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| | Grausame Katholiken, hoffende [[Protestantenvertreibung|Protestanten]] und ergreifende Zeitdokumente | | Grausame Katholiken, hoffende [[Protestantenvertreibung|Protestanten]] und ergreifende Zeitdokumente |
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| − | Mit dem Reichs[[emigrationspatent]] vom [[31. Oktober]] [[1731]] begann der leidvolle Exodus von rund 20 000 Salzburgern, die zum evangelischen Glauben konvertiert waren. Mit unglaublicher Argumentation (sie planen den Sturz des Fürsterzbischofs und schmieden Waffen in den Wäldern) und unvorstellbarer Brutalität (Folterung, Vertreibung vom Feld weg im Hemd wie sie dort angetroffen wurden und das Anfang Winter, Trennung von Ehepartnern und Kindern u. a.) griff Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian gegen die "Teufeln“, die Andersglaubenden, durch. Katholische Pfarrer entlang des Weges bespuckten die Auswanderer, bayerische Orte verweigerten den Durchreisenden Wasser und Essen, verlangte überhöhte Nächtigungssteuern u. a. | + | Mit dem Reichs[[emigrationspatent]] vom [[31. Oktober]] [[1731]] begann der leidvolle Exodus von rund 20 000 Salzburgern, die zum evangelischen Glauben konvertiert waren. Mit unglaublicher Argumentation (sie planen den Sturz des Fürsterzbischofs und schmieden Waffen in den Wäldern) und unvorstellbarer Brutalität (Folterung, Vertreibung vom Feld weg im Hemd wie sie dort angetroffen wurden und das Anfang Winter, Trennung von Ehepartnern und Kindern u. a.) griff Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian gegen die "Teufeln", die Andersglaubenden, durch. Katholische Pfarrer entlang des Weges bespuckten die Auswanderer, bayerische Orte verweigerten den Durchreisenden Wasser und Essen, verlangte überhöhte Nächtigungssteuern u. a. |
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| − | Weil Kriegsgerüchte im Land Salzburg auftauchen, werden die Wachen verstärkt. Bauernhöfe werden nach Lutherischen Büchern durchsucht. Niemand der katholischen Bevölkerung bezweifelt, dass die "lutherischen Höllenhunde“ den Untergang des Salzburger Staates vorbereiten. Evangelische Mütter versuchen verzweifelt, ihre Kinder mitnehmen zu können, die der Fürsterzbischof ihnen wegnahm, um sie "im rechten Glauben“ erziehen zu lassen. Bauern müssen ihre Höfe verlassen ohne dafür eine Entschädigung zu erhalten. Sie sind Rebellen in den Augen des Fürsterzbischofs und müssen aus dem Land, schnell. Fürsten, Könige aus ganz Europa protestieren, der Kaiser in Wien will es sich nicht mit dem Fürsterzbischof vertun und schweigt. | + | Weil Kriegsgerüchte im Land Salzburg auftauchen, werden die Wachen verstärkt. Bauernhöfe werden nach Lutherischen Büchern durchsucht. Niemand der katholischen Bevölkerung bezweifelt, dass die "lutherischen Höllenhunde" den Untergang des Salzburger Staates vorbereiten. Evangelische Mütter versuchen verzweifelt, ihre Kinder mitnehmen zu können, die der Fürsterzbischof ihnen wegnahm, um sie "im rechten Glauben" erziehen zu lassen. Bauern müssen ihre Höfe verlassen ohne dafür eine Entschädigung zu erhalten. Sie sind Rebellen in den Augen des Fürsterzbischofs und müssen aus dem Land, schnell. Fürsten, Könige aus ganz Europa protestieren, der Kaiser in Wien will es sich nicht mit dem Fürsterzbischof vertun und schweigt. |
