Kobler-Spängler-Briefe von 1872: Unterschied zwischen den Versionen

 
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== Über die Korrespondenz ==
== Über die Korrespondenz ==
Über seine Tochter Johanna [[Spängler]] (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, [[Rupert Holzapfel]] (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet mit Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (O. H.) (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
Über seine Tochter Johanna [[Spängler]] (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, [[Rupert Holzapfel]] (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet mit Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  


Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska ''Fanny'' Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter ''Fanny'' und Enkelkind ''Fanni''.<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter ''Fanny'' [Kobler] und Enkelin ''Fanni'' [Schlegel-Spängler].</ref>
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska ''Fanny'' Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter ''Fanny'' und Enkelkind ''Fanni''.<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter ''Fanny'' [Kobler] und Enkelin ''Fanni'' [Schlegel-Spängler].</ref>


== 1872 ==
== 1872 ==
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Brief von Fanni Schlegel [Nr. 19] an Franz Spängler [Nr. 18]:<br />
Brief von Fanni Schlegel [Nr. 19] an Franz Spängler [Nr. 18]:<br />


''Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVI 9/1 beantw mit LVII 11/1]''; rotes Siegel "F. S." [so auch alle folgenden Briefe dieses Päckchens]: ''Salzburg 7. Jänner 1872. ¾ 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Besten Dank für deinen lieben Brief sowie auch für deine Zeilen vom 3. die ich deinem Wunsch gemäß unbeantwortet ließ. Heute hatte ich schon mit großer Ungeduld auf eine Nachricht gewartet, und freue mich zu sehen, daß auch dir die hier verlebten Tage schön erschienen sind. Was die Geduld betrifft, wird die Zukunft lehren, wer von uns mehr von diesem nützlichen Artikel in Anspruch nimmt, daß ich ein recht garstiges Ding bin zuweilen, habe ich dir längst gesagt, allein meine gutgemeinte Warnung hast du nicht berücksichtigt, da kannst du dann zusehen wie du mit deinem Hauskreuz fertig wirst. Mit der Pedanterie werde ich schon auf Gleich zu kommen suchen, und hoffe auch meinen lieben Pedanten die Grillen verzeihen zu können, wenn solche wirklich wagen sollten, sich im Reiche Bereiche meines Burgfriedens zu zeigen. Heiterer Sinn, mit dem die gütige Natur mich versorgte, soll eine recht tüchtige Waffe gegen diese kleinen Unholde sein. Wandelt mich aber bisweilen ein kleiner Mutwille an, so wird eine kleine XX geringe Dosis Pedanterie deinerseits gerade das rechte Gleichgewicht herstellen. Weißt du, heute vor 8 Tagen litt ich unter einer solchen Anwandlung, wo du sagtest, ich sekire'' [ärgere, Anm.] ''dich. Jetzt sind schon ganze 8 7 Tage dahin, seit wir auf dem Bahnhofe Abschied nahmen! Wie doch die Zeit vergeht. Ich darf recht fleißig sein, wenn bis zum April Alles fertig sein soll. Morgen werde ich wahrscheinlich mein Reisekleid zuschneiden. Ich wählte zu diesem Zweck einen einfärbig grauen Stoff. Ich werde meine ganze Kunst aufbieten, damit ich zur Hochzeitsreise schön bin. Die Reisetour'' [-route, Anm.] ''haben wir wirklich nicht festgestellt, während deinem Hiersein, vielleicht nimmst du einmal die Karte zur Hand, und theilst mir dann die voraussichtlichen Haupstationen mit?''
''Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVI 9/1 beantw mit LVII 11/1]''; rotes Siegel "F. S." [so auch alle folgenden Briefe dieses Päckchens<ref>Ein neues Siegel für Fanni wird im vorigen Brief vom 6. Jänner 1872 erwähnt.</ref>]: ''Salzburg 7. Jänner 1872. ¾ 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Besten Dank für deinen lieben Brief sowie auch für deine Zeilen vom 3. die ich deinem Wunsch gemäß unbeantwortet ließ. Heute hatte ich schon mit großer Ungeduld auf eine Nachricht gewartet, und freue mich zu sehen, daß auch dir die hier verlebten Tage schön erschienen sind. Was die Geduld betrifft, wird die Zukunft lehren, wer von uns mehr von diesem nützlichen Artikel in Anspruch nimmt, daß ich ein recht garstiges Ding bin zuweilen, habe ich dir längst gesagt, allein meine gutgemeinte Warnung hast du nicht berücksichtigt, da kannst du dann zusehen wie du mit deinem Hauskreuz fertig wirst. Mit der Pedanterie werde ich schon auf Gleich zu kommen suchen, und hoffe auch meinen lieben Pedanten die Grillen verzeihen zu können, wenn solche wirklich wagen sollten, sich im Reiche Bereiche meines Burgfriedens zu zeigen. Heiterer Sinn, mit dem die gütige Natur mich versorgte, soll eine recht tüchtige Waffe gegen diese kleinen Unholde sein. Wandelt mich aber bisweilen ein kleiner Mutwille an, so wird eine kleine XX geringe Dosis Pedanterie deinerseits gerade das rechte Gleichgewicht herstellen. Weißt du, heute vor 8 Tagen litt ich unter einer solchen Anwandlung, wo du sagtest, ich sekire'' [ärgere, Anm.] ''dich. Jetzt sind schon ganze 8 7 Tage dahin, seit wir auf dem Bahnhofe Abschied nahmen! Wie doch die Zeit vergeht. Ich darf recht fleißig sein, wenn bis zum April Alles fertig sein soll. Morgen werde ich wahrscheinlich mein Reisekleid zuschneiden. Ich wählte zu diesem Zweck einen einfärbig grauen Stoff. Ich werde meine ganze Kunst aufbieten, damit ich zur Hochzeitsreise schön bin. Die Reisetour'' [-route, Anm.] ''haben wir wirklich nicht festgestellt, während deinem Hiersein, vielleicht nimmst du einmal die Karte zur Hand, und theilst mir dann die voraussichtlichen Haupstationen mit?''


