Änderungen

K
Zeile 28: Zeile 28:  
Dennoch blieb der Marktort Zell im Pinzgau seit der Blütezeit des Handels im Hochmittelalter immer von bescheidener Größe, über Jahrhunderte blieb die Anzahl der Häuser im Burgfrieden (vom Schiedbach [Schüttbach] bis zum Badhaus) mit rund sechzig bis neunzig konstant, die Einwohnerzahl dürfte bis zur Mitte des [[19. Jahrhundert]]s wohl  500 bis 600 nie überschritten haben, auch hatte der Marktflecken zu keiner Zeit eine Stadtmauer.
 
Dennoch blieb der Marktort Zell im Pinzgau seit der Blütezeit des Handels im Hochmittelalter immer von bescheidener Größe, über Jahrhunderte blieb die Anzahl der Häuser im Burgfrieden (vom Schiedbach [Schüttbach] bis zum Badhaus) mit rund sechzig bis neunzig konstant, die Einwohnerzahl dürfte bis zur Mitte des [[19. Jahrhundert]]s wohl  500 bis 600 nie überschritten haben, auch hatte der Marktflecken zu keiner Zeit eine Stadtmauer.
   −
Krisen und Kriege wie die [[Salzburger Bauernaufstände im 16. Jahrhundert|Bauernerhebungen]] [[1525]]/[[1526]] (die Verleihung des Ehrentitels "die getreuen Knechte des hl. Rupertus" ist historisch nicht bewiesen), der Vollzug der Todesstrafe an dem Zeller [[Pfleger]] [[Caspar Vogl]] im Jahr [[1606]], die Prozesse und Massenhinrichtungen rund um den mysteriösen [[Zauberer Jackl]] im 17. Jahrhundert, die unmenschliche Vertreibung der [[Protestanten]] aus Salzburg unter [[Fürsterzbischof]] [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] [[1731]] und die [[Salzburg unter Napoleon|Franzosenkriege]] (Anfang des 19. Jahrhunderts) betrafen den Marktort natürlich wirtschaftlich, hatten für die innere Entwicklung aber genauso eher geringe Auswirkungen wie das Ende der fürsterzbischöflichen Ära und die Eingliederung Salzburgs in den [[Habsburger]]-Staat.
+
Krisen und Kriege wie die [[Salzburger Bauernaufstände|Bauernerhebungen]] [[1525]]/[[1526]] (die Verleihung des Ehrentitels "die getreuen Knechte des hl. Rupertus" ist historisch nicht bewiesen), der Vollzug der Todesstrafe an dem Zeller [[Pfleger]] [[Caspar Vogl]] im Jahr [[1606]], die Prozesse und Massenhinrichtungen rund um den mysteriösen [[Zauberer Jackl]] im 17. Jahrhundert, die unmenschliche Vertreibung der [[Protestanten]] aus Salzburg unter [[Fürsterzbischof]] [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] [[1731]] und die [[Salzburg unter Napoleon|Franzosenkriege]] (Anfang des 19. Jahrhunderts) betrafen den Marktort natürlich wirtschaftlich, hatten für die innere Entwicklung aber genauso eher geringe Auswirkungen wie das Ende der fürsterzbischöflichen Ära und die Eingliederung Salzburgs in den [[Habsburger]]-Staat.
    
Über Auftreten und Folgen der zahlreichen [[Pest]]epidemien in Zell wissen wir wenig, der bis [[1975]] im linken Seitenschiff der [[Stadtpfarrkirche St. Hippolyt]] gelegene Sebastiani-Altar (der hl. Sebastian wurde als Schutzpatron gegen die [[Pest]] angerufen, heute befindet sich hier das Taufbecken) lässt aber darauf schließen, dass auch (bzw. gerade) in dem Handelsort Zell im Pinzgau die Pest ein ständiger Angst- und Bedrohungsfaktor für die Menschen gewesen sein muss. Dies gilt natürlich auch für andere Seuchen und Epidemien, so starben allein im Jahr [[1800]] 57 Kinder (!!) an den Blattern.
 
Über Auftreten und Folgen der zahlreichen [[Pest]]epidemien in Zell wissen wir wenig, der bis [[1975]] im linken Seitenschiff der [[Stadtpfarrkirche St. Hippolyt]] gelegene Sebastiani-Altar (der hl. Sebastian wurde als Schutzpatron gegen die [[Pest]] angerufen, heute befindet sich hier das Taufbecken) lässt aber darauf schließen, dass auch (bzw. gerade) in dem Handelsort Zell im Pinzgau die Pest ein ständiger Angst- und Bedrohungsfaktor für die Menschen gewesen sein muss. Dies gilt natürlich auch für andere Seuchen und Epidemien, so starben allein im Jahr [[1800]] 57 Kinder (!!) an den Blattern.
Zeile 62: Zeile 62:  
Ihm folgte von [[1919]] bis [[1922]] [[Anton Werber]] von den Sozialdemokraten, er wurde krankheitsbedingt von August [[1920]] bis September [[1921]] von dem bürgerlichen [[Vizebürgermeister]] [[Leo Gastgeber]] vertreten. Nach dem Wahlgang des Jahres [[1922]], der wiederum den Sozialdemokraten die Stimmenmehrheit gebracht hatte,  einigte man sich im bürgerlichen und nationalen Lager auf einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten, den Nationalen [[Josef Ernst]]. Sicher auch beeinflusst durch die deutschen und deutschösterreichischen Pioniere des Fremdenverkehrs war in politischer Hinsicht in Zell am See eine "deutsch"-nationale Einstellung weit verbreitet. So hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg eine starke Gruppe der sog. [[NSDAP|Hitlerbewegung]] (DAP, später in Österreich [[DNSAP]]) etabliert, der auch der Zeller Bürgermeister [[Josef Ernst]] angehörte. 1925 kandidierte in Zell eine "Einheitsliste der wirtschaftlich vereinigten [[CS|christlichsozialen]], [[GDVP|großdeutschen]] und nationalsozialistischen Parteien in Zell am See".<ref>Wahlliste; Bezirksarchiv Pinzgau, Zell am See</ref> Listenführer war Dr. [[Ludwig Margreiter]], ihm folgte an zweiter Stelle und als Bürgermeisterkandidat [[Josef Ernst]].
 
