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[[Datei:Lager Grödig I.jpg|thumb|Blick auf das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig I.]]
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[[Datei:Lager Grödig I.jpg|thumb|Blick auf das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig I.]]
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[[Datei:Lager Grödig Teil Sankt Leonhard Russenlager im Ersten Weltkrieg.jpg|thumb|Teil des k.u.k. Kriegsgefangenenlagers Grödig II in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]].]]
 
[[Bild:Neu-Anif 002.jpg|thumb|k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig]]
 
[[Bild:Neu-Anif 002.jpg|thumb|k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig]]
 
[[Datei:Lager Grödig Lageplan.jpg|thumb|Lagerplan]]
 
[[Datei:Lager Grödig Lageplan.jpg|thumb|Lagerplan]]
 
[[Datei:Lager_Niederalm_Bewohner.jpg|thumb|Insassen des Lagers]]
 
[[Datei:Lager_Niederalm_Bewohner.jpg|thumb|Insassen des Lagers]]
Das '''k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig''' war ein Lager für [[Kriegsgefangenenlager|Kriegsgefangene]] im [[Ersten Weltkrieg]]. Es bestand aus den Teilen I und II des [[Lager Grödig|Lagers Grödig]] und befand sich im [[Flachgau]] in der Marktgemeinde [[Grödig]].
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Das '''k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig''' war ein Lager für [[Kriegsgefangenenlager|Kriegsgefangene]] im [[Ersten Weltkrieg]]. Es bestand aus den Teilen I und II des [[Lager Grödig|Lagers Grödig]] und befand sich im [[Flachgau]] in der Gemeinde [[Grödig]].
    
== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
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=== Errichtung ===
 
=== Errichtung ===
Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlager.  
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Schon am Anfang des Ersten Weltkriegs begann man in Österreich mit der Errichtung von Kriegsgefangenenlagern.  
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Den Planentwurf für das Lager I gab es bereits im November/Dezember 1914. Baubeginn war am [[2. Jänner]] [[1915]].<ref>[[[Gerda Dohle]], in Salzburg im Ersten Weltkrieg: Fernab der Front - dennoch im Krieg, herausgegeben von Thomas Josef Mitterecker, [[Oskar Dohle]], Seite 194]</ref>  
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Den Planentwurf für das Lager I gab es bereits im November/Dezember 1914. Baubeginn war am [[2. Jänner]] [[1915]].<ref>[[Gerda Dohle]], in: [[Thomas Mitterecker]], [[Oskar Dohle]] (Hg.): ''Salzburg im Ersten Weltkrieg. Fernab der Front - dennoch im Krieg'', Seite 194]</ref>  
    
Lager I (in Grödig; ca. 160 Baracken) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]], ca. 100 Baracken) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I umfasste zunächst 50 Wohnbaracken. Es erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet.
 
Lager I (in Grödig; ca. 160 Baracken) und Lager II (in [[St. Leonhard (Grödig)|St. Leonhard]], ca. 100 Baracken) waren nur für Kriegsgefangene. Das Lager I umfasste zunächst 50 Wohnbaracken. Es erstreckte sich östlich des Marktzentrums von Grödig. Zur Errichtung des Barackenlagers I wurden 92 Joch Grund in der Nähe der [[Pestkapelle Grödig]] gepachtet.
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* 32&nbsp;000 bis 40&nbsp;000 Kriegsgefangene, sowie 3&nbsp;300 Wachesoldaten (Planzahlangabe in einer Zeitschrift im Juli 1916)<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19150004&query=(((text:Barackenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=34 ANNO], Der Bautechniker, 1915, Nr. 4, Seite 28</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19160004&query=(((text:Kriegsgefangenenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=289 ANNO], Der Bautechniker, 1916, Hauptteil S. 243</ref>
 
* 32&nbsp;000 bis 40&nbsp;000 Kriegsgefangene, sowie 3&nbsp;300 Wachesoldaten (Planzahlangabe in einer Zeitschrift im Juli 1916)<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19150004&query=(((text:Barackenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=34 ANNO], Der Bautechniker, 1915, Nr. 4, Seite 28</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bau&datum=19160004&query=(((text:Kriegsgefangenenlager)+AND+(text:Gr%c3%b6dig)))&ref=anno-search&seite=289 ANNO], Der Bautechniker, 1916, Hauptteil S. 243</ref>
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Heute geht man von bis zu 40&nbsp;000 Kriegsgefangenen und Internierten aus.<ref>[[Oskar Dohle]]; [[Alfred Höck]]; Franz Wieser (Hrsg.): ''[[Salzburg nach 1816]]'', Seite 90</ref>
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Heute geht man von bis zu 40&nbsp;000 Kriegsgefangenen und Internierten aus.<ref>[[Oskar Dohle]]; [[Alfred Höck]]; Franz Wieser (Hrsg.): ''Salzburg nach 1816'', Seite 90</ref>
    
