Kobler-Spängler-Briefe von 1881: Unterschied zwischen den Versionen

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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  


Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>


== 1881 ==
== 1881 ==
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==== Brief vom 18. Januar 1881 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
==== Brief vom 18. Januar 1881 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
[Nr. 19<ref>"Nr. 19" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org]).</ref>] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:<br />
[Nr. 19<ref>"Nr. 19" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org]).</ref>] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler; ein Bogen, ohne Umschlag:<br />
''Salzburg den 18te Januar 1881/ Liebe Fani! Beinahe ein ganzes Mant [Monat] ist verflossen und ich habe kein Wort von Euren Befinden gehört; noch mehr wie ich findet sich dein Vater, der sehr schwer krank ist, und allein Anschein auch nicht gesund werden wird gekränkt das du dich schriftlich dich nach seinem Befinden erkundiget hast. Er sagte erst vor kurzem, von allen Bekannten kommen Nachfragen nur von der Fanni nicht. - Du hättest recht gut wie ihn vor kurzen dein Man geschrieben hat ein paar Zeilen beyfügen können. Erweun [erwähn] nichts von diesem Brief, und entschuldige so gut du kannst. Ich hoffe das ihr alle Gesund seyd seyd [!] Ich Gott sey Dank, bin zufrieden/ Lebe recht wohl, küße und grüße meine 3 Urenkeln, so auch deinen Mann. Soeben war d Opa da und sagte das dem Vater sehr schlecht ist, sie sind darauf gefaßt ihn bald nicht mehr zu haben. Lebe wohl dieß wünscht deine Großmutter Fanni''
''Salzburg den 18te Januar 1881. // Liebe Fani! // Beinahe ein ganzes Mant'' [Monat] ''ist verflossen und ich habe kein Wort von Euren Befinden gehört; noch mehr wie ich findet sich dein Vater, der sehr schwer krank ist, und allen Anschein auch nicht gesund werden wird gekränkt das du dich schriftlich dich nach seinem Befinden erkundiget hast. Er sagte erst vor kurzem, von allen Bekannten kommen Nachfragen nur von der Fanni nicht. - Du hättest recht gut wie ihm vor kurzen dein Man[n] geschrieben hat ein paar Zeilen beyfügen können. Erweun'' [erwähn] ''nichts von / diesem Brief, und entschuldige so gut du kannst. Ich hoffe das ihr alle Gesund seyd seyd? [!] Ich Gott sey Dank, bin zufrieden Lebe recht wohl, küße und grüße meine 3 Urenkeln, so auch deinen Mann. Soeben war d[ie] Rosa da und sagte das dem Vater sehr schlecht ist, sie sind darauf gefaßt ihn bald nicht mehr zu haben. Lebe wohl dieß wünscht deine // Großmutter // Fanni''


"Vater": [[Richard Franz Schlegel]] stirbt am 1. März 1881 in Salzburg.
"Vater": [[Richard Franz Schlegel]] starb am 1. März 1881 in Salzburg.
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==== Brief vom 21. Jänner 1881 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ====
==== Brief vom 21. Jänner 1881 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt):<br />
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt):<br />
''Salzburg den 21/1 [18]81 Meine lieben Theuren! Das Packet habe ich Heute Mittag richtig erhalten, und sogleich zum Vater [&nbsp;[[ Richard Franz Schlegel]], Anm.] getragen, welcher eine große Freude hatte. Es geht dem Vater entschieden beßer die Nächte sind sogar zimmlich gut, eine wehige Zähe hat er, welche ihm [!] zuweilen Schmerzen verursacht, und oft ist er sehr schwach, aber er ist beim Tag größtentheil auf, und sitzt beim Fenster, was ihm [!] einige zerstreu[u]ng gewährt. Recht herzlich danncke ich für die hübsche Haube, ich werde sie dermmalen wohl noch schonen, da ja die Vorige / noch ganz hübsch ist, ich werde sie dermalen [!] nur die Festtage nehmen. Recht sehr freute mich auch das liebe Briefchen von der Franzel ich werde ihr selbst ein Briefchen schreiben. Ich freue mich immer zu hören das Franz noch in Wien ist, weil ihr zusammen auch viel bieliger lebt, und auch beßer. der liebe Gott wird es schon recht machen, wie es für Euch am besten ist. Ich bin schon begierig wie es Euch in Pottenstein gefallen wird. Vieleicht ist es Mödling endlich'' [ähnlich, Anm.] ''! – ich dencke es wird dir im Sommer unendlich gut taugen, für die Kindlein. Die Rosel wird nun schon bald 6 Wochen alt, die ist gewiß recht / lieb, und auch lustig.''
''Salzburg den 21/1 [18]81 Meine lieben Theuren! Das Packet habe ich Heute Mittag richtig erhalten, und sogleich zum Vater [&nbsp;[[Richard Franz Schlegel]], Anm.] getragen, welcher eine große Freude hatte. Es geht dem Vater entschieden beßer die Nächte sind sogar zimmlich gut, eine wehige Zähe hat er, welche ihm [!] zuweilen Schmerzen verursacht, und oft ist er sehr schwach, aber er ist beim Tag größtentheil auf, und sitzt beim Fenster, was ihm [!] einige zerstreu[u]ng gewährt. Recht herzlich danncke ich für die hübsche Haube, ich werde sie dermmalen wohl noch schonen, da ja die Vorige / noch ganz hübsch ist, ich werde sie dermalen [!] nur die Festtage nehmen. Recht sehr freute mich auch das liebe Briefchen von der Franzel ich werde ihr selbst ein Briefchen schreiben. Ich freue mich immer zu hören das Franz noch in Wien ist, weil ihr zusammen auch viel bieliger lebt, und auch beßer. der liebe Gott wird es schon recht machen, wie es für Euch am besten ist. Ich bin schon begierig wie es Euch in Pottenstein gefallen wird. Vieleicht ist es Mödling endlich'' [ähnlich, Anm.] ''! – ich dencke es wird dir im Sommer unendlich gut taugen, für die Kindlein. Die Rosel wird nun schon bald 6 Wochen alt, die ist gewiß recht / lieb, und auch lustig.''


''Nicht wahr bei Franz sind sie schon nach Linz, es wird ihnen doch um Wien leid geweßen sein und die liebe Fany wird Marie auch abgehen da sie dir doch, so behülflich war. Aber wie es im Leben geht, alles dauert nur kurze Zeit. Wie freut es mich das Fany so glücklich alles überstanden hat, und sich so wohl befindet, Gott gebe das es so bleibt, auch muß ich sagen sind zum glück deine Kindlein so gut erzogen, das sie dir nicht so viele Ungelegenheit machen, Gott seys gedannckt. / Lebt recht wohl noch einmal meinen herzlichen Danck für die hübsche Haube. Es küßt Euch mit aller Liebe Eure Euch von ganzen Herzen liebenden Mutter Antonia Spángler. Von den Verwanten viele herzliche Grüße.''
''Nicht wahr bei Franz sind sie schon nach Linz, es wird ihnen doch um Wien leid geweßen sein und die liebe Fany wird Marie auch abgehen da sie dir doch, so behülflich war. Aber wie es im Leben geht, alles dauert nur kurze Zeit. Wie freut es mich das Fany so glücklich alles überstanden hat, und sich so wohl befindet, Gott gebe das es so bleibt, auch muß ich sagen sind zum glück deine Kindlein so gut erzogen, das sie dir nicht so viele Ungelegenheit machen, Gott seys gedannckt. / Lebt recht wohl noch einmal meinen herzlichen Danck für die hübsche Haube. Es küßt Euch mit aller Liebe Eure Euch von ganzen Herzen liebenden Mutter Antonia Spángler. Von den Verwanten viele herzliche Grüße.''