''Wie war denn diesmal die Salzburger Versammlung? Hast du am Ende wieder Unschuldige zum Besuch des Kafehauses verleitet? wie neulich? Heute findet eine Redoute'' [Ball, Anm.] ''zum Besten der Volksküche statt. Lida ist bei den Verkäuferinnen in der Conditorei. Für sie beginnt hiermit der Fasching. Ich komme mir ordentlich erhaben in meiner heurigen Solidität vor. Heute war ich beim Mozarteumskonzerte. Ein blinder Klavierspieler ließ sich hören, er spielte sehr brav, namentlich sehr weich. Mich ergriff bei seinem Anblick tiefes Mitleid. Ich hatte Gelegenheit, ihn zu beobachten, während eine Symfonie v. Beethoven aufgeführt wurde, und beobachtete, wie lebhaft die Musik ihn bewegte. Manchmal glitt ein zufriedenes Lächeln über seine Züge, während unrichtige Töne ihm offenbar Mißbehagen erregten. Seine Erscheinung ist sehr sonderbar, auch seine SprXXX ist kaum so groß wie ich und sieht ziemlich leidend aus. Deiner guten Mutter habe ich deine Grüße entrichtet, sie findet es verzeihlich, daß du mir früher und öfter schreibst als ihr. Gestern war ich mit Lida noch einmal in [[Leopoldskroner Weiher|Leopolskron]], doch ist das Eis schon schlecht. Vielleicht war ich gestern zum letzten Male auf dem Eis, nächstes Jahr komme ich wo[h]l kaum dazu. Bei vielen Gelegenheiten denke ich mir jetzt: Das geschieht hier wo[h]l nicht mehr von mir. Es ist wie ein langsames Loslösen von bisher gewohnten Dingen, ein wortloser Abschied. Doch empfinde ich deßwegen keinen Schmerz. Freilich vor dem le[t]zten Abschied, der mir bevorsteht, habe ich bange. Da wirst du schon ein wenig an mir trösten müßen, wenn wir miteinander von hier weg reisen! Doch genug für heute! gute Nacht. – 8. Jänner 9 Uhr Morgens. Ich füge noch einige Zeilen bei, sonst komme ich nicht zur Arbeit! Du sagst, du wirst mir wieder ein Buch schicken, ich danke dir im Voraus dafür und freue mich schon darauf um so mehr als ich wieder etwas von dir hören werde. Ich werde deine Zeilen jedenfalls beantworten so bald ich kann. Wenn die Witterung so milde bleibt wie je[t]zt, wo es vollständig thaut, wird auch die Reise nach Wien nicht zu weit hinausgeschoben werden. Wie schön wird es sein, wenn du mich auf dem Westbahnhof erwarten wirst! Wenn ich nur einmal wüßte wann Emmas Hochzeit ist! Mir wäre viel lieber wenn die Reise nach derselben stattfände. Nun lebe recht wo[h]l und bleibe gut deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt dich. Vorgestern schickte ich unsere Fotografien nach Würzburg.''
''Wie war denn diesmal die Salzburger Versammlung? Hast du am Ende wieder Unschuldige zum Besuch des Kafehauses verleitet? wie neulich? Heute findet eine Redoute'' [Ball, Anm.] ''zum Besten der Volksküche statt. Lida ist bei den Verkäuferinnen in der Conditorei. Für sie beginnt hiermit der Fasching. Ich komme mir ordentlich erhaben in meiner heurigen Solidität vor. Heute war ich beim Mozarteumskonzerte. Ein blinder Klavierspieler ließ sich hören, er spielte sehr brav, namentlich sehr weich. Mich ergriff bei seinem Anblick tiefes Mitleid. Ich hatte Gelegenheit, ihn zu beobachten, während eine Symfonie v. Beethoven aufgeführt wurde, und beobachtete, wie lebhaft die Musik ihn bewegte. Manchmal glitt ein zufriedenes Lächeln über seine Züge, während unrichtige Töne ihm offenbar Mißbehagen erregten. Seine Erscheinung ist sehr sonderbar, auch seine SprXXX ist kaum so groß wie ich und sieht ziemlich leidend aus. Deiner guten Mutter habe ich deine Grüße entrichtet, sie findet es verzeihlich, daß du mir früher und öfter schreibst als ihr. Gestern war ich mit Lida noch einmal in [[Leopoldskroner Weiher|Leopolskron]], doch ist das Eis schon schlecht. Vielleicht war ich gestern zum letzten Male auf dem Eis, nächstes Jahr komme ich wo[h]l kaum dazu. Bei vielen Gelegenheiten denke ich mir jetzt: Das geschieht hier wo[h]l nicht mehr von mir. Es ist wie ein langsames Loslösen von bisher gewohnten Dingen, ein wortloser Abschied. Doch empfinde ich deßwegen keinen Schmerz. Freilich vor dem le[t]zten Abschied, der mir bevorsteht, habe ich bange. Da wirst du schon ein wenig an mir trösten müßen, wenn wir miteinander von hier weg reisen! Doch genug für heute! gute Nacht. – 8. Jänner 9 Uhr Morgens. Ich füge noch einige Zeilen bei, sonst komme ich nicht zur Arbeit! Du sagst, du wirst mir wieder ein Buch schicken, ich danke dir im Voraus dafür und freue mich schon darauf um so mehr als ich wieder etwas von dir hören werde. Ich werde deine Zeilen jedenfalls beantworten so bald ich kann. Wenn die Witterung so milde bleibt wie je[t]zt, wo es vollständig thaut, wird auch die Reise nach Wien nicht zu weit hinausgeschoben werden. Wie schön wird es sein, wenn du mich auf dem Westbahnhof erwarten wirst! Wenn ich nur einmal wüßte wann Emmas Hochzeit ist! Mir wäre viel lieber wenn die Reise nach derselben stattfände. Nun lebe recht wo[h]l und bleibe gut deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt dich. Vorgestern schickte ich unsere Fotografien nach Würzburg.''