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| | Der Autor schildert an Hand von zeitgenössischen Dokumenten einerseits die mühevolle Wanderung aus dem Salzburger Erzstift nach Ostpreußen, wo ihnen König Friedrich Wilhelm I. eine neue Heimat angeboten hatte. Andererseits berichtet der Autor, gestützt auf die Tagebücher des Johann Martin Boltzius, der als evangelischer Seelsorger die Salzburger nach Amerika begleitete, vom schwierigen, fast aussichtslosen Aufbau der Salzburger Kolonie Eben-Ezer in Georgia. Die englische Krone hatte die Ausreise der Salzburger nach Georgia ermöglicht. | | Der Autor schildert an Hand von zeitgenössischen Dokumenten einerseits die mühevolle Wanderung aus dem Salzburger Erzstift nach Ostpreußen, wo ihnen König Friedrich Wilhelm I. eine neue Heimat angeboten hatte. Andererseits berichtet der Autor, gestützt auf die Tagebücher des Johann Martin Boltzius, der als evangelischer Seelsorger die Salzburger nach Amerika begleitete, vom schwierigen, fast aussichtslosen Aufbau der Salzburger Kolonie Eben-Ezer in Georgia. Die englische Krone hatte die Ausreise der Salzburger nach Georgia ermöglicht. |
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| | Keine Ausnahme dabei bildete auch Salzburg oder vielmehr das ehemalige Erzbistum Salzburg. Hier kam es vor rund 300 Jahren zu einer Massenemigration, die nicht gerade ein rühmliches Licht auf die Geschichte des Fürsterzbistums wirft. Unter [[Erzbischof]] [[Firmian]] mussten im Jahr 1731 über 22.000 evangelische Salzburger das Land verlassen. Ungefähr 300 von ihnen emigrierten nach Nordamerika und siedelten sich in der Neuen Welt in der Nähe von Savannah in Georgia an. | | Keine Ausnahme dabei bildete auch Salzburg oder vielmehr das ehemalige Erzbistum Salzburg. Hier kam es vor rund 300 Jahren zu einer Massenemigration, die nicht gerade ein rühmliches Licht auf die Geschichte des Fürsterzbistums wirft. Unter [[Erzbischof]] [[Firmian]] mussten im Jahr 1731 über 22.000 evangelische Salzburger das Land verlassen. Ungefähr 300 von ihnen emigrierten nach Nordamerika und siedelten sich in der Neuen Welt in der Nähe von Savannah in Georgia an. |
| − | Diesen 300 zur Auswanderung gezwungenen Salzburgern hat [[Christoph Lindenmeyer]] mit seinem Buch "Rebeller, Opfer, Siedler – die Vertreibung der Salzburger Portestanten“ nach beinahe 400 Jahren eine Stimme gegeben. Auf anschauliche und eindringliche Weise schildert der Autor die schwierige Situation der Protestanten in Salzburg und wie sie letztendlich dazu gezwungen wurden, das Erzbistum zu verlassen. Sie mussten alles zurücklassen, wobei es heutzutage schier unglaublich erscheint, dass sie ihre eigenen Kinder nicht mitnehmen durften und diese bei neuen Familien in Salzburg blieben. | + | Diesen 300 zur Auswanderung gezwungenen Salzburgern hat [[Christoph Lindenmeyer]] mit seinem Buch "Rebeller, Opfer, Siedler – die Vertreibung der Salzburger Portestanten" nach beinahe 400 Jahren eine Stimme gegeben. Auf anschauliche und eindringliche Weise schildert der Autor die schwierige Situation der Protestanten in Salzburg und wie sie letztendlich dazu gezwungen wurden, das Erzbistum zu verlassen. Sie mussten alles zurücklassen, wobei es heutzutage schier unglaublich erscheint, dass sie ihre eigenen Kinder nicht mitnehmen durften und diese bei neuen Familien in Salzburg blieben. |
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| | Zudem berichtet Christoph Lindenmeyer, mit welchen Problemen die Auswanderer in ihrer neuen Heimat Amerika zu kämpfen hatten und wie sie den Alltag trotz aller Widrigkeiten meisterten. Der Autor begab sich anhand von Briefen, Tagebüchern und weiteren historischen Quellen auf die Spur der vertriebenen Salzburger Protestanten und ihres Schicksals. Es gelingt ihm, ein realistisches Bild der Verhältnisse im Salzburg des frühen 18. Jahrhunderts sowie der Bewältigung des neuen Lebens der Vertriebenen jenseits des Atlantiks zu zeichnen. | | Zudem berichtet Christoph Lindenmeyer, mit welchen Problemen die Auswanderer in ihrer neuen Heimat Amerika zu kämpfen hatten und wie sie den Alltag trotz aller Widrigkeiten meisterten. Der Autor begab sich anhand von Briefen, Tagebüchern und weiteren historischen Quellen auf die Spur der vertriebenen Salzburger Protestanten und ihres Schicksals. Es gelingt ihm, ein realistisches Bild der Verhältnisse im Salzburg des frühen 18. Jahrhunderts sowie der Bewältigung des neuen Lebens der Vertriebenen jenseits des Atlantiks zu zeichnen. |