Ausgesprochen Weiblich

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Ausgesprochen Weiblich ist eine wöchentliche Kolumne in der Salzburger Woche, geschrieben von Redakteurinnen.

Allgemeines

In dieser Kolumne setzen sich die Redakteurinnen kritisch mit Dingen aus dem Alltag einer Frau, der Beziehung Mann - Frau, der Kindererziehung und anderen weiblichen Themen auseinander.

Auszug

  • Federleicht in luftiger Höhe, von Birgit Kaltenböck (24. Jänner 2013): es geht um Stewardessen an Bord von Fluglinien, die angehalten werden, Uniformen der Größe 36 zu tragen, sprich, auf ihr Gewicht zu achten ("Über den Wolken muss Schönheit wohl grenzenlos sein?")
  • Falsch interpretierter Weltfrauentag, von Sigrid Scharf (14. März 2013)

Ein Beitrag wörtlich

Büchsenmacher reloaded - geh's noch?

Ein Beitrag von Karin Portenkirchner, erschienen in der Ausgabe vom 8. August 2013

Es ist zum Weinen, zum Heulen, zum Haareraufen und vor allem: zum Schämen! Mitten im Anifer Ortsgebiet, an einer der wohl am stärksten befahrenen Straßen des Bundeslandes Salzburg, prangt schon wieder so ein Wegweiser: "Zum Büchsenmacher XY" (der Name des Vaters tut nichts zur Sache). Haha, ein Brüller, ein Schenkelklopfer sondergleichen. Prust und überhaupt. Hallo? Hier spricht das 21. Jahrhundert: Bitte, liebes Mittelalter, schau kurz vorbei und hol deine stereotypen Geschlechterrollen bei uns ab – danke!

Wie an dieser Stelle bereits mehrmals geschrieben: "Zum Büchsenmacher" ist keine Anspielung auf einen Gewehrfabrikanten. Es handelt sich vielmehr um den frischgebackenen Vater eines Babys, und zwar eines weiblichen Babys. Die Büchse dient in diesem Zusammenhang als wahnsinnig geistreiche Analogie zum weiblichen Geschlechtsorgan. Genau – einfach widerwärtig. Die Zeiten, in denen das Geschlecht eines Neugeborenen über das wirtschaftliche Auslangen entschied, sind wohl wirklich längst vorbei. Frauen können heutzutage alles erreichen, üben genauso Top-Jobs und Führungspositionen aus. Sie können einen landwirtschaftlichen Betrieb oder ein Familienunternehmen erfolgreich führen oder ihre eigenen Firmen gründen – alles ist möglich.

Selbst das "Aussterben seiner Linie" braucht man als Vater einer Tochter heute nicht mehr befürchten – dank des modernen Namensrechts kann der Schwiegersohn ja den Nachnamen seiner besseren Hälfte annehmen. Der "Büchsenmacher"-Brauch ist eine Unsitte und eine Herabwürdigung des Wunders Leben, das eine Geburt darstellt. Die sicherste Variante ist übrigens immer noch, die werdenden Eltern zu fragen, ob ihnen das Aufstellen eines solchen Schildes (und die Anhäufung leerer Dosen) überhaupt recht ist! Wetten, dass sie es alle ablehnen, wenn sie die Wahl haben?

Quelle

  • Salzburger Woche