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Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägedruck "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br />  
Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägedruck "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br />  
''Grein am 10. März 881. Liebe gute Großmutter! Heute erhielt ich Deinen lieben Brief sammt Einschluß der 20 f [Gulden] ich weinte Freunden Thränen über Deine große Herzensgüte gegen mich, den es ist unsagbar welch‘ tiefen Kummer Du dadurch von meinen Herzen genohmen; den nun kann ich Hr. Doktor und die Apotheke bezahlen und damit nichts schuldig bleiben'' […] ''Tausend herzlichen Dank Dir liebste Großmutter'' […] / […] ''Deinen guten Rath liebe Großmutter werde ich befolgen, ein Schmalztücherl warm auf die Brust leben und den Magen mit Melißengeist einwaschen. Mit Kapaunfett welches mir unsere Frau Nachbarin gab, habe ich mich jetzt so immer Abends die Brust geschmiert; noch nie in meinen Leben habe ich so lange an einem Husten gelitten –'' […] ''Das Du jetzt so oft und stark das fatale Herzklopfen hast, bedauere ich Dich sehr aber ich denke es hat Dich halt der Tod Schlegels<ref>[[Richard Franz Schlegel]], † 1. März 1881 in Salzburg</ref> tief ergriffen, daß geht zum Herzen. ./.'' [Zeichen für Seitenwechsel] / ''Ich muß ja selbst fortwährend an ihm denken, wir haben ja so viel Frohes und auch so viel Trauriges mit ihm zusammen erlebt.'' […] / […] ''Gott hat Dich recht lieb das Er Dir das große Glück schenkte Dein Augenlicht wieder zu erhalten durch die Geschicklichkeit des Hr. D[r]. Kerschbaumer der gerade zu einer Zeit nach Salzburg kam, wo es für Dich nothwendig war. Gott fügt Alles wunderbar!'' […] ''Die Familie Schlegel Schneeberger Fr. v. Klausnitz die Theres und die Lisi lasse ich vielmahls grüßen'' […] ''Lebe wohl gute Großmutter nim nochmahls meinen herzinnigsten Dank für Deine große Güte und Theilnahme, Gott vergelts und erhalte Dich gesund, dieß ist der wärmste Wunsch Deiner Dich liebenden dankbaren Betti Katzinger.''
''Grein am 10. März 881. Liebe gute Großmutter! Heute erhielt ich Deinen lieben Brief sammt Einschluß der 20 f [Gulden] ich weinte Freunden Thränen über Deine große Herzensgüte gegen mich, den es ist unsagbar welch‘ tiefen Kummer Du dadurch von meinen Herzen genohmen; den nun kann ich Hr. Doktor und die Apotheke bezahlen und damit nichts schuldig bleiben'' […] ''Tausend herzlichen Dank Dir liebste Großmutter'' […] / […] ''Deinen guten Rath liebe Großmutter werde ich befolgen, ein Schmalztücherl warm auf die Brust leben und den Magen mit Melißengeist einwaschen. Mit Kapaunfett welches mir unsere Frau Nachbarin gab, habe ich mich jetzt so immer Abends die Brust geschmiert; noch nie in meinen Leben habe ich so lange an einem Husten gelitten –'' […] ''Das Du jetzt so oft und stark das fatale Herzklopfen hast, bedauere ich Dich sehr aber ich denke es hat Dich halt der Tod Schlegels<ref>[[Richard Franz Schlegel]], † 1. März 1881 in Salzburg</ref> tief ergriffen, daß geht zum Herzen. ./.'' [Zeichen für Seitenwechsel] / ''Ich muß ja selbst fortwährend an ihm denken, wir haben ja so viel Frohes und auch so viel Trauriges mit ihm zusammen erlebt.'' […] / […] ''Gott hat Dich recht lieb das Er Dir das große Glück schenkte Dein Augenlicht wieder zu erhalten durch die Geschicklichkeit des Hr. D[r]. Kerschbaumer der gerade zu einer Zeit nach Salzburg kam, wo es für Dich nothwendig war. Gott fügt Alles wunderbar!'' […] ''Die Familie Schlegel Schneeberger Fr. v. Klausnitz die Theres und die Lisi lasse ich vielmahls grüßen'' […] ''Lebe wohl gute Großmutter nim nochmahls meinen herzinnigsten Dank für Deine große Güte und Theilnahme, Gott vergelts und erhalte Dich gesund, dieß ist der wärmste Wunsch Deiner Dich liebenden dankbaren Betti Katzinger.''
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==== Brief vom 4. April 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; Leseabsatz eingefügt:<br />
''Salzburg den 4/4 [18]81 // Meine lieben Theuren! // Ubermorgen ist ein wichtiger Tag für Euch meine Lieben – Es ist der Tag der Euch für immer vereinigte. Gott sey gelobt, das Ihr meine lieben so glücklich seid, und Euer Glück, in Haußlichen Kreise findet. Habt Ihr auch so liebe brave Kinder welche Euch gewiß noch recht viele Freuden bereiten werden. Nehmt auch meine herzlichen Wünsche gütig auf, und seid versichert das ich viel für Euch bethe das Euch der liebe Gott immer in seinen heil[igen] Schutz behalte, nur eines thut mir oft weh, das ich nichts für Euch thuen kann – nichts helfen, wo es der Fany gewiß, oft wohl thuen würde, die Entfernung ist zu weit. Auch Franz sein Geburtstag / ist schon sehr nahe, auch zu diesen Feste meine herzlichsten Glückwünsche, moge Euch der liebe Gott alles das schencken was Euch beglücken kann. Nun wünsche ich Euch vor allen, das Franz doch bald etwas erfahren möge, wo er hin kömmt, damit Ihr Euch darauf richten könnt. Ich bin auch schon begierig.''
''Gerade heute vor 8 Tagen kamm Fani Spángler und sagte der August<ref>August Spängler (* 1827; † 1895)</ref> ließe mir sagen, es sey ihm gestern der Landesgerichtsrath Eggendorfer zugegangen, und habe ihn gesagt das Franz nach Wehring'' [Währing] ''komme, ich war schon ganz erfreut, weil ich weiß, es wäre dir dieses ganz lieb, und wäre so nahe bei Wien, auch mit der Wanderung wäre es viel billiger, und vieleicht ist gar eine Ammtswohnung dort. Der liebe Gott wird es gewiß gut / richten den[n] du verdienst es gewiß. Der Herr President wird es ja auch gewiß wissen, das du deine Wohnung in Wien bis May gekündet [-igt] hast, so wird er auch sorgen, das bis dahin dein{e} Bestimmungs[ort] entschieden ist, den[n] diese Verlegenheit wäre doch zu groß, mit 3 Kindern ohne Wohnung zu sein. Otto und Louise wünschen nebst herzlichen Grüßen alles erdenckliche Gute. Die Großmutter hat mir ebenfal[l]s aufgetragen von Ihr, Euch die herzlichsten Wünsche nebst vielen Grüßen zu schreibem, es geht ihr immer zimmlich gut; sie sieht recht frisch auß. Nun verliert sie wieder ihren Zimmerherrn'' [Mieter] '', dieser Heurathet und nimt sich eine größere Wohnung. Gestern war ich bey der Sattler, sie hat mir von Euch und den lieben Kindlein erzählt, / Die kleine Rosa hat ihr gar so gut gefahlen, von der Fannel'' [Franzi] ''sagte sie das sie schon gar so lieb sey und der Mutter schon eine menge kleiner Geschäfte besorge, und auch mit der Köchin o[ö]fter einkaufen gehe, und die Toni sehe viel beßer aus, und sey auch ein sehr nettes Kind. Es wird der Fan[n]y sehr leid thun, das sie die Rosa nicht haben kann weil die Hehenbart [?]<ref>Das ist Aloisia Maria (Luise) Hegenbart (* 1841) in Prag, geborene [[Arrigler]], verheiratet 1863 mit Franz Hegenbart (* 1818). Vgl. auch Brief vom 7. Juni 1881.</ref>, noch immer sehr unwohl sich befindet, das Kind ist Glücklicherweise am letzten März gestorben. Es soll ein jammerbild, auf der Welt geweßen sein. Ich bin Gottlob mit meiner Gesundheit zimmlich zufrieden. Lebt recht wohl meine herzlichsten Wünsche wiederhollend verbleibe ich Eure Mutter Spángl[er] // Die lieben Kindlein grüße, und küße, ich alle recht herzlich.''
