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| | ==Diagnose== | | ==Diagnose== |
| − | Nach Lepiforum (2025) erkennt man die [[Glossar Biologie#I|Imag]]ines von ''C. ohridella'' daran, dass die weißen Querbinden nur außen schwarz begrenzt sind, während bei den nahe verwandten ''Phyllonorycter''-Arten die Querbinden nur innen oder auf beiden Seiten schwarz begrenzt sind oder die schwarze Begrenzung ganz fehlt. Die Minen an Rosskastanie sind unverwechselbar, jene an ''[[Acer pseudoplatanus]]'' könnten im Anfangsstadium mit den Jugendminen von ''[[Caloptilia honoratella]]'' verwechselt werden.. | + | Nach Lepiforum (2025) erkennt man die [[Glossar Biologie#I|Imag]]ines von ''C. ohridella'' daran, dass die weißen Querbinden nur außen schwarz begrenzt sind, während bei den nahe verwandten ''Phyllonorycter''-Arten die Querbinden nur innen oder auf beiden Seiten schwarz begrenzt sind oder die schwarze Begrenzung ganz fehlt. Die Minen an Rosskastanie sind unverwechselbar, jene an ''[[Acer pseudoplatanus]]'' könnten im Anfangsstadium mit den Jugendminen von ''[[Caloptilia honoratella]]'' verwechselt werden. |
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| | ==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>== | | ==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>== |
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| − | ''Cameraria ohridella'' ist in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] ein [[Glossar Biologie#N|Neozoon]], also ein Tier, das erst in jüngster Zeit nach [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] gelangt ist. Die Art ist auf dem Balkan beheimatet, wo sie erst 1986 beschrieben worden ist. Wie sie dann nach Mitteleuropa gelangt ist, war Gegenstand intensiver Diskussionen. Jedenfalls wurden die charakteristischen Fraßspuren der Raupen bereits 1989 in den Gegenden um [[Linz]] und Steyr in [[Oberösterreich]] festgestellt. Der erste Nachweis aus Salzburg gelang 1994 (Kurz et al. 2010, [[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2025). In Europa hat sich die Art rasend schnell ausgebreitet, und bereits zehn Jahre nach ihrem ersten Auftreten war sie in ganz Mitteleuropa verbreitet. Heute kommt sie nahezu in ganz Europa bis in die [[Türkei]] und [[Russland]], sowie in Kasachstan und Kirgisien vor (GBIF 2025). In Salzburg wurde sie mittlerweile in allen Landesteilen mit Ausnahme des [[Lungau]]es gefunden (Embacher et al. 2024, Kurz & Embacher 2019). Die Höhenverbreitung ist hier von 400 bis 1 250 [[m ü. A.]] dokumentiert, wobei die Art aber in den niedrigsten Lagen besonders häufig auftritt. War sie wegen der Nahrungspflanze der Raupen, der [[Rosskastanie]], zunächst nur in Siedlungsräumen, Alleen und Parks anzutreffen, so folgt sie heute unmittelbar dem Vordringen der Rosskastanie in natürliche Lebensräume wie [[Wald (Ökosystem)|Wald]]<nowiki></nowiki>ränder oder die Auwaldreste entlang der [[Salzach]]. ''C. ohridella'' vermehrt sich sehr rasch. In Salzburg wurden drei Generationen im Jahr festgestellt, mit Faltern besonders im Mai, Juli und September. Dazwischen entwickeln sich die Raupen im Juni und August, sowie im Herbst. Die Puppe überwintert in der Mine im Falllaub unter den Bäumen ([[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2025). | + | ''Cameraria ohridella'' ist in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] ein [[Glossar Biologie#N|Neozoon]], also ein Tier, das erst in jüngster Zeit nach [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] gelangt