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Im März 1803 wurden die drei Mütter vernommen, deren Kinder bei der Geburt verstorben waren. Die Verhörprotokolle sind erhalten und geben interessante Aufschlüsse über Geburten und Geburtshilfe bei Frauen unterschiedlichen Standes. Die Bäuerin Barbara Kendlerin erhielt von der Hebamme "einigemal zu einer Herz Stärke ein kleines Stück von einer gedörrten Datel ein und auch andere Herzstärkende Sachen, als  Alkamus Zelteln etc auch gab sie mir einen warmen Wein, und zu weilen eine Hennen Suppe". Die ledige Dirne Maria Kamerin konnte sich an keine Gabe von Medizin erinnern und hatte laut Aussage der Hebamme nur etwas Muskat auf einer Suppe bekommen.  
 
Im März 1803 wurden die drei Mütter vernommen, deren Kinder bei der Geburt verstorben waren. Die Verhörprotokolle sind erhalten und geben interessante Aufschlüsse über Geburten und Geburtshilfe bei Frauen unterschiedlichen Standes. Die Bäuerin Barbara Kendlerin erhielt von der Hebamme "einigemal zu einer Herz Stärke ein kleines Stück von einer gedörrten Datel ein und auch andere Herzstärkende Sachen, als  Alkamus Zelteln etc auch gab sie mir einen warmen Wein, und zu weilen eine Hennen Suppe". Die ledige Dirne Maria Kamerin konnte sich an keine Gabe von Medizin erinnern und hatte laut Aussage der Hebamme nur etwas Muskat auf einer Suppe bekommen.  
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Nun war die Erbarmung der Stuhlfelder Bauers Gemeinde über die Scharlerin so groß, dass  
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Koch-Sternfeld schreibt in seinem Begleitschreiben zu den Verhörprotokellen am 12. März: "Nun war die Erbarmung der Stuhlfelder Bauers Gemeinde über die Scharlerin so groß, dass sich dieselbe entschloss, Sie nach Salzburg zu schicken, und in den Wissenschaften der Geburts Hilfe prüfen zu lassen, Dabey glaubt diese Gemeinde den Zweck zu erreichen, die alte Pfuscherin beybehalten und sich derselben in ihren Krankheiten bedienen zu können."<ref>SLA, kurf. k.k. ö. Reg. XII, Nr. 14.</ref>
sich dieselbe entschloss, Sie nach Salzburg zu schicken, und in den Wissenschaften der  
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Geburts Hilfe prüfen zu lassen, Dabey glaubt diese Gemeinde den Zweck zu erreichen, die alte  
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Die Aussagen von Maria Schärlerin beschreiben ihre Tätigkeit in medizinischen Belangen. Sie hat den Leuten in Krankheitsumständen zuweilen einen Rat erteilt oder etwas "Oelwerk oder
Pfuscherin beybehalten und sich derselben in ihren Krankheiten bedienen zu können.  
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Pflaster" abgegeben. Auch pflegte sie den Gebärenden als Geburtshelferin beizustehen. Sie erbte 2 oder 3 medizinische Bücher von ihrer Mutter. Aus diesen
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Büchern erteilte sie Rat und gab auch Medikamenten aus. Es waren "nur geschriebene und altväterische Bücher". Sie gab an, dass sie diese "selbst nicht einmal lesen kann" und dass sie sich öfters daraus vorlesen ließ.<ref>SLA, kurf. k.k. ö. Reg. XII, Nr. 14.</ref>
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Es gab zu dieser Zeit bereits eine [[Bezirksärzte in Zell am See|Landschaftsphysiker in Zell]], vermutlich war es bereits [[Wolfgang Oberlechner]].
    
Maria Schärlerin wurde zunächst (26. März) zu einer zweimonatigen Zuchthausstrafe verurteilt, was in eine "gnädige Geld Buße" umgewandelt wurde.
 
Maria Schärlerin wurde zunächst (26. März) zu einer zweimonatigen Zuchthausstrafe verurteilt, was in eine "gnädige Geld Buße" umgewandelt wurde.