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Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägedruck "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br />  
Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen mit blauem Prägedruck "B K"; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br />  
''Grein am 10. April 81. Liebe gute Großmutter! Wenn es mit meiner Erholung nicht gar so langsam ginge, hätte ich Dir schon längst geschrieben'' […] (Sie ist von "großer Müdigkeit und Schwäche" geplagt, näht trotzdem etwas auf der Maschiene, hat aber müde Hände und die Füße zittern; sie hat das Gefühl, kein Blut zu haben und sie ist mager geworden.) / (Sie fragt nach dem "fatalen Herzklopfen" der Großmutter und wünscht gesunde Osterfeiertage. Sie berichtet, dass ihr Bruder Wilhelm das Bräuhaus in "Harrachthal" gekauft hat [vgl. Brief vom 27. August 1879]) ''Wilhelm mußte 4000 f sogleich bezahlen und im Laufe des nechsten Jahres noch 6000 f die anderen 10,000 f bleiben zu 5 % liegen so lange bis sie es selbst zurückbezahlen wollen. Das Bräuhaus sammt Villa Binderhäusl und Schmidhäusl samt allen Gründen und allen Gerätschaften die zum Bräuhaus und zur Oekonomie gehören kostet 20,000 f ÖW. Alle Bekannte von meinen Bruder die das Anwesen kennen, riethen ihm zu diesen Kauf, da es durchaus nicht zu theuer ist. Am 1tn Oktober dieses Jahres müßen sie das Geschäft übernehmen, gebe Gott das es ihnen dort wieder recht wohl ergehe; ich freue mich herzlich darüber das Wilhelm doch noch in dem Besitz dieses Bräuhauses gekommen ist. Der liebe Gott hat es wirklich so haben wollen darum denke ich es wird zu ihrem Glück sein!'' […] (Es bleibt die Frage, ob sich bis zum 1. Oktober für das Bräuhaus in Steyregg ein Pächter meldet.) / (Sie haben eine Anzeige in die Zeitung gesetzt; wenn er keinen Nachfolger in Steyregg findet, muss er dort noch ein Jahr die Pacht zahlen [das Bräuhaus in Steyregg war offenbar nur gepachtet].) […] ''dann das Weggeben der Kinder macht ihnen auch viel Sorge, es muß aber sein, den in Harrachsthal würden sie nicht viel lernen und hätten eine Stunde weit zu gehen in die Schule. Mit Gottes Hilfe wird wohl Alles recht werden!'' (Frau Greisenegger [in Harrachstal] ist verstorben; der Bruder Wilhelm und dessen Frau bekommen nach ihr Kleider, Leinwand, Wäsche, Bilder, "etwas an alterthümlichen Schmuck und die Kinder ein jedes einen goldenen Ring als Andenken"; auch ein Gebetbuch, einen Rosenkranz, ein kleines Marienbild, alles wollen sie in Ehren halten.) ''Die gute Spängler hat mir vor 4 Wochen recht lieb geschrieben, es geht ihnen allen gut und sind gesund. Bitte grüße die Schlegelischen Frau Mutter Spängler die Theres Lisi und Alle vielmals Dich grüßt und küßt 1000 mahl Deine dankbare Betti K.''
''Grein am 10. April 81. Liebe gute Großmutter! Wenn es mit meiner Erholung nicht gar so langsam ginge, hätte ich Dir schon längst geschrieben'' […] (Sie ist von "großer Müdigkeit und Schwäche" geplagt, näht trotzdem etwas auf der Maschiene, hat aber müde Hände und die Füße zittern; sie hat das Gefühl, kein Blut zu haben und sie ist mager geworden.) / (Sie fragt nach dem "fatalen Herzklopfen" der Großmutter und wünscht gesunde Osterfeiertage. Sie berichtet, dass ihr Bruder Wilhelm das Bräuhaus in "Harrachthal" gekauft hat [vgl. Brief vom 27. August 1879]) ''Wilhelm mußte 4000 f sogleich bezahlen und im Laufe des nechsten Jahres noch 6000 f die anderen 10,000 f bleiben zu 5 % liegen so lange bis sie es selbst zurückbezahlen wollen. Das Bräuhaus sammt Villa Binderhäusl und Schmidhäusl samt allen Gründen und allen Gerätschaften die zum Bräuhaus und zur Oekonomie gehören kostet 20,000 f ÖW. Alle Bekannte von meinen Bruder die das Anwesen kennen, riethen ihm zu diesen Kauf, da es durchaus nicht zu theuer ist. Am 1tn Oktober dieses Jahres müßen sie das Geschäft übernehmen, gebe Gott das es ihnen dort wieder recht wohl ergehe; ich freue mich herzlich darüber das Wilhelm doch noch in dem Besitz dieses Bräuhauses gekommen ist. Der liebe Gott hat es wirklich so haben wollen darum denke ich es wird zu ihrem Glück sein!'' […] (Es bleibt die Frage, ob sich bis zum 1. Oktober für das Bräuhaus in Steyregg ein Pächter meldet.) / (Sie haben eine Anzeige in die Zeitung gesetzt; wenn er keinen Nachfolger in Steyregg findet, muss er dort noch ein Jahr die Pacht zahlen [das Bräuhaus in Steyregg war offenbar nur gepachtet].) […] ''dann das Weggeben der Kinder macht ihnen auch viel Sorge, es muß aber sein, den in Harrachsthal würden sie nicht viel lernen und hätten eine Stunde weit zu gehen in die Schule. Mit Gottes Hilfe wird wohl Alles recht werden!'' (Frau Greisenegger [in Harrachstal] ist verstorben; der Bruder Wilhelm und dessen Frau bekommen nach ihr Kleider, Leinwand, Wäsche, Bilder, "etwas an alterthümlichen Schmuck und die Kinder ein jedes einen goldenen Ring als Andenken"; auch ein Gebetbuch, einen Rosenkranz, ein kleines Marienbild, alles wollen sie in Ehren halten.) ''Die gute Spängler hat mir vor 4 Wochen recht lieb geschrieben, es geht ihnen allen gut und sind gesund. Bitte grüße die Schlegelischen Frau Mutter Spängler die Theres Lisi und Alle vielmals Dich grüßt und küßt 1000 mahl Deine dankbare Betti K.''
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==== Brief vom 28. und 29. April 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen und beigefügtes Blatt; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; Leseabsätze eingefügt:<br />
''Salzburg den 28/4 1881 // Meine innigst geliebten Theuren! // Ich ha[ä]tte Euch schon lange gerne geschrieben, aber ich glaubte von einen Tag auf den anderen es müße eine Nachricht kommen wegen deiner Versetzung; Heute ist der 28 te und noch ist nichts gekommen – Gott gebe das dir die große Verlegenheit erspart bleibt, nicht wissen wohin mit Kinder, und Sachen. Wo die Noth am größten, ist Gottes Hülfe am nächsten; so lieber Franz wird es bey dir auch sein. Da Uebermmorgen Karl Schlegel nach Wien abreist so will ich ihm doch ein Briefchen mitgeben. Dennkt Euch mein Fuß ist noch nicht gut, ich bleibe nun schon 8 Tage immer bis 10 auch ½ 11 mittag im Bett dammit der Fuß ruhen / kann, und bin ich auf einen hohen Schamel haben. Habe auch immer meinen Geist zum einreiben, aber es ist ein Nerv erletzt, und dieser will sich nicht recht geben, ich glaube es ist nun schon bald ein ganzes Monnath, die Geschwulst um den Knöchl ist gesessen [?], aber wo der Nerv le[ä]diert ist, will sie nicht recht weichen, gott gebe nur, das es noch gut wird.''