Auf der Wiener Kriegsausstellung 1916 waren zwei Dioramen der Kriegsgefangenenlager Grödig und St. Leonhard ausgestellt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19160629&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], Reichspost, 29. Juni 1916, Seite 8</ref>
 
Auf der Wiener Kriegsausstellung 1916 waren zwei Dioramen der Kriegsgefangenenlager Grödig und St. Leonhard ausgestellt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=rpt&datum=19160629&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=8 ANNO], Reichspost, 29. Juni 1916, Seite 8</ref>
    
=== Lagerkommando ===
 
=== Lagerkommando ===
Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig stand unter dem Oberkommando von Lagerkommandant Generalmayor Gustav Ritter von Urban, sowie dem Kommando von Oberst a.D. Stephan Weigel v. Nagykosztolany.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170510&query=%22Urban%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. Mai 1917, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Lagerkommandant%22&seite=4 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 4</ref>. Die Lagerverwaltung oblag Major a.D. Kasimir Kamieniecki<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170515&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 15. Mai 1917, Seite 5</ref> und dem Verwaltungsoffizier Oberstleutnant Dr. Anton Zemanek.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180524&query=%22Zemanek%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 24. Mai 1918, Seite 4</ref>
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Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager Grödig stand unter dem Oberkommando von Lagerkommandant Generalmayor Gustav Ritter von Urban, sowie dem Kommando von Oberst a. D. Stephan Weigel v. Nagykosztolany.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150210&query=%22Gefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Februar 1915, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170510&query=%22Urban%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. Mai 1917, Seite 4</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19160719&query=%22Gr%c3%b6dig%22+%22Lagerkommandant%22&seite=4 ANNO], Illustrierte Kronen Zeitung, 19. Juli 1916, Seite 4</ref>. Die Lagerverwaltung oblag Major a. D. Kasimir Kamieniecki<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19170515&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 15. Mai 1917, Seite 5</ref> und dem Verwaltungsoffizier Oberstleutnant Dr. Anton Zemanek.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180524&query=%22Zemanek%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 24. Mai 1918, Seite 4</ref>
    
=== Organisation und Leben im Lager ===
 
=== Organisation und Leben im Lager ===
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Das Frühstück bestand aus zirka ¾ Liter Kaffee (eine Menageschale voll), mittags erhielten sie wieder eine Menageschale voll Gulasch mit Kartoffeln, Fisch mit Kraut, Polenta mit Sauce, Reis mit Feigen u. dgl., gegen Abend eine große Portion Krautsuppe, Kartoffel oder Einbrennsuppe oder ähnliches.
 
Das Frühstück bestand aus zirka ¾ Liter Kaffee (eine Menageschale voll), mittags erhielten sie wieder eine Menageschale voll Gulasch mit Kartoffeln, Fisch mit Kraut, Polenta mit Sauce, Reis mit Feigen u. dgl., gegen Abend eine große Portion Krautsuppe, Kartoffel oder Einbrennsuppe oder ähnliches.
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Das Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, dass alle Leute eine Beschäftigung oblag. Jede Gruppe hatte ihre eigene Flickschusterei und Flickschneiderei, wo alle diesbezüglichen Ausbesserungsarbeiten gemacht werden müssten. Die Errichtung und Ausbesserung der Wege (die Straßen und Wege im Lager hatten eine Länge von 18 Kilometern), der Bau weiterer Baracken und Kommunikationen, die Gartenarbeiten, die umfangreichen Erdaushebungen für Zwecke der Kanalisation, die Reinigung der Senkgruben usw. ergaben die verschiedenen Möglichkeiten und Arten der Beschäftigung. Für das ganze Lager waren außerdem eine große Schneiderei, Schusterei, Schlosserei, eine Spengler-, Schmiede- und Tischlerwerkstätte, eine eigene Glaserei, eine Abteilung für gärtnerische Arbeiten u.a.m. eingerichtet worden.
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Das Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, dass alle Leute eine Beschäftigung oblag. Jede Gruppe hatte ihre eigene Flickschusterei und Flickschneiderei, wo alle diesbezüglichen Ausbesserungsarbeiten gemacht werden müssten. Die Errichtung und Ausbesserung der Wege (die Straßen und Wege im Lager hatten eine Länge von 18 Kilometern), der Bau weiterer Baracken und Kommunikationen, die Gartenarbeiten, die umfangreichen Erdaushebungen für Zwecke der Kanalisation, die Reinigung der Senkgruben usw. ergaben die verschiedenen Möglichkeiten und Arten der Beschäftigung. Für das ganze Lager waren außerdem eine große Schneiderei, Schusterei, Schlosserei, eine Spengler-, Schmiede- und Tischlerwerkstätte, eine eigene Glaserei, eine Abteilung für gärtnerische Arbeiten u. a.m. eingerichtet worden.
 
