Kobler-Spängler-Briefe von 1872: Unterschied zwischen den Versionen
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''Ob wir dazu geboren sind, einander anzugehören oder ob Gott uns dazu erkoren hat, wer beantwortet dieses [?]. Soviel aber weiß ich, daß ich recht sehr zufrieden bin, daß Alles so gekommen ist. Gott schenke uns allezeit, daß wir miteinander zufrieden sind. Du hast Recht, ich bete gewiß täglich für dich, mein Lieber und erflehe alles Gute und Schöne für dich! Wie oft in mein Beten der Gedanke an unsere Zukunft sich verwebt kann ich nicht schildern, oft vermag ich schwer zu unterscheiden, wo Gebet und Träumereien sich abgrenzen. Besonders früh in der hl: Messe beginne ich oft mein Gebet und auf einmal wird mir bewußt, daß meine Gedanken weitab schweiften, daß sie eben bei dir waren. Und doch glaube ich nicht, daß solches Unrecht ist, es sind ja lauter gute, liebevolle Gedanken, die mich so beschäftigen, manchmal freilich kommt auch die helle Prosa dazu.'' | ''Ob wir dazu geboren sind, einander anzugehören oder ob Gott uns dazu erkoren hat, wer beantwortet dieses [?]. Soviel aber weiß ich, daß ich recht sehr zufrieden bin, daß Alles so gekommen ist. Gott schenke uns allezeit, daß wir miteinander zufrieden sind. Du hast Recht, ich bete gewiß täglich für dich, mein Lieber und erflehe alles Gute und Schöne für dich! Wie oft in mein Beten der Gedanke an unsere Zukunft sich verwebt kann ich nicht schildern, oft vermag ich schwer zu unterscheiden, wo Gebet und Träumereien sich abgrenzen. Besonders früh in der hl: Messe beginne ich oft mein Gebet und auf einmal wird mir bewußt, daß meine Gedanken weitab schweiften, daß sie eben bei dir waren. Und doch glaube ich nicht, daß solches Unrecht ist, es sind ja lauter gute, liebevolle Gedanken, die mich so beschäftigen, manchmal freilich kommt auch die helle Prosa dazu.'' | ||
''Nun aber muß ich zur englischen Conversation. Erst Abends werde ich weiter schreiben können, weil wir dann später bei uns französische Conversation haben, da müßen die fremden Sprachen doch gedeihen! Diesen Monat werde ich die englische Stunde noch nehmen, doch dann höre ich auf. Lebe wo[h]l und hab mich lieb! – ¾ auf 8 Uhr - Nun zur Fortsetzung! Englische u. französische Conversation sind vorbei, le[t]ztere artete wieder einmal stark in eine deutsche aus, nur Anfangs wurde französisch gesprochen. Heute überreichten Lida und ich unser Hochzeitsgeschenk an Emma, nämlich ein Fotografiealbum in mattem schwarzen Leder, welches Emma recht zu freuen scheint. Wie herzlichst wünschte ich, auch für Lida bald ein Hochzeitsgeschenk wählen zu dürfen! Sollte gerade Lida nicht für jenes schöne Ziel geschaffen sein, welches die wahre Bestimmung des Weibes ist. Sie hat doch gewiß alle Eigenschaften, eine liebe Frau zu werden, und wie viele Vorzüge schmücken sie! Ich gebe mich aber doch der Hoffnung hin, daß nicht der eine unerfüllt gebliebene Wunsch, den sie so lange gehegt, ein ganzes Leben ohne Liebesglück mit sich bringen wird, doch genug hievor, seinerzeit will ich dir schon das Nähere mittheilen. Vorgestern war Emma wieder in Hallein, in ihrer Wohnung ist doch schon ziemlich viel fertig und wird nächstens auch ihr Hochzeit[s]tag festgesetzt, jedenfalls in den le[t]zten Tagen dieses Monates. Somit kämen Großmutter und ich in den ersten Tagen des März nach Wien. Also in 4 Wochen so Gott will, sehen wir uns wieder! Dann wollen wir wieder einige recht schöne Tage mitsammen zubringen. Und wie viel es zu thun wird geben! Ob es dafür steht [sich lohnen], daß du für den einen Monat in unsere Wohnung ziehst, weiß ich aufrichtig gesagt nicht recht. | ''Nun aber muß ich zur englischen Conversation. Erst Abends werde ich weiter schreiben können, weil wir dann später bei uns französische Conversation haben, da müßen die fremden Sprachen doch gedeihen! Diesen Monat werde ich die englische Stunde noch nehmen, doch dann höre ich auf. Lebe wo[h]l und hab mich lieb! – ¾ auf 8 Uhr - Nun zur Fortsetzung! Englische u. französische Conversation sind vorbei, le[t]ztere artete wieder einmal stark in eine deutsche aus, nur Anfangs wurde französisch gesprochen. Heute überreichten Lida und ich unser Hochzeitsgeschenk an Emma, nämlich ein Fotografiealbum in mattem schwarzen Leder, welches Emma recht zu freuen scheint. Wie herzlichst wünschte ich, auch für Lida bald ein Hochzeitsgeschenk wählen zu dürfen! Sollte gerade Lida nicht für jenes schöne Ziel geschaffen sein, welches die wahre Bestimmung des Weibes