''Bey Sauter ist nun schon die Litzitation'' [Lizitation]<ref>Versteigerung von Gegenständen aus einem Nachlass</ref> ''vorbey und am 1 May zieht schon eine neue Partey ein. Das ist alles schnell gegangen. Die beiden Frauen sind noch hier, werden aber Sonntag oder Monntag von hier weg gehen. Die Pflanzen werden alle in einen Zimmer aufbewahrt bis auf den Zeitpunkt wo die Naturforscher hier zusammen / kommen, da hoffen sie dieselben an Mann zu bringen, ich wünsche es ihnen. Die Guttenberg soll auch dermalen sehr miserabl sein, sie soll mehrere Geschwür[e] haben, der Marie ist recht bange, höre ich, das sie nicht mehr auf den Goldenen Hochzei[t]stag, dauern wird. So geht es wen man alt wird kommt bald dieß bald das. Schreibt uns ja gleich ein paar Zeilen, wen Ihr etwas erfährt, von Euerer Bestimmung. Herr Lanser wirst du gesprochen haben, welcher Morgen zurück kömmt. Ich meine diese so lange Ungewißheit, ist für dich so wie für Fan[n]y recht aufregend. Die Kindlein habens gut, die verstehen noch nichts, entschieden wirds doch dieser Tage werden denke ich. Die Angermeier'' [Angermayer] '' / habe ich noch nicht gesehen, ich kann nicht außgehen, und sie sind noch nicht gekommen. Wie ich höre soll ihnen die Wohnung sehr gut taugen.''
''Froh bin ich daß Ihr meine lieben alle gesund seid, sammt den 3 Kindlein welche ich mich jetzt schon freue wen wir Euch wider sehen werden. Meinen herzlichen Dannk für die Glückwünsche zu meinen Geburtstag. Heute den 29 te[n] finde ich meinen Fuß wenigstens bis jetzt 12 Uhr Mittag beßer, ich bin freulich bis ½ 11 in Bett gelegen, oder eigentlich geseßen den ich habe wie immer gestrückt. Das Geld von den Schleg[e]l habe ich bekommen Otto hat es mir gleich als die Zulage von dir für Mey'' [Mai] ''gegeben wofür ich recht herzlich danncke. Lürzer Otto<ref>[[Otto Lürzer von Zehendthal]] (* 1843; † 1901), Vizepräsident des Kreisgerichts St. Pölten in Niederösterreich</ref> selbst scheint es ganz wohl als Herr Bezirksrichter zu behagen, den es scheint dort dieser Titel eine große Rolle zu spielen.'' [beiliegender Halbbogen:] ''Warum er nicht nach Wien gegangen ist die Ursache weil er in Kremms'' [Krems] ''den Eid ablegen mußte, und da sie ohnedieß 8 Tage auf der Reise waren. Die Marie findet schon das es ein rechtes Nest ist. Sie hat zwar schon ein paar recht nette Frauen gefunden welche ihr auch an die Hand gehen, sie hat auch noch keine Magd, sondern blos eine Zugeherin, welche aber zuhauße ein kleines Kind hat, und daher oft wider fort gehen muß. Nun haben ihr die Frauen eine angesagt, vieleicht bekömt sie dieselbe für den Mey. Ihre Wohnung soll sehr schön sein, das möchte ich auch für Euch meine lieben wünschen. Vieleicht seid Ihr schon in 8 – 10 Tagen an einen andern Ort. Der liebe Gott wird alles recht machen. / ''
''Meine Gedancken sind wohl sehr viel bey Euch. Ihr könt Euch dencken wie ich mich freuen würde wen es nach Franz sein[en] Wunsch ausfallen solte. Otto läßt dich recht herzlich grüßen, ich dencke er wird wohl jetzt ohne dringende Noth nicht fortgehen bis bey Louise die Entbindung vorbey ist, welche langstens bis halben Mey folgen wird, ich bin schon froh wen es wider glücklich vorbey ist. // Lebt alle mit den lieben Kindlein recht wohl seid herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer Euch treu liebenden // Mutter Antonia // Spángler // Hier geht es zu, wie in ewigen Leben, den so wurde wohl noch nie die Stadt hergerichtet wie dießmal, aber aller Orten werden Triumpfbögen und ganze Temmpel und weiß Gott was noch gerichtet.''
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''Lieber Franz! Louise wurde heute // 1 halb 3 Uhr NhX'' [nachts?] ''// von einem Mädchen<ref>Elisabeth (Elsa) Spängler, Tochter von [[Otto Spängler]], * 22. Mai 1881 in der Stadt Salzburg; † 25. Februar 1911 in Landshut; am 30. August 1905 in der Stadt Salzburg ([[Kirche des heiligen Andreas|St. Andrä]]) verheiratet mit Otto Trammer (* 1878; † 1914).</ref> entbunden; Gottlob geht es ihr recht gut Dein Otto''
''Lieber Franz! Louise wurde heute // 1 halb 3 Uhr NhX'' [nachts?] ''// von einem Mädchen<ref>Elisabeth (Elsa) Spängler, Tochter von [[Otto Spängler]], * 22. Mai 1881 in der Stadt Salzburg; † 25. Februar 1911 in Landshut; am 30. August 1905 in der Stadt Salzburg ([[Kirche des heiligen Andreas|St. Andrä]]) verheiratet mit Otto Trammer (* 1878; † 1914).</ref> entbunden; Gottlob geht es ihr recht gut Dein Otto''
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==== Brief vom 7. Juni 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Pottenstein; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; XX = unlesbar; Leseabsätze eingefügt:<br />
''Salzburg den 7/6 [18]81 // Meine innigstgeliebten Theuren! // Mit welcher Freude erhielt ich Eure Karte, worauß ich entnahm das Ihr glücklich in Pottenstein<ref>Pottenstein an der Triesting, Niederösterreich; Franz Spängler wurde zum Bezirksrichter dort ernannt.</ref> angekommen seit, und der erste Eindruck ein angenehmer war. Ich hoffe es wird Euch dort gewiß gut gefahlen, und für alle recht gesund sein, immer die frische Landluft zu genießen, wie gut wird es den Kindlein behagen, Wie werden sich die Kinder an Blummenpflücken erfreuen, und in Wiesen, und auch vieleicht in Wäldern freuen laufen zu können. Ihr seid doch zur aller besten Zeit hinauß gekommen, wo es in der / Stadt schon anfängt heiß zu werden. Da Morgen Otto nach Wien geht, so schreibe ich Euch, und sende für die kleine Toni zu ihren Nammenstag 1 fl'' [Gulden] ''nebst herzlichen Gruß, und Glückwunsch. Der liebe Gott wolle sie Euch recht gesund erhalten. Ich freue mich schon wen ich wider einmal alle sehen werde.''