<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150615&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Epidemie%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 5]</ref>
 
<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150615&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Epidemie%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 5]</ref>
    
=== Wachmannschaft ===
 
=== Wachmannschaft ===
Zur Bewachung der Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Grödig waren mindestens zwei Wache-Regimenter erforderlich. Die Mannstärke der Wachmannschaften variierte entsprechend dem Belag. Am [[24. März]] 1915 rückten die [[Ungarn|ungarischen]] Wachmannschaften, 759 Mann und 19 Offiziere, nach [[Pettau]] in die Unter[[steiermark]] ab und wurden durch 1&nbsp;209 Mann mit 24 Offizieren aus Preßburg, damals [[Ungarn]], zur Wache ersetzt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150327&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 27. März 1915, Seite 4]</ref> Bei maximalem Belag wurde mit 3&nbsp300 Wachesoldaten gerechnet.  
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Zur Bewachung der Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Grödig waren mindestens zwei Wache-Regimenter erforderlich. Die Mannstärke der Wachmannschaften variierte entsprechend dem Belag. Am [[24. März]] 1915 rückten die [[Ungarn|ungarischen]] Wachmannschaften, 759 Mann und 19 Offiziere, nach [[Pettau]] in die Unter[[steiermark]] ab und wurden durch 1&nbsp;209 Mann mit 24 Offizieren aus Preßburg, damals [[Ungarn]], zur Wache ersetzt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150327&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 27. März 1915, Seite 4]</ref> Bei maximalem Belag wurde mit 3&nbsp300 Wachsoldaten gerechnet.
    
=== Post- und Telegraphenamt ===
 
=== Post- und Telegraphenamt ===
Am [[1. Juli]] trat im Kriegsgefangenenlager ein zeitweises k. k. Post- und Telegraphenamt mit der amtlichen Bezeichnung „Kriegsgefangenenlager Grödig" in Wirksamkeit. Das Amt befasste sich mit den Verrichtungen des Post- und Telegramm-Auf- und Abgabedienstes und des Postsparkassendienstes für den Bereich der Kriegsgefangenenlager in Grödig-Markt und in St. Leonhard und wurde zum Zwecke der Post-Zu- und Ableitung mit den nachstehenden Zügen der ''Roten Elektrischen'' Eisenbahn (von der Stadt Salzburg über [[Hellbrunn]] bis zur deutschen Grenze beim [[Hangendenstein-Pass]] und in weiterer Folge als [[Grüne Elektrische]] zum [[Königssee]]) in der Station Grödig verbunden täglich mit den Zügen 11, 53 und 54 und an Werktagen mit den Zügen 22, 57 und M. Die Dienststunden des Postamtes Kriegsgefangenenlager Grödig wurde wie folgt festgesetzt: an Werktagen vormittags von 08 bis 12 Uhr, nachmittags von 14 bis 18 Uhr; an Sonn- und Feiertagen vormittags von 08 bis 12 Uhr.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150720&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=12 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 2. Juli 1915, Seite 12</ref>
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Am [[1. Juli]] trat im Kriegsgefangenenlager ein zeitweises k. k. Post- und Telegraphenamt mit der amtlichen Bezeichnung "Kriegsgefangenenlager Grödig" in Wirksamkeit. Das Amt befasste sich mit den Verrichtungen des Post- und Telegramm-Auf- und Abgabedienstes und des Postsparkassendienstes für den Bereich der Kriegsgefangenenlager in Grödig-Markt und in St. Leonhard und wurde zum Zwecke der Post-Zu- und Ableitung mit den nachstehenden Zügen der ''Roten Elektrischen'' Eisenbahn (von der Stadt Salzburg über [[Hellbrunn]] bis zur deutschen Grenze beim [[Hangendenstein-Pass]] und in weiterer Folge als [[Grüne Elektrische]] zum [[Königssee]]) in der Station Grödig verbunden täglich mit den Zügen 11, 53 und 54 und an Werktagen mit den Zügen 22, 57 und M. Die Dienststunden des Postamtes Kriegsgefangenenlager Grödig wurde wie folgt festgesetzt: an Werktagen vormittags von 08 bis 12 Uhr, nachmittags von 14 bis 18 Uhr; an Sonn- und Feiertagen vormittags von 08 bis 12 Uhr.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150720&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=12 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 2. Juli 1915, Seite 12</ref>
    