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==== Brief vom 29. und 31. Jänner 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
==== Brief vom 29. und 31. Jänner 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Umschlagklappe mit Prägedruck „Blume", kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 31/1 72", rückseitig "Salzburg 1/… 9-… Früh 72" [verwischt]; Frl. [unterstrichen:] "Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z 10 II Sto[c]k". Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit Umschlag, aufgedruckte Marke 5 kr.; Umschlagklappe mit Prägedruck „Blume", kleines rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 31/1 72", rückseitig "Salzburg 1/… 9-… Früh 72" [verwischt]; Frl. [unterstrichen:] "Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z 10 II Sto[c]k". Zwei Bögen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
''Mödling 29. Jänner // 1872 Nachm. // Meine inniggeliebte Fanny! // Soeben komme ich von einem Spaziergange auf den Lichtenstein zurü[c]k, u beeile mich diesen Brief an dich zu beginnen, dem ich die ersten zarten Boten des bald beginnenden Frühjahres, die ersten grünen Blättchen die sich zwischen den Resten des Schnee’s hervorwagen beischließe. Wenn wir nun schon volles blühendes Frühjahr hätten! Aber derlei kleine Boten werden noch so manches Mal von neuer Schneede[c]ke verhüllt werden, bis die wärmenden Sonnenstrahlen den unbestrittenen Sieg über Schnee u Frost erringen! O daß ich dann auch mit aller Kraft der Liebe, die in der Brust des Mannes wohnt, der Deinen Liebe dir erse[t]zen möge, den Verlust der Deinen di[e]s Gefühl, dß sie Dich glü[c]klich wißen. / Diese schönen Worte Rü[c]kerts kommen mir immer wieder in den Sinn, teils [?] von dem lebhaften Wunsch der Erfüllung u von dem VersuXX begleitet, mir eifrigst dieß angelegen sein zu lassen. Gestern wurde ich in Wien bei einer Familie wieder einmal über Deine dichterischen Leistungen interpellirt [?], ich gab in Uebereinstimmung mit dem, was ich Dir versprochen, die Erklärung, dß dieß eine schon länger hinter Dir liegende Jugendschwäche gewesen sei. Habe ich recht getan? Ich hatte die mir damals von Dir gesandten Gedichte nicht bei mir; wer weiß, was sonst geschehen wäre. Meinen gestrigen Brief sammt Inhalt hast Du hoffentlich heute noch vor Schluß Des Deinen<ref>Ich [O. H.] habe Probleme damit, in der Schrift von Franz groß oder klein geschriebenes "d" zu unterscheiden. Ich bitte zu entschuldigen, dass ich (aus Zeitmangel) frühere Briefe nicht nachträglich nochmals daraufhin durchsehe. Inhaltlich störend ist es nicht. "D" hat einen größeren Bogen oben und beginnt den nächsten Buchstaben mit der Durchstreichung des D; "d" hat einen einfachen S-Bogen und der Folgebuchstabe wird (zumeist) neu angesetzt. Der Unterschied ist oft minimal, zuman das kleine d zuweilen "groß" geschrieben wird.</ref> erhalten, u ich gebe mich der Hoffnung hin, dß er Dir Freude machte. // Doch genug für je[t]zt; ich muß mich wieder der Arbeit zuwenden; für morgen freue ich mich schon sehr auf Deinen Brief! Lebe wo[h]l, lieber Scha[t]z u. behalte mich lieb! /''
''Mödling 29. Jänner // 1872 Nachm. // Meine inniggeliebte Fanny! // Soeben komme ich von einem Spaziergange auf den Lichtenstein zurü[c]k, u beeile mich diesen Brief an dich zu beginnen, dem ich die ersten zarten Boten des bald beginnenden Frühjahres, die ersten grünen Blättchen die sich zwischen den Resten des Schnee’s hervorwagen beischließe. Wenn wir nun schon volles blühendes Frühjahr hätten! Aber derlei kleine Boten werden noch so manches Mal von neuer Schneede[c]ke verhüllt werden, bis die wärmenden Sonnenstrahlen den unbestrittenen Sieg über Schnee u Frost erringen! O daß ich dann auch mit aller Kraft der Liebe, die in der Brust des Mannes wohnt, der Deinen Liebe dir erse[t]zen möge, den Verlust der Deinen di[e]s Gefühl, dß sie Dich glü[c]klich wißen. / Diese schönen Worte Rü[c]kerts kommen mir immer wieder in den Sinn, teils [?] von dem lebhaften Wunsch der Erfüllung u von dem VersuXX begleitet, mir eifrigst dieß angelegen sein zu lassen. Gestern wurde ich in Wien bei einer Familie wieder einmal über Deine dichterischen Leistungen interpellirt [?], ich gab in Uebereinstimmung mit dem, was ich Dir versprochen, die Erklärung, dß dieß