Hagenauer - namensgleiche Adelsgeschlechter und Familien

Aus Salzburgwiki
Version vom 29. März 2022, 10:51 Uhr von Peter Krackowizer (Diskussion | Beiträge) (Textersetzung - „Luxemburg“ durch „Luxemburg“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dieser Artikel behandelt namensgleiche Adelsgeschlechter und Familien Hagenauer.

Einleitung

Neben dem Geschlecht der Herren von Hagenau tauchten, ab dem 13. Jahrhundert vorerst vereinzelt und ab dem 14. Jahrhundert zunehmend, auch andere Geschlechter unter dem Namen von Hagenau bzw. Hagenauer mit teilweise divergierender Schreibweise auf. Es wurde bei manchen dieser namensgleichen Geschlechter auch eine mögliche genealogische Verbindung zu den Herren von Hagenau untersucht, die jedoch nirgends gefunden werden konnte. Die Namensherkunft ist außer bei den Herren von Hagenau (vom Edelsitz Hagenau bei Schrobenhausen) nur bei jenen Geschlechtern und Familien gesichert, die ihren Namen von der Stadt Hagenau im Elsass, sowie von der Wasserburg (Stadt) Hanau in Hessen abgeleitet hatten. Ebenso gesichert ist die Namensherkunft des sich ursprünglich de Hahenau (eine bestimmte Bootsbezeichnung) nennenden Schiffsherren-Geschlechts, das sich später ebenfalls Hagenauer genannt hatte. Woher die übrigen Geschlechter Hagenauer ihren Namen hatten, oder von wo sie kamen, ist unbekannt und könnte daher nur gemutmaßt werden.

Orte oder Weiler namens Hagenau gab und gibt es mehrere in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die meisten dieser bei Flüssen liegende Orte findet man in Bayern (dreizehn mal). Auffällig ist jedenfalls die Tatsache, dass der Flurnamen Hagenau gehäuft dort auftritt, wo die Herren von Hagenau ihre ehemaligen Lehen und Siedlungs-Routen hatten. Die Herkunft der meisten hier behandelten namens-gleichen Geschlechter (von Hagenau) lassen sich auf keinen bestimmten Ort Hagenau zurückführen, mit Ausnahme der bereits oben erwähnten Geschlechter, die ihre Namen von den Städte Hagenau im Elsass und der Stadt Hanau in Hessen herleiteten. Bei den anderen Geschlechtern wäre zu untersuchen, wann die Weiler oder Orte Hagenau zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurden und wann der Geschlechter-Name von Hagenau bzw. Hagenauer in dieser Region erstmals urkundlich auftauchte. Verbunden mit genealogischen Daten ließe sich dann für das eine oder andere Geschlecht Hagenauer der jeweilige namensgebende Ort (Weiler) "Hagenau" bestimmen. Ferner ist auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass manche dieser namensgleichen Geschlechter Vasallen der Herren von Hagenau gewesen waren und sich nach ihren Herren bzw. als Burgmannen nach einer Burg Hagenau benannt hatten.