Ihm folgte von [[1919]] bis [[1922]] [[Anton Werber]] von den Sozialdemokraten, er wurde krankheitsbedingt von August [[1920]] bis September [[1921]] von dem bürgerlichen [[Vizebürgermeister]] [[Leo Gastgeber]] vertreten. Nach dem Wahlgang des Jahres [[1922]], der wiederum den Sozialdemokraten die Stimmenmehrheit gebracht hatte,  einigte man sich im bürgerlichen und nationalen Lager auf einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten, den Nationalen [[Josef Ernst]]. Sicher auch beeinflusst durch die deutschen und deutschösterreichischen Pioniere des Fremdenverkehrs war in politischer Hinsicht in Zell am See eine "deutsch"-nationale Einstellung weit verbreitet. So hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg eine starke Gruppe der sog. [[NSDAP|Hitlerbewegung]] (DAP, später in Österreich [[DNSAP]]) etabliert, der auch der Zeller Bürgermeister [[Josef Ernst]] angehörte. 1925 kandidierte in Zell eine "Einheitsliste der wirtschaftlich vereinigten [[CS|christlichsozialen]], [[GDVP|großdeutschen]] und nationalsozialistischen Parteien in Zell am See".<ref>Wahlliste; Bezirksarchiv Pinzgau, Zell am See</ref> Listenführer war Dr. [[Ludwig Margreiter]], ihm folgte an zweiter Stelle und als Bürgermeisterkandidat [[Josef Ernst]].
   −
In der schließlich neunjährigen Amtszeit von [[Josef Ernst]] wurde Zell am [[24. Jänner]] 1928 vom [[Salzburger Landtag]] zur Stadt erhoben, begründet wurde dies "in Würdigung der hervorragenden Entwicklung des Marktes, die er auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs bereits zu Ende des vergangenen Jahrhunderts, insbesondere aber in jüngster Zeit genommen hat".<ref>Stadterhebungsurkunde; Original im [[Stadt-Museum im Vogt- oder Kastnerturm]]</ref> Wesentlich hatte dazu beigetragen, dass als fünfte Seilbahn Österreichs die [[Schmittenhöhebahn]] erbaut und am 30. Dezember [[1927]] offiziell in Betrieb genommen werden konnte.
+
In der schließlich neunjährigen Amtszeit von [[Josef Ernst]] wurde Zell am [[24. Jänner]] 1928 vom [[Salzburger Landtag]] zur Stadt erhoben, begründet wurde dies "in Würdigung der hervorragenden Entwicklung des Marktes, die er auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs bereits zu Ende des vergangenen Jahrhunderts, insbesondere aber in jüngster Zeit genommen hat".<ref>Stadterhebungsurkunde; Original im [[Stadt-Museum im Vogt- oder Kastnerturm]]</ref> Wesentlich hatte dazu beigetragen, dass als fünfte Seilbahn Österreichs die [[Schmittenhöhebahn]] erbaut und am 30. Dezember [[1927]] offiziell in Betrieb genommen werden konnte. Anlässlich der Feierlichkeiten rund um die Stadterhebung wurde am selben Tag die Seilbahn auf die Schmittenhöhe in einem Festakt eröffnet.
    
Erst die Wahlen von [[1931]] brachten einen Umschwung, die Koalition von christlichsozialen, großdeutschen und nationalsozialistischen Parteien zerbrach. Streitigkeiten und offensichtliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb der nationalen Gruppen führten zu einer Spaltung in ein Großdeutsches Lager und den nationalen Flügel der Hitlerbewegung. Nach drei dramatischen Wahlgängen bekam nach internen Absprachen überraschend der Sozialdemokrat Anton Werber (nach 1919 erneut) eine Mehrheit, Josef Ernst zog sich bald darauf aus der Politik zurück.
 
Erst die Wahlen von [[1931]] brachten einen Umschwung, die Koalition von christlichsozialen, großdeutschen und nationalsozialistischen Parteien zerbrach. Streitigkeiten und offensichtliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb der nationalen Gruppen führten zu einer Spaltung in ein Großdeutsches Lager und den nationalen Flügel der Hitlerbewegung. Nach drei dramatischen Wahlgängen bekam nach internen Absprachen überraschend der Sozialdemokrat Anton Werber (nach 1919 erneut) eine Mehrheit, Josef Ernst zog sich bald darauf aus der Politik zurück.