eine schon länger hinter Dir liegende Jugendschwäche gewesen sei. Habe ich recht getan? Ich hatte die mir damals von Dir gesandten Gedichte nicht bei mir; wer weiß, was sonst geschehen wäre. Meinen gestrigen Brief sammt Inhalt hast Du hoffentlich heute noch vor Schluß Des Deinen<ref>Ich, [[Otto Holzapfel]], habe Probleme damit, in der Schrift von Franz groß oder klein geschriebenes "d" zu unterscheiden. Ich bitte zu entschuldigen, dass ich (aus Zeitmangel) frühere Briefe nicht nachträglich nochmals daraufhin durchsehe. Inhaltlich störend ist es nicht. "D" hat einen größeren Bogen oben und beginnt den nächsten Buchstaben mit der Durchstreichung des D; "d" hat einen einfachen S-Bogen und der Folgebuchstabe wird (zumeist) neu angesetzt. Der Unterschied ist oft minimal, zuman das kleine d zuweilen "groß" geschrieben wird.</ref> erhalten, u ich gebe mich der Hoffnung hin, dß er Dir Freude machte. // Doch genug für je[t]zt; ich muß mich wieder der Arbeit zuwenden; für morgen freue ich mich schon sehr auf Deinen Brief! Lebe wo[h]l, lieber Scha[t]z u. behalte mich lieb! /''


''31/1. Nachm. // Gestern hoffte ich vergeblich auf einen Brief von Dir, u erhielt dann erst nachmittags die Correspondenzkarte, welche mir die Erklärung der Verzögerung brachte, heute früh kam dann Dein Brief in meine Hände für den ich Dir herzlich danke, doch möchte ich recht gerne Deine Briefe mitunter etwas länger wünschen! // Deinen Eltern bitte ich mein Beleid wegen des Verlustes der kleinen Berta<ref>Berta Schlegel (* 20. Dezember 1871; † 26. Jänner 1872)</ref> zu entrichten, schmerzlich bleibt der Verlust besonders für die Mutter immer, auch dann, wenn so viele da sind. Den Spendern der Hochzeitsgeschenke bitte ich auch meinen verbindlichsten Dank zu entrichten, nur sind diese etwas ernster gemeint, als jene – 2 [t]en u die himmlische Nudelwalzer, die ich damals erhielt. Nebenbei XX die 2 [t]en habe [?] ich noch immer aufgehoben, / um sie seinerzeit für den Zwe[c]k, zu dem sie gewidmet wurden, zu verwenden. // Meine Mutter schrieb mir auch, dß du mit der Ausstattung schon fast fertig seiest; du siehst da, dß wir mit der Bestimmung der Hochzeit für April eigentlich zu weit hinaus angetragen haben, denn nun werden die Sachen noch etliche Wochen unbenü[t]zt liegen müßen, u. da[s] ist doch schade! // Wenn übrigens bei Euch wieder vorzügliches Eis ist, so ist dies ein Zeichen, dß es bei Euch viel kälter ist, denn wir haben hier wie auch der Eingang dieses Briefes dir schon angedeutet haben wird, entschiedenes Thauwetter. //''
''31/1. Nachm. // Gestern hoffte ich vergeblich auf einen Brief von Dir, u erhielt dann erst nachmittags die Correspondenzkarte, welche mir die Erklärung der Verzögerung brachte, heute früh kam dann Dein Brief in meine Hände für den ich Dir herzlich danke, doch möchte ich recht gerne Deine Briefe mitunter etwas länger wünschen! // Deinen Eltern bitte ich mein Beleid wegen des Verlustes der kleinen Berta<ref>Berta Schlegel (* 20. Dezember 1871; † 26. Jänner 1872)</ref> zu entrichten, schmerzlich bleibt der Verlust besonders für die Mutter immer, auch dann, wenn so viele da sind. Den Spendern der Hochzeitsgeschenke bitte ich auch meinen verbindlichsten Dank zu entrichten, nur sind diese etwas ernster gemeint, als jene – 2 [t]en u die himmlische Nudelwalzer, die ich damals erhielt. Nebenbei XX die 2 [t]en habe [?] ich noch immer aufgehoben, / um sie seinerzeit für den Zwe[c]k, zu dem sie gewidmet wurden, zu verwenden. // Meine Mutter schrieb mir auch, dß du mit der Ausstattung schon fast fertig seiest; du siehst da, dß wir mit der Bestimmung der Hochzeit für April eigentlich zu weit hinaus angetragen haben, denn nun werden die Sachen noch etliche Wochen unbenü[t]zt liegen müßen, u. da[s] ist doch schade! // Wenn übrigens bei Euch wieder vorzügliches Eis ist, so ist dies ein Zeichen, dß es bei Euch viel kälter ist, denn wir haben hier wie auch der Eingang dieses Briefes dir schon angedeutet haben wird, entschiedenes Thauwetter. //''
