Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen
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[bei den Briefen von Nr. 37 Antonia Spängler, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1872 verh. mit "Fany", Fanni Schlegel]: 7. 9. 1871 Telegramm aus Mödling an: Antonia Spaengler, Mozartplatz 73, Salzburg: Ich komme morgen frueh. Benachrichtigen Sie auch Fany = Dr Spaengler. | [bei den Briefen von Nr. 37 Antonia Spängler, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1872 verh. mit "Fany", Fanni Schlegel]: 7. 9. 1871 Telegramm aus Mödling an: Antonia Spaengler, Mozartplatz 73, Salzburg: Ich komme morgen frueh. Benachrichtigen Sie auch Fany = Dr Spaengler. | ||
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==== Brief vom 8. und 9. Oktober 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ==== Brief vom 8. und 9. Oktober 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ||
[[Datei:Briefumschlag vom 9. Oktober 1871 1.JPG|thumb| Briefumschlag vom 9. Oktober 1871, Vorderseite.]] | |||
[[Datei:Briefumschlag vom 9. Oktober 1871 2.JPG|thumb| Briefumschlag vom 9. Oktober 1871, Rückseite.]] | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 9/10", rückseitig "Salzburg Stadt 10/10 9-10 Früh 71"; kleines rotes Lacksiegel "F Sp". - ''Fräulein'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel'' // [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 II. Sto[c]k''. Ein Bogen und ein Blatt; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX = unleserlich:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 9/10", rückseitig "Salzburg Stadt 10/10 9-10 Früh 71"; kleines rotes Lacksiegel "F Sp". - ''Fräulein'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel'' // [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 II. Sto[c]k''. Ein Bogen und ein Blatt; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX = unleserlich:<br /> | ||
''Mödling 8 Oct 1871 // Ab[en]ds 10 Uhr // Meine liebe Fanny // Heute ist es ein Monat, dß ich Dich, lieber Scha[t]z, meine Braut nennen darf, u. spätestens in einem halben Jahr von je[t]zt hoffe ich Dich auch meine liebe Frau nennen zu können. Hast Du jenen Zettel noch, wo ich in Salzburg aufschrieb, wie Deine Visitenkarte dann lauten wird, wenn Du meine Frau bist? Du hast mich zwar damals: "Kindskopf" gescholten, aber dennoch hoffe ich recht zu behalten.'' [unterstrichen:] '' "Es bleibt dabei!" Es ist zwar dieß das "Wort der Frau", warum soll es aber nicht auch einmal das des Mannes sein? Besonders wenn es zugleich auch das Deine ist!'' […] – Er hat das Paketchen zur Post gebracht; sie hat es hoffentlich schon. Ihr Brief hat ihm große Freude gemacht; er freut sich darauf, sie in Wien zu sehen. Er schließt mit "herzlichem Gute Nacht" und "Morgen Fortse[t]zung" / ''Montag 9 Oct 1871 // 1 Uhr Nachm. // Ich werde sehen diesen Brief heute noch aufzugeben, schon deshalb, XX ja schon dieser Brief in Deinen Händen ist, desto eher auch ich XX Brief von Dir erhalte.'' | ''Mödling 8 Oct 1871 // Ab[en]ds 10 Uhr // Meine liebe Fanny // Heute ist es ein Monat, dß ich Dich, lieber Scha[t]z, meine Braut nennen darf, u. spätestens in einem halben Jahr von je[t]zt hoffe ich Dich auch meine liebe Frau nennen zu können. Hast Du jenen Zettel noch, wo ich in Salzburg aufschrieb, wie Deine Visitenkarte dann lauten wird, wenn Du meine Frau bist? Du hast mich zwar damals: "Kindskopf" gescholten, aber dennoch hoffe ich recht zu behalten.'' [unterstrichen:] '' "Es bleibt dabei!" Es ist zwar dieß das "Wort der Frau", warum soll es aber nicht auch einmal das des Mannes sein? Besonders wenn es zugleich auch das Deine ist!'' […] – Er hat das Paketchen zur Post gebracht; sie hat es hoffentlich schon. Ihr Brief hat ihm große Freude gemacht; er freut sich darauf, sie in Wien zu sehen. Er schließt mit "herzlichem Gute Nacht" und "Morgen Fortse[t]zung" / ''Montag 9 Oct 1871 // 1 Uhr Nachm. // Ich werde sehen diesen Brief heute noch aufzugeben, schon deshalb, XX ja schon dieser Brief in Deinen Händen ist, desto eher auch ich XX Brief von Dir erhalte.'' | ||
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Brief von Helene Klaiber<ref>vgl. Briefe vom 12. September 1871 und vom 28. Juni 1872</ref>, Göppingen, an [[Franziska Spängler]] in Salzburg; ein kleiner Bogen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | Brief von Helene Klaiber<ref>vgl. Briefe vom 12. September 1871 und vom 28. Juni 1872</ref>, Göppingen, an [[Franziska Spängler]] in Salzburg; ein kleiner Bogen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | ||
''Liebe[s] Fräulein Fanny! Mit Freuden habe ich durch meine Tante vernommen, daß Sie sich verlobt haben u. erlaube mir Ihnen meine herzl. Glückwünsche zu sagen. Möchte Ihnen in Braut- u. Ehstand recht viel Glück u. Freude beschert sein, möchte Sie der l. Gott so freundlich führen, wie bisher u. Schu[t]z u. Schirm sein, in guten, / wie in bösen Tagen. // Der l. Großmutter wird es wohl sehr leid sein, ihre Enkeltochter hergeben zu müssen, bitte sagen Sie auch ihr meine herzl. Gratulation. Ihrem Herrn Bräutigam bitte ich, mich aufs Beste zu empfehlen. Sie aber grüßt innig Ihre // Sie herzl. Liebende // Helene Klaiber. // Göppingen, d. 9. Okt. 1871.'' | ''Liebe[s] Fräulein Fanny! Mit Freuden habe ich durch meine Tante vernommen, daß Sie sich verlobt haben u. erlaube mir Ihnen meine herzl. Glückwünsche zu sagen. Möchte Ihnen in Braut- u. Ehstand recht viel Glück u. Freude beschert sein, möchte Sie der l. Gott so freundlich führen, wie bisher u. Schu[t]z u. Schirm sein, in guten, / wie in bösen Tagen. // Der l. Großmutter wird es wohl sehr leid sein, ihre Enkeltochter hergeben zu müssen, bitte sagen Sie auch ihr meine herzl. Gratulation. Ihrem Herrn Bräutigam bitte ich, mich aufs Beste zu empfehlen. Sie aber grüßt innig Ihre // Sie herzl. Liebende // Helene Klaiber. // Göppingen, d. 9. Okt. 1871.'' | ||
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==== Brief vom 10. und 11. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, aufgeklebte Marke 5 kr.; Poststempel "Salzburg Stadt 11/10…71" [teils verwischt], rückseitig "Mödling 12…" [verwischt]; ''Herrn'' [unterstrichen:] ''Doctor Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in //'' [unterstrichen:] ''Mödling // bei /'' [unterstrichen:] ''Wien.'' - Von Franz Spängler Vermerke auf dem Brief: ''XXX erh[alten] 12/10 187[1] // beantw[ortet] mit XXIX am 13/10''. - Ein Bogen und ein Blatt (Halbbogen), roter bzw. blauer Prägedruck "FS", so auch auf dem Briefumschlag hinten; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel:<br /> | |||
''Salzburg 10. Oktober 1871. // Mein lieber Franz! // Heute hast du hoffentlich schon meinen Brief erhalten und daraus ersehen, daß deine Sendung richtig in meine Hände kam, und mich sehr freute. // Noch gestern Abends begann ich in dem kleinen Buche zu lesen, kam aber nicht weit, weil ich erst die 2 Geibelschen Gedichte und ein wenig in einem englischen Buche las, nachdem ich erst nach 10 Uhr zu Bett gegangen war. Zuerst hatte ich an Betti Katzinger geschrieben. // Gestern verließ Minna Salzburg in Gesellschaft ihres Vaters u Dr. Öttinger. Ihre Abreise kam rascher, als wir dachten, weil Dr Lorinser in Wien Dringendes zu tun hat. // Lida und ich fuhren mit auf den Bahnhof, wie gerne wäre ich bis Wien mitgefahren! / Minna hat zwei englische Bücher von mir mitgenommen. Wenn du zu Weihnachten heraufkommst, werde ich dich bitten, dieselben mit herauf zu bringen." […]<ref>Im Folgenden wird nur für mich, [[Otto Holzapfel]], Auffälliges und Interessantes Salzburg betreffend notiert. Das gilt für dieses ganze, umfangreiche Bündel an Briefen von Fanni an Franz, vor allem aber solche von Franz an Fanni, die so gesammelt und abgehoben wurden. Bemerkenswert ist die enge Taktung im Briefwechsel, auch kontrolliert durch die Zählung der Briefe durch Franz und sein Vermerk einer Antwort (siehe oben). Das kommt m. E. einem virtuellen Dialog nahe, der nur durch die entspr. postalischen Voraussetzungen möglich ist; vgl. in der Einleitung zu den [[Kobler-Spängler-Briefe]]n.</ref> | |||
Sie stellt sich vor, wie sie einmal ein neues Leben beginnen wird. Manchmal wird ihr bang: Abschied von allem, die Großmutter wird sie nicht mehr an ihrer Seite haben. / Doch überwiegt die freudige Erwartung. Sie erinnert sich an Hallein, wo sie ''garstig'' gewesen war, was der Großmutter missfallen hat. Lida wollte / in das Salzbergwerk einfahren, Minna und sie hatten dazu keine Lust, was Lida und Anna betrübt hat. Sie ärgert sich über sich selbst, dass sie deswegen übelgelaunt war. Sie schließt mit Gute-Nacht-Wünschen. / [beigelegtes Blatt:] Datiert vom 11. Oktober, 8 Uhr früh, wünscht sie einen guten Morgen. Sie erzählt vom Kirchenbesuch und dem Zusammentreffen dort mit seiner Mutter. Sie geht jetzt ernstlich an die Ausstattungsarbeiten, die, solange Minna sie besuchte, liegenblieben. Sie berichtet von Minnas Sorgen, eine Beziehung einzugehen; die Mutter will das mitbestimmen. Fanni denkt an ''Couvertdecken'', die ''dunkelfärbig'' sind, wie die Möbel im Schlafzimmer. Ob ihm grün gefällt? Sie grüßt von der Großmutter und fügt hinzu, dass sie noch Visitenkarten mit ''Fanni Schlegel'' hat, die sie weiterhin verwendet. | |||
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[zweiter Bogen:] Mit einem Gedicht von Geibel hofft er, dass Gott ihnen Glück bescheren möge. Er war mit dem Bezirksrichter und dessen Frau im "Caffe", und bei der Aufteilung der Kosten blieb ein Kreuzer übrig, der ihm feierlich für den künftigen Haushalt überlassen wurde. Er soll dafür ein Päckchen Zündhölzer kaufen, und er wird diese aufheben. Er schreibt ihr das auch, weil er es als Zeichen deutet, dass auch sie "hier unten" (in Mödling bzw. Wien) freundlich aufgenommen werden wird. Er freut sich darauf, wenn sie einmal als Ehegatten zusammen von Salzburg nach Wien fahren werden; jetzt fühlt er sich getrennt. ''Doch ich schließe je[t]zt, hoffentlich erhälst Du diesen Brief schon morgen. // Grüße die Großmutter sowie D[m]eine Eltern, auch Lida u Familie Zeller, sowie auch meine Mutter. Schreibe mir recht bald wieder, u behalte mich lieb. Es grüßt Dich herzlichst u umarmt Dich im Geiste // Dein // treuer Franz'' | [zweiter Bogen:] Mit einem Gedicht von Geibel hofft er, dass Gott ihnen Glück bescheren möge. Er war mit dem Bezirksrichter und dessen Frau im "Caffe", und bei der Aufteilung der Kosten blieb ein Kreuzer übrig, der ihm feierlich für den künftigen Haushalt überlassen wurde. Er soll dafür ein Päckchen Zündhölzer kaufen, und er wird diese aufheben. Er schreibt ihr das auch, weil er es als Zeichen deutet, dass auch sie "hier unten" (in Mödling bzw. Wien) freundlich aufgenommen werden wird. Er freut sich darauf, wenn sie einmal als Ehegatten zusammen von Salzburg nach Wien fahren werden; jetzt fühlt er sich getrennt. ''Doch ich schließe je[t]zt, hoffentlich erhälst Du diesen Brief schon morgen. // Grüße die Großmutter sowie D[m]eine Eltern, auch Lida u Familie Zeller, sowie auch meine Mutter. Schreibe mir recht bald wieder, u behalte mich lieb. Es grüßt Dich herzlichst u umarmt Dich im Geiste // Dein // treuer Franz'' | ||
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==== Brief vom 14. und 15. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Salzburg Stadt 15/10…71" [teils verwischt], rückseitig "Wien…" und "Mödling" [beides verwischt]; ''Herrn // Doctor Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in Mödling // bei Wien.'' - Von Franz Spängler Vermerk: ''XXXI erh[alten] 16/10 1871 // beantw[ortet] 17/10''. Rückseitig kleines rotes Lacksiegel "AS". - Zwei Bögen; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel:<br /> | |||
''Salzburg 14 Oktober 1871. // ¾ 8 Uhr Abends. // Mein lieber Franz! // Ich stand heute mit der angenehmen Erwartung auf, von dir einen Brief zu bekommen, aber erst Abends wurde dieselbe erfüllt, als ich schon für heute die Hoffnung aufgegeben hatte. // Der Brief war erst gegen 4 Uhr abgegeben worden, ich war gerade in der englischen Stunde und dann ging ich mit Großmutter spazieren'' […] Sie dankt für seinen lieben Brief, der Inhalt macht sie glücklich; sie schreibt von ihrer gegenseitigen Liebe und findet es auch merkwürdig, dass sie nicht schon früher das "du"<ref>Sie macht keinen erkennbaren Unterschied zwischen D und d.</ref> verwendet hat. Er soll auch weiterhin mit seinen Freunden die Geselligkeit pflegen, wie das bei Männern nach der Arbeit ein Bedürfnis ist. Sie bedankt sich für den "Wirtschaftsbeitrag" von 1 Kreuzer für Zündhölzchen. Ihre englischen Stunden sind ihr angenehm; sie berichtet von "Conversation" und Einzelunterricht. Abends liest sie die zwei Geibel-Gedichte und dann ein englisches Buch; die Lektüre der Dramen von Lessing verschiebt sie. Sie fragt ihn, ob er das Buch "Deutsche Arbeit" von Riehl kennt; ihr gefällt es recht gut. / Datiert Sonntag, 15. Oktober: Sie entschuldigt sich für ihren "unordentlichen" Brief. Hinsichtlich der Wohnungsfrage würde sie drei nicht allzu große Zimmer und ein kleines "Magdzimmer" im ersten Stock vorziehen, unten ist es eher feucht. Ein Garten wäre schön, aber nicht wichtig. Sie glaubt nicht, dass die Großmutter zu einer Reise nach Wien zu bewegen ist; bis sie sich wiedersehen, müssten sie sich gedulden. | |||