ist. Die Art ist auf dem Balkan beheimatet, wo sie erst 1986 beschrieben worden ist. Wie sie dann nach Mitteleuropa gelangt ist, war Gegenstand intensiver Diskussionen. Jedenfalls wurden die charakteristischen Fraßspuren der Raupen bereits 1989 in den Gegenden um [[Linz]] und Steyr in [[Oberösterreich]] festgestellt. Der erste Nachweis aus Salzburg gelang 1994 (Kurz et al. 2010, Kurz & Kurz 2025). In Europa hat sich die Art rasend schnell ausgebreitet, und bereits zehn Jahre nach ihrem ersten Auftreten war sie in ganz Mitteleuropa verbreitet. Heute kommt sie nahezu in ganz Europa bis in die [[Türkei]] und [[Russland]] sowie in Kasachstan und Kirgisien vor (GBIF 2025). In Salzburg wurde sie mittlerweile in allen Landesteilen mit Ausnahme des [[Lungau]]es gefunden (Embacher et al. 2024, Kurz & Embacher 2019). Die Höhenverbreitung ist hier von 400 bis 1 250 [[m ü. A.]] dokumentiert, wobei die Art aber in den niedrigsten Lagen besonders häufig auftritt. War sie wegen der Nahrungspflanze der Raupen, der [[Rosskastanie]], zunächst nur in Siedlungsräumen, Alleen und Parks anzutreffen, so folgt sie heute unmittelbar dem Vordringen der Rosskastanie in natürliche Lebensräume wie [[Wald (Ökosystem)|Wald]]<nowiki></nowiki>ränder oder die Auwaldreste entlang der [[Salzach]]. ''C. ohridella'' vermehrt sich sehr rasch. In Salzburg wurden drei Generationen im Jahr festgestellt, mit Faltern besonders im Mai, Juli und September. Dazwischen entwickeln sich die Raupen im Juni und August sowie im Herbst. Die Puppe überwintert in der Mine im Falllaub unter den Bäumen (Kurz & Kurz 2025). |
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| | ==Nachbarfaunen== | | ==Nachbarfaunen== |
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| | ==Biologie und Gefährdung== | | ==Biologie und Gefährdung== |
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| − | Die [[Glossar_Biologie#I|Imagines]] sind meist am Morgen und gegen Abend aktiv (dokumentierte Flugaktivität zwischen und 6 und 7 Uhr MEZ, sowie zwischen 19 und 23 Uhr MEZ nach [[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2025, dazwischen Einzelfunde auch tagsüber). Die Raupen fressen in Salzburg in charakteristischen Platzminen in den Blättern von Rosskastanie (''[[Rosskastanie|Aesculus hippocastanum]]''), wobei oft zahlreiche Minen im gleichen Blatt vorkommen können. Auch wenn die Art nach wie vor oft in Massen auftritt und dabei zweifellos die Rosskastanien empfindlich schädigt, haben sich die Befürchtungen hinsichtlich eines weiträumigen Absterbens der Kastanienbäume nicht bewahrheitet. Aus Salzburg fehlen zwar bisher entsprechende Daten, doch kennt man mittlerweile mehrere Fressfeinde der Raupen (Grabenweger et al. 2005), wie Kohlmeise (''[[Parus major]]''), Blaumeise (''[[Parus caeruleus]]''), Sumpf[[meise]] (''[[Parus palustris]]'') oder die südliche Eichen[[Orthoptera|schrecke]] (''[[Meconema meridionale]]''). Letztere ist ebenfalls ein Neozoon und erst seit etwas mehr als 25 Jahren in Salzburg heimisch. Außerdem wurden bereits mehr als 15 verschiedene Parasiten aus den Gruppen der Erzwespen und Schlupfwespen gefunden (Baur 2005), die ebenfalls auf natürliche Weise mithelfen, den Bestand der Kastanienminiermotte zu regulieren. Als Nahrungskonkurrent zu den Raupen tritt auch in Salzburg ein parasitischer [[Pilz]] an den Blättern auf, der braune Blattflecken verursacht (''[[Guignardia aesculi]]''). Dabei kann das Absterben des Blattgewebes durch den [[Pilz]] auch