ist. Sie hat doch gewiß alle Eigenschaften, eine liebe Frau zu werden, und wie viele Vorzüge schmücken sie! Ich gebe mich aber doch der Hoffnung hin, daß nicht der eine unerfüllt gebliebene Wunsch, den sie so lange gehegt, ein ganzes Leben ohne Liebesglück mit sich bringen wird, doch genug hievor, seinerzeit will ich dir schon das Nähere mittheilen. Vorgestern war Emma wieder in Hallein, in ihrer Wohnung ist doch schon ziemlich viel fertig und wird nächstens auch ihr Hochzeit[s]tag festgesetzt, jedenfalls in den le[t]zten Tagen dieses Monates. Somit kämen Großmutter und ich in den ersten Tagen des März nach Wien. Also in 4 Wochen so Gott will, sehen wir uns wieder! Dann wollen wir wieder einige recht schöne Tage mitsammen zubringen. Und wie viel es zu thun wird geben! Ob es dafür steht'' [sich lohnen, Anm.] '', daß du für den einen Monat in unsere Wohnung ziehst, weiß ich aufrichtig gesagt nicht recht. | ||
''Ich verkenne gewiß nicht, daß es schade ist gleichzeitig für beide Wohnungen zu bezahlen, doch es geschieht ja hoffentlich nicht wieder, daß wir so lange im Voraus eine Wohnung miethen müßen. Um nicht zu vergeßen, muß ich dir gleich mittheilen daß unsere Bettstellen'' [Bettgestell, Anm.] ''schon ausgesucht sind und die Federmatratzen eben beim Tapezierer Becker angefertigt werden. Wenn dieselben gemacht sind, werden sie freylich nach Mödling geschickt, wahrscheinlich Mitte Februar. Ich bitte dich dafür mir genau zu schreiben wie ich die Adreße machen laßen soll. Natürlich muß die Sendung gleich in unsere Wohnung befödert werden. Siehst du, je[t]zt kriegst du auch schon zu thun, mit der Hauseinrichtung. Die geblümte Garnitur ist noch nicht angerührt worden. Großmutter sagt, sie will erst sehen, wie sie in Wien die Möbel findet, vielleicht kauft sie dann doch Alles'' [für Fanni, Anm.] ''ein und behält die'' [eigenen, Anm.] ''Möbel. Was die Polsterung der Möbel betrifft, muß man eben in ein möglichst solides Geschäft gehen und sich irgendeine Garantie über für die Güte der Arbeit zu verschaffen suchen. Übrigens ist es häufig eine Nachlässigkeit der Frau, wenn die Motten sich einnisten, mit gehöriger Sorgfalt kann man dieselben schon fernhalten. Bei uns ist noch vollständiger Winter, und ich wünsche lebhaft daß sich bis zur Winter-Reise mildes Wetter einstelle. Von meiner Ausstattung ist allerdings das Meiste fertig, ein Theil ist sogar schon gewaschen doch geht noch gar Manches ab, und das unbenützt Liegen ist nicht so gefährlich! Für Emmas Hochzeit muß ich mir auch noch eine Toilette'' [Kleidung, Anm.] ''besorgen, denke dir sie werden wahrscheinlich im Dom getraut. Da werde ich schon recht gut zusehen, damit ich weiß wie ich mich anzustellen habe. | ''Ich verkenne gewiß nicht, daß es schade ist gleichzeitig für beide Wohnungen zu bezahlen, doch es geschieht ja hoffentlich nicht wieder, daß wir so lange im Voraus eine Wohnung miethen müßen. Um nicht zu vergeßen, muß ich dir gleich mittheilen daß unsere Bettstellen'' [Bettgestell, Anm.] ''schon ausgesucht sind und die Federmatratzen eben beim Tapezierer Becker angefertigt werden. Wenn dieselben gemacht sind, werden sie freylich nach Mödling geschickt, wahrscheinlich Mitte Februar. Ich bitte dich dafür mir genau zu schreiben wie ich die Adreße machen laßen soll. Natürlich muß die Sendung gleich in unsere Wohnung befödert werden. Siehst du, je[t]zt kriegst du auch schon zu thun, mit der Hauseinrichtung. Die geblümte Garnitur ist noch nicht angerührt worden. Großmutter sagt, sie will erst sehen, wie sie in Wien die Möbel findet, vielleicht kauft sie dann doch Alles'' [für Fanni, Anm.] ''ein und behält die'' [eigenen, Anm.] ''Möbel. Was die Polsterung der Möbel betrifft, muß man eben in ein möglichst solides Geschäft gehen und sich irgendeine Garantie über für die Güte der Arbeit zu verschaffen suchen. Übrigens ist es häufig eine Nachlässigkeit der Frau, wenn die Motten sich einnisten, mit gehöriger Sorgfalt kann man dieselben schon fernhalten. Bei uns ist noch vollständiger Winter, und ich wünsche lebhaft daß sich bis zur Winter-Reise mildes Wetter einstelle. Von meiner Ausstattung ist allerdings das Meiste fertig, ein Theil ist sogar schon gewaschen doch geht noch gar Manches ab, und das unbenützt Liegen ist nicht so gefährlich! Für Emmas Hochzeit muß ich mir auch noch eine Toilette'' [Kleidung, Anm.] ''besorgen, denke dir sie werden wahrscheinlich im Dom getraut. Da werde ich schon recht gut zusehen, damit ich weiß wie ich mich anzustellen habe. | ||