''Schumacher nennt mich immer Frau Landesgerichtsräthin und ich heiße ihn dafür Herrn Medizinalrath. Wir begegnen einander äußerst respektvoll. // Le[t]zthin ließen wir vier Freundinnen Lida Minna Emma u. ich uns als Gruppe fotografi[e]ren. Das Bild ist sehr gut gelungen. Voraussichtlich kommen wir Vier wo[h]l nicht wieder so zusammen, und da ist das Bild eine hübsche Erinnerung an unser diesjähriges Zusammensein. / Unsere Fotografien habe ich noch immer nicht, es geht ungeheuer langsam. // Doch ich muß nun schließen um in das Hochamt zu gehen. Gehst du noch immer an Sonntagen um 7 Uhr in die Kirche. // Ich denke es wird heute irgend ein Spaziergang unternommen, es ist ganz heiter aber sehr kalt Wir fangen schon an zu heitzen. Lebe recht wo[h]l und behalte ein wenig lieb // deine treue Fanni. // Großmutter grüßt // Gestern machten wir Besuch bei [[Alois Spängler]] und Maria Spängler u. Reinfort. // Alles grüßt dich.'' | |||
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''Mödling 16 Oct 1871 // 7 Uhr früh. // Meine liebe liebe Fanny! // Heute sind es gerade 4 Wochen, dß ich wieder hier anlangte, u. in 10 Wochen hoffe ich wieder an Deiner Seite in Salzburg zu sein; da wollen wir in frohem Zusammensein das Hereinbringen, was die Trauung uns entzog. O wie freue ich mich wieder auf Deinen ersten Kuß; doch der erste macht Begier nach Tausend. XX sagt Geibel, so wird es auch bei uns nicht bei dem ersten allein bleiben. Einstweilen freue ich mich heute wieder auf Deinen Brief, den ich mit Bestimmtheit erwarte. Ich habe nun schon me[h]rere Wo[h]nungen angesehen größtenteils solche die in der Regel nur über Sommer vermietet werden. Doch habe ich bis nun keine gefunden die mir ganz zusagen würde, doch habe ich noch XX erst angesehen'' […] – Er versichert, dass er keinesfalls ohne Fannis Zustimmung etwas vereinbaren wird. Er fragt nach den Ausstattungsarbeiten. ''Ich hoffe Du hast in diesen 4 Wochen schon me[h]r als 4 Stü[c]ke fertig gemacht. Die Mutter schrieb mir auch, dß du so freundlich bist an meinen Sachen einiges zu arbeiten, wofür ich Dir bestens danke.'' […] | ''Mödling 16 Oct 1871 // 7 Uhr früh. // Meine liebe liebe Fanny! // Heute sind es gerade 4 Wochen, dß ich wieder hier anlangte, u. in 10 Wochen hoffe ich wieder an Deiner Seite in Salzburg zu sein; da wollen wir in frohem Zusammensein das Hereinbringen, was die Trauung uns entzog. O wie freue ich mich wieder auf Deinen ersten Kuß; doch der erste macht Begier nach Tausend. XX sagt Geibel, so wird es auch bei uns nicht bei dem ersten allein bleiben. Einstweilen freue ich mich heute wieder auf Deinen Brief, den ich mit Bestimmtheit erwarte. Ich habe nun schon me[h]rere Wo[h]nungen angesehen größtenteils solche die in der Regel nur über Sommer vermietet werden. Doch habe ich bis nun keine gefunden die mir ganz zusagen würde, doch habe ich noch XX erst angesehen'' […] – Er versichert, dass er keinesfalls ohne Fannis Zustimmung etwas vereinbaren wird. Er fragt nach den Ausstattungsarbeiten. ''Ich hoffe Du hast in diesen 4 Wochen schon me[h]r als 4 Stü[c]ke fertig gemacht. Die Mutter schrieb mir auch, dß du so freundlich bist an meinen Sachen einiges zu arbeiten, wofür ich Dir bestens danke.'' […] | ||
Über die Einrichtung (der Wohnung) würde er erst mit ihr sprechen, wenn die Frage der Wohnung geklärt ist, auch macht er sich Hoffnungen, eine Stelle in Wien zu bekommen und möchte sich deshalb bei den Möbeln entsprechend "freie Hand" lassen, z.B. würde er für das Schlafzimmer keine grünen Möbel wählen, wenn diese Möbel bei einem Umzug dann auf andere Zimmer verteilt werden müssten. Doch will er sich gerne belehren lassen. […] Er macht täglich zum Frühstück Traubenkur, auch mittags und abends vor dem Schlafen.<ref>Eine Traubenkur wurde u.a. durch einen Arzt in Meran seit 1868 populär. Vgl. den | Über die Einrichtung (der Wohnung) würde er erst mit ihr sprechen, wenn die Frage der Wohnung geklärt ist, auch macht er sich Hoffnungen, eine Stelle in Wien zu bekommen und möchte sich deshalb bei den Möbeln entsprechend "freie Hand" lassen, z.B. würde er für das Schlafzimmer keine grünen Möbel wählen, wenn diese Möbel bei einem Umzug dann auf andere Zimmer verteilt werden müssten. Doch will er sich gerne belehren lassen. […] Er macht täglich zum Frühstück Traubenkur, auch mittags und abends vor dem Schlafen.<ref>Eine Traubenkur wurde u.a. durch einen Arzt in Meran seit 1868 populär. Vgl. den Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Traubenkur ''"Traubenkur"''.]</ref> Wenn sie will, kann sie im nächsten Jahr mithalten. Er hat Dankesbriefe für die Glückwünsche (zur Verlobung) geschrieben; einen solchen an den Baron Handel<ref>Vgl. die Briefe vom 28. April 1850 und vom 30. September 1879. Möglicherweise ist das Rudolf / Rudolph Handel, ein Freund von Franz; vgl. noch nicht übertragene Briefe 1860, 1871 und 1872. Vgl. [[Rudolf Freiherr von Handel]].</ref> fiel ihm schwer, weil er dessen jetzige politische Haltung nicht teilt. Mit ihm habe er häufig über politische Fragen korrespondiert. Doch er will sich nicht weiter mit Politik beschäftigen, aber er teilt die Entrüstung in Wien gegen das Ministerium und gegen ''die Umsturzpläne der Cechen XX''. Genug mit der Politik, es schlägt 8 Uhr. ''In einer Stunde od. längstens in drei Stunden hoffe ich Deinen Brief zu haben.'' | ||
''16/10 Ab[en]ds ½ 10 Uhr. // Als ich in die Kanzlei ging, fand ich bereits Deinen lieben Brief vor, für welchen ich Dir herzlich danke. In Beantwortung von einigen nur nebensächlichen Fragen berichte ich Dir, dß ich noch immer Sonntags 7 Uhr früh in die Messe gehe u. auch die Absicht habe, es über Winter zu tun'' / [zweiter Bogen:] ''ferner dß ich in meiner Wo[h]nung noch nicht einheize, vielme[h]r mich Morgens bei offenem Fenster kalt wasche; in der Kanzlei dagegen laße ich am Morgen ein wenig einheizen. Das Buch: "Die deutsche Arbeit" von Riehl<ref>Wilhelm Heinrich Riehl: "Die deutsche Arbeit", 1862</ref> kenne ich nicht, wo[h]l aber ein größeres soziale Fragen behandelndes Werk, dessen gemeinschaft[licher] Titel mir eben nicht einfällt, das aber 3 ziemlich selbständige Bände umfaßt: 1) "Land und Leute", 2) "Die Gesellschaft", 3) "Die Familie".<ref>Ebenfalls Wilhelm Heinrich Riehl (* 1823; † 1897): "Land und Leute", 1854; "Die Familie", 1855; "Die bürgerliche Gesellschaft", 1851.</ref> Das Buch ist sehr gediegen geschrieben u ich werde sehen, es für unsere Hausbibliothek zu erhalten, damit wir es einmal zusammen lesen können; es wird Dir gewiß se[h]r vieles daran gefallen. // Deinen Dank für den Zündhölzchen-Kreuzer werde ich morgen entrichten. Schumachers Scherz soll sich nun recht bald in Ernst verwandeln; ich wäre wa[h]rlich nicht böse darüber; ich glaube / dß auch Du dir nichts daraus machen würdest, Frau Landes Gerichtsräthin'' [h gestrichen] ''zu heißen. Ich muß auch hier die Ma[h]nung anwenden, die Du mir so oft in Erinnerung bringst: "Geduld".'' […] | ''16/10 Ab[en]ds ½ 10 Uhr. // Als ich in die Kanzlei ging, fand ich bereits Deinen lieben Brief vor, für welchen ich Dir herzlich danke. In Beantwortung von einigen nur nebensächlichen Fragen berichte ich Dir, dß ich noch immer Sonntags 7 Uhr früh in die Messe gehe u. auch die Absicht habe, es über Winter zu tun'' / [zweiter Bogen:] ''ferner dß ich in meiner Wo[h]nung noch nicht einheize, vielme[h]r mich Morgens bei offenem Fenster kalt wasche; in der Kanzlei dagegen laße ich am Morgen ein wenig einheizen. Das Buch: "Die deutsche Arbeit" von Riehl<ref>Wilhelm Heinrich Riehl: "Die deutsche Arbeit", 1862</ref> kenne ich nicht, wo[h]l aber ein größeres soziale Fragen behandelndes Werk, dessen gemeinschaft[licher] Titel mir eben nicht einfällt, das aber 3 ziemlich selbständige Bände umfaßt: 1) "Land und Leute", 2) "Die Gesellschaft", 3) "Die Familie".<ref>Ebenfalls Wilhelm Heinrich Riehl (* 1823; † 1897): "Land und Leute", 1854; "Die Familie", 1855; "Die bürgerliche Gesellschaft", 1851.</ref> Das Buch ist sehr gediegen geschrieben u ich werde sehen, es für unsere Hausbibliothek zu erhalten, damit wir es einmal zusammen lesen können; es wird Dir gewiß se[h]r vieles daran gefallen. // Deinen Dank für den Zündhölzchen-Kreuzer werde ich morgen entrichten. Schumachers Scherz soll sich nun recht bald in Ernst verwandeln; ich wäre wa[h]rlich nicht böse darüber; ich glaube / dß auch Du dir nichts daraus machen würdest, Frau Landes Gerichtsräthin'' [h gestrichen] ''zu heißen. Ich muß auch hier die Ma[h]nung anwenden, die Du mir so oft in Erinnerung bringst: "Geduld".'' […] | ||
Auf ihre "große Frage", wie es denn komme, dass er sie gern habe, antwortet er mit Geibel: "Lieb‘ ist Wunder, Lieb‘ ist Gnade […]", doch mit dieser Antwort wäre sie am Ende nicht zufrieden, sie würde eine ''concretere'' Antwort haben wollen. Er gibt zu, dass er eine Lebensgefährtin wählen wollte unter all den Mädchen, die er in seiner Salzburger Zeit bis 1870 kannte, mit Eigenschaften, die ihm zusagten. Er berichtet ihr vom September 1870, einem Jahr vor ihrer Verlobung, von seinen Gefühlen, von seinem "mutigen Entschluss", mit ihr darüber zu sprechen. ''Und Gott sei Dank, ich fand den Mut in Deine Hände die Entscheidung über mein Geschi[c]k [zu] legen.'' In den folgenden Briefen wuchs seine Zuversicht, dass sie "Ja" sagen würde. [… beigelegter Halbbogen:] Er schildert "ganz aufrichtig", dass ihm Ausbildung, entsprechende Bildung, körperliche Gesundheit, aber auch pekuniäre Verhältnisse ''in Verbindung mit meinem bescheidenen Vermögen'' wichtig waren. Aus der Freundschaft, die schon länger bestand, wuchs ein immer wärmeres Gefühl. […] ''Doch genug für heute; es ist fast ½ 12 Uhr. Ich lese je[t]zt noch im Geibel, dann gute Nacht, für Dich liebes Kind u. mehr! // 17 Oct. Da ich heute früh Vorlesung hatte, u. den ganzen Vormittag viel zu tun hatte'' […] ''schließe ich für heute mit der Bitte die Großmutter herzlich zu grüßen, u. mit dem Versprechen'' [… daß ein] ''Brief bald folgen wird. Behalte lieb u. denke öfters an Deinen // treuen Franz.'' | Auf ihre "große Frage", wie es denn komme, dass er sie gern habe, antwortet er mit Geibel: "Lieb‘ ist Wunder, Lieb‘ ist Gnade […]", doch mit dieser Antwort wäre sie am Ende nicht zufrieden, sie würde eine ''concretere'' Antwort haben wollen. Er gibt zu, dass er eine Lebensgefährtin wählen wollte unter all den Mädchen, die er in seiner Salzburger Zeit bis 1870 kannte, mit Eigenschaften, die ihm zusagten. Er berichtet ihr vom September 1870, einem Jahr vor ihrer Verlobung, von seinen Gefühlen, von seinem "mutigen Entschluss", mit ihr darüber zu sprechen. ''Und Gott sei Dank, ich fand den Mut in Deine Hände die Entscheidung über mein Geschi[c]k [zu] legen.'' In den folgenden Briefen wuchs seine Zuversicht, dass sie "Ja" sagen würde. [… beigelegter Halbbogen:] Er schildert "ganz aufrichtig", dass ihm Ausbildung, entsprechende Bildung, körperliche Gesundheit, aber auch pekuniäre Verhältnisse ''in Verbindung mit meinem bescheidenen Vermögen'' wichtig waren. Aus der Freundschaft, die schon länger bestand, wuchs ein immer wärmeres Gefühl. […] ''Doch genug für heute; es ist fast ½ 12 Uhr. Ich lese je[t]zt noch im Geibel, dann gute Nacht, für Dich liebes Kind u. mehr! // 17 Oct. Da ich heute früh Vorlesung hatte, u. den ganzen Vormittag viel zu tun hatte'' […] ''schließe ich für heute mit der Bitte die Großmutter herzlich zu grüßen, u. mit dem Versprechen'' [… daß ein] ''Brief bald folgen wird. Behalte lieb u. denke öfters an Deinen // treuen Franz.'' | ||
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==== Brief vom 18. und 19. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Salzburg Stadt 15/10 12-13 Mitt 71", rückseitig "Wien 20/10…" und "Mödling 20/10…" [teils verwischt]; ''Herrn // Doctor'' [unterstrichen:] ''Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in'' [unterstrichen:] ''Mödling // bei'' [unterstrichen:] ''Wien.'' - Von Franz Spängler Vermerk: ''XXXII erh[alten] 20/10 1871 // beantw[ortet] 21/10 1871 // nachgesehen 22/10 1871''. Rückseitig kleines rotes Lacksiegel "AS". - Zwei Bögen, blauer Prägedruck "FS"; [Ergänzung]; // = Absatz:<br /> | |||
''Salzburg 18. Oktober 1871. // 8 Uhr Abends. // Mein lieber Franz! // Tausend Dank für deinen lieben Brief, für die ausführliche Antwort auf meine Frage. // Aber halte diese Frage nicht für einen Zweifel, glaube nicht daß ein solcher Gedanke bei mir Eingang finden könnte.'' […] Auf seine Frage, warum sie so bald einen Entschluss fassen konnte (als er um ihre Hand anhielt), weiß sie keine Antwort. Sie konnte bereits in ihrem zweiten Brief (an ihn) Dinge berühren, mit denen sie bis dahin nur mit Lida, ihrer vertrautesten Freundin, gesprochen hatte. Der Briefwechsel ist ein schöner Austausch ihrer Gesinnungen und Anschauungen. Bei ihrem Aufenthalt in Adelholzen war sie nicht mehr im Zweifel. Sie wollte jedoch eins, zwei Tage mit ihm erleben, bevor sie ja sagen würde, aber am 8. September, als sie sich trafen, war alle Überlegung dahin. Gottes Hand hat sie zusammengeführt. Auch sie suchte ein Herz, dem sie vertrauen könnte. Dass sie es nun gefunden hat, macht sie glücklich. | |||