''Heuer komme ich spät nach Baumkirchen, wegen meinen dum[m]en Fuß welcher noch nicht gut ist, ich glaubte schon, ich werde gar nicht hinkommen, aber die Schwester ließ sich nicht sogleich abspeisen, sondern sie schrieb mir sie werde mir zuwarten, so denncke ich so gott will am 25 te[n] Juni / nach Hall reisen, und am 27 te[n] nach Baumkirchen, es hat mir immer sehr gut gethan, und will daher wen es sein kann es nicht außlassen.<ref> Baumkirchen bei Innsbruck, auch Bad Baumkirchen als Kurort, wird in ihren Briefen seit dem Brief vom 19. und 21. Juli 1872 vielfach erwähnt; vgl. die Fußnote zum Brief vom 2. Juni 1880. Sie ist mit ihrer Schwester dort, mit Therese von Lürzer bzw. Lürzer-Zehenthal [ohne d], so schrieb sich die Schwester selbst im Alter (* 1801; † 1894) als Stiftsdame in Hall in Tirol.</ref> Die Fräulein Rosalie Henf, will auch dießmal Baumkirchen besuchen, und so reisen wir zusammen hinein was ich sehr froh bin, die F Rosalie geht zuerst einige Tage nach Inspruck'' [Innsbruck] ''zur Frau von Pfaundler, und dann treffen wir uns in Baumkirchen. Der Fuß ist noch nicht gut aber beßer, vieleicht wird er ganz gut, bis ich zurück komme. Ich gebrauche sehr fleißig die mir vorgeschriebenen Mittel, aber wie der Doktor schon sagte, es braucht seine Zeit, und so muß ich schon in Geduld warten / ''
''Heute ist doktor Graßberger<ref>Doktor der Medizin Karl Graßberger, vgl. Nachruf in [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] XXII, 1882, S. 238</ref> gestorben, dieß ist für die Fammil[i]e ein harter Schlag, sie sind gewohnt auf einen noblen Fuß zu leben, und dieses kostet Geld. Die Hehenbart'' [Hegenbart] ''in Prag höre ich ist auch so kranck, das man jeden Tag die Auflösung'' [Er- ] ''erwartet, diese erba[r]mmt mir recht sehr. Da wird wohl die Rosa dort bleiben müßen, wenigstens bis er in den XX liehen kömmt. Am 1 te[n] Juli soll das Kronprinzliche paar für 6 bis 8 Wochen hieher kommen im Schwobadahof bey Hellbrunn, es soll schon alles dort hergerichtet werden.<ref>[[Villa Swoboda]], gemietet von der Stadt Salzburg für einen Teil der Flitterwochen nach der Hochzeit am 10. Mai 1881 von [[Kronprinz Rudolf]] von Österreich und Prinzessin Stephanie von Belgien.</ref> Lebt nun alle recht wohl seid alle recht herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer // Euch alle herzlich // liebenden Mutter Spängler.''<ref>Deutlich mit ä, sonst schreibt sie Spángler. </ref>
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Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der [[Fanny Kobler|Betti]]."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br />  
Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der [[Fanny Kobler|Betti]]."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen; / = Seitenwechsel; […] = Auslassungen<br />  
''Steyeregg [!] am 14. Juni 1881. Meine gute gute Großmutter. Tausend tief innigen Herzensdank für die großartige Unterstützung, welche Du mir neuerdings zu Theil werden ließest, eine so große Summe von 40 f [Gulden] hätte ich nicht zu denken gewagt; Dank und Freudenthränen weinte ich als ich Deinen so lieben herzlichen Brief las. Gott segne Dich'' […] (Sie kann jetzt soviel Gleichenberger Wasser trinken wie nötig; sie will den Rat der "Großmutter" beherzigen, nicht immer ans Sterben zu denken; / sie spürt schon Besserung mit den Wasser mit Milch, hat kein Fieber mehr, der Appetit wird täglich mehr; sie gibt die Hoffnung nicht auf, gesund zu werden; / sie hält sich an die Ratschläge von "Herrn Professor Thalen" und geht auch bei kaltem Wetter an die Luft; die Schwägerin bringt aus Linz "Fleischextrat" [!]<ref>Z. B. Liebigs Fleischextrakt ist nach 1870 zunehmend verbreitet als "Fleischbrühe für Kranke".</ref> mit für eine kräftige Suppe. / Sie bittet, die "gute Schlegel" zu grüßen; sie erfährt [aus Salzburg], dass Frau Hegenbarth gestorben ist.) […] ''Bitte alle Bekanten vielmahls zu grüßen besonders Frau v. Spängler Schneeberger Clausnitz Laschensky die Theres und Lisi. Nun nochmahls meinen allerbesten innigsten Dank, meine herzlichsten Grüße und Küße, Gott segne Dich und erhalte Dich gesund, dieß ist der wärmste Wunsch Deiner dankbaren Betti Katzinger.''
''Steyeregg [!] am 14. Juni 1881. Meine gute gute Großmutter. Tausend tief innigen Herzensdank für die großartige Unterstützung, welche Du mir neuerdings zu Theil werden ließest, eine so große Summe von 40 f [Gulden] hätte ich nicht zu denken gewagt; Dank und Freudenthränen weinte ich als ich Deinen so lieben herzlichen Brief las. Gott segne Dich'' […] (Sie kann jetzt soviel Gleichenberger Wasser trinken wie nötig; sie will den Rat der "Großmutter" beherzigen, nicht immer ans Sterben zu denken; / sie spürt schon Besserung mit den Wasser mit Milch, hat kein Fieber mehr, der Appetit wird täglich mehr; sie gibt die Hoffnung nicht auf, gesund zu werden; / sie hält sich an die Ratschläge von "Herrn Professor Thalen" und geht auch bei kaltem Wetter an die Luft; die Schwägerin bringt aus Linz "Fleischextrat" [!]<ref>Z. B. Liebigs Fleischextrakt ist nach 1870 zunehmend verbreitet als "Fleischbrühe für Kranke".</ref> mit für eine kräftige Suppe. / Sie bittet, die "gute Schlegel" zu grüßen; sie erfährt [aus Salzburg], dass Frau Hegenbarth gestorben ist.) […] ''Bitte alle Bekanten vielmahls zu grüßen besonders Frau v. Spängler Schneeberger Clausnitz Laschensky die Theres und Lisi. Nun nochmahls meinen allerbesten innigsten Dank, meine herzlichsten Grüße und Küße, Gott segne Dich und erhalte Dich gesund, dieß ist der wärmste Wunsch Deiner dankbaren Betti Katzinger.''
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==== Brief vom 23. Juni 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Pottenstein; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; Leseabsätze eingefügt:<br />
''Salzburg den 23/6 [18]81 // Meine innigst geliebten Theuren! // Habt in[n]igen herzlichen Dannck für Eure freundlichen Briefe welche mich ungemein freuten, da sie mir Euer beide[r]seitige Zufriedenheit auß sprechen. Wie glücklich bin ich in diesen Bewußtsein. Mir hat es in meinen Innern immer gesagt es wäre für Euch gewiß am beßten nach Pottenstein zu kommen, weil ich es dort am sichersten, für meinen lieben guten'' [unterstrichen:] ''Franz ist'' [halte] '', weil in Pottenstein kein so Gesindel ist, wie an beiden andren Orten. Leid thut es mir das wir heuer verzichten müßen Fan[n]y mit den 3 lieben / Kindlein zu sehen aber unter den gegebenen Umständen das die Großmutter'' [Fanny Kobler] ''dir nicht das Reisegeld schickt wie ich ihr gesagt. Wen sie will, das die Fany kömmt, so müße sie ihr halt die Reise zahlen da sie aber dieses nicht thut, so finde ich es schon für gerathener, dort zu bleiben, weil ja dort auch eine sehr gute Luft ist.''
''Die Großmutter läßt Euch recht herzlich grüßen, und läßt Euch sagen, wen jemmand nach Wien reißt, wo sie sich anschließen kann, so wird sie hinunter reisen und von Wien auß, an Euch Telegrafieren, wo sie in Wien zu hollen sey. Sie sieht es woll selbst ein, das es so beßer ist. Ich möchte / wohl fürchten, das Sie auch deine Bedingungen schon erfühlen würde, wenigstens so wie du es wünschest, und bezüglich der Rosa ist wie der Schleg[e]l sagt gar kein verlaßen'' [Verlass] ''weil sie von Prag so ungleich hier ankommen oft erst in der Nacht um ½ 12 Uhr sie sagt sie kön[n]te dir dieses gar nicht rathen. Mir ist es schon sehr leid, aber man muß sich in das unvermeidliche fügen. Sol[l]te die Großmutter Euch doch die 500 fl'' [Gulden] ''Zulage schü[c]ken, im fall sie es vergießt das Sie Euch 300 f[l] schon geschückt hat, so würde ich nicht viel darüber schreiben, ich sage dieß nur darum, weil sie neulich sagte, wie ich ihr / zugeredet sie möchte dir die Reise zahlen | ich habe ihnen ohnedieß so viel geschückt, und kann mich nicht lebendig erben lassen, mich würde es für Euch freuen wen sie es Euch so belassen würde.''
