Kobler-Spängler-Briefe von 1871: Unterschied zwischen den Versionen

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==== Brief, September 1871 von Vincenz Schlegel aus Leipzig an Fanni Spängler ====
==== Brief, September 1871 von Vincenz Schlegel aus Leipzig an Fanni Schlegel ====
Briefbogen, ohne Datum, erschlossen 1871, vgl. nachfolgenden Brief; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; Kopie liegt im Bündel der Briefe zur Verlobung 1871:<br />
Brief an [[Franziska Spängler]]; Briefbogen, ohne Datum, erschlossen 1871, vgl. nachfolgenden Brief; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; Kopie liegt im Bündel der Briefe zur Verlobung 1871:<br />
''Meine liebe gute Fanni! // Als ich gestern nach mehreren Jahren wieder einmal meine gute Tante und Mutter Nro II besuchte, wurde ich von ihr mit der Nachricht von Deiner Verlobung aufs Freudigste überrascht. Sie gab mir Dein Briefchen an sie zu lesen, und aus ihm entnahm ich zugleich, daß du die Adresse des Onkels Vincenz<ref>"Onkel" Vincenz ist P. Vincenz Schlegel (* 1819 in Politz, Böhmen; † 28. Juni 1878 in der Stadt Salzburg, begraben auf dem Petersfriedhof [auf dem Stein steht "Vinzenz", er selbst schrieb sich "Vincenz"]); nach einer Zeit in Dresden 1872 Superior und kathol. Pfarrer an der St. Trinitatiskirche in Leipzig. Er ist wohl ein Cousin von [[Richard Franz Schlegel]].</ref> in Leipzig wissen möchtest, um ihn ebenfalls von der freudigen Begebenheit zu benachrichtigen. Ich danke dir herzlich für diese Aufmerksamkeit, und beeile mich, dir zuvorzukommen. Meiner besten und tiefgefühlten Glückwünsche bist du versichert! Möge der liebe Gott dir ein recht dauerndes Glück bescheiden; mögest du in deinen erwählten Lebens- / gefährten einen liebevollen Freund gefunden haben, der dir reichen Ersatz bietet für Heimat, Vaterhaus und den Kreis deiner lieben Angehörigen, die du nun zu verlassen dich entschlossen hast – aus Liebe zu ihn! Möge Alles, Alles zusammenwirken, um dich vollkommen zu beglücken. An dem Tage deiner Vermählung, den du mir gewiß vorher anzeigen wirst, will ich diese Wünsche freilich in weiter Form,'' [unterstrichen:] ''dem als Bitte vortragen, der uns Allen gleich nahe ist, und von dem alles Gute uns kommt. Gehe mit frohen Vertrauen der Zukunft entgegen, und halte fest an diesem Vertrauen, wenn auch in der ersten Zeit dich zuweilen ein kleines Heimweh überkommen sollte, und du mit Sehnsucht zurückblicken wirst in die glückliche Vergangenheit, in deine Kinder- und Jugendjahr. / In deinem Glücke finde ja auch die, welche du verlassen wirst, einen großen Theil ihres eigenen Lebensglückes.''
''Meine liebe gute Fanni! // Als ich gestern nach mehreren Jahren wieder einmal meine gute Tante und Mutter Nro II besuchte, wurde ich von ihr mit der Nachricht von Deiner Verlobung aufs Freudigste überrascht. Sie gab mir Dein Briefchen an sie zu lesen, und aus ihm entnahm ich zugleich, daß du die Adresse des Onkels Vincenz<ref>"Onkel" Vincenz ist P. Vincenz Schlegel (* 1819 in Politz, Böhmen; † 28. Juni 1878 in der Stadt Salzburg, begraben auf dem Petersfriedhof [auf dem Stein steht "Vinzenz", er selbst schrieb sich "Vincenz"]); nach einer Zeit in Dresden 1872 Superior und kathol. Pfarrer an der St. Trinitatiskirche in Leipzig. Er ist wohl ein Cousin von [[Richard Franz Schlegel]].</ref> in Leipzig wissen möchtest, um ihn ebenfalls von der freudigen Begebenheit zu benachrichtigen. Ich danke dir herzlich für diese Aufmerksamkeit, und beeile mich, dir zuvorzukommen. Meiner besten und tiefgefühlten Glückwünsche bist du versichert! Möge der liebe Gott dir ein recht dauerndes Glück bescheiden; mögest du in deinen erwählten Lebens- / gefährten einen liebevollen Freund gefunden haben, der dir reichen Ersatz bietet für Heimat, Vaterhaus und den Kreis deiner lieben Angehörigen, die du nun zu verlassen dich entschlossen hast – aus Liebe zu ihn! Möge Alles, Alles zusammenwirken, um dich vollkommen zu beglücken. An dem Tage deiner Vermählung, den du mir gewiß vorher anzeigen wirst, will ich diese Wünsche freilich in weiter Form,'' [unterstrichen:] ''dem als Bitte vortragen, der uns Allen gleich nahe ist, und von dem alles Gute uns kommt. Gehe mit frohen Vertrauen der Zukunft entgegen, und halte fest an diesem Vertrauen, wenn auch in der ersten Zeit dich zuweilen ein kleines Heimweh überkommen sollte, und du mit Sehnsucht zurückblicken wirst in die glückliche Vergangenheit, in deine Kinder- und Jugendjahr. / In deinem Glücke finde ja auch die, welche du verlassen wirst, einen großen Theil ihres eigenen Lebensglückes.''