[zweiter Bogen:] Mit seiner Mutter ordnete sie einiges von der Ausstattung, wie eine Schwalbe, die Hälmchen auf Hälmchen für das Nest sammelt. Vier Stücke hätte sie in den letzten vier Wochen fertig für das ''Sweet home'', für ihre Wohnstätte. ''Dazu braucht es keinen Luxus, sondern nur das rechte innere Glück und die wahre gegenseitige Liebe. Für heute schließe ich mit einem herzlichen Gute Nacht, schlafe wo[h]l! // 19. Oktober, 8 ¼ Uhr früh. // Ich werde nicht sehr viel mehr schreiben können, da deine gute Mutter uns abholt, um gemeinschaftliche Einkäufe zu machen. Es soll Bettzeug gekauft werden.'' […] Sie fragt nach seiner möglichen Versetzung nach Wien; sie wüßte gern, ob sie noch für einige Zeit in Mödling sein würden oder gleich in der Kaiserstadt. Über Möbel könnten sie natürlich erst sprechen, wenn sie wüssten, welche Wohnung sie haben würden. Die Großmutter spricht für eine Hochzeit im Frühling, sie noch im Herbst nach Wien zu bringen, wird nicht gelingen – hoffentlich im Februar. Wenn er zu Weihnachten kommt, dann noch keine zwei Monate, da hofft sie, mit der Ausstattung fertig zu sein. Wenn er mit ihr über Politik reden möchte, müsste er ihr diese erst verständlich machen – lieber mündlich als schriftlich. […] ''und bitte dich lieb zu behalten deine treue Fanni. // Großmutter grüßt.'' | |||
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VI. Die Wohnung wird nur am Morgen etwas von der Sonne gestreift; die Zimmer in einem sehr verwahrlosten Zustand, Fußböden schlecht, viel müsste gerichtet werden, Zugang garstig, viel Fuhrwerk auf der Straße; Preis 300 Gulden, wahrscheinlich auf 280 herunterzuhandeln. Gemeinsame Stiege mit der Wohnung, in der Offiziere der Garnison wohnen. – VII. Wohnung im ersten Stock in der Hauptstraße in einem alten Haus, das im Ganzen keinen guten Eindruck macht; Zimmer geräumig, neu ausgemalt, aber Fenster und Türen brauchen manche Ausbesserung, Fußboden uneben, Küche sehr klein, keine Waschküche, Retirade [WC] ebenerdig im Hof ziemlich entfernt, also höchst unbequem; kleiner Garten, Entfernungen… Preis 300 Gulden, Reparaturen selbst zu bezahlen. – VIII. Eine Minute von Bureau und Markt, würde bis Anfang Mai frei werden; konnte er sich nicht ansehen, weil dem Mieter noch nicht gekündigt wurde; Preis 200 Gulden. – IX. Zwei kleine Wohnungen, jede mit Zimmer, Cabinet und Küche, wobei sich die eine Küche leicht als Wohnzimmer behandeln ließe, eine Verbindung könnte durchbrochen werden; Preis 200 Gulden, doch der Hausfrau ist die Kündigung des jetzigen Mieters unangenehm. // ''Endlich habe ich heute dem Gemeindediener, der den meisten Parteien hier die Kündigungen macht, Auftrag gegeben, u. er hat mir versprochen, mir'' [sich für mich] ''um Wohnungen umzusehen X. Auch glaubt er, dß es ihm gelingen dürfte, die Hausfrau von der Wo[h]nung III zu bewegen, die ebenfalls derselben im I Sto[c]ke gelegenen, gleich eingeteilte Wo[h]nung, die bisher Sommerparteien vermietet wurde, mir zu überlassen; dieselbe dürfte übrigens sicher 300 – 350 fl kosten. Aber wenn ich diese erreichen könnte, würde ich sie allen anderen vorziehen. Ich se[t]ze übrigens die Nachforschungen fort u werde allfällige Nachträge Dir sogleich mitteilen. Es wäre mir jedoch angene[h]m bis längstens Anfangs November Deinen u der Großmutter Meinung zu hören, sei es schriftlich u[n]d noch lieber mündlich. weßhalb ich gleichzeitig der Großmutter schreibe.'' | VI. Die Wohnung wird nur am Morgen etwas von der Sonne gestreift; die Zimmer in einem sehr verwahrlosten Zustand, Fußböden schlecht, viel müsste gerichtet werden, Zugang garstig, viel Fuhrwerk auf der Straße; Preis 300 Gulden, wahrscheinlich auf 280 herunterzuhandeln. Gemeinsame Stiege mit der Wohnung, in der Offiziere der Garnison wohnen. – VII. Wohnung im ersten Stock in der Hauptstraße in einem alten Haus, das im Ganzen keinen guten Eindruck macht; Zimmer geräumig, neu ausgemalt, aber Fenster und Türen brauchen manche Ausbesserung, Fußboden uneben, Küche sehr klein, keine Waschküche, Retirade [WC] ebenerdig im Hof ziemlich entfernt, also höchst unbequem; kleiner Garten, Entfernungen… Preis 300 Gulden, Reparaturen selbst zu bezahlen. – VIII. Eine Minute von Bureau und Markt, würde bis Anfang Mai frei werden; konnte er sich nicht ansehen, weil dem Mieter noch nicht gekündigt wurde; Preis 200 Gulden. – IX. Zwei kleine Wohnungen, jede mit Zimmer, Cabinet und Küche, wobei sich die eine Küche leicht als Wohnzimmer behandeln ließe, eine Verbindung könnte durchbrochen werden; Preis 200 Gulden, doch der Hausfrau ist die Kündigung des jetzigen Mieters unangenehm. // ''Endlich habe ich heute dem Gemeindediener, der den meisten Parteien hier die Kündigungen macht, Auftrag gegeben, u. er hat mir versprochen, mir'' [sich für mich] ''um Wohnungen umzusehen X. Auch glaubt er, dß es ihm gelingen dürfte, die Hausfrau von der Wo[h]nung III zu bewegen, die ebenfalls derselben im I Sto[c]ke gelegenen, gleich eingeteilte Wo[h]nung, die bisher Sommerparteien vermietet wurde, mir zu überlassen; dieselbe dürfte übrigens sicher 300 – 350 fl kosten. Aber wenn ich diese erreichen könnte, würde ich sie allen anderen vorziehen. Ich se[t]ze übrigens die Nachforschungen fort u werde allfällige Nachträge Dir sogleich mitteilen. Es wäre mir jedoch angene[h]m bis längstens Anfangs November Deinen u der Großmutter Meinung zu hören, sei es schriftlich u[n]d noch lieber mündlich. weßhalb ich gleichzeitig der Großmutter schreibe.'' | ||
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==== Brief vom 22. und 23. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Salzburg Stadt …/ … 71" [verwischt], rückseitig "Wien 24/10…" und "Mödling 24/10…" [teils verwischt]; ''Herrn // Doctor'' [unterstrichen:] ''Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in'' [unterstrichen:] ''Mödling // bei'' [unterstrichen:] ''Wien.'' - Von Franz Spängler Vermerk: ''XXXIII 24/10 1871 // beantw[ortet] 25/10 1871''. Rückseitig kleines rotes Lacksiegel "AS". - Zwei Bögen; [Ergänzung]; // = Absatz:<br /> | |||
''Salzburg 22. Oktober 1871. // 8 ½ Uhr Ab[ends]. // Mein lieber Franz! // Herzinnigen Dank für deinen so sehr lieben Brief, ich habe so große Freude daran. // Auch ich halte fest die Überzeugung, daß Gottes Hand Alles so fügte, daß der Himmel den Bund unserer Herzen bestätigt.'' […] Als Tag der Trauung wäre der 8. oder 10. April geeignet. Im Februar müsste die Hochzeitsereise ausfallen; das täte ihr leid. Auch der Großmutter würde das besser passen als im Winter; das Abschiednehmen wird eine schwere Stunde für sie sein. Seit 23 Jahren war Fanni nie länger als stundenlang von ihrer Seite. Auch wenn sie, die Großmutter, zuweilen streng und schroff wirkt, so hat sie mich, Fanni, doch lieb. Die Trennung beunruhigt Fanni, aber sie versucht, möglichst selten mit der Großmutter darüber zu sprechen. Fortsetzung morgen… ''Um unser gemeinschaftliches Lesen in Geibels Gedichten zu kontrollieren bemerke ich daß heute N: 25 u 26. vom Intermezzo treffen. Gute Nacht.'' | |||
[zweiter Bogen:] ''23 Oktober 8 ¼ früh. // Mit einem herzlichen Guten Morgen beginne ich die Fortsetzung.'' […] Sie war bei Luise und dem Bruder von Franz, [[Otto Spängler]]. Mit ihrem Neffen hat sie aus Mühlsteinen kunstvolle Bauten erstellt und seine Freundschaft gewonnen. Die Mutter vom Franz und Otto werden morgen zu ihnen kommen. Die Mutter vom Franz möchte ihm durch Schumacher ein ''Musterhemd'' schicken, das er probieren soll. Schumacher könnte es bei ''Angermaier'' (Albert Angermayer) in Wien abgeben. Sie erhält soeben seine Sendung über die Wohnungen. Nach seiner Beschreibung hat ihr und Großmutter die Wohnung III am besten gefallen. Feuchtigkeit ließe sich vielleicht durch fleißiges Lüften vertreiben; im ersten Stock wäre das angenehm, wenn nicht der Preis zu hoch wäre. Gibt es dort einen Brunnen? Sie fühlt sich gerne als sein ''Kind''; er ist eben 9 Jahre älter, doch sie findet den Altersunterschied nicht groß. Sie verweist auf ein Gedicht von Kobell. Wenn er diese Woche wenig Zeit hat, soll er ihr mit einer Correspondenzkarte den Empfang des Briefes bestätigen. Den Nachmittag gestern war sie bei Familie Zeller; diese haben den Kummer, dass der arme Stiebitz ernstlich krank ist: Nervenverstimmung und total arbeitsunfähig.<ref>Vgl. die Briefe vom 14. Dezember 1871, vom 9. Jänner 1872, vom 14. und vom 21. Februar 1872.</ref> Er bildete sich plötzlich ein, ein ungebetener Gast zu sein. […] ''Alles läßt dich grüßen. Samstag besuchte uns Hr: Domkapitular Klingler, der mir herzlich gratulierte und viele Grüße an dich auftrug. Lebe nun recht wo[h]l es umarmt dich deine treue Fanni das Kind von 23 Jahren.'' | |||
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==== Brief vom 22. bis 25. Oktober 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ==== Brief vom 22. bis 25. Oktober 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 22/10/71", rückseitig "Wien 25/10" und "Salzburg Stadt 26/10 10-11 … 71" [teils verwischt]; kleines rotes Lacksiegel "F Sp". - [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel'' // [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // 2. Sto[c]k''. Zwei Bögen, ein Blatt bzw. Halbbogen; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX = unleserlich:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 22/10/71", rückseitig "Wien 25/10" und "Salzburg Stadt 26/10 10-11 … 71" [teils verwischt]; kleines rotes Lacksiegel "F Sp". - [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel'' // [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // 2. Sto[c]k''. Zwei Bögen, ein Blatt bzw. Halbbogen; [Ergänzung]; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX = unleserlich:<br /> | ||
''Mödling 22. Oct // 1871 Abends // 7 XX // Meine liebe Fanny! // Ich komme soeben aus der Kanzlei; denn bei uns ist es wirklich eine ganz malheureuse Geschichte, dß nun, wo mit heute der ältere Adjunkt von seinem Urlaub hätte zurü[c]kkommen sollen, derselbe sich krank meldet, u auf 6 – 8 Wochen zu einer Cur nach Wien geht; wir sind also wieder nur zu zweien u dermalen ohne Aushilfe; es ist wirklich als ob sich alles verschworen hätte, dß wir zu keiner Ruhe kommen. // Wenn ich nun tro[t]zdem dß ich ziemlich abgehe[t]zt bin, Dir heute schon wieder schreibe, so hat dieß seinen Grund in der Wo[h]nungsangelegenheit. Ich habe nämlich heute nach Tisch die unter N 10 im Verzeichniß angedeutete Wo[h]nung oberhalb N 2 / angesehen, u sie wirklich sehr [!] hübsch gefunden; sie ist etwas größer in dem einen Raum, der ebenerdig den Hausgang einnimmt, im 1. Sto[c]k noch zur Wo[h]nung kommt, sodß das schmale einfenstrige Cabinet des Erdgeschoßes sich hier zu einem mit 2 Fenstern versehenen recht hübschen Zimmer umgestaltet, u außerdem noch ein kleiner Vorraum dazu kommt. // Der Plan ist dann folgender'' [… siehe | ''Mödling 22. Oct // 1871 Abends // 7 XX // Meine liebe Fanny! // Ich komme soeben aus der Kanzlei; denn bei uns ist es wirklich eine ganz malheureuse Geschichte, dß nun, wo mit heute der ältere Adjunkt von seinem Urlaub hätte zurü[c]kkommen sollen, derselbe sich krank meldet, u auf 6 – 8 Wochen zu einer Cur nach Wien geht; wir sind also wieder nur zu zweien u dermalen ohne Aushilfe; es ist wirklich als ob sich alles verschworen hätte, dß wir zu keiner Ruhe kommen. // Wenn ich nun tro[t]zdem dß ich ziemlich abgehe[t]zt bin, Dir heute schon wieder schreibe, so hat dieß seinen Grund in der Wo[h]nungsangelegenheit. Ich habe nämlich heute nach Tisch die unter N 10 im Verzeichniß angedeutete Wo[h]nung oberhalb N 2 / angesehen, u sie wirklich sehr [!] hübsch gefunden; sie ist etwas größer in dem einen Raum, der ebenerdig den Hausgang einnimmt, im 1. Sto[c]k noch zur Wo[h]nung kommt, sodß das schmale einfenstrige Cabinet des Erdgeschoßes sich hier zu einem mit 2 Fenstern versehenen recht hübschen Zimmer umgestaltet, u außerdem noch ein kleiner Vorraum dazu kommt. // Der Plan ist dann folgender'' [… siehe Abbildung, untere Hälfte] ''Die Magd müßte bei dieser Einteilung in der Küche schlafen; denn besonders im Winter / würde uns das 3. Zimmer als Wohn- [!] u Schlafzimmer wegen deßen Südseite besonders angene[h]m sein, u im Vorzimmer ein Bett'' […] | ||
[[Datei:Brief vom 22. bis 25. Oktober 1871, 1. Bogen, Seite 2.JPG|thumb| Brief vom 22. bis 25. Oktober 1871, 1. Bogen, Seite 2.]] | |||
