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Nach dem [[Anschluss]] Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde der Orden zur Schließung dieser Schule und zur Aufnahme geistig schwerst behinderter und voll pflegebedürftiger Kinder, Jugendlicher und Erwachsener gezwungen. Diese wurden aus verschiedenen Anstalten in Tirol und in Salzburg nach Mariathal verlegt, darunter waren Kinder und Jugendliche aus der [[Caritas-Kinderdorf St. Anton|Caritas-Anstalt St. Anton]] in [[Bruck an der Großglocknerstraße]] und dem von den Nationalsozialisten bereits im Jahr [[1938]] geschlossenen [[Konradinum]] in [[Eugendorf]].
 
Nach dem [[Anschluss]] Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde der Orden zur Schließung dieser Schule und zur Aufnahme geistig schwerst behinderter und voll pflegebedürftiger Kinder, Jugendlicher und Erwachsener gezwungen. Diese wurden aus verschiedenen Anstalten in Tirol und in Salzburg nach Mariathal verlegt, darunter waren Kinder und Jugendliche aus der [[Caritas-Kinderdorf St. Anton|Caritas-Anstalt St. Anton]] in [[Bruck an der Großglocknerstraße]] und dem von den Nationalsozialisten bereits im Jahr [[1938]] geschlossenen [[Konradinum]] in [[Eugendorf]].
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Im Frühjahr 1941 wurde der Anstaltsleitung behördlicherseits schriftlich mitgeteilt, dass alle Pfleglinge in eine andere Anstalt verlegt würden, in der es ihnen besser ergehen würde. Zwei Tage später – es war der 25. Mai 1941 – kamen zwei große Transportautos, in die alle in Mariathal aufhältigen Pfleglinge vom Begleitpersonal ohne Verzug und teils mit großer Brutalität verladen wurden, um sie in die Tötungsanstalt [[Schloss Hartheim|Hartheim]] zu deportieren.
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Im Frühjahr 1941 wurde der Anstaltsleitung behördlicherseits schriftlich mitgeteilt, dass alle Pfleglinge in eine andere Anstalt verlegt würden, in der es ihnen besser ergehen würde. Zwei Tage später – es war der 25. Mai 1941 – kamen zwei große Transportautos, in die alle in Mariathal aufhältigen Pfleglinge vom Begleitpersonal ohne Verzug und teils mit großer Brutalität verladen wurden, um sie in die Tötungsanstalt [[Schloss Hartheim|Hartheim]] zu deportieren. Laut Augenzeugenbericht wäre ein sechsjähriger Bub noch von seiner Tante abgeholt worden. Im Ausgangsbereich wurde ihr der Bub jedoch aus der Hand gerissen und in eines der Autos gezwungen. Ein anderes der Kinder war zum Zeitpunkt der Abholung schwer krank und bereits dem Tode nahe. Die anwesende Schwester bat darum, den Buben im Kloster zu belassen, da er ohnehin gleich sterben würde. Das todkranke Kind wurde jedoch aus seinem Bett gezerrt und zusammen mit allen anderen in das Transportauto verfrachtet. Von den rund 70 beeinträchtigten Personen, die zwischen 1938 und 1941 aus Anstalten wie dem Konradinum in Eugendorf, der Caritas-Anstalt St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße, aus Fügen und aus Mils in Tirol nach Mariathal zwangsverlegt worden waren, überlebte niemand.  
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Laut Augenzeugenbericht wäre ein sechsjähriger Bub noch von seiner Tante abgeholt worden. Im Ausgangsbereich wurde ihr der Bub jedoch aus der Hand gerissen und in eines der Autos gezwungen. Ein anderes der Kinder war zum Zeitpunkt der Abholung schwer krank und bereits dem Tode nahe. Die anwesende Schwester bat darum, den Buben im Kloster zu belassen, da er ohnehin gleich sterben würde. Das todkranke Kind wurde jedoch aus seinem Bett gezerrt und zusammen mit allen anderen in das Transportauto verfrachtet. Von den rund 70 beeinträchtigten Personen, die zwischen 1938 und 1941 aus Anstalten wie dem Konradinum in Eugendorf, der Caritas-Anstalt St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße, aus Fügen und aus Mils in Tirol nach Mariathal zwangsverlegt worden waren, überlebte niemand.  
      
Zwei bis drei Wochen später erschienen [[SS]]-Leute, erklärten das Heim im Namen des Reichsstatthalters (Gauleiter [[Franz Hofer]]) für beschlagnahmt und zwangen die Ordensfrauen, binnen zwei Stunden das Kloster zu verlassen. Es wurde ihnen nur die Mitnahme des Allernotwendigsten gestattet.  
 
Zwei bis drei Wochen später erschienen [[SS]]-Leute, erklärten das Heim im Namen des Reichsstatthalters (Gauleiter [[Franz Hofer]]) für beschlagnahmt und zwangen die Ordensfrauen, binnen zwei Stunden das Kloster zu verlassen. Es wurde ihnen nur die Mitnahme des Allernotwendigsten gestattet.  
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