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''Mödling 24/2 1872 // Meine innig geliebte Fanny! // Ich beginne heute schon diesen Brief, mit dem Berichte, dß heute die Betten glü[c]klich angekommen sind u dß sie sich bereits in unserer Wohnung befinden. Als ich heute kurz vor der Ueberbringung der Sachen unsere Wo[h]nung<ref>"Wohnung" mit und ohne Dehnungs-h stehen tatsächlich nebeneinander.</ref> betrat, war der erste Gedanke, wie natürlich, der an Dich, mein lieber Scha[t]z, der 2te ein inniges Gebet um Segen für unsere Ehe. Wenn nur Du auch schon bald demnächst! Wie oft wünsche ich Dich se[h]nsüchtig an meine Seite! wie oft mache ich während der Arbeit eine Pause, wo ich Deiner gedenke, u. den Wunsch, Dich in meine Arme schließen zu können, so recht lebhaft sich geltend macht. In 6 Tagen hoffe ich, / ja, dß diese Wünsche, wenn auch nur für kurze Zeit, erfüllt sind. Auf die Frage, ob Ihr über den 9. März hier bleiben werdet, hast Du mir keine Antwort gegeben; ich glaube daraus zu entne[h]men, dß darüber noch nichts gewißes bestimmt ist. Ich laße übrigens die Großmutter recht herzlich bitten, dß sie es einrichten möge, dß Ihr Euren Namenstag noch in Wien zubringet. Du schreibst dß Du schon se[h]r neugierig auf unsere Wo[h]nung seist; ich finde das se[h]r erklärlich, ich hoffe aber auch, dß sie Dir gefallen werde; mir hat sie heute wieder se[h]r gut gefallen, viel besser, als damals am 2 Febr., wo ich sie in der Abenddämmerung zum le[t]zten Male sah.''
''Mödling 24/2 1872 // Meine innig geliebte Fanny! // Ich beginne heute schon diesen Brief, mit dem Berichte, dß heute die Betten glü[c]klich angekommen sind u dß sie sich bereits in unserer Wohnung befinden. Als ich heute kurz vor der Ueberbringung der Sachen unsere Wo[h]nung<ref>"Wohnung" mit und ohne Dehnungs-h stehen tatsächlich nebeneinander.</ref> betrat, war der erste Gedanke, wie natürlich, der an Dich, mein lieber Scha[t]z, der 2te ein inniges Gebet um Segen für unsere Ehe. Wenn nur Du auch schon bald demnächst! Wie oft wünsche ich Dich se[h]nsüchtig an meine Seite! wie oft mache ich während der Arbeit eine Pause, wo ich Deiner gedenke, u. den Wunsch, Dich in meine Arme schließen zu können, so recht lebhaft sich geltend macht. In 6 Tagen hoffe ich, / ja, dß diese Wünsche, wenn auch nur für kurze Zeit, erfüllt sind. Auf die Frage, ob Ihr über den 9. März hier bleiben werdet, hast Du mir keine Antwort gegeben; ich glaube daraus zu entne[h]men, dß darüber noch nichts gewißes bestimmt ist. Ich laße übrigens die Großmutter recht herzlich bitten, dß sie es einrichten möge, dß Ihr Euren Namenstag noch in Wien zubringet. Du schreibst dß Du schon se[h]r neugierig auf unsere Wo[h]nung seist; ich finde das se[h]r erklärlich, ich hoffe aber auch, dß sie Dir gefallen werde; mir hat sie heute wieder se[h]r gut gefallen, viel besser, als damals am 2 Febr., wo ich sie in der Abenddämmerung zum le[t]zten Male sah.''


''Die eingelangten Sachen ließ ich verpa[c]kt in das 1[te] Zimmer stellen u. habe der Hausfrau aufgetragen, dß sie ja / gewiß dafür sorge, dß die Haustüre stets ordentlich gesperrt sei. In dem Boden der Küche u des Vorzimmers wurden einige Fugen mit Holzstäbchen ausgefüllt, wie ich angeordnet hatte. Ich bin nun neugierig, welche Einteilung der Wo[h]nung wir treffen werden. Ich meine wir sollten zunächst für den Sommer das Eßzimmer zum Schlaf- u Wohnzimmer [!], daß 1. (vom Vorzimmer unmittelbar) zum Salon u. das 3. (von der Küche hinein) zum Fremden-Zimmer machen. // Noch möchte ich Dich, weil Du auch hierauf nicht geantwortet, Dich nochmals erinnern, daß [!] Du Taufschein u Großjä[h]rigkeits-Erklärung mitbringst. // Doch genug für heute; morgen erhalte ich ja hoffentlich ohnehin einen Brief von Dir. Gute Nacht meine Liebe! // 25/2 1872 // Ich muß Dich zunächst mit Bezug / auf Eure Reise noch darauf aufmerksam machen, dß Ihr Euch mit sehr [!] festen Lederstiefletten versehen möget, denn hier ist ein fürchterlicher Koth. // Dann DXX Dir zur erfreulichen Ken[n]tniß, dß die von der Regierung beantragte Gehaltsaufbesserung 15 %, also 120 fl [Gulden] beträgt, dß sie aber nach dem gestrigen Beschluße des Finanzausschußes auf 20 %, also 160 fl erhöht werden soll. Hiemit wäre unser Einna[h]men budget auf fast 2500 fl gebracht, u es bleibt nun selbstverständlich bei dem ursprünglich verabredeten Wirtschafts Gelde v. 80 fl.<ref>Das "Wirtschaftsgeld" ist offenbar ein vereinbarter Zuschuss der Großmutter von Fanni, [[Fanny Kobler]]. Wenn man die Auskünfte aus den vorangehenden Briefen vom 29. und 31. Jänner 1872 und vom 4. Februar 1872 dazunimmt, dann stellt sich für mich [O. H.] in etwa Folgendes dar: Franz hat ein Jahreseinkommen vom 2.500 Gulden, monatlich hat er, den Zuschuss der Großmutter mitberechnet, ca. 288 Gulden zur Verfügung. Nach dieser Berechnung – falls sie stimmt – braucht er etwa 14 % für die Miete. Gegenüber der heute üblichen Mietbelastung von, positiv berechnet, bis 30 % ist das erstaunlich wenig. Im Brief vom 3. und 4. Juli 1877 bittet Franz jedoch die Großmutter um eine erhöhte "Zulage", auch wegen der "leidigen" Miete.</ref> // ''