Die Wohnung hat eine abschließbare Tür, zum Teil mit Glasfenster, Fußboden, Waschküche, Garten, alles sehr gut erhalten, bis auf einige kleinere Reparaturen; das Eszimmer weniger gut. Das Haus wurde vor 4 Jahren erbaut; der Herd hat zwei Feuerstellen mit eisernen Ringen. Wenn der Großmutter der Preis nicht zu hoch scheint, 350 Gulden ÖW [österreichische Währung], schwerlich wären 10 bis 20 Gulden abzuhandeln. Die Entfernungsverhältnisse hatte er schon gegeben. Eine Alternative hat im Augenblick kaum Aussicht, weil jetzt in Wien gar keine Stellen frei sind; vielleicht könnte das im nächsten Herbst anders sein. Er verkennt nicht, dass die Wohnung für den augenblicklichen Bedarf fast zu groß ist; in Wien würden sie sich sicherlich etwas einschränken müssen, doch es ist die beste Wohnung, die er gefunden hat, und der Bezirksrichter [zweiter Bogen:], der die Verhältnisse gut kennt, rät mir unbedingt dazu. Er weist darauf hin, dass nach wirtschaftlichen Grundsätzen die Wohnung ein Sechstel des Jahresbudgets kosten darf, und er rechnet mit 2200 Gulden; damit wäre 1/6tel nicht überschritten und es bleiben ihnen Reparaturkosten erspart. Eine andere, sehr hübsche Wohnung würde erst im November 1872 frei, aber auch die hätte eine Miete von 380 bis 400 Gulden. Falls sie noch in Mödling bleiben, könnten sie dann umziehen, aber das wäre umständlich. Er bittet, mit der Großmutter zu sprechen und ihm bald zu schreiben. ''Adieu für heute; ich gehe je[t]zt ins Gasthaus soupi[e]ren. Morgen nach Empfang Deines Briefes Fortsetzung.'' | Die Wohnung hat eine abschließbare Tür, zum Teil mit Glasfenster, Fußboden, Waschküche, Garten, alles sehr gut erhalten, bis auf einige kleinere Reparaturen; das Eszimmer weniger gut. Das Haus wurde vor 4 Jahren erbaut; der Herd hat zwei Feuerstellen mit eisernen Ringen. Wenn der Großmutter der Preis nicht zu hoch scheint, 350 Gulden ÖW [österreichische Währung], schwerlich wären 10 bis 20 Gulden abzuhandeln. Die Entfernungsverhältnisse hatte er schon gegeben. Eine Alternative hat im Augenblick kaum Aussicht, weil jetzt in Wien gar keine Stellen frei sind; vielleicht könnte das im nächsten Herbst anders sein. Er verkennt nicht, dass die Wohnung für den augenblicklichen Bedarf fast zu groß ist; in Wien würden sie sich sicherlich etwas einschränken müssen, doch es ist die beste Wohnung, die er gefunden hat, und der Bezirksrichter [zweiter Bogen:], der die Verhältnisse gut kennt, rät mir unbedingt dazu. Er weist darauf hin, dass nach wirtschaftlichen Grundsätzen die Wohnung ein Sechstel des Jahresbudgets kosten darf, und er rechnet mit 2200 Gulden; damit wäre 1/6tel nicht überschritten und es bleiben ihnen Reparaturkosten erspart. Eine andere, sehr hübsche Wohnung würde erst im November 1872 frei, aber auch die hätte eine Miete von 380 bis 400 Gulden. Falls sie noch in Mödling bleiben, könnten sie dann umziehen, aber das wäre umständlich. Er bittet, mit der Großmutter zu sprechen und ihm bald zu schreiben. ''Adieu für heute; ich gehe je[t]zt ins Gasthaus soupi[e]ren. Morgen nach Empfang Deines Briefes Fortsetzung.'' | ||
''24 Oct früh 6 Uhr // Da ich schon wieder seit circa einer Stunde wach war'' […], hatte er Zeit nachzudenken. Er malt sich ihr künftiges Zusammensein aus; aber auch die Wohnungsfrage beschäftigt ihn. Er überlegt die Verteilung der Zimmer neu, damit auch ein Raum für liebe Besucher, für die Großmutter da ist, auch vielleicht einmal für seine Mutter. Er erzählt von Besuchen (in Mödling und Wien), er war bei Angermayer und Vetter Julius (Spängler), bei Dr. Kaserer und Anton Sattler. Er spricht von Bildern, die er gesehen hat. ''Adieu lieber Scha[t]z u. habe mich lieb! // Mittwoch 25/10/1871 // Ich habe gestern Deinen lieben Brief erhalten'' […], da war die Commission für die Wasserleitung bereits versammelt, und er konnte nur in einer Pause / [beiliegender Halbbogen:] den Brief durchfliegen, erst abends in Ruhe lesen. Er versteht, dass die Großmutter jetzt nicht reisen will; er verweist auf Angermayer, Wien-Josefstadt, Schmidgasse Nr. 3, neben dem geografischen Institut, 3. Stock, Tür Nr. 20. Nochmals die Wohnungsfrage: Er hat eine neue Wohnung, die ihm nicht empfehlenswert scheint. Was die angedachte Wohnung betrifft, so ist beim Haus ein Brunnen; das Wasser ist nicht zum Trinken, sondern nur zum Waschen und Abspülen. Trinkwasser muss in 80 Schritte Entfernung auf der Gasse geholt werden. Als "Holzgewölbe" (Brennholz) dient ein abgesonderter Teil im Keller und auf dem Dachboden. Auf ihren Brief wird er nächstens antworten; Grüße an die Großmutter. ''Ich schließe mit der Versicherung meiner aufrichtigen Liebe, u. der Bitte mir recht bald zu schreiben, u verbleibe mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz'' | ''24 Oct früh 6 Uhr // Da ich schon wieder seit circa einer Stunde wach war'' […], hatte er Zeit nachzudenken. Er malt sich ihr künftiges Zusammensein aus; aber auch die Wohnungsfrage beschäftigt ihn. Er überlegt die Verteilung der Zimmer neu, damit auch ein Raum für liebe Besucher, für die Großmutter da ist, auch vielleicht einmal für seine Mutter. Er erzählt von Besuchen (in Mödling und Wien), er war bei Angermayer und Vetter Julius (Spängler), bei Dr. Kaserer und Anton Sattler. Er spricht von Bildern, die er gesehen hat. ''Adieu lieber Scha[t]z u. habe mich lieb! // Mittwoch 25/10/1871 // Ich habe gestern Deinen lieben Brief erhalten'' […], da war die Commission für die Wasserleitung bereits versammelt, und er konnte nur in einer Pause / [beiliegender Halbbogen:] den Brief durchfliegen, erst abends in Ruhe lesen. Er versteht, dass die Großmutter jetzt nicht reisen will; er verweist auf Angermayer, Wien-Josefstadt, Schmidgasse Nr. 3, neben dem geografischen Institut, 3. Stock, Tür Nr. 20. Nochmals die Wohnungsfrage: Er hat eine neue Wohnung, die ihm nicht empfehlenswert scheint. Was die angedachte Wohnung betrifft, so ist beim Haus ein Brunnen; das Wasser ist nicht zum Trinken, sondern nur zum Waschen und Abspülen. Trinkwasser muss in 80 Schritte Entfernung auf der Gasse geholt werden. Als "Holzgewölbe" (Brennholz) dient ein abgesonderter Teil im Keller und auf dem Dachboden. Auf ihren Brief wird er nächstens antworten; Grüße an die Großmutter. ''Ich schließe mit der Versicherung meiner aufrichtigen Liebe, u. der Bitte mir recht bald zu schreiben, u verbleibe mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz'' | ||
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==== Brief vom 26. und 27. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | |||
[[Datei:Briefumschlag vom 27. Oktober 1871, Vorderseite.JPG|thumb| Briefumschlag vom 27. Oktober 1871, Vorderseite.]] | |||
[[Datei:Briefumschlag vom 27. Oktober 1871, Rückseite.JPG|thumb| Briefumschlag vom 27. Oktober 1871, Rückseite.]] | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr., zusätzlich aufgeklebt 10 kr. und 5 kr. [Einschreiben:] "Recom No" ''330''; Poststempel "Salzburg Stadt 27/10/ 10 F", rückseitig "Wien 2…" [verwischt] und "Mödling 28/10"; ''Herrn // Doctor'' [unterstrichen:] ''Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in'' [unterstrichen:] ''Mödling // bei'' [unterstrichen:] ''Wien. // Rekommandi[e]rt'' - Von Franz Spängler Vermerk: ''XXXIV erh[alten] 28/10 1871 // beantw[ortet] 29/10''. Rückseitig kleines rotes Lacksiegel "AS"; zusätzlich unterschrieben ''Aufgegeben von // Fanni Schlegel // Marktplatz 10 // Salzburg''. - Zwei Bögen, blauer Prägedruck "FS"; [Ergänzung]; // = Absatz:<br /> | |||
''Salzburg 26. Oktober // 1871. // Mein lieber Franz! // Indem ich an die Beantwortung deines lieben Briefes gehe, muß ich vor Allem mein Bedauern aussprechen, daß sich die Arbeit wieder so vermehrt hat, und du dich nun so anstrengen mußt.'' […] Sie bittet ihn, auf seine Ruhezeit zu achten und will lieber auf einen Brief von ihm verzichten, statt ihn müde und abgehetzt zu wissen. / Auch müssen seine Briefe in diesem Fall nicht so ausführlich sein. Sie dankt für die genaue Beschreibung der Wohnungen; sie stimmt seiner Wahl zu, trotz des für Mödling hohen Preises, doch der Aufwand dient ihrem Wohlbefinden. ''Wenn nur ja gewiß keine Wanzen drin sind. Das wäre schrecklich!!!!'' / […] Sie hat die verschiedenen Pläne seiner Mutter gezeigt; auch sie stimmte für die Wohnung Nr. III, die dort im ersten Stock wäre sehr wünschenswert. ''Der Plan gefällt mir sehr gut ich denke, wir werden das'' [unterstrichen:] ''Gefängniß recht behaglich finden, meinst du nicht auch?'' […] / Sie stellt sich vor, wie sie sich gegenseitig von der Tagesarbeit erzählen werden; auch hört sie gerne von Politik, wenn er sich die Mühe macht, ihr die Tagesfragen zu erläutern. Sie hofft, ihn zu Weihnachten zu sehen. / | |||
[zweiter Bogen:] Datiert Freitag, 27., gesteht sie, dass sie ein sehr lebhaftes Kind war; in der Schwimmschule hat sie ihren Übermut ausgetobt. Sie scherzt, sie wäre ein Teufelchen, also sollte sie eigentlich nicht so helle Haar- und Augenfarben haben. / Sie erzählt von einem Gedicht, das ihr gefällt. Sie fügt Trauriges an: ''Maria Gattermay[e]r wird wo[h]l kaum mehr gesund werden.'' / Mari[a] war der Liebling aller; sie plant auch jetzt für die nächste Zeit. – Fanni schickt Fotos, zwei Grubbenbilder, / und ehe sie Salzburg verlässt, will sie sich nochmals fotografieren lassen und Fotos an verschiedene Personen geben. ''Doch nun ruft die Pflicht ich schließe indem ich dich herzlich grüße. Behalte lieb deine treue // Fanni. // Großmutter grüßt dich'' | |||
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==== | ==== Brief vom 30. Oktober bis 2. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; rückseitig kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 2/11/71", rückseitig "Wien 2/11…" [verwischt] und "Salzburg Stadt 3/11 3-4 Früh 71"; ''Frl. Fanny Schlegel // Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Zwei Bögen, ein Halbbogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 30 Okt. 1871 // Abends ¾ 10 Uhr // Meine innig geliebte Fanny! // Wenn ich Deinen le[t]zten Brief vom 26 u 27. October durchlese u. mir meine Antwort darauf ins Gedächtniß rufe, so kommt es mir zum Bewußtsein, dß ich einige Deiner Mitteilungen in meinem le[t]zten Briefe gar nicht berü[c]ksichtigt habe.'' […] Trotz seiner Arbeit findet er immer Zeit, ihr zu schreiben. Sie hat ihm ähnlich bereits Anfang Juli geschrieben (wegen seiner Arbeit auf lange Briefe an sie zu verzichten), aber auch damals ging er nicht darauf ein. / Mit Bedauern erfuhr er in ihrem letzten Brief von der Verschlimmerung des Zustandes der Marie Gattermay[e]r. Er hofft, dass sie, Fanni und er, vor Emma und Schumacher heiraten werden, nämlich möglichst im Februar. / Auch da wäre die [Hochzeits-]Reise nach Südtirol und Oberitalien möglich, doch die Großmutter müsste es gestatten. Er erinnert sie an ein Gedicht, "Intermezzo" [Geibel] Nr. XI und zitiert ausführlich / daraus. Nach Großmutters Wunsch ist ihre Trauung erst im Frühjahr; er ruft sehnsuchtsvoll [mit dem Gedicht] "Balde, balde, balde!" Er wünscht ihr Gute Nacht, übermorgen Fortsetzung. // Datiert 1. November abends: Er freut sich über ihren Brief, er trauert mit ihr über Marie Gattermay[e]r. | |||
[zweiter Bogen:] Doch ihr eigenes Glück ist mit dieser Trauer vereinbar, meint er. Leid und Lust, aufblühendes Leben und finsteres Ende sind ganz nahe beisammen, vergleichbar einem Gemälde, das er letzthin im Wiener Kunstverein sah mit dem Titel "Lust und Leid". / Er beschreibt das Bild ausführlich. – Er berichtet von der gewählten Wohnung. / Im nächsten Monat werden sie sich wieder sehen; er fragt, ob sie dem Christkindl schon ihre Wünsche geschrieben habe. / Das nächste Weihnachtsfest werden sie zusammen begehen: in Mödling oder in Wien? Er hat in Wien den dritten Teil der "Nibelungen" von Hebbel gesehen, eine sehr interessante und gelungene Aufführung. Demnächst möchte er den ersten und den zweiten Teil sehen. Am Sonntag besuchte er Präsident Scharschmid, der liebenswürdig war. [Halbbogen:] Auch Gusti Frenzl grüßt sie. Trotz des Feiertags hat er heute gerarbeitet; die Comission über die Wasserleitung beschäftigt ihn bereits 3 ½ Tage, doch es ist interessant und er lernt dabei. Er schließt für heute, morgen Fortsetzung. – Datiert vom 2. November, ½ 8 Uhr in der Frühe: Er gedenkt seines Vaters, des am 2. November verstorbenen Freundes Carl, ihrer Mutter, / und er wendet sich wieder der Gegenwart zu: ihr zu schreiben, etwas zu lesen oder für seine Vorlesung zu studieren. Er schließt, es schlägt 8 Uhr; er erinnert sie, dass er wegen der Fotografien bei ihr Schulden hat. ''Lebe recht wo[h]l u. schreibe mir bald wieder! Mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz'' | |||
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==== Beigefügt den Briefen vom Oktober bis Dezember 1871 ==== | |||
Belege, die dem Briefbündel vom Brief vom 10. und 11. Oktober 1871 bis zum Brief vom 16. Dezember 1871 beigefügt sind; insgesamt nicht ausführlich bearbeitet:<br /> | |||
Humorvolles Abschiedsgedicht der "Geburtsfrau" [Hebamme] vor dem Umzug der Familie Spängler von Mödling nach Pottenstein an der Triesting, Niederösterreich, Bezirk Baden, im Juni 1881. – Brief eines Freundes Albert ohne Datum [erste Jahreshälfte 1871], offenbar aus Salzburg, darin u.a. erwähnt der Zeichenlehrer Pezolt<ref>vielleicht [[Georg Pezolt]] (* 1810; † 1878)</ref>, der von Sizilien zurück ist; dort und im Piemont erlebten sie die Auseinandersetzungen zwischen päpstlichen, französischen und österreichischen Interessen. Ein anderer Hinweis bezieht sich auf die Eisenbahn von Salzburg nach Hallein, die "lange auf sich warten lässt", vielleicht aber im August losgeht<ref>[[Salzburg-Halleiner-Bahn]], eröffnet im Juli 1871</ref>. "Vorige Woche" starb in Maria Plain P. Bernard. Die Mutter von Prof. Dr. Aberln [?] wird "heute" im [[Friedhof Sankt Sebastian]] beigesetzt. Prof. Wilhelm ist mit seiner Sodawasserfabrik in hohe Schulden geraten. – Brief mit Glückwünschen aus Linz vom 24. April 1871 vom Freund Rudolf Handel, vermutlich der im Brief von Franz Spängler vom 16. und 17. Oktober 1871 genannte [[Rudolf Freiherr von Handel]]. – Brief mit Glückwünschen vom 6. Juli 1871 aus Salzburg von Hedwig L. | |||