Schweiz und Tirol

Von welchem Hagenau sich der Name der namensgleichen adeligen schweizer Geschlechter Hagenauer (auch von Hagenau, Hag(e)nower bzw. Hagnauer) ableitet ist nicht bekannt. Möglicher Weise kamen sie von dem Ort Hagenau (bei Ganterschwil) in der Schweiz, aus dem Ort Hagenau (Hagnau) am Bodensee in Baden-Württemberg (ursprünglich Herzogtum Schwaben), oder auch aus der Stadt Hagenau im Elsass (die später noch gesondert behandelt wird). Somit besteht keinerlei Kenntnis darüber, ob die in Regesten des 13. bis 16. Jahrhunderts genannten schweizer Geschlechter untereinander oder (eher unwahrscheinlich) gar mit dem bayrisch-österreichischen Adelsgeschlecht der Herren von Hagenau verwandt waren. Auf jeden Fall führten diese im Kanton Aargau (und den benachbarten Kantonen Zürich und Basel) ansässigen schweizer Hagenauer, die als Ritter, Vögte, Kirchherren oder Äbte genannt wurden, unterschiedliche Wappen. Sie wurden in einigen Urkunden im Zusammenhang mit dem ebenfalls im Kanton Aargau auftretenden schweizer Geschlecht Habsburg genannt, deren Mitglieder der Dynastie erstmals 1273 und fast ununterbrochen ab 1438 die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser stellten. Der frühest urkundlich erwähnte Hagenauer, der zu einem der schweizer Geschlechter zu zählen ist, war der 1276 genannte Richard von Hagenau. Er hatte sich dem Bündnis von König Rudolf I. (ab 1273 der erste römisch-deutsche König aus dem Geschlecht der Habsburger) im Kampf gegen den böhmischen König Ottokar angeschlossen. Der 1333 in der Schweiz genannte Herr Philipp Hagenauer, war Kirchherr zu Wichtrach (Kanton Bern). 1354 übereignete die neue Bruderschaft der Domkapläne in der Stadt Konstanz am Bodensee (die 1312 in dem Vier-Städte-Bund mit Zürich, Schaffhausen und St. Gallen war) einem Ulrich Hagenau, Leutpriest von St. Johann, ein Haus. In einer Urkunde aus dem Jahr 1360 nimmt Kaiser Karl IV. (aus dem Geschlecht der Luxemburger) einen "Konrad von Hagenau, canonicus der kirchen Haselach und Surburg Strassburger diöces, zu seinem caplan, hofgesinde, haus- und tischgenossen". Aus dem selben schweizer Geschlecht stammte Ritter Hans Hagenauer (auch Johannes von Hagenau), der aus Baden in Aargau (dem Stammgebiet der Habsburger) stammte. Er wird in der Liste der gefallenen Adeligen auf Habsburger Seite, in der für die Ritter so verheerenden Schlacht bei Sempach 1386, angeführt. Das Wappen dieses Hagenauer-Geschlechts ist sechsfach von Silber und Schwarz geständert (Wappenbuch der Stadt Baden). Bei der Darstellung unter den Wappentafeln in der Schlachtkapelle von Sempach ist das Wappen jedoch achtfach von Gold und Blau geständert. Die in der mehrfach restaurierten und umgebauten Schlachtkapelle abgebildeten Wappen waren allerdings erst 1886 im Zuge eines erneuten Umbaus der Kirche gemalt worden, wodurch es wahrscheinlich zu dieser Abweichungen gegenüber dem Hagenauer-Wappen im Wappenbuch der Stadt Baden gekommen war.

Im benachbarten Kanton Zürich (westlich von Aargau) wurde 1370 ein Hans Hagenauer in Wulfligen erwähnt, der den Zunamen "Kränzlin" erhielt. Sein Wappen war ein rotes Schild mit einem grünen, von sechs goldenen Blüten verzierten, Kranz. Er war der Ahnherr des sich später Kränzlin nennenden Geschlechts. Aus einem weiteren schweizer Geschlecht aus dem Kanton Zürich stammte der im Jahr 1387 erwähnte Herr Heinrich der Hagenauer, der 1416 als erster zürcherische Vogt über Grüningen genannt wurde. Ebenso erwähnenswert sind die zürcherischen Vögte über Greifensee, 1420 Herr Hans Hagenauer und 1436 Herr Johannes Hagenauer (der Jüngere), der Herr über Schloss Grüningen war. Aus jenem Geschlecht stammte auch der von 1480 bis 1500 als Abt von Muri eingesetzte Herr Johannes Hagenauer (Hagnauer), "aus einem vornehmen Zürcher Geschlecht". Abt Johannes Hagenauer von Muri wurde am 22. Juli 1492 von Kaiser Maximilian I. ein Wappen (in Schwarz od. Blau über sechsstrahligem goldenen Stern zwei silberne Jakobsmuscheln) verliehen. Dieses Wappen wurde am 16. Oktober 1494 auf das Geschlecht der Hagenauer zu Zürich ausgeweitet (Geschlechterbuch Zürich), Abt Johannes Hagenauer hatte selbst vier Kinder. