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Die [[Niederlande]], vor allem der Raum um Amsterdam wird vielfach auch "Heimat der Glockenspiele" genannt. Das Glockenspiel des Westerturmes der Stadt Amsterdam geht auf 1636 zurück, jenes auf dem Palast auf dem Dam in dieser Stadt auf etwa 1650. Das Glockenspiel in Brielle unweit von Amsterdam wurde 1660 errichtet, jenes am Dom zu Utrecht 1664. Die Brüder François und Pieter Hemony schufen im 17. Jahrhundert dort 51 Glockenspiele. Das älteste bekannte Groß-Glockenspiel im Straßburger Münster stammt schon aus dem Jahr 1382. Kunstvolle alte Glockenspiele sind auch vom Kreml in Moskau (1625) oder aus Dresden (1728) bekannt.   
 
Die [[Niederlande]], vor allem der Raum um Amsterdam wird vielfach auch "Heimat der Glockenspiele" genannt. Das Glockenspiel des Westerturmes der Stadt Amsterdam geht auf 1636 zurück, jenes auf dem Palast auf dem Dam in dieser Stadt auf etwa 1650. Das Glockenspiel in Brielle unweit von Amsterdam wurde 1660 errichtet, jenes am Dom zu Utrecht 1664. Die Brüder François und Pieter Hemony schufen im 17. Jahrhundert dort 51 Glockenspiele. Das älteste bekannte Groß-Glockenspiel im Straßburger Münster stammt schon aus dem Jahr 1382. Kunstvolle alte Glockenspiele sind auch vom Kreml in Moskau (1625) oder aus Dresden (1728) bekannt.   
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[[1695]] kaufte Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] vom Glockengießer [[Melchior de Haze]] aus Antwerpen in der Grafschaft Flandern (Niederlande) die 35 Glocken. Diese waren zwischen [[1688]] und [[1689]] gegossen worden, das besagen deren Inschriften: "''Melchior de Haze Antverpiae me fecit''", "''1688''" oder "''1689''". Die Annahme (derzeit ohne jeden Quellenbeleg) die Glocken wären eigentlich für die Stadt und Festung Breda in Nordbrabant bestimmt gewesen und ein Brand hätte den dortigen Glockenturm vernichtet, weshalb die Glocken von Salzberg erworben werden konnten, wird von den Autoren "Das Salzburger Glockenspiel" (2013)  nicht geteilt. Vielmehr waren Glocken damals bereits auf Vorrat gegossen worden, die damals sinkende Nachfrage nach weiteren Glockenspielen in den Niederlanden führte dazu, dass seitens der Glockengießer neue Käufer gesucht wurden. Die Glocken kamen [[1696]] auf dem Landweg nach Salzburg, ein schwerer, langer und teurer Transport. Die schwerste Glocke wiegt etwa 300 Kilogramm, die kleinste etwa fünf Kilogramm. Die 35 Glocken wiegen insgesamt vier Tonnen.
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[[1695]] kaufte Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] vom Glockengießer [[Melchior de Haze]] aus Antwerpen in der Grafschaft Flandern (Niederlande) die 35 Glocken. Diese waren zwischen [[1688]] und [[1689]] gegossen worden, das besagen deren Inschriften: "''Melchior de Haze Antverpiae me fecit''", "''1688''" oder "''1689''". Die Annahme (derzeit ohne jeden Quellenbeleg) die Glocken wären eigentlich für die Stadt und Festung Breda in Nordbrabant bestimmt gewesen und ein Brand hätte den dortigen Glockenturm vernichtet, weshalb die Glocken von Salzberg erworben werden konnten, wird von den Autoren "Das Salzburger Glockenspiel" (2013)  nicht geteilt. Vielmehr waren Glocken damals bereits auf Vorrat gegossen worden, die damals sinkende Nachfrage nach weiteren Glockenspielen in den Niederlanden führte dazu, dass seitens der Glockengießer neue Käufer gesucht wurden. Die Glocken kamen [[1696]] auf dem Landweg nach Salzburg, ein schwerer, langer und teurer Transport. Die schwerste Glocke wiegt etwa 300 Kilogramm, die kleinste etwa fünf Kilogramm. Die 35 Glocken wiegen insgesamt über eineinhalb Tonnen. Das gesamte Werk wiegt über 4 Tonnen.
    
Nachdem die Glocken in Salzburg angekommen waren, fehlten noch die Uhr und der gesamte Mechanismus zum Antrieb des Glockenspiels. Die Herstellung und Aufstellung weiterer wichtiger Bestandteile, so des Wellbaumes, des Hammerwerkes samt den Federn, Drahtwerk, Zungen, Stacheln, die die Hämmer treiben, und allem Zubehör verzögerten sich aber noch viele Jahre. [[1698]] unternahm der Salzburger Großuhrmachermeister [[Jeremias Sauter]] eine Informationsreise über die Technik von Glockenspielen in die Niederlande. Die folgende Erstellung des Spielwerkes durch Sauter ist ungeachtet dessen eine eigenständige barocke salzburger Arbeit.  
 