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==== Brief vom 3. und 4. November 1871 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ==== Brief vom 3. und 4. November 1871 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ||
1871 Brief von Fanni Schlegel [Nr. 19<ref>"Nr. 19" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel'.</ref>] an Franz Spängler [Nr. 18]:<br /> | 1871 Brief von Fanni Schlegel [Nr. 19<ref>"Nr. 19" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel'.</ref>] an Franz Spängler [Nr. 18]:<br /> | ||
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"Marie #Gattermayer": Partezettel für "Marie Gattermayer" 22 Jahre alt, † 30. Oktober 1871. | "Marie #Gattermayer": Partezettel für "Marie Gattermayer" 22 Jahre alt, † 30. Oktober 1871. | ||
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==== Brief vom 4. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] ohne Umschlag; zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling, 4. Nov 1871 // ½ 8 Uhr Ab[en]ds // Meine lieb Fanny! // Von heute über 7 Wochen hoffe ich um diese Stunde bereits von hier auf der Fa[h]rt nach Wien zu sein, um mit dem Postzuge nach Salzburg zu eilen.'' […] Bis zur Hochzeit am 8. April sind es noch volle 22 Wochen. / Datiert 6. November, früh 7 Uhr: Ihren Brief hat er gestern erhalten; auch sie zählt die Tage bis zum Wiedersehen. Natürlich ist er ungeduldig bis zum April, doch Weihnachten kommt er nach Salzburg. / Er protestiert [ironisch] dagegen, dass Fanni für Emma Brautjungfer sein solle; umgekehrt, sie beide sind zuerst. Er lässt Lida zum Geburtstag gratulieren. / Er berichtet ihr von der "Fritjof-Saga"<ref>Esaias Tegnér, "Frithiofs saga", 1825; vgl. den Hinweis zu Fannis Brief vom 15. November 1871</ref> und weist besonders auf den VIII. Gesang hin. Er dankt, dass sie das Grab seines Vaters besucht hat. [zweiter Bogen:] Er freut sich, dass sie seine religiöse Gesinnung und Lebensanschauung teilt. In Wien besuchte er die Familie Moll, Clara Moll. / Abends war er bei Gut[t]enberg. Wann er die Wohnung mieten soll, können sie zu Weihnachten besprechen; er hofft, dass er im Februar seine Möbel dort aufstellen kann. Er grüßt die Großmutter. / ''Nun lebe recht wo[h]l! Es küßt dich herzlich / Dein / treuer Franz'' | |||
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''9. Nov. ½ 8 Uhr früh. Ich kann wirklich nicht mit Ruhe weiter schreiben, und bitte dich, mich zu entschuldigen. Mein nächster Brief wird hoffentlich wieder länger. Schreib nur recht bald wieder und behalte lieb deine treue Fanni. – Mein Vater läßt dich grüßen.'' | ''9. Nov. ½ 8 Uhr früh. Ich kann wirklich nicht mit Ruhe weiter schreiben, und bitte dich, mich zu entschuldigen. Mein nächster Brief wird hoffentlich wieder länger. Schreib nur recht bald wieder und behalte lieb deine treue Fanni. – Mein Vater läßt dich grüßen.'' | ||
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==== Brief vom 9. und 10. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr., Stempel "Recom." und ''351''; rückseitig kleines rotes Lacksiegel "F. Sp.", dort zusätzlich 2 x 5 kr Marken aufgeklebt und ''Aufgeben // DSpangler // Mödling''; Poststempel "Mödling 10/11", rückseitig "Salzburg Stadt 11/11"; ''Frl.'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel // Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // II Sto[c]k // Rekommandi[e]rt''. Zwei Bögen und beigelegt zwei gefaltete Blätter mit Blumen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 9 Nov 1871 // Früh 7 Uhr. // Meine liebe Fanny! // Heute hoffe ich wieder einen Brief von dir zu erhalten, worauf ich mich herzlich freue. Wenn ich einen Brief an dich fortsende, so fange ich schon immer zu rechnen an: '' […] Morgen, übermorgen… endlich bekommt er Antwort von ihr: Es ist die Wohnungsfrage, aber auch, um täglich zu sagen, dass sie sich gernhaben. Seine Post kommt in die Kanzlei und manchmal kann er kleine Pausen benützen, um das Lesen eines Briefes anzufangen. / Beiliegende Blumen sind von Ausflügen. Er erinnert sich an Pfingsten und an den September als Gast bei Zeller; / er muss schließen, die Comission für die Wasserleitung wartet. – Datiert 10. November nachmittags: Er dankt für ihren Brief. / Wenn er Weihnachten kommt, werde er darauf dringen, dass ihre Hochzeit doch schon im Februar ist. ''Denn es ist ja entsetzlich lang wenn ich noch 5 Monate hier allein bleiben soll. Ja ich gebe mich so gern ein wenig der Hoffnung hin'' […] meint er, dass auch Fanni seine ''Verbündete'' gegen die Großmutter sein könnte, | |||
[zweiter Bogen:] um für den früheren Termin zu stimmen. Die Ausstattung wäre dann sicherlich fertig, und auch seine Mutter würde dem wohl zustimmen. Er musste seinen Plan, Englisch zu lernen, aufgeben; deswegen nach Wien zu fahren, ist ein Zeitverlust. / Er müsste auch öfters den Unterricht wegen seiner Veranstaltung für die Professoren der landwirtschaftlichen Lehranstalt<ref>Das sind offenbar die "Vorlesungen", die er hält; vgl. die Briefe vom 5. bis 7. Oktober 1871, vom 16. und 17. Oktober 1871 und vom 18. und 19. Jänner 1872.</ref> ausfallen lassen. Wenn Fanni im Jänner nach Wien kommen könnte, könnten sie sich um Möbel kümmern mit Blick auf die Hochzeit im Februar. Vielleicht wären sie dann im nächsten Winter in Wien; eine Stelle ist dort frei geworden. / Die Blumen hat er zum Teil bei dem Treffen wegen der Wasserleitung gesammelt.<ref>In dem einen gefalteten Blatt sind verschiedene Blumen, die am 6. und 9. November 1871 gesammelt und zu einem Sträußchen gebunden wurden; siehe Abbildung.</ref> Eine Kornblume ist dabei wie im Gedicht von Geibel. Er muss schließen; die Pflicht ruft ihn in die Kanzlei. ''Am Montag hoffe ich wieder von dir einen Brief zu erhalten. Lebe recht wo[h]l, grüße mir die Großmutter u deinen Vater, auch die Familie Zeller u Lida. // Sei herzlichst gegrüßt u geküßt von deinem dich aufrichtig liebenden // Franz.'' | |||
[[Datei:Blumen zum Brief vom 9. und 10. November 1871.JPG|thumb| Blumen zum Brief vom 9. und 10. November 1871.]] | |||
Beischrift zum Blumensträußchen: ''Gaden'' [Gaaden bei Mödling] ''u. Petersdorf'' [Perchtoldsdorf] ''6 u 9 Nov[ember] 1871 // In herzlicher Liebe widmet Dir diese Blumen dein treuer Franz'' | |||
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[beiliegendes Blatt, Aufdruck: "Dr. Otto Spängler // Salzburg"] ''Lieber Franz! Für deine freundlichen Glückwünsche zur glücklichen Entbindung meiner lieben Louise danke ich dir herzlichst; Ich freue mich, dir das getreue Conterfei d[e]s Otto um Weihnachten zeigen zu können, XX gesagt, dß<ref>[[Otto Spängler]] schreibt durchgehend "dß" für "daß"; ich, [[Otto Holzapfel]], belasse das Kürzel. Seine Schrift ist flüssig, aber manche Wörter sind (für mich) schwer lesbar.</ref> bis dorthin die Ähnlichkeit noch besteht. Gott sei dank, dß alles gut vorüber ist. Zu den Rumäniern, einer schweren und meiste [?] glücklichen Geburt übergehend, theile ich dir mit, dß neulich einmal Schwager Karl mich ersuchte, meine Rumänier'' [wohl Wertpapiere, Anm.] ''der Vereinsbank in München zur Verfügung zu stellen, welche im Verein mit Bleichröder, Discontobank in Berlin u Creditanstalt in Wien die Sache in die Hand nehmen will aber nur unter der Bedingung dß diese genannten Institute zum mindesten die Hälfte aller Obligationen zur Disposition erhalten. Da es sehr schnellgehen / musste, so konnte ich dich nicht mehr vorerst benachrichtigen, und sandte schon meine 1600 u 100 Thlr'' [Taler? Teile? Anm.] ''der Mutter; kömmt ein Ausgleich zu Stande, so participiren alle, ob angemeldet oder nicht. Am 27 dM'' [des Monats, Anm.] ''ist außerordentlicher Gewerkentag zu Hammerau'' [ [[Stahlwerk Annahütte]], Anm.]. ''Der Ausschuß will die Zurückname [?] des ihm ausdrücklich erteilten Verkaufsauftrages von Hohenaschau erwirken, weil nach Angaben des Ausschußes wir das Holz zur Verkolung selbst brauchen. Schließlich noch die Verrechnung:'' [Positionen jeweils untereinander:] ''Verbleibender Kassarest: 31.50; 6 Stück Coupons 1860. // XX Loose à 2 fl – 12. –; 1 Grundentlastungscoupon – 2.36; Zinsen von Reisigl // Pepi – 12.50; Summe: 58.36'' [Doppelstrich] ''// Ausgaben: Zeug zweier Bettenbe[züge]: – 33; Verschiedene Stoffe laut Brief der Mutter: 38.39; Monatgeld der Mutter 10.; Prolongation // auf der Sparkasse – 1.20. 58.36'' [Strich] ''49.92 // Kassarest 8.44 // Nach dem Gewerkentag folgt ein ausführlicher Brief. Dein treuer Bruder Otto.'' | [beiliegendes Blatt, Aufdruck: "Dr. Otto Spängler // Salzburg"] ''Lieber Franz! Für deine freundlichen Glückwünsche zur glücklichen Entbindung meiner lieben Louise danke ich dir herzlichst; Ich freue mich, dir das getreue Conterfei d[e]s Otto um Weihnachten zeigen zu können, XX gesagt, dß<ref>[[Otto Spängler]] schreibt durchgehend "dß" für "daß"; ich, [[Otto Holzapfel]], belasse das Kürzel. Seine Schrift ist flüssig, aber manche Wörter sind (für mich) schwer lesbar.</ref> bis dorthin die Ähnlichkeit noch besteht. Gott sei dank, dß alles gut vorüber ist. Zu den Rumäniern, einer schweren und meiste [?] glücklichen Geburt übergehend, theile ich dir mit, dß neulich einmal Schwager Karl mich ersuchte, meine Rumänier'' [wohl Wertpapiere, Anm.] ''der Vereinsbank in München zur Verfügung zu stellen, welche im Verein mit Bleichröder, Discontobank in Berlin u Creditanstalt in Wien die Sache in die Hand nehmen will aber nur unter der Bedingung dß diese genannten Institute zum mindesten die Hälfte aller Obligationen zur Disposition erhalten. Da es sehr schnellgehen / musste, so konnte ich dich nicht mehr vorerst benachrichtigen, und sandte schon meine 1600 u 100 Thlr'' [Taler? Teile? Anm.] ''der Mutter; kömmt ein Ausgleich zu Stande, so participiren alle, ob angemeldet oder nicht. Am 27 dM'' [des Monats, Anm.] ''ist außerordentlicher Gewerkentag zu Hammerau'' [ [[Stahlwerk Annahütte]], Anm.]. ''Der Ausschuß will die Zurückname [?] des ihm ausdrücklich erteilten Verkaufsauftrages von Hohenaschau erwirken, weil nach Angaben des Ausschußes wir das Holz zur Verkolung selbst brauchen. Schließlich noch die Verrechnung:'' [Positionen jeweils untereinander:] ''Verbleibender Kassarest: 31.50; 6 Stück Coupons 1860. // XX Loose à 2 fl – 12. –; 1 Grundentlastungscoupon – 2.36; Zinsen von Reisigl // Pepi – 12.50; Summe: 58.36'' [Doppelstrich] ''// Ausgaben: Zeug zweier Bettenbe[züge]: – 33; Verschiedene Stoffe laut Brief der Mutter: 38.39; Monatgeld der Mutter 10.; Prolongation // auf der Sparkasse – 1.20. 58.36'' [Strich] ''49.92 // Kassarest 8.44 // Nach dem Gewerkentag folgt ein ausführlicher Brief. Dein treuer Bruder Otto.'' | ||
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==== Brief vom 13. und 14. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; rückseitig kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 14/11", rückseitig "Wien 14/11…" [verwischt] und "Salzburg Stadt 15/11 9-10 Früh 71"; ''Frl.'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel // Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 13 Nov 1871 // Meine liebe Fanny! // Heute erhielt ich deinen lieben Brief, nimm meinen besten Dank dafür! Ich komme dießmal erst heute Abends dazu Dir zu schreiben, da ich gestern in Wien war u heute über Tag auch nicht Zeit hatte einen Brief zu beginnen.'' […] Auch er hat gerechnet, wie lang es bis Weihnachten ist, doch er wird, weil Aushilfe fehlt und sein ''College'' noch krank ist, nur wenige Tage, die eigentlichen Feiertage, / kommen können. Einerseits hat er ''Geduld'', wie sie es wünscht, andererseits den lebhaften Wunsch, sie bald zu sehen. Auch Fanni ist ja nicht ganz ''fieberfrei''. / Während des Schreibens lehnt er sich zurück und überlässt sich seinen Gedanken. // Datiert 14. November 1 ½ Uhr nachmittags: Er muss wieder über Land und kann nur kurz schreiben / und denkt an die Tage im Juni, an Alpenblumen, an die Glückwünsche zur Verlobung. Ihr letzter Brief war das 40. Schriftstück, das er aus ihrer Hand erhalten hat; bis er nach Salzburg kommt, werden es wohl noch ca. 10 Briefe werden. […] ''Gott gebe mir die Gnade mich stets deiner u. deiner Liebe wert zu zeigen. Leider schlägt es schon 2 Uhr u ich muß daher schließen. Viele Grüße an Deine Großmutter #'' [oben, auf den Kopf:] ''# sowie an deinen Vater. Ich verbleibe in inniger Liebe u. mit der Bitte, mich lieb zu behalten. // Dein treuer Franz.'' | |||
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"Frithiofssage": wohl "Frithiofs saga" in 24 Gesängen von Esaias Tegnér, 1825; aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen 1826 und 1841 (und neuere Übersetzungen). Mit "Aufführung" ist vielleicht ein Leseabend gemeint. | "Frithiofssage": wohl "Frithiofs saga" in 24 Gesängen von Esaias Tegnér, 1825; aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen 1826 und 1841 (und neuere Übersetzungen). Mit "Aufführung" ist vielleicht ein Leseabend gemeint. | ||