''Die eingelangten Sachen ließ ich verpa[c]kt in das 1[te] Zimmer stellen u. habe der Hausfrau aufgetragen, dß sie ja / gewiß dafür sorge, dß die Haustüre stets ordentlich gesperrt sei. In dem Boden der Küche u des Vorzimmers wurden einige Fugen mit Holzstäbchen ausgefüllt, wie ich angeordnet hatte. Ich bin nun neugierig, welche Einteilung der Wo[h]nung wir treffen werden. Ich meine wir sollten zunächst für den Sommer das Eßzimmer zum Schlaf- u Wohnzimmer [!], daß 1. (vom Vorzimmer unmittelbar) zum Salon u. das 3. (von der Küche hinein) zum Fremden-Zimmer machen. // Noch möchte ich Dich, weil Du auch hierauf nicht geantwortet, Dich nochmals erinnern, daß [!] Du Taufschein u Großjä[h]rigkeits-Erklärung mitbringst. // Doch genug für heute; morgen erhalte ich ja hoffentlich ohnehin einen Brief von Dir. Gute Nacht meine Liebe! // 25/2 1872 // Ich muß Dich zunächst mit Bezug / auf Eure Reise noch darauf aufmerksam machen, dß Ihr Euch mit sehr [!] festen Lederstiefletten versehen möget, denn hier ist ein fürchterlicher Koth. // Dann DXX Dir zur erfreulichen Ken[n]tniß, dß die von der Regierung beantragte Gehaltsaufbesserung 15 %, also 120 fl [Gulden] beträgt, dß sie aber nach dem gestrigen Beschluße des Finanzausschußes auf 20 %, also 160 fl erhöht werden soll. Hiemit wäre unser Einna[h]men budget auf fast 2500 fl gebracht, u es bleibt nun selbstverständlich bei dem ursprünglich verabredeten Wirtschafts Gelde v. 80 fl.<ref>Das "Wirtschaftsgeld" ist offenbar ein vereinbarter Zuschuss der Großmutter von Fanni, [[Fanny Kobler]]. Wenn man die Auskünfte aus den vorangehenden Briefen vom 29. und 31. Jänner 1872 und vom 4. Februar 1872 dazunimmt, dann stellt sich für mich, [[Otto Holzapfel]], in etwa Folgendes dar: Franz hat ein Jahreseinkommen vom 2.500 Gulden, monatlich hat er, den Zuschuss der Großmutter mitberechnet, ca. 288 Gulden zur Verfügung. Nach dieser Berechnung – falls sie stimmt – braucht er etwa 14 % für die Miete. Gegenüber der heute üblichen Mietbelastung von, positiv berechnet, bis 30 % ist das erstaunlich wenig. Im Brief vom 3. und 4. Juli 1877 bittet Franz jedoch die Großmutter um eine erhöhte "Zulage", auch wegen der "leidigen" Miete.</ref> // ''


''Was wir etwa heute über 6 Wochen um diese Zeit machen! Nun wäre ich schon se[h]r froh, wenn diese Zeit recht rasch vorüberginge; u. ich hoffe auch, dß es der Fall sein wird; denn /'' [zweiter Bogen:] ''2 nun haben wir nur me[h]r wenige Tage bis zum 1. März, die mir zwar noch lange genug vorkommen, dann folgen 8 od 10 Tage schönen Beisammenseins, u dann sind es ja nur me[h]r 3 Wochen, die ich hier allein zubringen werde, denn über 5 Wochen von heute hoffe ich ja entweder von hier abzureisen od in Salzburg anzukommen. // In diesen 3 Wochen aber wird es noch genug hier und auch in Wien für mich zu tun zu geben, um alles zu überne[h]men, da u. dort bei den Arbeiten nachzusehen u zu treiben etc Ansonst in den le[t]zten 8 Tagen in Salzburg! was wird da noch alles zu tun sein! Wie viel Phrasen u. wie viel Ceremoniell werden wir [un]d Du über uns ergehen lassen müßen! Doch auch das wird vorübergehen, u dann werden wir uns ja ganz angehören, u. hoffentlich auf der Hochzeitsreise nur / Zeit ungeteilten Glü[c]kes auch fern von allen geschäftl[ichen] Sorgen – genießen können. Gott gebe es! Du freust Dich doch auch auf diese Zeit? Aber das ist je[t]zt eine recht sonderbare, fast ungeschi[c]kte Frage gewesen; ich getraue mir ja, sie anstatt Deiner getrost zu bejahen, u. hoffe, dß Deine Antwort in Deinem nächsten Briefe mich nicht Lügen strafen wird. //''