=== Arbeit und Versorgung ===
 
=== Arbeit und Versorgung ===
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Der stark gestiegene Bedarf führte bald zu steigenden Preisen bei den Lebensmitteln. Vereinzelt kam es zu Übertretungen nach dem Preisgesetz und sogar zu einer Verurteilung wegen Preistreiberei.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160323&query=%22Kriegsgefangenen-Lagers%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1916, Seite 6</ref>
 
Der stark gestiegene Bedarf führte bald zu steigenden Preisen bei den Lebensmitteln. Vereinzelt kam es zu Übertretungen nach dem Preisgesetz und sogar zu einer Verurteilung wegen Preistreiberei.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160323&query=%22Kriegsgefangenen-Lagers%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1916, Seite 6</ref>
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Gegen Kriegsende wurde die Versorgungslage in Österreich allgemein schlechter und zunehmend schwieriger. Kohle und Brennholz waren knapp. Butter, Schweineschmalz und Weizenmehl waren selten zu bekommen und entsprechend begehrt. Ein (nicht alltäglicher) Einkauf für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, wurde in dieser allgemeinen Notlage medial zur Lebensmittelhamsterei. Von [[Schneegattern]] wurden nach Grödig 30 Kilogramm Butter, zehn Kilogramm Schweineschmalz und 70 Kilogramm weißem Weizenmehl per Post geschickt. Als Versender wurde der Unterjäger Michael Prüll, der Einkäufer für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, ermittelt. Prüll hatte die Lebensmittel unter Mithilfe der Gastwirtin „Zum Schweizerhof", Maria Kraus im [[Innviertel]] um teures Geld und gegen Tabak usw.gehamstert, um sie nach seiner eigenen Aussage der Küche der kriegsgefangenen serbischen Offiziere zuzuführen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nzg&datum=19180205&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Die Neue Zeitung, 5. Februar 1918, Seite 4</ref>  
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Gegen Kriegsende wurde die Versorgungslage in Österreich allgemein schlechter und zunehmend schwieriger. Kohle und Brennholz waren knapp. Butter, Schweineschmalz und Weizenmehl waren selten zu bekommen und entsprechend begehrt. Ein (nicht alltäglicher) Einkauf für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, wurde in dieser allgemeinen Notlage medial zur Lebensmittelhamsterei. Von [[Schneegattern]] wurden nach Grödig 30 Kilogramm Butter, zehn Kilogramm Schweineschmalz und 70 Kilogramm weißem Weizenmehl per Post geschickt. Als Versender wurde der Unterjäger Michael Prüll, der Einkäufer für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, ermittelt. Prüll hatte die Lebensmittel unter Mithilfe der Gastwirtin "Zum Schweizerhof", Maria Kraus im [[Innviertel]] um teures Geld und gegen Tabak usw.gehamstert, um sie nach seiner eigenen Aussage der Küche der kriegsgefangenen serbischen Offiziere zuzuführen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nzg&datum=19180205&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Die Neue Zeitung, 5. Februar 1918, Seite 4</ref>  
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Mit Genehmigung des Lagerkommandos übersandte das Kommando der serbischen Offiziersabteilung eine Richtigstellung zu der im Leitartikel „Gefangenenverpflegung" geschilderten Verhältnisse bezüglich der Verpflegung der kriegsgefangenen 540 serbischen Offiziere im Lager Grödig. Die kriegsgefangenen Offiziere wurden von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg mit Lebensmittelkarten, welche auf dasselbe Ausmaß lauten, wie die der Zivilbevölkerung, beteilt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180427&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 27. April 1918, Seite 5</ref>
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Mit Genehmigung des Lagerkommandos übersandte das Kommando der serbischen Offiziersabteilung eine Richtigstellung zu der im Leitartikel "Gefangenenverpflegung" geschilderten Verhältnisse bezüglich der Verpflegung der kriegsgefangenen 540 serbischen Offiziere im Lager Grödig. Die kriegsgefangenen Offiziere wurden von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg mit Lebensmittelkarten, welche auf dasselbe Ausmaß lauten, wie die der Zivilbevölkerung, beteilt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180427&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 27. April 1918, Seite 5</ref>
    