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==== Brief vom 17. und 18. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 18/11/71", rückseitig "Salzburg Stadt 19/11 9-10 Früh 71"; ''Frl'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 17/XI 1871 // Meine liebe Fanny! // Zunächst meinen Dank für die freundlichen Zeilen, welche du dem Briefe meiner Mutter beischloßest; übrigens war mir das Erscheinen eines vor dir adressi[e]rten Briefes an einem Tage, wo erst mein Brief in deine Hände kam, überraschend u. ich war schon auf außerordentl.[iches] gefaßt.'' […] Er freut sich für sie, dass Emma in der Nähe von Salzburg bleibt, im Frühjahr wird ihre Hochzeit sein. / Er hofft auf einen Brief von ihr und er freut sich über die regelmäßige Postverbindung. Von einem Bekannten hörte er von einem Brief, der zum Kaukasus ''3 auf 4 Wochen brauchte, um Hin und Her zu gelangen. Da können ja wir doch noch recht zufrieden sein''. […] Datiert Mödling, 18. November: Pünktlich erhielt er ihren erhofften Brief und dankt für ihre ''große Pünktlichkeit''. […] / Es tut ihm leid wegen des "Sturms" mit der Großmutter; sie soll versuchen, es ruhig hinzunehmen / , irgendein Vorwurf ist unbegründet, und vielleicht macht das die räumliche Trennung von der Großmutter für beide leichter. | |||
[zweiter Bogen:] Eine Postkarte von ihn ohne Adresse wurde ihr (von ihm dann) in einem Briefumschlag zugestellt; das passiert nicht nur ihm. Solche Post wird "zurückgestellt"; die Wiener Zeitung berichtet immerfort von solcher nicht zugestellter Correspondenz. Mit dem Lesen der Gedichte Geibels sind sie "in Ordnung" /, er liest drei Gedichte jeden Abend, um bis Weihnachten fertig zu sein. Wie sie hat er "Lust", Briefe zu schreiben /, doch er freut sich darauf, dass sie in Zukunft Interessantes zusammen erleben werden. // Erfreulich für die zukünftige Hausfrau, dass Beamte vom Hofjagdamt in Laxenburg im Winter hier und da Wild erhalten; er bekam vor drei Wochen einen Hasen. / […] Grüße an die Großmutter und an ihre Eltern, sowie seine Mutter. ''Mit Gruß u Kuß // dein treuer Franz'' | |||
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"Abt Eder": neben einem Partezettel für Peter Paul Eder († 1851), Hallein, und Maria Th.Eder († 1865) liegt ein Gruß "Zum XVI. Geburtstage" von "Benediktiner P. Albert Eder" [später Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder] als "Freund und Bruder" [Franz Spängler, siehe: Briefe 1853 (und 1876, 1883]. | "Abt Eder": neben einem Partezettel für Peter Paul Eder († 1851), Hallein, und Maria Th.Eder († 1865) liegt ein Gruß "Zum XVI. Geburtstage" von "Benediktiner P. Albert Eder" [später Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder] als "Freund und Bruder" [Franz Spängler, siehe: Briefe 1853 (und 1876, 1883]. | ||
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==== Brief vom 22. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 22/11", rückseitig "Wien 23/11/71" und "Salzburg Stadt 23/11 6-7 Ab[en]ds 71"; kleines rotes Lacksiegel "F Sp"; [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel // '' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 22/XI 1871 // früh // Meine liebe Fanny! // Erst heute komme ich dießmal dazu dir zu schreiben, hoffe aber, daß der Brief doch zu gewo[h]nter Stunde auf die Post, u ebenso morgen in deinen Händen gelangen werde.'' […] Er meint, wenn Fanni Glückwünsche zu ihrem neuen Aufenthaltsort Mödling bekommt, soll sie sich keine gar zu schönen Vorstellungen machen; im Frühjahr bekommt sie hoffentlich einen besseren Eindruck vom Ort: ein paar lange Straßen mit ebenerdigen, nur teilweise einstöckigen [erster Stock] Häusern, viele älter, / im Winter nicht besonders belebt, mitunter viel Staub und viel Kot. Im Sommer allerdings haben die meisten Häuser kleine und größere Gärten, die hübsche Umgebung hat ihren Reiz, ebenso Hügel und Wälder. / Im nächsten Winter hofft er in Wien zu sein. Die Wohnung hat keine besondere Aussicht; der Bahnhof ist der Mittelpunkt des Ortes. Eine große Annehmlichkeit ist die Nähe von Wien, / […] Am letzten Sonntag war er in Wien in der Burg und hat "Othello" gesehen. Heute Abend ist er wieder in Wien und trifft Angermay[e]r. | |||
[zweiter Bogen:] Er fragt nach der Hochzeit von Emma Zeller. / Und seine Mutter wäre auch für ihre eigene Hochzeit im Fasching; wenn aber es beim Termin am 8. April bleibt, dann muss er seinen Urlaubsantrag entspr. formulieren. Er käme dann spätestens Ostersonntag nach Salzburg, und in der Osterwoche könnten sie die notwendigen Vorbereitungen treffen. Dann käme die Hochzeitsreise, ''deren Ziel auch erst noch zu fixi[e]ren wäre''. / Ende April könnten sie wieder in Salzburg sein; der Urlaub würde 4, höchstens 6 Wochen betragen. // ''Adieu für je[t]zt, ich muß nun in die Kanzlei. Dort hoffe ich den Brief zu vollenden. // 22/II 1871 Nachm // Indem ich je[t]zt diesen Brief fortse[t]ze'' […] Sein College wird in ca. vier Wochen wieder da sein; das passt zu ihren Weihnachtsplänen. Es wird allmählich Winter; seit zwei Tagen gab es Schnee. Er las im Salzburger Volksblatt, dass / in Salzburg Schlittschuhlaufen angekündigt wird. Hier (in Mödling) hat er keine Gelegenheit dazu; die Teiche von Laxenburg sind zu weit entfernt. // Mit dem Lesen von drei (statt zwei) Gedichten von Geibel schlägt er Mittwoch, 29. November, vor. […] Grüße an die Großmutter und ihren Vater, ''sei in herzlicher Liebe geküßt u gegrüßt von deinem treuen Franz'' | |||
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"#Zeller" [[Zeller (Familie)]]: Partezettel für Marie Zeller, geb. [[Bolland]], Salzburg * 1812; † 1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg * 1838; † 1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für "Ludwig Zeller"; "Zeller" und die "Zellerischen" mehrfach in den Briefen. - "Spatzenegger": vgl. undatierte Visitenkarte "Pfr. Dr. Spatzenegger und Frau". | "#Zeller" [[Zeller (Familie)]]: Partezettel für Marie Zeller, geb. [[Bolland]], Salzburg * 1812; † 1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg * 1838; † 1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für "Ludwig Zeller"; "Zeller" und die "Zellerischen" mehrfach in den Briefen. - "Spatzenegger": vgl. undatierte Visitenkarte "Pfr. Dr. Spatzenegger und Frau". | ||
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==== Brief vom 24. bis 26. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; kleines rotes Lacksiegel "F Sp"; Poststempel "Mödling 26/11", rückseitig "Wien 26/11/5 N[achmittag] " und "Salzburg Stadt 27/11 9-10 Früh 71"; ''Frl'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel // Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Zweieinhalb Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 24 Nov 1871 // Ab[en]ds ¾ 8 Uhr // Meine Liebe Fanny! // Da ich morgen früh einen Brief von dir zu erhalten hoffe, so beginne ich heute schon diese Zeilen an dich, um desto sicherer dann rechtzeit[ig] den Brief an dich zur Post zu bringen.'' […] In einem Monat sind sie beisammen zu Weihnachten; er freut sich sehr auf das Wiedersehen. Sein hiesiges Leben bietet wenig Erheiterung und Erholung; / die geselligen Beziehungen in Wien haben für ihn keinen Reiz mehr, er hat sehr viel Arbeit. Vor 6 oder 7 Uhr abends kommt er kaum fort aus der Kanzlei. / Doch letzten Mittwoch hatte er einen gemütlichen Abend bei seiner Cousine Angermay[e]r<ref>Maria Josefine Spängler (* 1832; † 1896), 1852 verheiratet mit Vincenz [[Angermayer von Rebenberg]] (* 1815; † 1886)</ref>; oft hat er von Fanni gesprochen, der erste Toast galt ihr. Er soll Grüße ausrichten. / Datiert 25. November, abends: Vergeblich hat er auf einen Brief von ihr gewartet und denkt über die "Hindernisse einer rechtzeitigen Absendung" nach. Er hoffte mit Bestimmtheit auf einen Brief um 11 Uhr und dann nachmittags. | |||
[zweiter Bogen:] In vier Wochen hofft er in einem Zug der "Westbahn" zu sitzen. Er geht öfter in das Haus, wo er die Wohnung "aufgenommen" hat und denkt an die Zukunft. // Datiert 26. November, vormittags: Am Morgen erhielt er mit Freude ihren Brief, der einen Tag später als gewöhnlich eintraf. / Er hat sich mehrmals beim Briefträger über den Abgang des Postzuges erkundigt, jetzt beeilt er sich, seinen Brief zu vollenden, um ihn heute noch aufzugeben. Hoffentlich kommt ihr nächster Brief einen Tag früher.<ref>Mein, [[Otto Holzapfel]], Kommentar im April 2026: Wenn man an die aktuelle Diskussion denkt, dass SmartPhone usw. direkt eine Suchtgefahr für unsere Gesellschaft darstellt, und wohl nicht nur für die Jüngeren, dann kann man auch hier den Anfangsverdacht hegen, dass Ähnliches erkennbar ist, selbst wenn man die Anspannung im Blick auf die für das Frühjahr geplante Hochzeit bedenkt. Im Hinblick auf z.B. den Brief vom 13. und 14. November 1871, in dem Franz meint, auch Fanni wäre in ihrer Ungeduld bis zur Hochzeit nicht ganz ''fieberfrei'', könnte man (laienhaft) bei ihm sozusagen von einem Kommunikationsfieber sprechen. Aber z.B. von einer Vernachlässigung der Arbeit kann bei Franz offenbar keine Rede sein. Aufschlussreich ist auch der folgende Brief vom 12. Dezember 1871, der zeigt, wie wichtig Franz eine regelmäßige Korrespondenz ist.</ref> // Er trifft Dr Hanisch in Wien. […] / Wenn er in vier Wochen nach Salzburg kommt, wird Fanni ihn vielleicht schon am Bahnhof erwarten. Aber er meint doch, das klinge kindisch. / Und wieder überlegt er, was Fanni der Abschied von der Großmutter bedeutet. [beiliegender Halbbogen:] Emma und Schumacher werden nach Hallein ziehen; Fanni wird Mödling jedenfalls freundlicher finden, / aber eben weiter weg von Salzburg. Gruß an die Großmutter und an Fannis Eltern (Schlegel), an Lida und Zeller. ''In inniger Liebe küßt dich // Dein // treuer Franz'' | |||
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''Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: "Athen" und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang "Frithiofs Rückkehr" stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der "Salzburger Landeskunde" hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.'' | ''Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: "Athen" und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang "Frithiofs Rückkehr" stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der "Salzburger Landeskunde" hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.'' | ||
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==== Brief vom 29. und 30. November 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 30/11/71", rückseitig "Salzburg Stadt 1/12/ 9-10/Früh/71"; kleines rotes Lacksiegel "F Sp"; [unterstrichen:] ''Fräulein Fanny Schlegel // '' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z 10 // II Sto[c]k''. Mit Bleistift markiert ''November 1871''. Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br /> | |||
''Mödling 29 Nov 1871 // Meine liebe Fanny! // Meinen herzlichen Dank für deinen lieben Brief, den ich heute wieder zu gewohnter Stunde erhielt.'' […] Er freut sich, dass sie ihn für einen soliden Ehemann hält; dies bestätigen auch Anna Lanser und andere. Das erinnert ihn an die Zeit in Graz, 1858 bis 1860; / er hofft, dass seine "Anlagen" gut sind und dass er ihr gegenüber die entspr. Probe besteht. […] / Es ist ein Seelenaustausch mit einem geliebten Weib […] / Wenn er mitunter etwas abgespannt aus der Kanzlei kommt, bittet er jetzt schon um Nachsicht; dazu passt wieder ein Dichterwort Geibels. // Datiert 29. November abends: [… zweiter Bogen:] Er las in der neuen freien Presse [Zeitung] über ein Bild von Makart, [[Hans Makart]], "an Zeichnung und Kolorit viel vollendeter als andere Bilder" von ihm, eine große Gruppe, die aber ohne die Erläuterung des Künstlers kaum zu verstehen ist. Den Abend verbrachte er bei Gut[t]enbergs, die Angermay[e]r und Spängler grüßen lassen. / Über Frau von Engroth [?], das hat ihn frappiert; er könnte durch seinen Bruder und Leopoldine Spängler mehr erfahren. // Betty tut ihm leid, wenn sie unglücklich sein sollte, sie ist gutmütig. / ''Doch lassen wir das; es stimmt die Beschäftigung mit einem solchen Vorkommniß nicht heiter!'' // […] | |||
Datiert 30/11 1871: ''Erst je[t]zt nach Tisch komme ich dazu den Brief zu vollenden;'' […] Er hatte zu tun, aber wieder passt ein Geibel-Gedicht. / ''Sauter, D[r] Kaserer u der dir auch von unserem Besuche bei Anna Lanser wa[h]rscheinlich noch erinnerl[iche] Dr Wallmann veranstalten nun monatlich 1mal Zusammenkünfte aller in Wien u Umgebung wohnhaften Salzburger<ref>Von diesen Treffen der Salzburger in Wien ist in den folgenden Briefen öfters die Rede; vgl. die Briefe vom 2. Dezember 1871, von 4. Dezember 1871, von 7. Jänner 1872, vom 7. und 8. Jänner 1872 und von 10. und 11. Jänner 1872, besonders den Brief vom 18. und 19. Jänner 1872 mit einem Hinweis. Dr. Wallmann als "Obmann" der "Gesellschaft" wird in einem Brief vom 6. und 7. März 1878 erwähnt. [[Heinrich Wallmann]] (* 1827; † 1898), war ab 1871 in Wien. Franz Spängler berichtet von dem ersten Treffen in seinem folgenden Brief vom 3. Dezember 1871.</ref> u so werde ich da nächster Samstag Ab[en]ds eine solche ist, schon Samstag Ab[en]ds nach Wien fahren u. auch den Sonntag wenigstens teilweise dort zubringen;'' […] Sie soll also den nächsten Brief an folgende Adresse schicken: Wien VIII, Schmidgasse 3, Tür 20, III. Stock (Lg. R. Angermay[e]r), damit er ihn nicht erst spät abends erhält. ''Nun lebe recht wo[h]l! Grüße mir die Großmutter u deinen Vater, u. behalte lieb // deinen // dich treu liebenden // Franz'' | |||
