hat die Fahrgestellnummer 7501 und wurde 1950 zur Postautodirektion Wien geliefert, wo er als erster Nachkriegs-Glocknerbus in einer großen Presseaktion vorgestellt wurde. Das Fahrzeug verfügte schon damals über eine extravagante Ausführung mit Panoramaverglasung, Reisebusbestuhlung und Schiebedach. Diese Luxusausführung führte aber dazu, dass das Fahrzeug ausschließlich bei Staatsbesuchen, für Reisen von Politikern oder anderen hochrangigen Persönlichkeiten eingesetzt wurde. Es war also kurios, dass der nie für seinen eigentlichen Zweck, die Befahrung der Postbuslinie auf die [[Kaiser-Franz-Josefs-Höhe]] zum Einsatz kam. Dieser 120-OGL blieb in den Sonderdiensten der Direktion Wien und kam niemals planmäßig auf der Großglockner Hochalpenstraße zum Einsatz.  
 
Dieser 120-OGL hat die Fahrgestellnummer 7501 und wurde 1950 zur Postautodirektion Wien geliefert, wo er als erster Nachkriegs-Glocknerbus in einer großen Presseaktion vorgestellt wurde. Das Fahrzeug verfügte schon damals über eine extravagante Ausführung mit Panoramaverglasung, Reisebusbestuhlung und Schiebedach. Diese Luxusausführung führte aber dazu, dass das Fahrzeug ausschließlich bei Staatsbesuchen, für Reisen von Politikern oder anderen hochrangigen Persönlichkeiten eingesetzt wurde. Es war also kurios, dass der nie für seinen eigentlichen Zweck, die Befahrung der Postbuslinie auf die [[Kaiser-Franz-Josefs-Höhe]] zum Einsatz kam. Dieser 120-OGL blieb in den Sonderdiensten der Direktion Wien und kam niemals planmäßig auf der Großglockner Hochalpenstraße zum Einsatz.  
   −
Einem Aktenvermerk Ende der [[1950er]]-Jahre lässt sich aber dann doch noch der Einsatz auf der Panoramastraße entnehmen. Darin wird die schwache Motorleistung dieses Fahrzeuges auf der Hochalpenstraße im Gegensatz zu seinen stärkeren Schwesternfahrzeugen bemängelt. Der technische Hintergrund dazu: Der 120-PS-Dieselmotor dieses "Luxus"-Reisebusses besaß ein grobstufiges Gräf &amp; Stift-Fünfganggetriebe und dem der OGL-Baureihe spezifischen schweren Nachschaltgetriebe. Dieses war auf der Großglockner Hochalpenstraße mit ihren langen Steigungen ohne flacheren Zwischenstücken zur "Erholung" überfordert. Daher waren auch die verbliebene elf hergestellten im Liniendienst eingesetzten Fahrzeuge schon bald mit stärkeren 145-PS-Motoren umgerüstet worden. Dieser heute einzige noch existierende OGL behielt aber seinen 120-PS-Motor bis zum Ende seiner Einsatzzeit Anfang der [[1970er]]-Jahre.  
+
Einem Aktenvermerk Ende der [[1950er]]-Jahre lässt sich aber dann doch noch der Einsatz auf der Panoramastraße entnehmen. Darin wird die schwache Motorleistung dieses Fahrzeuges auf der Hochalpenstraße im Gegensatz zu seinen stärkeren Schwesternfahrzeugen bemängelt. Der technische Hintergrund dazu: Der 120-PS-Dieselmotor dieses "Luxus"-Reisebusses besaß ein grobstufiges Gräf &amp; Stift-Fünfganggetriebe und das der OGL-Baureihe spezifischen schwere Nachschaltgetriebe. Dieses war auf der Großglockner Hochalpenstraße mit ihren langen Steigungen ohne flacheren Zwischenstücken zur "Erholung" überfordert. Daher waren auch die verbliebene elf hergestellten im Liniendienst eingesetzten Fahrzeuge schon bald mit stärkeren 145-PS-Motoren umgerüstet worden. Dieser heute einzige noch existierende OGL behielt aber seinen 120-PS-Motor bis zum Ende seiner Einsatzzeit Anfang der [[1970er]]-Jahre.  
    
In seiner Funktion als Fahrzeug für Staatsbesuche usw. wurde er er allerdings schon [[1960]] von einem umgebauten Saurer-Linienbus abgelöst, der als [[Saurer 5 GVFU Chruschtschow Bus|Chruschtschow Bus]] bekannt wurde und ebenfalls noch heute existiert.
 
In seiner Funktion als Fahrzeug für Staatsbesuche usw. wurde er er allerdings schon [[1960]] von einem umgebauten Saurer-Linienbus abgelöst, der als [[Saurer 5 GVFU Chruschtschow Bus|Chruschtschow Bus]] bekannt wurde und ebenfalls noch heute existiert.