''Was wir etwa heute über 6 Wochen um diese Zeit machen! Nun wäre ich schon se[h]r froh, wenn diese Zeit recht rasch vorüberginge; u. ich hoffe auch, dß es der Fall sein wird; denn /'' [zweiter Bogen:] ''2 nun haben wir nur me[h]r wenige Tage bis zum 1. März, die mir zwar noch lange genug vorkommen, dann folgen 8 od 10 Tage schönen Beisammenseins, u dann sind es ja nur me[h]r 3 Wochen, die ich hier allein zubringen werde, denn über 5 Wochen von heute hoffe ich ja entweder von hier abzureisen od in Salzburg anzukommen. // In diesen 3 Wochen aber wird es noch genug hier und auch in Wien für mich zu tun zu geben, um alles zu überne[h]men, da u. dort bei den Arbeiten nachzusehen u zu treiben etc Ansonst in den le[t]zten 8 Tagen in Salzburg! was wird da noch alles zu tun sein! Wie viel Phrasen u. wie viel Ceremoniell werden wir [un]d Du über uns ergehen lassen müßen! Doch auch das wird vorübergehen, u dann werden wir uns ja ganz angehören, u. hoffentlich auf der Hochzeitsreise nur / Zeit ungeteilten Glü[c]kes auch fern von allen geschäftl[ichen] Sorgen – genießen können. Gott gebe es! Du freust Dich doch auch auf diese Zeit? Aber das ist je[t]zt eine recht sonderbare, fast ungeschi[c]kte Frage gewesen; ich getraue mir ja, sie anstatt Deiner getrost zu bejahen, u. hoffe, dß Deine Antwort in Deinem nächsten Briefe mich nicht Lügen strafen wird. //''
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==== Brief vom 20. Oktober 1872 von Theresia Schlegel an Fanni Spängler ====
==== Brief vom 20. Oktober 1872 von Theresia Schlegel an Fanni Spängler ====
Brief von Theresia Schlegel<ref>Die Mutter von [[Richard Franz Schlegel]]; sie ist eine geborene Heigel, wurde 1783 in Böhmisch Leipa [Česká Lípa], Böhmen, geboren und starb am 23. September 1875 in der Stadt Salzburg. Die Schreiberin ist 89 Jahre alt!</ref> an [[Franziska Spängler]]; ein Bogen mit Prägedruck "Leitmeritz"; / = Seitenwechsel; [Ergänzung/Korrektur] <ref>Es werden von mir nur die auffallendsten Stellen ergänzt, damit man versteht, dass der Wortlaut nicht mein [O. H.] Tippfehler ist.</ref>; [?] = fraglich; XX = unleserlich; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt:<br />
Brief von Theresia Schlegel<ref>Die Mutter von [[Richard Franz Schlegel]]; sie ist eine geborene Heigel, wurde 1783 in Böhmisch Leipa [Česká Lípa], Böhmen, geboren und starb am 23. September 1875 in der Stadt Salzburg. Die Schreiberin ist 89 Jahre alt!</ref> an [[Franziska Spängler]]; ein Bogen mit Prägedruck "Leitmeritz"; / = Seitenwechsel; [Ergänzung/Korrektur] <ref>Es werden von mir nur die auffallendsten Stellen ergänzt, damit man versteht, dass der Wortlaut nicht mein, [[Otto Holzapfel]], Tippfehler ist.</ref>; [?] = fraglich; XX = unleserlich; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt:<br />
"Leitmeritz" ''am 20. Ocktober 1872. // Liebe gute Fanny! // Dein lieber Brief hat uns sehr gefreut das wir doch etwas von dir horten, daß du liebe mit deiner Haußhaltung wirst zu thun haben das t[d]achten wir wohl du warst es wohl gewohl[n]t von deiner guten Großmutter aber es war kein Man da, doch liebe Fanny das gewöhnt man balt, wir freuen uns über deine glückliche Zufriedenheit, und mein Gebeth zu Gott ist daß daß du liebe nur immer so zufrieden blei[b]st als da wo du an mich geschrieben hast, ich danke dir für deinen Wunsch zu meine[n] Nahmenstage so t[d]anke ich deinen lieben Man und auch deiner guten Schwiegermutter und bitte um eure fernere Liebe und Freundschaft, daß der Besuch deines lieben guten Vatters uns sehr freute aber er wird dir auch erzählt haben wie er uns gefunden hat wir haben uns gefreut als wir den Tage Vormittags / von der guten Kathi die Nachricht erhilten daß dein guter Vatter kömt aben[d]s 5 Uhr kam er mit P. Schlegel<ref>Pater Vincenz Schlegel, * 1810 in Politz, Böhmen; katholischer Superior (Ordensgeistlicher) und Pfarrer in Leipzig an der St. Trinitatiskirche von 1870 bis 1877; † 1878 in Salzburg; er ist vermutlich ein Cousin von [[Richard Franz Schlegel]]. Es gibt einen früheren Brief vom 11. Mai 1846, den Amalie Schlegel aus Leitmeritz schreibt. Und [[Franziska Spängler]] schreibt am 30. September 1871 an ihren Mann bzw. damals ihren Verlobten, dass sie einen Brief vom Pfarrer Vinzenz Schlegel bekam. Sie hatte von ihrer Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz [er selbst schrieb sich Vincenz] gerade auf Ferien war. Im Brief vom 1. März 1877 wird dieser Vincenz erwähnt, im Brief vom 11. Oktober 1877 dagegen der nach 1846 verstorbene ältere Bruder Vincenz Schlegel, der 1807 und wie Richard Franz Schlegel in Theresienstadt geboren wurde. Vgl. auch den Brief vom 11. März 1879. Weitere Fragen dazu sind [März 2025] noch offen.