Nachdem die Glocken in Salzburg angekommen waren, fehlten noch die Uhr und der gesamte Mechanismus zum Antrieb des Glockenspiels. Die Herstellung und Aufstellung weiterer wichtiger Bestandteile, so des Wellbaumes, des Hammerwerkes samt den Federn, Drahtwerk, Zungen, Stacheln, die die Hämmer treiben, und allem Zubehör verzögerten sich aber noch viele Jahre. [[1698]] unternahm der Salzburger Großuhrmachermeister [[Jeremias Sauter]] eine Informationsreise über die Technik von Glockenspielen in die Niederlande. Die folgende Erstellung des Spielwerkes durch Sauter ist ungeachtet dessen eine eigenständige barocke salzburger Arbeit.  
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Das Salzburger Glockenspiel besitzt ein 6,3 Tonnen schweres Spielwerk, das aus 3 655 Einzelteilen besteht. Es wird über eine große Walze gesteuert, die von einem  mechanische, später auch einem elektrischen Antrieb angetreiben wird. Im [[18. Jahrhundert]] war es für einen Glöckner möglich, über eine Handspielanlage zu improvisieren oder eigene Stücke zu spielen. Die Mechanik dieser ursprünglichen Spielanlage war vermutlich bereits von Jeremias Sauter errichtet, aber wohl im [[19. Jahrhundert]] entfernt worden.  
 
Das Salzburger Glockenspiel besitzt ein 6,3 Tonnen schweres Spielwerk, das aus 3 655 Einzelteilen besteht. Es wird über eine große Walze gesteuert, die von einem  mechanische, später auch einem elektrischen Antrieb angetreiben wird. Im [[18. Jahrhundert]] war es für einen Glöckner möglich, über eine Handspielanlage zu improvisieren oder eigene Stücke zu spielen. Die Mechanik dieser ursprünglichen Spielanlage war vermutlich bereits von Jeremias Sauter errichtet, aber wohl im [[19. Jahrhundert]] entfernt worden.  
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Mehrfach wurde über die noch nicht wohltemperierte Stimmung des Glockenspiels gerätselt. [[Hermann Spies]] wies darauf hin, dass die Glocken um [[1690]] aber noch im sogenannten frühbarocken ''Chorton'' gestimmt waren und die "gleichschwebende" bzw. wohltemperierte Stimmung sich erst etwas Zeit durchsetzte. Dazu kamen vor der letzten Restaurierung auch Unreinheiten durch abgenutzte und damit nicht mehr sauber gestimmte Glocken. Das Salzburge rGlockenspiel war ursprünglich in ienr 1/4 Komma mitteltönigen Stimmnge hergestellt worden, aber durch Nachstimmversuche des 19. Jahrhunderts im Klang nicht verbessert sondern ungewollt verschlechtert worden.  
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Mehrfach wurde über die noch nicht wohltemperierte Stimmung des Glockenspiels gerätselt. [[Hermann Spies]] wies darauf hin, dass die Glocken um [[1690]] aber noch im sogenannten frühbarocken ''Chorton'' gestimmt waren und die "gleichschwebende" bzw. wohltemperierte Stimmung sich erst etwas Zeit durchsetzte. Dazu kamen vor der letzten Restaurierung auch Unreinheiten durch abgenutzte und damit nicht mehr sauber gestimmte Glocken. Das Salzburger Glockenspiel war ursprünglich in einer "1/4 Komma mitteltönigen Stimmung" hergestellt worden, aber durch Nachstimmversuche des 19. Jahrhunderts im Klang keinesfalls verbessert sondern ungewollt deutlich verschlechtert worden.  
    
Das mechanische Werk besteht aus der Uhr, der Antriebsmechanik mit dem Wellbaum und dem Hammerwerk samt Federn, Drahtwerk, Zungen, sowie der großen Walze mit seinen zahlreichen "Stacheln". Diese lösten eist über Seilzug, heute aber über Glockenketten den Hammerschlag der jeweiligen Glocke aus. Jede Glocke, außer die größten, besitzen zwei gleich große Hämmer. Das Gewicht der großen Hämmer zieht die jeweilige Kette (bzw früher das Gestänge samt "Abstrakte" und "Claves") in die Ausgangslage zurück.
 
Das mechanische Werk besteht aus der Uhr, der Antriebsmechanik mit dem Wellbaum und dem Hammerwerk samt Federn, Drahtwerk, Zungen, sowie der großen Walze mit seinen zahlreichen "Stacheln". Diese lösten eist über Seilzug, heute aber über Glockenketten den Hammerschlag der jeweiligen Glocke aus. Jede Glocke, außer die größten, besitzen zwei gleich große Hämmer. Das Gewicht der großen Hämmer zieht die jeweilige Kette (bzw früher das Gestänge samt "Abstrakte" und "Claves") in die Ausgangslage zurück.
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