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''Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das "Alter der Liebe" Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der "Gartenlaube"? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das "Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr "Schlafhaube". Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!'' | ''Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das "Alter der Liebe" Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der "Gartenlaube"? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das "Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr "Schlafhaube". Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!'' | ||
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==== Brief vom 3. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Josefstadt Wien…" [verwischt], rückseitig "Westbahn…" [verwischt] und "Salzburg Stadt…" [verwischt]; kleines rotes Lacksiegel " F Sp"; [unterstrichen:] ''Frl. Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // II Sto[c]k''; [mit Bleistift:] ''December 1871''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Wien 3 Dez 1871 / Vorm. // Meine liebe Fanny // Herzlichsten Dank für deine mir soeben zugekommenen Zeilen, es war se[h]r freundlich von dir, dß du meinen Wunsch, heute jedenfalls von dir einen Brief [in Wien] zu erhalten so freundlich nachgekommen bist.'' […] Das Paketchen wird dagegen nach Mödling geschickt, die Pakete kommen erst am zweiten Tag an den Ort ihrer Bestimmung. Er wird, wenn möglich, ihr dann morgen antworten. / […] ''Von der Salzburger Zusammenkunft kurz folgendes: // Es waren im Ganzen etwa 60-80 überwiegend Studierende doch auch eine ziermliche Anza[h]l meiniger Zeitgenossen, so die 3 Niedermoser Dr Kaserer [[Sattler]] [[Sauter]], Julius [[Spängler]], [[Poschacher]] u. noch einige andere; wir unterhielten uns recht gut; es wurde ein Vortrag über Paul Hofheimer<ref>[[Paul Hofhaimer]]</ref> (einen Salzburger Compositeur aus dem 16 Ja[h]rhundert) gehalten, dann fand eine Lotterie statt deren Erträgniß einen Beitrag zu der für Hofheimmer [!] im Friedhof zu St Peter / zu errichtenden Gedenktafel liefern soll.<ref>Abbildung bei [[Paul Hofhaimer]]</ref> // Im Uebrigen fanden noch einige Deklamationen statt, auch einige Studentenlieder wurden gesungen Es war recht gemütlich u. ich war sehr heiter, u. fü[h]lte so eine starke junggesellenhafte Anwandlung, wie ich neulich schrieb – in Folge daran ich noch veranlaßte, dß wir me[h]rere nach dem etwa um Mitternacht stattgehabten Schluße der Zusammenkunft noch in ein Cafehaus gingen, u ich dann erst um ½ 2 Uhr früh nach Hause kam. Du siehst, dein Mann kann auch liederlich sein. Nichts desto weniger las ich noch, freilich erst heute, aber noch vor dem Schlafengehen die 3 Gedichte, u. freute mich noch auf deinen heute zu erwartenden u auch richtig eingelangten Brief.'' / | |||
Heute in drei Wochen ist ''Weihnachts Abend'', und er ist in Salzburg. Aber vorher hat er noch viel Arbeit zu vollenden, die er nicht in das neue ''Ja[h]r'' übertragen möchte. // Fannis Grüße von Angermay[e]r hat er entrichtet. // Er erhielt eine Todesnachricht ''hinsichtlich Fenzl'' durch den ''Partezettel''; er macht heute einen Condolenzbesuch. // Seine Cousine Angermay[e]r sitzt neben ihm und bessert kleine Schäden an seinem Überrock, und sie meint, dass es höchste Zeit ist, dass Franz in den Ehestand tritt. ''Nun lebe recht wo[h]l, u[n]d behalte lieb deinen // treuen Franz'' | |||
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''5. 12. 12 ½ Uhr Mittag. Da ich bis jezt deinen für heute gehofften Brief noch nicht erhielt, will ich diesen nun schließen, damit du ihn morgen bekommst. Du wirst gestern wol nicht Zeit gehabt haben, mir zu schreiben, da will ich den[n] mit Geduld auf deinen nächsten Brief warten. – Der gestrige Leseabend verlief ohne besondere Ereigniße. Im Bette las ich noch die Gedichte, war aber dann zu müde, um die Frithiofs sage noch auszulesen. – Emma hat noch immer keine Wohnung in Hallein finden können die ihr gefällt. Es sind da oben überhaupt wenig annehmbare Quartiere. Albert wartet auf Patienten. Es wird viel geneckt, daß er den Leuten anstatt wie bisher beim Abschied zu sagen, leben Sie wol, bleiben Sie gesund, lieber wünschen möchte, werden Sie bald krank u.s.f. Immerhin ist es schwer, als Arzt seine Stellung zu gründen, Albert hat aber auch noch keinen Namen als Doktor. Emma hat auch etwas bange. Mit Stiebitz geht es ziemlich gleich, manchen Tag ist er natürlicher und besser, manchmal ist er so voll Einbildungen. Dazu wird natürlich von den Leuten wieder alles mögliche Unsinn zusammen gewschwätzt. Nachsten Sonntag wird Athalia [Athalie] wiederholt. Von dort sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, wie freue ich mich, wenn wir beisammen sein werden. Indem ich mich auf baldiges frohes Wiedersehen freue bleibe ich deine treue Fanni. Großmutter grüßt.'' | ''5. 12. 12 ½ Uhr Mittag. Da ich bis jezt deinen für heute gehofften Brief noch nicht erhielt, will ich diesen nun schließen, damit du ihn morgen bekommst. Du wirst gestern wol nicht Zeit gehabt haben, mir zu schreiben, da will ich den[n] mit Geduld auf deinen nächsten Brief warten. – Der gestrige Leseabend verlief ohne besondere Ereigniße. Im Bette las ich noch die Gedichte, war aber dann zu müde, um die Frithiofs sage noch auszulesen. – Emma hat noch immer keine Wohnung in Hallein finden können die ihr gefällt. Es sind da oben überhaupt wenig annehmbare Quartiere. Albert wartet auf Patienten. Es wird viel geneckt, daß er den Leuten anstatt wie bisher beim Abschied zu sagen, leben Sie wol, bleiben Sie gesund, lieber wünschen möchte, werden Sie bald krank u.s.f. Immerhin ist es schwer, als Arzt seine Stellung zu gründen, Albert hat aber auch noch keinen Namen als Doktor. Emma hat auch etwas bange. Mit Stiebitz geht es ziemlich gleich, manchen Tag ist er natürlicher und besser, manchmal ist er so voll Einbildungen. Dazu wird natürlich von den Leuten wieder alles mögliche Unsinn zusammen gewschwätzt. Nachsten Sonntag wird Athalia [Athalie] wiederholt. Von dort sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, wie freue ich mich, wenn wir beisammen sein werden. Indem ich mich auf baldiges frohes Wiedersehen freue bleibe ich deine treue Fanni. Großmutter grüßt.'' | ||
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==== Brief vom 5. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling…" [verwischt], rückseitig "Salzburg Stadt 6/12/9-10 Früh/71"; kleines rotes Lacksiegel " F Sp"; ''Frl'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // II Sto[c]k''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 5 Dec // 1871 // Meine liebe Fanny // Erst gestern früh fand ich Deine lieben Zeilen u das hübsche Notizbuch, als ich früh von Wien zurü[c]kkam, doch war es mir gestern leider nicht möglich, an Dich zu schreiben u. Dir zu danken u somit tue ich es heute.'' […] Er dankt für die Glückwünsche (zum Namenstag); das Glück soll gemeinschlaftlich sein, wie sie auch Ungemach gemeinschaftlich tragen wollen. / Er hat Dr. Hanisch, wie eigentlich verabredet, nicht getroffen. Mit Bekannten war er mittags speisen: Dr. Kaserer, Hubert Sattler, Mertens… / Er besucht das Museum für Kunst und Industrie: ein wunderhübscher Bau und auch sehr hübsche Erzeugnisse moderner Kunstindustrie. Allerlei davon wäre für den künftigen Haushalt recht hübsch, vieles aber zu elegant für einen einfachen bürgerlichen Haushalt. // In Wien sind plötzlich Stellen frei geworden, doch er würde die hübsche Wohnung (in Mödling) vermissen. / Er hat keine Zeit für einen längeren Brief, er dankt der Großmutter für ihre Glückwünsche; auch an seine Mutter sendet er Grüße […]. | |||
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Vgl. Briefchen an Franz Spängler, ''derzeit Salzburg, Mozartplatz'': Visitenkarte von Dr. Josef Kaserer: ''Lieber Freund! Eine der ersten Nachrichten, die ich nach meiner Ankunft heute erfahre, war die Lüftung des Geheimnisses'' [Verlobung]''. Da wir uns jetzt vielleicht nicht sehen, so bringe ich Dir hiemit schriftlich meinen herzlichsten Glückwunsch entgegen. 10/9 1871''. – "Nachmittag bei Zeller": dazu Umschlag mit Visitenkarte "Fanni Schlegel" mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich "Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm." [da hat er um die Hand angehalten; vgl. das Jahr der Verlobung 1871] und "Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm."/ "Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe." | Vgl. Briefchen an Franz Spängler, ''derzeit Salzburg, Mozartplatz'': Visitenkarte von Dr. Josef Kaserer: ''Lieber Freund! Eine der ersten Nachrichten, die ich nach meiner Ankunft heute erfahre, war die Lüftung des Geheimnisses'' [Verlobung]''. Da wir uns jetzt vielleicht nicht sehen, so bringe ich Dir hiemit schriftlich meinen herzlichsten Glückwunsch entgegen. 10/9 1871''. – "Nachmittag bei Zeller": dazu Umschlag mit Visitenkarte "Fanni Schlegel" mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich "Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm." [da hat er um die Hand angehalten; vgl. das Jahr der Verlobung 1871] und "Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm."/ "Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe." | ||
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==== Brief vom 6. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] ohne Umschlag [dem Brief nach offenbar aus einem Päckchen]. Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 6 Dez // 1871 früh // Meine liebe Fanny! // Meine Briefe vom 3. und 5. sind hoffentlich in deinen Händen, u ich beginne diesen neuen indem ich mich der stillen Hoffnung hingebe, dß ich heute von dir einen Brief erhalte.'' […] Er hat ein vom Hl. Nikolaus gespendetes Einrichtungsstück für ihren Haushalt: Gestern Abend hat er diesen Nikolaus sammt Krampus gesehen. Und in Erinnerung an den 8. September schickt er ein Büchlein, das sie zwar sicher schon kennt, / das aber zeigt, wie Religion und Liebe vereinbar sind und die Grundlage ihres Liebesglücks sein kann. Besonders macht er auf "Amaranths stille Lieder"<ref>Oscar von Redwitz-Schmölz (* 1823; † 1891)</ref>, Seite 117, aufmerksam. Und er zitiert ein anderes Gedicht aus dem Buch, S. 223 ff. / Datiert 6/12 nachmittags: Er verweist auf Geibels Gedichte und auf einen Aufsatz über das Schicksal einer Pariser Arbeiterin, den er nicht ohne Mitgefühl gelesen hat: Not und Elend in den großen Städten. / […] [zweiter Bogen:] Er wird dieser Tage wegen Weihnachten um Urlaub bitten, und wieder zitiert er ein Gedicht. / Sie hat seine ''Extravaganzen'' vom 2. Dezember milde beurteilt; das hat er auch seinen Gefährten mitgeteilt, die im Scherz meinten, was seine Braut wohl dazu sagen würde. ''Noch bitte ich Dich, deine Großmutter u. deinen Vater, sowie auch meine Angehörigen, wenn Du zu ihnen kommst bestens zu grüßen, u verbleibe mit der Bitte mich lieb zu behalten Dein // treuer Franz'' | |||
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==== Brief vom 8. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 8/12/71", rückseitig "[Wie]n 9/12…" [verwischt] und "Salzburg Stadt 9/12/6-7 Ab[en]ds/71"; kleines rotes Lacksiegel " F Sp"; ''Frl.'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // II Sto[c]k''. Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 8 Dez 1871 // 10 ¼ Uhr Vorm. // Meine liebe Fanny // In der Stunde, wo ich vor 3 Monaten zum ersten Male in Deinen Armen lag, u vor mir zwar nicht dein Mund, aber dein ganzes Wesen kundgab, dß du mich gerne hast, u. dß Du meinem Werben ein freudiges Ja erwidert[es]t schreibe ich an Dich, lieber Scha[t]z u danke dir vor allem für den lieben Brief, mit dem Du mich hoch erfreutest; zugleich hoffe ich, dß vielleicht zur selben Stunde dir meine Sendung in die Hände kommt." […] 16 Tage noch, und er wird bei ihr sein. […] / Er erinnert sich an früher, wie er um sie warb, / […] wie beklommen er war […] / im Zeller’schen Garten. // Sein Urlaub für Weihnachten in Salzburg ist bewilligt, wie lange, ist noch offen. Die Sehnsucht nach ihr ist stark, er hofft [immer noch] auf den Vermählungstermin im Februar. […] | |||
[zweiter Bogen:] […] Nachm[ittags:] Er antwortet auf ihre Frage zum "Heideprinzeßchen" und stimmt ihr zu, dass der Roman viel Unwahrscheinliches enthält. […] Er las in der "Gartenlaube" / aber auch über das Straßburger Münster und das Gedenkbuch daselbst. Er stellt sich vor, dass sie auf ihrer Hochzeitsreise dort die Gelegenheit fänden, nebeneinander zu schreiben ''Straßburg 16 April 1872 // Fanni Spängler u Dr Franz Spängler'' [beide Namen mit lateinischen Buchstaben], doch halt, er macht sich der Fälschung ihrer Unterschrift schuldig. […] / Er berichtet von Dr. Kaserer, den er fast 20 Jahre lang kennt, weil er in den Gymnasialjahren im selben Haus am Collegienplatz<ref>[[Universitätsplatz]], vgl. den Brief vom 7. bis 10. August 1853 und die Anmerkung dort.</ref> wohnte. […] Das Ministerium beabsichtigt, die Beamtengehälter zu erhöhen, vielleicht statt 800 Gulden tausend Gulden; dazu kommt noch das Honorar für seine Vorlesungen. Er schließt für heute, freut sich auf ihren nächsten Brief und auf ein glückliches Wiedersehen. Grüße an […] ''dein treuer Franz'' | |||