''Morgen reise ich nach Hall ich hoffe von den Aufenthalt dort so gott will eine gute Würckung. Noch ist der Fuß be[i]weiten nicht gut. Bey Otto lassen sie dich herzlich grüßen es geht ihnen Gottlob zimmlich gut, nur den kleinen Rudolf ist unwohl, hat Fieber. Lebt alle recht wohl der kleinen Fan[n]y meinen herzlichen Dank für ihre lieben Zeilen Mit aller liebe und Danck // Eure // treue Mutter // Spángler.'' [Seite 1 unten, auf dem Kopf:] ''Fräulein Rosalie fahr[t] mit mir bis Hall und geht auch mit nach Baumkirchen was ich sehr froh bin''
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Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen (auf der Rückseite unleserlich etwas über die "Pflegerin" oder "Krankenwärterin"); […] = Auslassungen; [?] = unsichere Lesart<br />
Sammlung in einem Bogen, gefaltet, mit der Aufschrift "Briefe von der Betti."<ref>Vergleiche Brief vom 27. August 1879</ref> Ein Bogen (auf der Rückseite unleserlich etwas über die "Pflegerin" oder "Krankenwärterin"); […] = Auslassungen; [?] = unsichere Lesart<br />
''Grein vom 21 Juli [18]81 Hochgeehrte Frau! Mitt großen Bedauern ergreife ich heute die Feder um Sie zu verständigen, daß vorgestern von Herrn Nachbarn Katzinger ein Telegramm von Steyregg kam, das die liebe Frau Katzinger sehr schwer krank, u nach Hause gebracht werden wünscht. Herr K. fuhr natürlich gleich hin u brachte heute 10 Uhr vormittag die todtkranke Frau zu Hause, zwei Männer mußten Sie vom Schiff wegtragen'' […] / […] ''Das Gehör hat Sie ganz verloren, man muß selber jetzt aufschreiben, um ihr begreiflich zu machen. / Entschuldigen XX die schlechte Schrift, doch ich bin aufgeregt, es kam zu überraschend. Mitt Hochachtung Karoline Kristlbauer [?].'' Am 9. August 1881 starb Betti Katzinger, 56 Jahre alt.
''Grein vom 21 Juli [18]81 Hochgeehrte Frau! Mitt großen Bedauern ergreife ich heute die Feder um Sie zu verständigen, daß vorgestern von Herrn Nachbarn Katzinger ein Telegramm von Steyregg kam, das die liebe Frau Katzinger sehr schwer krank, u nach Hause gebracht werden wünscht. Herr K. fuhr natürlich gleich hin u brachte heute 10 Uhr vormittag die todtkranke Frau zu Hause, zwei Männer mußten Sie vom Schiff wegtragen'' […] / […] ''Das Gehör hat Sie ganz verloren, man muß selber jetzt aufschreiben, um ihr begreiflich zu machen. / Entschuldigen XX die schlechte Schrift, doch ich bin aufgeregt, es kam zu überraschend. Mitt Hochachtung Karoline Kristlbauer [?].'' Am 9. August 1881 starb Betti Katzinger, 56 Jahre alt.
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==== Brief vom 21. Juli 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Pottenstein; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; Leseabsätze eingefügt:<br />
''Baumkirchen den 21/7 [18]81 // Meine inigst geliebten Theuren! // Ich danche recht herzlich für Eure lieben Briefe, und freue mich sehr das Ihr alle wohl seid. Uns geht es gottlob auch gut, mein Fuß scheint mir doch auch beßer zu werden, dieser Nerv scheint sich immer mehr zu verkleinern; wen'' [ich] ''es nicht weiß würde'' [ich] ''kaum mehr etwas bemmercken, jedoch bis er nicht ganz in Ordnung ist fühlt man immer noch das er nicht ganz in der Ordnung ist, aber ich hoffe zu Gott, es wird noch ganz gut werden. Es ist wa[h]r, das die liegende Stellung für den Fuß in jeder Beziehung gut ist, aber für den ganzen übrigen Körper sehr nachtheilig / das habe ich an mir selbst erfahren, ich bin sehr abgemagert, habe sehr matt außgesehen, habe den Apetit verloren, kurz es hat mir in anderer'' [jeder] ''Beziehung schlecht behagt, so bleibe ich wohl immer in der Früh länger liegen, habe wen ich auf bin, und sitze, den Fuß immer auf einen erhö[h]ten Schämel.''
''Was es wegen des kommen[s] der Fan[n]y nach Salzburg habe ich ja ohnedieß im Nahmen der Großmutter geschrieben, das sie es, unter den gegebenen Verhältnißen der Fan[n]y, selbst einsieht, das es für dieses Jahr beßer ist, wen sie nicht kömmt, und wen die Großmutter / jemand findet, der eben hinunter'' [nach Wien] ''reißt, mitreisen würde, um Euch und die lieben Kinder zu sehen. Ich habe es wohl auch ganz natürlich gefunden das die Fan[n]y dieses geschrieben, den[n] so wie es die Liese hat, würde keine andere Magd ihr bleiben, diese hat das ganze Jahr keinen Kaffe.<ref>Das steht da. Bedeutung vermutlich, dass die Magd Liese keinen Kaffee bekommt. Unter solchen Umständen würde keine andere Magd bleiben.</ref> Es ist wahr es würde viel-leicht<ref>In der Worttrennung mit doppeltem l, sonst schriebt sie immer "vieleicht".</ref> bei der Liese eine Unzufriedenheit hervorbringen, obwo[h]ll sie sich darüber gar nicht außgesprochen hat, aber vieleicht hat sie sich es bey sich selbst gedacht.''
''Otto'' [der Bruder vom Franz] ''geht mit den kleinen, Otto nach Wien und Pottenstein, weil Otto den 3 t[en] Preis bekommen hat, da wird sie'' [die Großmutter] ''gewiß mitgehen wollen, wen sie es erfährt, aber / Otto würde keine Freude haben. Lieber Franz mich freut es ja jederzeit wan du kömmst wen[n] es auch im Ocktober ist, vieleicht ist bis dahin mein Fuß auch gut, das ich doch dort, und dahin, mitgehen könte. Leid ist mir schon das ich Heuer die Kinder und die gute Fan[n]y nicht sehen kann.''
''Wir werden bis 28 te[n] hier bleiben, dan vieleicht noch ein paar Tage in Hall, und dan mit Gottes Hülfe wider nach Hauße. Die Schwester Therese ist dießmal Gottlob sehr frisch und sieht sehr gut auß. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, ob ich nicht doch vieleicht einmal nach Pottenstein komme. Die Luft soll dort nach aller Außsage sehr gut sein. Die kleine Fan[n]y wird halt doch zu klein sein, das sie Franz mit sich nehmen könnte, zu uns herauf? ich getraue mir nicht zuzureden. Lebt recht wohl Es küßt und grüßt Euch alle recht in[n]ig // Eure Euch alle herzlichliebend // Eure treue Mutter Spángler.'' [Seite 4 oben, auf dem Kopf:] ''Von Schwester Therese, und Fräulein Rosalie welche am Sammstag 23 t[en] von hier abreißt alles Schöne.''
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==== Brief vom 26. Oktober 1881 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
==== Brief vom 26. Oktober 1881 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 79] Fanny Kobler: Brief aus Pottenstein 26. 10. 1881:<br /> ''Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.'' [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, "doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen". Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. "Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl."
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 79] Fanny Kobler: Brief aus Pottenstein 26. 10. 1881:<br /> ''Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.'' [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, "doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen". Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. "Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl."
