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| | ''Möglicherweise hat nun ein Versagen der elektrischen Blockeinrichtung in Loifarn den folgenschweren Irrtum wachgerufen, daß die Strecke frei sei — der Personenzug wurde abgelassen, während schon der Schnellzug auf der eingeleisigen Strecke bergan fuhr. | | ''Möglicherweise hat nun ein Versagen der elektrischen Blockeinrichtung in Loifarn den folgenschweren Irrtum wachgerufen, daß die Strecke frei sei — der Personenzug wurde abgelassen, während schon der Schnellzug auf der eingeleisigen Strecke bergan fuhr. |
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| − | ''Einen Teil der Schuld trifft aber auch das bei der Bundesbahn herrschende Sparsystem. Das Wächterhaus Kt. 2, das unmittelbar an der Unglücksstelle liegt, ist, wie wir erfahren, derzeit unbesetzt, da der Wächter abgebaut worden ist. Wäre dies nicht geschehen, so würde aif das Signal: „Alle Züge aufhalten” der Wächter alles Notwendige veranlaßt haben und das Unglück hätte vermutlich verhütet werden können. | + | ''Einen Teil der Schuld trifft aber auch das bei der Bundesbahn herrschende Sparsystem. Das Wächterhaus Kt. 2, das unmittelbar an der Unglücksstelle liegt, ist, wie wir erfahren, derzeit unbesetzt, da der Wächter abgebaut worden ist. Wäre dies nicht geschehen, so würde aif das Signal: "Alle Züge aufhalten" der Wächter alles Notwendige veranlaßt haben und das Unglück hätte vermutlich verhütet werden können. |
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| | ''Der Zusammenstoß ereignete sich, kurz nachdem der Personenzug den einzigen Tunnel auf dieser Strecke verlassen hatte. Das Unglück war nicht mehr zu vermeiden; da die Bahnlinie kurz vor dem Tunnel eine scharfe Kurve beschreibt, konnten die Lokomotivführer erst im letzten Moment die drohende Katastrophe gewahr werden; und selbst dann, wenn noch der Versuch gemacht worden sein sollte, die Maschine des mit voller Geschwindigkeit abwärtssausenden Personenzuges und die Zugmaschine des Schnellzuges zu bremsen, so konnte doch der Führer der Schubmaschine des Schnellzuges unmöglich das Herannahen des Gegenzuges sehen. | | ''Der Zusammenstoß ereignete sich, kurz nachdem der Personenzug den einzigen Tunnel auf dieser Strecke verlassen hatte. Das Unglück war nicht mehr zu vermeiden; da die Bahnlinie kurz vor dem Tunnel eine scharfe Kurve beschreibt, konnten die Lokomotivführer erst im letzten Moment die drohende Katastrophe gewahr werden; und selbst dann, wenn noch der Versuch gemacht worden sein sollte, die Maschine des mit voller Geschwindigkeit abwärtssausenden Personenzuges und die Zugmaschine des Schnellzuges zu bremsen, so konnte doch der Führer der Schubmaschine des Schnellzuges unmöglich das Herannahen des Gegenzuges sehen. |
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| | ''Hinter diesem - so schwer hergenommenen tschechoslowakischen Wagen, in dem vier Todesopfer gefunden wurden, fuhren ein Schlafwagen und mehrere Wagen erster und zweiter Klasse, die fast unbeschädigt blieben und durch die folgende Schubmaschine alsbald nach Schwarzach zurückgebracht werden konnten. | | ''Hinter diesem - so schwer hergenommenen tschechoslowakischen Wagen, in dem vier Todesopfer gefunden wurden, fuhren ein Schlafwagen und mehrere Wagen erster und zweiter Klasse, die fast unbeschädigt blieben und durch die folgende Schubmaschine alsbald nach Schwarzach zurückgebracht werden konnten. |
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| − | ''Was sich im Moment des Zusammenstoßes abgespielt hat, läßt sich kaum schildern. Ein Eisenbahner vom Personenzug, der mit eingebundenem Kopf und Arm den Hilfszug besteigt, der in zurück nach Villach bringt, faßt uns: „Ich hörte noch einen furchtbaren Krach — dann wußte ich nichts mehr, als daß man mich aus den Trümmern herauszog." Aber die Frau des Bahnangestellten, der gerade an der Unglücksstelle sein Häuschen hat. war Augenzeugin der schrecklichen Katastrophe. Sie erzählt: Ein furchtbarer Krach — dann bäumten sich die Wagen auf. Es schien, als ob sie über den etwa 30 Meter hohen Hang hinabstürzen wollten. Dann sah sie ein paar Bedienstete der Eisenbahn — vermutlich den Maschinisten und den Heizer der Schnellzugsmaschine und einen im Zug befindlichen Bahnmeister — aus dem Zug herausspringen — und dann begann das entsetzliche Geschrei der Leute, die sich selbst aus den Trümmern nicht befreien konnten: Bitte, helft uns! | + | ''Was sich im Moment des Zusammenstoßes abgespielt hat, läßt sich kaum schildern. Ein Eisenbahner vom