=== Lagergeld ===
 
=== Lagergeld ===
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=== Straßenbauten mit Kriegsgefangenen ===
 
=== Straßenbauten mit Kriegsgefangenen ===
Durch das Kriegsgefangenenlager Grödig waren zahlreiche, billige Arbeitskräfte vorhanden, von welchem auch im [[Kronland Salzburg]] zu den verschiedensten Zwecken ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Auch zum Straßenbau wurden russischen Kriegsgefangene eingesetzt. Seitens der Landesverwaltung des Landesausschusses Salzburg wurde die Verlegung der Hallein-Thalgauer Landestraße beauftragt. Insbesondere die Strecke zwischen [[Ebenau]]-[[Nesselgraben]] und [[Thalgau]] war wegen der übermäßig großen Steigungen für den Fuhrwerksverkehr ganz ungeeignet. Ein großer Teil dieser alten Straße war bereits durch Anlage der neuen [[Wiestal Landesstraße]] verbessert worden. Nun wurde mit Hilfe der Kriegsgefangenen noch die Umlegung der Strecke über den [[Wasenegg]]erberg in der Strecke zwischen Thalgau und [[Hof bei Salzburg]], welcher Steigungen bis zu 25 Prozent aufweist und die Umlegung von vier Baustrecken zwischen Ebenau und [[Grazer Bundesstraße|Grazer Reichsstraße]] bewerkstelligt. Hierzu wurden rund 600 Kriegsgefangene beschäftigt, wobei mit 300 Mann die Arbeiten in Thalgau bereits aufgenommen worden waren. Die sogenannte [[Russenstraße]]in Thalgau erinnert heute noch daran.
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Durch das Kriegsgefangenenlager Grödig waren zahlreiche, billige Arbeitskräfte vorhanden, von welchem auch im [[Kronland Salzburg]] zu den verschiedensten Zwecken ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Auch zum Straßenbau wurden russischen Kriegsgefangene eingesetzt. Seitens der Landesverwaltung des Landesausschusses Salzburg wurde die Verlegung der Hallein-Thalgauer Landesstraße beauftragt. Insbesondere die Strecke zwischen [[Ebenau]]-[[Nesselgraben]] und [[Thalgau]] war wegen der übermäßig großen Steigungen für den Fuhrwerksverkehr ganz ungeeignet. Ein großer Teil dieser alten Straße war bereits durch Anlage der neuen [[Wiestal Landesstraße]] verbessert worden. Nun wurde mit Hilfe der Kriegsgefangenen noch die Umlegung der Strecke über den [[Wasenegg]]erberg in der Strecke zwischen Thalgau und [[Hof bei Salzburg]], welcher Steigungen bis zu 25 Prozent aufweist und die Umlegung von vier Baustrecken zwischen Ebenau und [[Grazer Bundesstraße|Grazer Reichsstraße]] bewerkstelligt. Hierzu wurden rund 600 Kriegsgefangene beschäftigt, wobei mit 300 Mann die Arbeiten in Thalgau bereits aufgenommen worden waren. Die sogenannte "[[Russenstraße]]" in Thalgau erinnert heute noch daran.
    
Die nächste Partie sollte nach Ebenau folgen. Für die Unterbringung der Kriegsgefangenen und deren Bewachungsmannschaft wurden Bauernhäuser, Stadel etc. entsprechend adaptiert und die erforderlichen Koch- und sanitären Anlagen zugebaut. An den Kosten partizipieren Land, staatliche Verwaltungszweige und Lokalinteressenten. Diese Straßenbauten entsprachen lange gehegten und vertretenen Wünschen der umliegenden Gemeinden und Verbesserung der Verbindungen mit der [[Ischlerbahn]] und mit der Stadt Salzburg.
 