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==== Brief vom 16. November 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Pottenstein; ein Bogen mit farblosem Prägedruck "Salzburg"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; Leseabsatz eingefügt:<br />
''Salzburg den 16/11 [1881]<ref>Der Brief ist ohne Jahreszahl, war aber im Bündel hier eingeordnet; gleiches gilt für den folgenden Brief vom 30. November. Das Briefpapier mit diesem Prägedruck wird hier zuerst verwendet und taucht vorher in ihren Briefen nicht auf. Auch inhaltlich passt der Brief hierher.</ref> // Meine inigst geliebten // Theuren! // Da Morgen Otto nach Wien geht, so kan ich nicht unterlassen Euch zu schreiben. Die Großmutter hat mir den Brief zum lesen geschückt, und es hat mich sehr gefreut zu hören das Ihr gottlob alle gesund, und heiter seid. Fan[n]y hat ja die Kindlein wunderschön zusammen gesetzt, da werden die Kindlein eine große Freude haben, der ganze Anzug wird ihnen gewiß recht gut stehen, ich möchte sie gerne damit sehen. Mir scheint mit den kommen des Franz, schaut nicht viel herauß. so sehr es mich freuen würde ihm [!] zu sehen – so muß / ich doch wen dann Franz, im nächsten Jahr, wan Fan[n]y mit den Kindern kömmt nicht kommen könte, so will ich lieber jetzt verzie[c]ht leisten, den dieß ist mir gar so gemüthlich, wen alle bey mir sind, ich freue mich jetzt schon wider auf diese Zeit. Ich meine, wen es jetzt wider schlecht wird, so wird es gewiß recht ungemütlich kalt werden, und was hat dann Franz hier, für einige Tage ist die Reise zu theuer, und länger wird er sich in dieser schlechten Jahreszeit, nicht unterhalten. im Sommer kann man Partien'' [Ausflüge] ''machen, wo alle froh sind wen jemmand sich darum annimt. / ''
''Thue wie du willst. Bey Euch ist es jetzt gewiß auch recht schön Wetter, bey uns ist es schön, und warmm, ich bin sehr froh besonders für meinen Fuß, ich bin sehr begierig ob der Fuß bis im Sommer wider so gut ist, das ich wider Spatzieren gehen kann, was ich sehr froh wäre, wenigstens kann ich wider so gehen das niemmand kennt das ich einen leidenden Fuß habe. Auch kann ich wen es noth thäte sogar wider laufen, auch über die Stiege wider gehen wie andere Leute Gott seys gedannckt, was ich jetzt selbst gebraucht hat mir am beßten von allen gethan, und ich habe gar keine Mühe mehr mit dem Fuß. / '' [Seite 2 oben, auf dem Kopf:] ''Die Angermeyer'' [Angermayer] ''läßt Euch recht herzlich grüßen, und danncken für die vielen Briefe mit welchen ihr sie erfreut. Er und einmal sie waren da zu fragen ob Franz noch nicht kömmt. F Rosalie läßt auch schon grüß[en]''
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==== Brief vom 30. November 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Pottenstein; ein Bogen mit farblosem Prägedruck "Salzburg"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; Leseabsatz eingefügt:<br />
''Salzburg den 30/11 [1881]<ref>Der Brief ist ohne Jahreszahl, war aber im Bündel hier eingeordnet. Gleiches gilt für den vorangehenden Brief vom 16. November. Inhaltlich passen sie zu den vorangehenden Briefen.</ref> // Meine lieben // Theuren! // Einen lieben, aber ganz verzwickten Brief, habe ich richtig erhalten, und viel gelacht, und darauß gesehen das es Euch in Pottenstein nicht schlecht geht, da der Muthwillen der Fan[n]y so sehr überhand nimmt. Ich möchte schon die Fan[n]y als das'' [unterstrichen:] ''Fanckerl [?] bezeichnen, und den Franz so, das er ein gutes Gesicht dazu macht. No – No [?] seid nur lustig es ist schon recht, und freut mich. Der Großmutter welch[e] Franz zum Nammenstag alles erdenckliche gute wünschen läßt, hat herzlich über diesen Brief gelacht, aber auch gefreut weil sie darauß sieht, das Es [!] Euch  gut / [geht]. Lieber Franz Tausend Glück und Segen zu deinem kommenden Nammensfeste, mögest du alles erreichen was dich, und die Deinen, beglücken kann, vor allen, eine recht dauerhafte Gesundheit, weil man dan alle Stürmme des Lebens, leichter erträgt. Behalte mir deine fürsorgliche Liebe. Ich danncke dir recht schön für den Nammensfest Beytrag, fürs ganze Jahr. Mit deinen komen für das Jahr 81 wird’s wohl gar sein, ich meine schon es wäre beßer geschwind das nächste Jahr wen die Fan[n]y mit den Kindern kömt, es ist gewiß dort viel lußtiger auch für die Fan[n]y. Ich befürchte[te], du würdest vieleicht im nächsten Jahr dann keinen Urlaub bekommen und ich freue mich jetzt schon darauf.''
''Otto hat dich recht gut außsehen gefunden, da möchte ich schon immer mitfliegen könen, um dich zu sehen. Das Ihr alle gesund seit [!] bin ich schon recht herzlich froh, nun wird die kleine Rosa schon bald laufen, da sie amm 12 Dezemmber 1 Jahr alt wird<ref>Das stützt die Datierung, vgl. die vorige Fußnote. Rosa Spängler wird 1880 in Wien geboren, allerdings am 11. Dezember.</ref>, da wird es dann auch schon wider leichter die kleine Elsa ist auch ein sehr liebes Kind, sie kent schon recht gut ihren Nammen und wen sie fragen wo ist den die Großmutter so schaut sie mich an und lacht.<ref>Elisabeth (Elsa) Spängler, Tochter von [[Otto Spängler]] (* 22. Mai 1881 in der Stadt Salzburg)</ref> / bey Spángler ist alles Glücklich vorbey gegangen, sie ist froh das es vorbey ist. Aber es ist schön, das sie es erkenen was sie leistet. <ref>Es ist mir [O. H.] unklar, was hier angedeutet wird. Elsa wurde im Mai 1881 geboren, Maria Spängler am 11. Januar 1883.</ref> Auf Morgen habe ich alle Spángler auf Nachimmttag [!] zu mir geladen. da werden wir wohl Abends [auf] deine, und der deinen Gesundheit trüncken. // ''
''Die F Rosalie Hemmf'' [Hempf] ''läßt dir nebst vielen Grüßen auch herzlich zum Nammensfest Glück wünschen. Am Freitag ist um ½ 9 die Heil Meße für den Vater, in Domm Lebt nun alle recht wohl seid alle herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer // Euch // treu liebenden // Mutter Spángler. // Von denen Hofrichter Spángler herzliche Glückwünsche nebst Gruß.'' [Seite 1 oben, auf dem Kopf:] ''Von Schwester Therese herzliche glückwünsche und grüße.''
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''Hall am 1 Dezember'' [ohne Jahr; angenommen 1881] ''Mein lieber teuerer Franz recht herzlichen Dank für deine und deiner lieben Frau herzlichen Glückswünsche, und Votoprapien zu meinen Namenstag welche mich ser erfreiten, auch ich Wünsche dir von ganzen Herzen alles gute zu deinen kommenden Namensfest! Gott erhalte dich und all deine lieben recht Gesund und Zufrieden, und ich bitte erhaltet mich in deinen freindlichen Andenken. Es freit mich herzlich das ich aus deinen Brief / sah das ihr euch alle wohl befindet, und auch mir geht es wie es das hohe Alter erlaubt möglichst gut, so lang ich doch ausgehen kan mus ich schon Zufrieden sein mit kleinen Leiden. Recht freien tet es mich wen du einmahl nach Hall komen köntest wenn du Urlaub bekomst jetzt sind auch die Detardori [?] in Hall von Brixen heraus'' [darüber geschrieben:] ''Die Sauter Ludewika'' ''der Herr ist in Brefirn [?] und der Sohn Studirt hir in Ginasium. es ist ein Sohn und 2 Töchter / Ich Wünsche euch auch zum neien Jahr von ganzen Herzen alle gute, Gott erhalte euch alle Gesund und Zufrieden. Das glaub ich gern das die Fani froh ist wen die Kinder in der Schule sind, aber es ist ja doch gut wen sie Gesund und Lebhaft sind. Wie ich hörte von der Payr welche vor kurzen bey mir war, befindet sich der Bamberger möglichst gut, aber die Frau seyso Elend von vielen Anstrengen bereits unkennlich [?], der Herr Erlach von Hall so / unterdessen den Dienst versah und jetzt wieder in Hall ist sagte noch bedenklicher[.] Gott gebe das es sich bald bessert. Ich Danke auch der lieben Fani recht herzlich für ihre lieben Zeilen es macht mir imer ein grosses Fergnigen wen ich von niheten [?] was höre. Ich wiederhole meine herzlichsten Glückswünsche und empfele auch alle in den Schutz Gottes, im täglichen Gebethe und verbleibe euere euch trei liebente Alte Tante Therese v. Lürzer[.] Deinen Wunsch gemeß lieber Franz schick ich dir eine fotogravi von mir ich bin jetzt um zwanzig Jahr älter.''  