Personenzug, der mit eingebundenem Kopf und Arm den Hilfszug besteigt, der in zurück nach Villach bringt, faßt uns: "Ich hörte noch einen furchtbaren Krach — dann wußte ich nichts mehr, als daß man mich aus den Trümmern herauszog." Aber die Frau des Bahnangestellten, der gerade an der Unglücksstelle sein Häuschen hat. war Augenzeugin der schrecklichen Katastrophe. Sie erzählt: Ein furchtbarer Krach — dann bäumten sich die Wagen auf. Es schien, als ob sie über den etwa 30 Meter hohen Hang hinabstürzen wollten. Dann sah sie ein paar Bedienstete der Eisenbahn — vermutlich den Maschinisten und den Heizer der Schnellzugsmaschine und einen im Zug befindlichen Bahnmeister — aus dem Zug herausspringen — und dann begann das entsetzliche Geschrei der Leute, die sich selbst aus den Trümmern nicht befreien konnten: Bitte, helft uns! |
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| − | ''Ein Mann war im letzten Schnellzugswagen im Fenster eingeklemmt. Die Frau lief sofort um eine Hacke. Ein Kondukteur entriß ihr dieselbe und schlug das Loch in der stehen gebliebenen Seitenwand des Wagens, um den dort eingeklemmten Mann zu befreien. Und dann lief die Frau, um aus ihrem Häuschen für die Verwundeten an Bettzeug herbeizuschleppen, was sie dort hatte. Ein junger Bursche erzählt uns, er sei einer der ersten gewesen, die den so schwer beschädigten Schnellzugswagen bestiegen hatten. Dort fand er, im Coupé zweiter Klaffe, zwei tote Frauen. Die eine, etwa 27 bis 28 Jahre alt, saß zusammen gebeugt in hockender Stellung, das Gesicht blau, als wäre sie erstickt. Die zweite lag in einer gewaltigen Blutlache. In einem Abteil der dritten Klasse lag eine „formlose Masse". Man glaubte zuerst, es sei ein Sack. Als man ihn aufhob, erkannte man: Ein Todesopfer. | + | ''Ein Mann war im letzten Schnellzugswagen im Fenster eingeklemmt. Die Frau lief sofort um eine Hacke. Ein Kondukteur entriß ihr dieselbe und schlug das Loch in der stehen gebliebenen Seitenwand des Wagens, um den dort eingeklemmten Mann zu befreien. Und dann lief die Frau, um aus ihrem Häuschen für die Verwundeten an Bettzeug herbeizuschleppen, was sie dort hatte. Ein junger Bursche erzählt uns, er sei einer der ersten gewesen, die den so schwer beschädigten Schnellzugswagen bestiegen hatten. Dort fand er, im Coupé zweiter Klaffe, zwei tote Frauen. Die eine, etwa 27 bis 28 Jahre alt, saß zusammen gebeugt in hockender Stellung, das Gesicht blau, als wäre sie erstickt. Die zweite lag in einer gewaltigen Blutlache. In einem Abteil der dritten Klasse lag eine "formlose Masse". Man glaubte zuerst, es sei ein Sack. Als man ihn aufhob, erkannte man: Ein Todesopfer. |
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| | ''Hilfszüge waren natürlich aus beiden Richtungen erschienen. Der Verkehr muß zunächst durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Ein rasch angelegter Fußsteig ermöglicht dies. Sofort begannen auch die Aufräumungsarbeiten. Die letzten Wagen des Personenzuges konnten abgeschleppt werden. Der vorletzte Wagen des Schnellzuges, dem ein Räderpaar fehlt, wurde durch Winden hochgeschraubt. Eine Maschine wurde den Ruinen des Wagens vorgespannt — ein Ruck, er ist herausgezogen. Freilich fallen dabei Trümmer nach allen Seiten. Es wird vermutlich gewaltige Mühen verursachen, um die beiden entgleisten Maschinen auf die Schienen zu heben. | | ''Hilfszüge waren natürlich aus beiden Richtungen erschienen. Der Verkehr muß zunächst durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Ein rasch angelegter Fußsteig ermöglicht dies. Sofort begannen auch die Aufräumungsarbeiten. Die letzten Wagen des Personenzuges konnten abgeschleppt werden. Der vorletzte Wagen des Schnellzuges, dem ein Räderpaar fehlt, wurde durch Winden hochgeschraubt. Eine Maschine wurde den Ruinen des Wagens vorgespannt — ein Ruck, er ist herausgezogen. Freilich fallen dabei Trümmer nach allen Seiten. Es wird vermutlich gewaltige Mühen verursachen, um die beiden entgleisten Maschinen auf die Schienen zu heben. |
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| − | * [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19290823&query=%22Eisenbahnungl%c3%bcck%22+%22Tauernbahn%22+%221929%22&ref=anno-search&seite=1 ANNO], [[Salzburger Wacht]], Ausgabe vom 23. August 1929 | + | * [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19290823&query=%22Eisenbahnungl%c3%bcck%22+%22Tauernbahn%22+%221929%22&ref=anno-search&seite=1 ANNO], [[Salzburger Wacht]], Ausgabe vom 23. August 1929 |
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