Die nächste Partie sollte nach Ebenau folgen. Für die Unterbringung der Kriegsgefangenen und deren Bewachungsmannschaft wurden Bauernhäuser, Stadel etc. entsprechend adaptiert und die erforderlichen Koch- und sanitären Anlagen zugebaut. An den Kosten partizipieren Land, staatliche Verwaltungszweige und Lokalinteressenten. Diese Straßenbauten entsprachen lange gehegten und vertretenen Wünschen der umliegenden Gemeinden und Verbesserung der Verbindungen mit der [[Ischlerbahn]] und mit der Stadt Salzburg.
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=== Anthropologische Studien ===
 
=== Anthropologische Studien ===
Die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien führte mit Genehmigung des Kriegsministeriums vom [[10. Juli]] bis [[16. Oktober]] 1916 anthropologische Studien in zwei Kriegsgefangenenlagern durch. Im Kriegsgefangenenlager Grödig wurden 25 Völkerschaften des russischen Reiches anthropologisch untersucht und gemessen, und zwar: 53 Großrussen, elf Ukrainer (Kleinrussen), acht Weißrussen, ein [[Litauen|Litauer]], acht Letten, rünf [[Estland|Esten]], ein Syrjäne, ein Permiak, drei Wotjaten, ein Tscheremisse, ein Molscha-Murdwine, ein Erdscha-Mordwine, drei Kasantataren, vier Baschkiren, vier Mischeren, zwei Tipteren, ein Krimtatare, acht Armenier, zwölf Moldauer, vier Bulgaren, ein Gagause, zwei Amauten, ein Grieche, sieben Juden und zwei Zigeuner;
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Die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien führte mit Genehmigung des Kriegsministeriums vom [[10. Juli]] bis [[16. Oktober]] 1916 anthropologische Studien in zwei Kriegsgefangenenlagern durch. Im Kriegsgefangenenlager Grödig wurden 25 Völkerschaften des russischen Reiches anthropologisch untersucht und gemessen, und zwar: 53 Großrussen, elf Ukrainer (Kleinrussen), acht Weißrussen, ein [[Litauen|Litauer]], acht Letten, fünf [[Estland|Esten]], ein Syrjäne, ein Permiak, drei Wotjaken, ein Tscheremisse, ein Mokscha-Mordwine, ein Erdscha-Mordwine, drei Kasantataren, vier Baschkiren, vier Mischeren, zwei Tipteren, ein Krimtatare, acht Armenier, zwölf Moldauer, vier Bulgaren, ein Gagause, zwei Amauten, ein Grieche, sieben Juden und zwei Zigeuner.
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Von diesen 145 Mann wurden 130 fotografische Gesichtsaufnahmen und 44 Körperaufnahmen gemacht. Dazu kommen noch elf stereoskopische Gesichtsaufnahmen. Von Köpfen, Ohren, Händen und Füße wurden auch Gipsformen hergestellt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19161105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=13 ANNO], Wiener Zeitung, 5. November 1916, Seite 13</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19161110&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. November 1916, Seite 5</ref>
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Von diesen 145 Mann wurden 130 fotografische Gesichtsaufnahmen und 44 Körperaufnahmen gemacht. Dazu kommen noch elf stereoskopische Gesichtsaufnahmen. Von Köpfen, Ohren, Händen und Füßen wurden auch Gipsformen hergestellt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19161105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=13 ANNO], Wiener Zeitung, 5. November 1916, Seite 13</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19161110&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 10. November 1916, Seite 5</ref>
    
=== Besuche im Lager ===
 
=== Besuche im Lager ===
Am [[15. Juni]] 1915 besuchte eine Delegation aus Salzburg das Kriegsgefangenenlager. Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. [[Julius Sylvester]], [[Bürgermeister der Stadt Salzburg]] kais. Rat [[Max Ott]] mit Bürgermeister-Stellvertreter Dr. [[Gottfried Toldt]]. Oberlandesrat Schweinbach, Stadtphysikus Dr. Würtenberger und Oberkommissär v. Clessin unternahmen eine eingehende Besichtigung. Das große Kriegsgefangenenlager, das damals 22&nbsp; beherbergte, war frei von jeder Infektionskrankheit. Auch die Zahl der an anderen Krankheiten in Behandlung stehenden Leute - durchschnittlich 200–230 täglich — war eine ungewöhnlich niedrige, der Gesundheitszustand also ein vorzüglicher.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150615&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Epidemie%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 5]</ref>
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Am [[15. Juni]] 1915 besuchte eine Delegation aus Salzburg das Kriegsgefangenenlager. Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. [[Julius Sylvester]], [[Bürgermeister der Stadt Salzburg]] kais. Rat [[Max Ott]] mit Bürgermeister-Stellvertreter Dr. [[Gottfried Toldt]]. Oberlandesrat Schweinbach, Stadtphysikus Dr. Würtenberger und Oberkommissär [[Heinrich Clessin|v. Clessin]] unternahmen eine eingehende Besichtigung. Das große Kriegsgefangenenlager, das damals 23&nbsp;000 Insassen beherbergte, war frei von jeder Infektionskrankheit. Auch die Zahl der an anderen Krankheiten in Behandlung stehenden Leute - durchschnittlich 200–230 täglich — war eine ungewöhnlich niedrige, der Gesundheitszustand also ein vorzüglicher.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150615&query=%22Kriegsgefangenenlager%22%2B%22Epidemie%22&seite=5 ANNO], Salzburger Chronik, 11. März 1915, Seite 5]</ref>
    