zu einer empfindlichen Schädigung der Raupen führen. Im September 2025 wurden erstmals in Salzburg auch Raupen und Minen an ''[[Acer pseudoplatanus]]'' in der Stadt Salzburg, im Stadtteil Gnigl aufgefunden. Der Bestand von ''Cameraria ohridella'' ist in Salzburg ungefährdet (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024). | + | Die [[Glossar_Biologie#I|Imagines]] sind meist am Morgen und gegen Abend aktiv (dokumentierte Flugaktivität zwischen und 6 und 7 Uhr MEZ sowie zwischen 19 und 23 Uhr MEZ nach Kurz & Kurz 2025, dazwischen Einzelfunde auch tagsüber). Die Raupen fressen in Salzburg in charakteristischen Platzminen in den Blättern von Rosskastanie (''[[Rosskastanie|Aesculus hippocastanum]]''), wobei oft zahlreiche Minen im gleichen Blatt vorkommen können. Auch wenn die Art nach wie vor oft in Massen auftritt und dabei zweifellos die Rosskastanien empfindlich schädigt, haben sich die Befürchtungen hinsichtlich eines weiträumigen Absterbens der Kastanienbäume nicht bewahrheitet. Aus Salzburg fehlen zwar bisher entsprechende Daten, doch kennt man mittlerweile mehrere Fressfeinde der Raupen (Grabenweger et al. 2005), wie Kohlmeise (''[[Parus major]]''), Blaumeise (''[[Parus caeruleus]]''), Sumpf[[meise]] (''[[Parus palustris]]'') oder die südliche Eichen[[Orthoptera|schrecke]] (''[[Meconema meridionale]]''). Letztere ist ebenfalls ein Neozoon und erst seit etwas mehr als 25 Jahren in Salzburg heimisch. Außerdem wurden bereits mehr als 15 verschiedene Parasiten aus den Gruppen der Erzwespen und Schlupfwespen gefunden (Baur 2005), die ebenfalls auf natürliche Weise mithelfen, den Bestand der Kastanienminiermotte zu regulieren. Als Nahrungskonkurrent zu den Raupen tritt auch in Salzburg ein parasitischer [[Pilz]] an den Blättern auf, der braune Blattflecken verursacht (''[[Guignardia aesculi]]''). Dabei kann das Absterben des Blattgewebes durch den [[Pilz]] auch zu einer empfindlichen Schädigung der Raupen führen. Im September 2025 wurden erstmals in Salzburg auch Raupen und Minen an ''[[Acer pseudoplatanus]]'' in der Stadt Salzburg, im Stadtteil Gnigl aufgefunden. Der Bestand von ''Cameraria ohridella'' ist in Salzburg ungefährdet (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024). |
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| | ==Weiterführende Informationen== | | ==Weiterführende Informationen== |
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| | *Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2025. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2025.05.25]. | | *Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2025. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2025.05.25]. |
| | *Lepiforum e.V. [Hrsg.] 2008-2025: <i>Cameraria ohridella</i> Deschka & Dimić, 1986. URL: https://lepiforum.org/wiki/ [online 2025.05.25]. | | *Lepiforum e.V. [Hrsg.] 2008-2025: <i>Cameraria ohridella</i> Deschka & Dimić, 1986. URL: https://lepiforum.org/wiki/ [online 2025.05.25]. |
| − | * Aktualisierung 2023 von [[Benutzer:Pinzgauer5760]] siehe [[Benutzer Diskussion:Pinzgauer5760#Inhaltliche Änderungen von Artikeln mit oder ohne Quellenangabe|Benutzer Diskussion:Pinzgauer5760]] | + | * [Aktualisierung 2023 von [[Benutzer:Pinzgauer5760]] siehe [[Benutzer Diskussion:Pinzgauer5760#Inhaltliche Änderungen von Artikeln mit oder ohne Quellenangabe|Benutzer Diskussion:Pinzgauer5760]]<nowiki>]</nowiki> |
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| | == Einzelnachweis == | | == Einzelnachweis == |