Kobler-Spängler-Briefe von 1872: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Brief vom 9. Jänner 1872 von Fanni Schlegel, [[Franziska Spängler]], an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]: ''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien'' [Franz Spängler:] ''LVII erh 10/1 1872 beantw 11/1''; [Ergänzung]:<br /> ''Salzburg, 9. Jänner 1872. ¾ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Heimkommend von meinem Besuche bei Zeller fand ich deine Liebesgabe und sitze nun fast eine halbe Stunde da, bereit, diese Zeilen an dich zu schreiben und blättere doch immer wieder neugierig im "Liebesfrühling"'' [Gedichtsammlung, Anm.] ''. Tausend Dank du Lieber, für Buch und Brief, welche mir so große Freude machen! Du hast meine kleine Büchersammlung schon mit so viel Schönem bereichert, ich habe deine Bücher vor mir liegen, und erfreue mich an ihrem Anblick. Von morgen an werde ich gewißenhaft täglich drei Gedichte lesen. Die von dir bezeichneten habe ich in aller Eile großentheils angesehen und mehrere wunderhübsch gefunden. Besonders lieb finde ich auch N:XIX, 5 ter Strauß. Auch N:75 ist reizend. 4:Strauß N:66 ist sehr wahr. Lida glaubt nun auch, daß wir uns wirklich lieb haben und freut sich darüber. Wie würde ich mich freuen, wenn sie in gleiche Lage mit mir käme. Sie hat doch so viel Anspruch auf das Glück, soll sie es nicht so finden, wie es nun einmal unsere Bestimmung ist? Wie oft mache ich mir diese Gedanken. Wenn N: 33, I. Strauß, mir Antwort auf jene Frage sein soll deren ich mich sehr gut erinnere, so kann ich nur freylich wünschen du mögest all das Liebe und Gute, dessen Besi[t]z deine Liebe mir zuschreibt, auch an mir finden. Gewiß, ich wünsche oft, viel besser klüger und schöner zu sein, damit ich dir gefalle und genüge. Besser zu werden, will ich mich redlich bemühen, im Übrigen mußt du eben so mit mir vorlieb nehmen. Auf die Wiener Reise nehme ich natürlich das Buch mit, da können wir dann auch mitsammen lesen. Vor gestern über [in] 12 Wochen! 8. April'' [Hochzeitstermin, Anm.] '', hast du schon nachgerechnet? Wenn wir nur Alles fertig kriegen! Die Aussicht, daß wir künftigen Sommer ruhig in Mödling sein können ist mir ganz angenehm. Wenn eine Übersiedlung dann notwendig wird habe ich mir wenigstens unsere kleine Wirthschaft schon eingerichtet. Bei Zeller geht es nicht sehr gut. Papa hat seine bekannten Anfälle von Athemnoth, und heute liegt die arme Mama, sie hat sich verkühlt, dazu kommen von Stiebitz keine guten Nachrichten. Emma [Seehofer] sagte mir, daß der Arme nicht nur geistig sondern auch körperlich krank ist. Die arme Emma hat eine traurige Brautzeit. Ich schließe um heute noch den Brief aufzugeben, vielleicht bekommst du ihn, ehe du morgen deinen Brief endest. Lebe wo[h]l du Lieber und bleib mir gut. deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. Ebenso deine Mutter.''
Brief vom 9. Jänner 1872 von Fanni Schlegel, [[Franziska Spängler]], an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]: ''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien'' [Franz Spängler:] ''LVII erh 10/1 1872 beantw 11/1''; [Ergänzung]:<br /> ''Salzburg, 9. Jänner 1872. ¾ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Heimkommend von meinem Besuche bei Zeller fand ich deine Liebesgabe und sitze nun fast eine halbe Stunde da, bereit, diese Zeilen an dich zu schreiben und blättere doch immer wieder neugierig im "Liebesfrühling"'' [Gedichtsammlung, Anm.] ''. Tausend Dank du Lieber, für Buch und Brief, welche mir so große Freude machen! Du hast meine kleine Büchersammlung schon mit so viel Schönem bereichert, ich habe deine Bücher vor mir liegen, und erfreue mich an ihrem Anblick. Von morgen an werde ich gewißenhaft täglich drei Gedichte lesen. Die von dir bezeichneten habe ich in aller Eile großentheils angesehen und mehrere wunderhübsch gefunden. Besonders lieb finde ich auch N:XIX, 5 ter Strauß. Auch N:75 ist reizend. 4:Strauß N:66 ist sehr wahr. Lida glaubt nun auch, daß wir uns wirklich lieb haben und freut sich darüber. Wie würde ich mich freuen, wenn sie in gleiche Lage mit mir käme. Sie hat doch so viel Anspruch auf das Glück, soll sie es nicht so finden, wie es nun einmal unsere Bestimmung ist? Wie oft mache ich mir diese Gedanken. Wenn N: 33, I. Strauß, mir Antwort auf jene Frage sein soll deren ich mich sehr gut erinnere, so kann ich nur freylich wünschen du mögest all das Liebe und Gute, dessen Besi[t]z deine Liebe mir zuschreibt, auch an mir finden. Gewiß, ich wünsche oft, viel besser klüger und schöner zu sein, damit ich dir gefalle und genüge. Besser zu werden, will ich mich redlich bemühen, im Übrigen mußt du eben so mit mir vorlieb nehmen. Auf die Wiener Reise nehme ich natürlich das Buch mit, da können wir dann auch mitsammen lesen. Vor gestern über [in] 12 Wochen! 8. April'' [Hochzeitstermin, Anm.] '', hast du schon nachgerechnet? Wenn wir nur Alles fertig kriegen! Die Aussicht, daß wir künftigen Sommer ruhig in Mödling sein können ist mir ganz angenehm. Wenn eine Übersiedlung dann notwendig wird habe ich mir wenigstens unsere kleine Wirthschaft schon eingerichtet. Bei Zeller geht es nicht sehr gut. Papa hat seine bekannten Anfälle von Athemnoth, und heute liegt die arme Mama, sie hat sich verkühlt, dazu kommen von Stiebitz keine guten Nachrichten. Emma [Seehofer] sagte mir, daß der Arme nicht nur geistig sondern auch körperlich krank ist. Die arme Emma hat eine traurige Brautzeit. Ich schließe um heute noch den Brief aufzugeben, vielleicht bekommst du ihn, ehe du morgen deinen Brief endest. Lebe wo[h]l du Lieber und bleib mir gut. deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. Ebenso deine Mutter.''


"Zeller": Familie Zeller häufig in den Briefen genannt seit [[1870]]; Emma [Seehofer] ist die Freundin. Auch "Lida" Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni. – "Stiebitz", vgl. in mehreren Briefen und besonders im Brief vom [[14. Dezember]] [[1871]].
"Zeller": Familie Zeller häufig in den Briefen genannt seit [[1870]]; Emma [Seehofer] ist die Freundin. Auch "Lida" [[von Guttenberg]] ist eine enge Freundin von Fanni. – "Stiebitz", vgl. in mehreren Briefen und besonders im Brief vom [[14. Dezember]] [[1871]].
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