Im Juli 1915 besuchte der spanische Botschafter Don Castroy Cazalez die serbischen Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Grödig.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150720&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=12 ANNO], (Neuigkeits) Welt Blatt, 20. Juli 1915, Seite 12</ref>  
 
Im Juli 1915 besuchte der spanische Botschafter Don Castroy Cazalez die serbischen Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Grödig.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150720&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=12 ANNO], (Neuigkeits) Welt Blatt, 20. Juli 1915, Seite 12</ref>  
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=== Fluchtversuche ===
 
=== Fluchtversuche ===
Fluchtversuche waren selten und selten erfolgreich. Bereits im Februar 1915 gelang drei Gefangenen die Flucht, er im [[Hallein]]er Stadtteil [[Au (Hallein)|Au]] endete.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150227&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Volksfreund, 27. Februar 1915, Seite 6</ref> Fünf weitere Gefangene wurden in [[Gaißau]] aufgegriffen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19150324&query=%22Russenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Linzer Volksblatt, 24. März 1915, Seite 5</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1915, Seite 10</ref> Zwei weitere wurden in der [[Stadt Salzburg]] aufgegriffen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 3. Mai 1915, Seite 10</ref>  
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Fluchtversuche waren selten und selten erfolgreich. Bereits im Februar 1915 gelang drei Gefangenen die Flucht, die im [[Hallein]]er Stadtteil [[Au (Hallein)|Au]] endete.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19150227&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Volksfreund, 27. Februar 1915, Seite 6</ref> Fünf weitere Gefangene wurden in [[Gaißau]] aufgegriffen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=lvb&datum=19150324&query=%22Russenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Linzer Volksblatt, 24. März 1915, Seite 5</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22+%22Oblt%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1915, Seite 10</ref> Zwei weitere wurden in der [[Stadt Salzburg]] aufgegriffen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19150323&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Salzburger Volksblatt, 3. Mai 1915, Seite 10</ref>  
    
"''Entwichen und wieder eingefangen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in St. Leonhard sind drei Russen in Zivilkleidung entwichen und wurden von der [[Gendarmerie]] in Ruhpolding bei [[Traunstein]] aufgegriffen und nach Traunstein eingeliefert.''"<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 4</ref>
 
"''Entwichen und wieder eingefangen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in St. Leonhard sind drei Russen in Zivilkleidung entwichen und wurden von der [[Gendarmerie]] in Ruhpolding bei [[Traunstein]] aufgegriffen und nach Traunstein eingeliefert.''"<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19150710&query=%22Lager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 10. Juli 1915, Seite 4</ref>
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Am [[20. April]] 1916 wurde vier Russen nach viertägiger Flucht in [[St. Gilgen]] aufgegriffen, nach sie dort zwei Säcke Weizenmehl und Kochgeschirr entwendet hatten.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160421&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 21. April 1916, Seite 4</ref>
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Am [[20. April]] 1916 wurden vier Russen nach viertägiger Flucht in [[St. Gilgen]] aufgegriffen, nach dem sie dort zwei Säcke Weizenmehl und Kochgeschirr entwendet hatten.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160421&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Salzburger Volksblatt, 21. April 1916, Seite 4</ref>
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Auf der Flucht verunglückt waren zwei Russen, die sich im August 1916 von einer Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Aigen (Gemeinde)|Aigen]]-[[Glasenbach]] entfernten. Sie flüchteten in Richtung [[St. Jakob am Thurn]] über den [[Thurnberg]], wo sie in der Finsternis über einen steilen Abhang stürzten. Einer verletzte sich schwer und so schleppten sich beide zurück nach [[Oberalm]], wo sich aufgegriffen wurden.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19160805&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 5. August 1916, Seite 7</ref>
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Auf der Flucht verunglückt waren zwei Russen, die sich im August 1916 von einer Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Aigen (Gemeinde)|Aigen]]-[[Glasenbach]] entfernten. Sie flüchteten in Richtung [[St. Jakob am Thurn]] über den [[Thurnberg]], wo sie in der Finsternis über einen steilen Abhang stürzten. Einer verletzte sich schwer und so schleppten sich beide zurück nach [[Oberalm]], wo sie aufgegriffen wurden.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19160805&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 5. August 1916, Seite 7</ref>
    