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''Die Fälschung meiner Namensunterschrift halte ich für ein schweres Vergehen, dessen einziger Milderungsgrund darin besteht, daß dadurch allen Erfahrungen zufolge, Niemandem ein nac[h]weisbarer Schade zugefügt wurde. Aber auch noch eine Vorlage für künftige Fälschungen zu liefern würde mich ja zur Mitschuldigen machen, da werde ich mich hüten! – Nach Tische. Wegen mir, bitte ich dich, in der Versezungsangelegenheit ganz nach deinem Ermessen zu handeln. Mir wäre es leid, wenn du aus Rücksicht für mich etwas versäumen solltest, was zur Erreichung dieses nächsten Zieles deiner Bestrebungen beiträgt. Ob wir zuerst nach Mödling oder sogleich nach Wien kommen, ist für mich doch im Grunde gleich. – Wo du bist, da will ich auch sein. – Die prosaische Wendung deines lezten Briefes gefiel mir ganz gut, und ich wäre von einer Erhöhung deines Gehaltes ganz angenehm berührt. Siehst du, ein wenig geldgierig bin ich auch. Es kommen immer neue Eigenschaften ans Tageslicht. – Vormittag war deine gute Mutter bei uns sie trug mir nebst vielen Grüßen noch Folgendes an dich auf: 1. Du sollst doch für die Heimreise einen Pelz auszuleihen suchen, vielleicht bei einem deiner Collegen oder einem Kürschner? 2. Wünscht deine Mutter, daß du Pelzstiefel für die Reise haben solltest u. 3. läßt sie dich an die wollenen Pulzwärmer erinnern, die du nicht nur zur Reise sondern auch so anziehen solltest. Ich möchte dich wol auch bitten, dich für die Reise recht gut zu versorgen. Bei dieser Kälte ist eine 12stündige Eisenbahnfahrt ohnehin ein sehr frisches Vergnügen. Mit der Bitte behalte mich lieb umarmt dich deine Fanni. – Großmutter grüßt.'' | ''Die Fälschung meiner Namensunterschrift halte ich für ein schweres Vergehen, dessen einziger Milderungsgrund darin besteht, daß dadurch allen Erfahrungen zufolge, Niemandem ein nac[h]weisbarer Schade zugefügt wurde. Aber auch noch eine Vorlage für künftige Fälschungen zu liefern würde mich ja zur Mitschuldigen machen, da werde ich mich hüten! – Nach Tische. Wegen mir, bitte ich dich, in der Versezungsangelegenheit ganz nach deinem Ermessen zu handeln. Mir wäre es leid, wenn du aus Rücksicht für mich etwas versäumen solltest, was zur Erreichung dieses nächsten Zieles deiner Bestrebungen beiträgt. Ob wir zuerst nach Mödling oder sogleich nach Wien kommen, ist für mich doch im Grunde gleich. – Wo du bist, da will ich auch sein. – Die prosaische Wendung deines lezten Briefes gefiel mir ganz gut, und ich wäre von einer Erhöhung deines Gehaltes ganz angenehm berührt. Siehst du, ein wenig geldgierig bin ich auch. Es kommen immer neue Eigenschaften ans Tageslicht. – Vormittag war deine gute Mutter bei uns sie trug mir nebst vielen Grüßen noch Folgendes an dich auf: 1. Du sollst doch für die Heimreise einen Pelz auszuleihen suchen, vielleicht bei einem deiner Collegen oder einem Kürschner? 2. Wünscht deine Mutter, daß du Pelzstiefel für die Reise haben solltest u. 3. läßt sie dich an die wollenen Pulzwärmer erinnern, die du nicht nur zur Reise sondern auch so anziehen solltest. Ich möchte dich wol auch bitten, dich für die Reise recht gut zu versorgen. Bei dieser Kälte ist eine 12stündige Eisenbahnfahrt ohnehin ein sehr frisches Vergnügen. Mit der Bitte behalte mich lieb umarmt dich deine Fanni. – Großmutter grüßt.'' | ||
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==== Brief vom 12. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling …/12/71" [verwischt], rückseitig "Wien 12/12/…/71" [teils verwischt] und "Salzburg Stadt 13/12/6-7 Ab[en]ds/71"; [unterstrichen:] ''Frl Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 // II Sto[c]k''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 12 Dez // 1871 // Meine liebe Fanny // Entschuldige, wenn dieser Brief vielleicht länger als gewö[h]nlich auf sich warten ließ, od. wenn überh[au]pt eine Unregelmäßigkeit in unseren Briefwechsel eingetreten ist. Ich habe Freitags 8. Dez geschrieben, u. den Brief zu hinlänglich früher Stunde aufgegeben, dß er noch am Samstag Vormittags hätte in Deinen Händen sein können. Aber nach Inhalt deines mir am Son[n]tag zugekommenen Briefes, für den ich Dir herzlich danke, scheint dieß nicht mehr der Fall gewesen zu sein. Ich hoffte nun heute ein wenig auf einen Brief; da aber keiner kam / so schreibe ich je[t]zt nach Tisch, um heute noch den Brief fortzusenden, u werde, wenn heute Abends od morgen ein Brief von dir kommen sollte, sogleich morgen wieder, sei es auch nur wenig schreiben, damit wir wieder in regelmäßiger Correspondenz sind, kommt aber auch morgen noch kein Brief so warte ich mit meinem nächsten Briefe bis nach Empfang deines nächsten. Doch glaube ich dß wir vor Weihnachten nicht me[h]r viele Briefe wechseln werden, 3 od höchstens 4 werden diesem noch bis dahin folgen'' […] | |||
Er fragt, ob sie eine Idee hat, was sie am Weihnachtsabend machen werden. / Die Großmutter ist am Weihnachtsabend immer bei Fannis Vater, [[Richard Franz Schlegel]]; er hofft, dann auch dort sein zu können als neues Mitglied der Familie. Vielleicht könnten sie dann später zu [[Carl Spängler]] gehen, wo die ganze Familie Spängler und Duregger, [[Alois Duregger]], versammelt ist und länger beisammen bleibt. Er bittet um ihre Anschauung dazu, auch die Großmutter betreffend. / Er fragt nach dem Unwohlsein der Großmutter, ob diese sich Sorgen wegen Wirtschaftsangelegenheiten macht und ob sie deswegen im August die Reise nach Adelholzen unterbrochen hat. Vorhänge einzukaufen dürfte in Wien zweckmäßiger sein, als "oben" [in Salzburg]. Er schließt, da er über Land muss. Grüße an die Großmutter. ''Lebe recht wo[h]l, sei herzlich geküßt von deinem // treuer Franz'' | |||
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==== Brief vom 13. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 13/12/71", rückseitig "Salzburg…" [verwischt]; kleines rotes Lacksiegel "F Sp"; ''Fräulein'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 13 Dez // 1871 // Meine liebe Fanny // Wirklich fand ich, als ich gestern zurü[c]kkam, deinen lieben Brief vor u beeile mich daher heute in Fortse[t]zung des gestrigen Dir zu schreiben.'' […] Der gestrige Brief ist das fünfzigste Schriftstück ihrer Correspondenz; heute sind es 6 Monate, dass er den ersten Brief erhielt, den er mit einigem Bangen öffnete. / Er geht wieder auf die "Fälschung" ihrer Unterschrift ein, humorvoll. / Ebenso schildert er die Ratschläge seiner Mutter für die Reise (zu Weihnachten): Pulswärmer, Pelz, und er freut sich über Fannis Humor bezüglich der erwähnten "Fälschung". / […] Bis Freitag erwartet er ihren nächsten Brief, und er möchte wissen, wie es der Großmutter geht. ''Mit herzlichem Gruße u Kuße // dein // treuer Franz'' | |||
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"Geschnitzer": Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister, von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o. J. | "Geschnitzer": Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister, von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o. J. | ||
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==== Brief vom 16. Dezember 1871 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Poststempel "Mödling 16/12…" [teils verwischt], rückseitig "Salzburg Stadt 17/12/10-11 Früh/71"; kleines rotes Lacksiegel "F Sp"; ''Frl'' [unterstrichen:] ''Fanny Schlegel //'' [unterstrichen:] ''Salzburg // Marktpla[t]z N 10 II Sto[c]k''. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Mödling 16/12 1871 // Meine liebe Fanny! // Mir tut es wirklich leid, wenn je[t]zt öfters Störungen od Verzögerungen im regelmäßigen Laufe der Briefe eintreten; doch dürfte die Ursache mitunter auch in Verzögerungen der Eisenba[h]nzüge wegen Schneeverwehungen liegen; mir ist es selbst einmal auf der Fahrt nach Wien passi[e]rt, dß wir statt 36 Minuten über 1 ½ Stunden nach Wien brauchten, indem wir in einer Schneeverwehung ste[c]ken blieben, u erst als ausgeschaufelt worden war, weiter fa[h]ren konnten.'' […] Über den Weihnachtsabend / werden sie miteinander sprechen; maßgebend ist das Befinden der Großmutter. Seine Schafwollsocken hat er ''mit kunstfertiger Hand selbst verstopft [!]''. // Vielleicht wird er sich eine Haube kaufen, mit Lappen über die Ohren, wie für kleine Kinder. Die Mutter soll sich nicht sorgen, / er ist der Kälte gegenüber abgehärtet. // Am Abend in der Liedertafel wird Wilhelm Tell mit verteilten Rollen gelesen, er liest die Partie des Stauffacher. […] / Er arbeitet, damit es keine Rückstände gibt. Er muss schließen, in 8 Tagen hofft er in Salzburg zu sein. […] ''dein treuer Franz''. Grüße an die Großmutter. | |||
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Abbildung rechts = Schlappgesellschaft 1874, Seite 1 | |||
[[Datei:Schlappgesellschaft 1874, Seite 1.JPG|thumb|"A Brief von Franz von Piesenham" an die Schlappgesellschaft aus dem Jahr 1874, erschienen im Eigenverlag der Schlappgesellschaft, erhältlich in der [[Oberer'sche Buchhandlung]].]] | [[Datei:Schlappgesellschaft 1874, Seite 1.JPG|thumb|"A Brief von Franz von Piesenham" an die Schlappgesellschaft aus dem Jahr 1874, erschienen im Eigenverlag der Schlappgesellschaft, erhältlich in der [[Oberer'sche Buchhandlung]].]] | ||
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[[Datei:Salzburger Stadttheater, Bericht, vor 1860, Seite 4-5.jpeg|thumb|[[Salzburger Hoftheater|Salzburger Stadttheater]], Bericht, vor 1860, Seite 4-5.]] | [[Datei:Salzburger Stadttheater, Bericht, vor 1860, Seite 4-5.jpeg|thumb|[[Salzburger Hoftheater|Salzburger Stadttheater]], Bericht, vor 1860, Seite 4-5.]] | ||
Abbildung rechts unten = Salzburger Stadttheater, Bericht vor 1860, Seite 4-5 | |||
[gedrucktes Heft:] "Programm zur Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich, Innsbruck 1863." 15 Seiten. - [gedrucktes Heft:] "Zur 500jährigen Feier der Vereinigung Tirols mit Oesterreich am 26. Jänner 1863." 7 Seiten. - "Sylvester-Abend 1867 im Handels-Casino<ref>vgl. [[Handelskasino]]</ref> in Salzburg. […] Druck von F. Keyl in Salzburg." 4 Seiten mit handschriftlichen Notizen mit den Namen der Ausführenden, u.a. mit Musikstücken (C. Gerber, Beethoven, E. Singer, Duett von Kücken [''Frl. Pauline Würtenberger u Hr Franz Spängler'']), Gedicht-"Deklamationen mit Tableaux" (F. Halm, Lenau, Kobell, C. Heigel [u.a. ''Frl Fanny Kobler'']), "Lustspiel in einem Akt…", "Deklamation mit Tableau" (C. Heigel), "Lustspiel in 2 Abtheilungen…" (Roderich Benedix [ein Arzt ''Dr. Franz Spängler'' … ''Maria Zeller'' …]). - [ein Blatt:] "Programm der Abend-Unterhaltung im Handels-Casino zu Salzburg am 15. März 1869 […] {Druck:} Friedr. Keyl in Salzburg.", zwei Theaterstücke von Roderich Benedix und H. Friedrich, mit handschriftlichen Notizen der Namen der Ausführenden (u.a. ''Fanni Schlegel'', ''Ludwig Zeller'', ''Dr. Spaengl''[er]). - [ein kleiner Bogen im Format von Flugschriften:] "A Brief von Franz vo Piesenham, an die „[[Schlappgesellschaft]]“ in Mülln" […] 26. Juli 1874 (humoristischer Text in "Mundart" [Versuch einer Mundartschreibung], z.T. mit Worterklärungen als Fußnoten): "Weil i’s vosproch’n und weil i’s á wais // Dáss Enk intressirt má [meine] himmlische Rais, // So will i’s boschreib’n, wie’s már [mir] gangá hiher." […] "Im Verlage der „Schlappgesellschaft“ zu Mülln, deren Ehrenmitglied Stelzhamer war. – Buchdruckerei Franz Endl in Salzburg." | [gedrucktes Heft:] "Programm zur Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich, Innsbruck 1863." 15 Seiten. - [gedrucktes Heft:] "Zur 500jährigen Feier der Vereinigung Tirols mit Oesterreich am 26. Jänner 1863." 7 Seiten. - "Sylvester-Abend 1867 im Handels-Casino<ref>vgl. [[Handelskasino]]</ref> in Salzburg. […] Druck von F. Keyl in Salzburg." 4 Seiten mit handschriftlichen Notizen mit den Namen der Ausführenden, u.a. mit Musikstücken (C. Gerber, Beethoven, E. Singer, Duett von Kücken [''Frl. Pauline Würtenberger u Hr Franz Spängler'']), Gedicht-"Deklamationen mit Tableaux" (F. Halm, Lenau, Kobell, C. Heigel [u.a. ''Frl Fanny Kobler'']), "Lustspiel in einem Akt…", "Deklamation mit Tableau" (C. Heigel), "Lustspiel in 2 Abtheilungen…" (Roderich Benedix [ein Arzt ''Dr. Franz Spängler'' … ''Maria Zeller'' …]). - [ein Blatt:] "Programm der Abend-Unterhaltung im Handels-Casino zu Salzburg am 15. März 1869 […] {Druck:} Friedr. Keyl in Salzburg.", zwei Theaterstücke von Roderich Benedix und H. Friedrich, mit handschriftlichen Notizen der Namen der Ausführenden (u.a. ''Fanni Schlegel'', ''Ludwig Zeller'', ''Dr. Spaengl''[er]). - [ein kleiner Bogen im Format von Flugschriften:] "A Brief von Franz vo Piesenham, an die „[[Schlappgesellschaft]]“ in Mülln" […] 26. Juli 1874 (humoristischer Text in "Mundart" [Versuch einer Mundartschreibung], z.T. mit Worterklärungen als Fußnoten): "Weil i’s vosproch’n und weil i’s á wais // Dáss Enk intressirt má [meine] himmlische Rais, // So will i’s boschreib’n, wie’s már [mir] gangá hiher." […] "Im Verlage der „Schlappgesellschaft“ zu Mülln, deren Ehrenmitglied Stelzhamer war. – Buchdruckerei Franz Endl in Salzburg." | ||