''Hall am 1 Dezember'' [ohne Jahr; angenommen 1881] ''Mein lieber teuerer Franz recht herzlichen Dank für deine und deiner lieben Frau herzlichen Glückswünsche, und Votoprapien zu meinen Namenstag welche mich ser erfreiten, auch ich Wünsche dir von ganzen Herzen alles gute zu deinen kommenden Namensfest! Gott erhalte dich und all deine lieben recht Gesund und Zufrieden, und ich bitte erhaltet mich in deinen freindlichen Andenken. Es freit mich herzlich das ich aus deinen Brief / sah das ihr euch alle wohl befindet, und auch mir geht es wie es das hohe Alter erlaubt möglichst gut, so lang ich doch ausgehen kan mus ich schon Zufrieden sein mit kleinen Leiden. Recht freien tet es mich wen du einmahl nach Hall komen köntest wenn du Urlaub bekomst jetzt sind auch die Detardori [?] in Hall von Brixen heraus'' [darüber geschrieben:] ''Die Sauter Ludewika'' ''der Herr ist in Brefirn [?] und der Sohn Studirt hir in Ginasium. es ist ein Sohn und 2 Töchter / Ich Wünsche euch auch zum neien Jahr von ganzen Herzen alle gute, Gott erhalte euch alle Gesund und Zufrieden. Das glaub ich gern das die Fani froh ist wen die Kinder in der Schule sind, aber es ist ja doch gut wen sie Gesund und Lebhaft sind. Wie ich hörte von der Payr welche vor kurzen bey mir war, befindet sich der Bamberger möglichst gut, aber die Frau seyso Elend von vielen Anstrengen bereits unkennlich [?], der Herr Erlach von Hall so / unterdessen den Dienst versah und jetzt wieder in Hall ist sagte noch bedenklicher[.] Gott gebe das es sich bald bessert. Ich Danke auch der lieben Fani recht herzlich für ihre lieben Zeilen es macht mir imer ein grosses Fergnigen wen ich von niheten [?] was höre. Ich wiederhole meine herzlichsten Glückswünsche und empfele auch alle in den Schutz Gottes, im täglichen Gebethe und verbleibe euere euch trei liebente Alte Tante Therese v. Lürzer[.] Deinen Wunsch gemeß lieber Franz schick ich dir eine fotogravi von mir ich bin jetzt um zwanzig Jahr älter.''  


Schluss fehlt offenbar, ebenso die Unterschrift; das erwähnte Foto ist mir unbekannt.
Schluss fehlt offenbar, ebenso die Unterschrift; das erwähnte Foto ist mir, [[Otto Holzapfel]], unbekannt.
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==== Brief vom 22. Dezember 1881 von Antonia Spängler an Franz Spängler ====
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Pottenstein; ein Bogen mit farblosem Prägedruck "Salzburg"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; Leseabsätze eingefügt; [?] = fraglich:<br />
''Salzburg den 22/12 [18]81 // Meine lieben Theuren! // Recht herzlichen dank für das so reichliche Christgeschenck. Das Haubchen ist allerliebst, ich werde es am heiligen Tag aufsetzen, die Schürze ist sehr hübsch und von einen sehr guten Zeug, ich danncke für alles herzlich. Den Rehschlegel da habe ich mir ein stückel herunter geschnitten, und gleich den andern Tag eingemacht, und hat mir sehr gut geschmeckt, und den ganzen Schleg[e]l habe ich den Otto zum Geschenck gegeben. Ich hätte allein viel zu lange gebraucht bis ich denselben esse, und nur einen kleinen Theil davon kann man ihm nicht geben, sie hatten eine Freude davon unsere Lina'' [Hausmagd] ''mag das Wildb[p]ret gar nicht, also ich allein könt Euch schon dencken wie lange ich zu essen hätte. / Ich bin zum Rehbrathen speisen oben eingeladen. // ''
 
''Die Großmutter läßt Euch dancken für das Weihnachtsgeschenck läßt Euch gute Feyertage wünschen Sie wird das Geld schon senden. Wie gerne hätte ich zur Verschönerung des Christbaum[s] denen Kindern einige kleine Sachen geschückt, so wie ich dieser Tage für Oben und auch für Koch gemacht habe, ich habe dieselben aber selbst erst, vorgestern gelernet [?], und gestern und heute in anwendung gebracht. Wen ich noch lebe, so sollen die Kinder das nächste Jahr verschiedenes bekommen, was Ihnen gewiß eine rechte Freude macht. Vieleicht ist eben jetzt der Christbaum für die armmen [?] Kinder wo die Frau Bezirksrichterin, die Hauptrohle spielen wird. Die 2 größern Kinder wirst du gewiß auch mitnehmen, die werden schauen. / ''
 
''Franz hoffe ich wird wohl die 5 fl'' [Gulden] ''erhalten haben, welche ich Otto für Euch zum Weihnachtsgeschenck mitgegeben habe. Rosa hat zum Geburtstag auch etwas einzubringen welches ich den Otto übergeben werde, ich dachte schon am 12 t[en] / 12 daran, und freute mich das sie nun schon ein Jahr alt ist. Der liebe Gott schencke ihr Segen und gedei[h]en. Ich kann schon sagen das ich mich unendlich freue alle wider zu sehen, wie oft ich doch von der kleinen Fan[n]y rede, weil es mir immer noch so lebhaft im gedächtniß ist, wen sie von mir auf die Katze [!] gingen, immer sagte der Soldat hat ein bißerl gelb ein bissel Roth und der 3 t[e] ein bißel grün es ist ihr gar so lieb gestanden. Das Unglück In Wien hat uns alle gar schrecklich ergrieffen. O[b] es wahr / ist das die Bezircksrichters Wittwe Schneider unter den Verbranten steht, es ist schrecklich über 1000 sollen gestorben sein.''<ref>Ringtheaterbrand am 8. Dezember 1881 mit über 386 Toten; vgl. Wien Geschichte Wiki</ref>
 
''Vorgeßtern waren im Domm 4 Heil Meßen für den jungen Schattenfroh<ref>offenbar nicht Karl Schattenfroh, der 1883 starb; dem Brief vom 16. Jänner 1882 nach: Julius Schattenfroh [nicht näher identifiziert]</ref>, die sind ganz Trostlos. Hier ist Herr von Plaheka'' [Plachetka]<ref>Die Familie Plachetka wird in den Briefen häufig erwähnt, vgl. zuerst im Brief vom 8. Mai 1859; vgl. Brief vom 7. August 1882. Franz Plachetka war ein Mitschüler von Franz Spängler.</ref> ''zum sterben wen es nicht schon vorbey ist, er war heute früh schon sehr schlecht. In Wien ist Lürzer Max<ref>Vgl. [[Lürzer von Zehendthal]]; "Max" in Wien bisher nicht näher identifiziert.</ref> ebenfals zum sterben wen er nicht schon gestorben ist. Der Fuß mußte ihm 2 mal abgenohmen werden. Seine Famil[ie] verliehrt viel an ihm er hat 4 davon unterstützt Meine lieben ich dannke Euch recht herzlich für alles was Ihr mir in diesen Jahr gutes gethan habt, der liebe Gott möge es Euch segnen. Ich Wünsche Euch ein recht glückliches Neujahr behaltet mich immer lieb, wie Euch von ganzen Herzen liebt Eure treue Mutter // Antonia Spángler.'' [Seite 1 oben, auf dem Kopf:] ''Von Ottoischen'' [der Bruder vom Franz] ''viele herzliche Grüße.''
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[[Kategorie:Geschichte]]
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