Im März 1917 entwich ein Russe von seiner Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Bürmoos]], jedoch wurde er in [[Oberdorf]] wieder verhaftet.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19170323&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 23. März 1917, Seite 7</ref>
 
Im März 1917 entwich ein Russe von seiner Kriegsgefangenen-Arbeitspartie in [[Bürmoos]], jedoch wurde er in [[Oberdorf]] wieder verhaftet.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19170323&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=7 ANNO], Salzburger Chronik, 23. März 1917, Seite 7</ref>
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Im Frühjahr 1917 wurde eine ungewöhnliche Steigerung bei den Fluchtversuchen aus dem Lager Grödig festgestellt. Es wurden 65 entflohenen Kriegsgefangenen wieder festgenommen, davon hatten 17 Einbruchdiebstahl begangen. Die steigende Kriminalität sorgte insbesondere in der Gemeinde [[Adnet]] für großen Unmut.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19180216&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Volksfreund, 16. Februar 1918, Seite 10</ref>
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Im Frühjahr 1917 wurde eine ungewöhnliche Steigerung bei den Fluchtversuchen aus dem Lager Grödig festgestellt. Es wurden 65 entflohene Kriegsgefangenen wieder festgenommen, davon hatten 17 Einbruchdiebstähle begangen. Die steigende Kriminalität sorgte insbesondere in der Gemeinde [[Adnet]] für großen Unmut.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vfr&datum=19180216&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=10 ANNO], Volksfreund, 16. Februar 1918, Seite 10</ref>
    
Am [[1. April]] 1918 brach im Lager ein Aufstand aus, an dem sich 3&nbsp;000 Lagerinsassen aus den Reihen der Zivilflüchtlinge beteiligten. Dieser wurde unter Militäreinsatz ohne Blutvergießen beendet.
 
Am [[1. April]] 1918 brach im Lager ein Aufstand aus, an dem sich 3&nbsp;000 Lagerinsassen aus den Reihen der Zivilflüchtlinge beteiligten. Dieser wurde unter Militäreinsatz ohne Blutvergießen beendet.
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Am [[3. November]] 1918 gelang 100 serbischen Offizieren die Flucht. Es gelang aber, diese schon wenige Stunden später wieder festzunehmen und eine Vereinbarung zu treffen, derartige Zwischenfälle hintanzuhalten. Den Gefangenen wurde unter anderem zugesagt, für ihren Heimtransport binnen einer Wochen sorgen zu wollen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wsz&datum=19181104&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 4. November 1918, Seite 5</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19181105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Arbeiter Zeitung, 5. November 1918, Seite 3</ref>
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Am [[3. November]] 1918 gelang 100 serbischen Offizieren die Flucht. Es gelang aber, diese schon wenige Stunden später wieder festzunehmen und eine Vereinbarung zu treffen, derartige Zwischenfälle hintanzuhalten. Den Gefangenen wurde unter anderem zugesagt, für ihren Heimtransport binnen einer Woche sorgen zu wollen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wsz&datum=19181104&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 4. November 1918, Seite 5</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19181105&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=3 ANNO], Arbeiter Zeitung, 5. November 1918, Seite 3</ref>
    
=== Wie der Zufall im Kriege spielt ===
 
=== Wie der Zufall im Kriege spielt ===
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* [[Salzburger Woche]], Ausgabe 23. Mai 2013: Harald Saller:  ''Gedenken einer schlimmen Zeit''
 
* [[Salzburger Woche]], Ausgabe 23. Mai 2013: Harald Saller:  ''Gedenken einer schlimmen Zeit''
 
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=60707 11. November 2018]
 
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=60707 11. November 2018]
* [https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2636949/ salzburg.orf.at] "Das „vergessene“ Russen-Lager Grödig", 2015
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* [https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2636949/ salzburg.orf.at] "Das "vergessene" Russen-Lager Grödig", 2015
 
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==
 
<references/>
 
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[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Flachgau]]
 
[[Kategorie:Flachgau]]
[[Kategorie:Grödig]]
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[[Kategorie:Grödig|Kriegsgefangenenlager]]
 
[[Kategorie:Erster Weltkrieg]]
 
[[Kategorie:Erster Weltkrieg]]
 
[[Kategorie:Militär]]
 
[[Kategorie:Militär]]