</ref> selbst er wird dir wohl alles erzählt haben der armen Toni<ref>Antonia Schlegel, eine jüngere Schwester von [[Richard Franz Schlegel]]; Daten unbekannt bzw. unsicher</ref> aussehn hat sehr auf ihn gewirkt so ein Jammerbilt hat er sich nicht vorgestelt aber er hat sich gefreut, aber die gute Toni tobte jedesmahl, wen er wieder fortging mein Anblick tuth den Richard wehe – ich habe öfters nach Salzburg geschrieben was die Doktore über der Toni ihren Krankheits Zustand sagten aber der liebe Richard hat nie eine erwä[h]nung darüber gemacht, aber jezt hat er alles in einen schröklichen Lichte gesehn ach wen nur kente geholfen worden, an 7. Ocktober ist die arme Toni wieder abgezogen worden es sind wieder 28 Seidl Wasser von ihr abgegangen, aber es wird wieder nicht daß lezte mahl gewesen sein daß ist ein leiden eine solche Last und der schrecklüche Leib sie ißt und hat großen Abetit man muß sagen Hunger, und darf sich nur des Mittags sich sat[t]essen des Aben[d]s nimt sie nur eine klare Sup[p]e, ißt sie mehr so kan sie es vor aufstosen nicht aushalten /''
"Leitmeritz" ''am 20. Ocktober 1872. // Liebe gute Fanny! // Dein lieber Brief hat uns sehr gefreut das wir doch etwas von dir horten, daß du liebe mit deiner Haußhaltung wirst zu thun haben das t[d]achten wir wohl du warst es wohl gewohl[n]t von deiner guten Großmutter aber es war kein Man da, doch liebe Fanny das gewöhnt man balt, wir freuen uns über deine glückliche Zufriedenheit, und mein Gebeth zu Gott ist daß daß du liebe nur immer so zufrieden blei[b]st als da wo du an mich geschrieben hast, ich danke dir für deinen Wunsch zu meine[n] Nahmenstage so t[d]anke ich deinen lieben Man und auch deiner guten Schwiegermutter und bitte um eure fernere Liebe und Freundschaft, daß der Besuch deines lieben guten Vatters uns sehr freute aber er wird dir auch erzählt haben wie er uns gefunden hat wir haben uns gefreut als wir den Tage Vormittags / von der guten Kathi die Nachricht erhilten daß dein guter Vatter kömt aben[d]s 5 Uhr kam er mit P. Schlegel<ref>Pater Vincenz Schlegel, * 1810 in Politz, Böhmen; katholischer Superior (Ordensgeistlicher) und Pfarrer in Leipzig an der St. Trinitatiskirche von 1870 bis 1877; † 1878 in Salzburg; er ist vermutlich ein Cousin von [[Richard Franz Schlegel]]. Es gibt einen früheren Brief vom 11. Mai 1846, den Amalie Schlegel aus Leitmeritz schreibt. Und [[Franziska Spängler]] schreibt am 30. September 1871 an ihren Mann bzw. damals ihren Verlobten, dass sie einen Brief vom Pfarrer Vinzenz Schlegel bekam. Sie hatte von ihrer Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz [er selbst schrieb sich Vincenz] gerade auf Ferien war. Im Brief vom 1. März 1877 wird dieser Vincenz erwähnt, im Brief vom 11. Oktober 1877 dagegen der nach 1846 verstorbene ältere Bruder Vincenz Schlegel, der 1807 und wie Richard Franz Schlegel in Theresienstadt geboren wurde. Vgl. auch den Brief vom 11. März 1879. Weitere Fragen dazu sind [März 2025] noch offen.</ref> selbst er wird dir wohl alles erzählt haben der armen Toni<ref>Antonia Schlegel, eine jüngere Schwester von [[Richard Franz Schlegel]]; Daten unbekannt bzw. unsicher</ref> aussehn hat sehr auf ihn gewirkt so ein Jammerbilt hat er sich nicht vorgestelt aber er hat sich gefreut, aber die gute Toni tobte jedesmahl, wen er wieder fortging mein Anblick tuth den Richard wehe – ich habe öfters nach Salzburg geschrieben was die Doktore über der Toni ihren Krankheits Zustand sagten aber der liebe Richard hat nie eine erwä[h]nung darüber gemacht, aber jezt hat er alles in einen schröklichen Lichte gesehn ach wen nur kente geholfen worden, an 7. Ocktober ist die arme Toni wieder abgezogen worden es sind wieder 28 Seidl Wasser von ihr abgegangen, aber es wird wieder nicht daß lezte mahl gewesen sein daß ist ein leiden eine solche Last und der schrecklüche Leib sie ißt und hat großen Abetit man muß sagen Hunger, und darf sich nur des Mittags sich sat[t]essen des Aben[d]s nimt sie nur eine klare Sup[p]e, ißt sie mehr so kan sie es vor aufstosen nicht aushalten /''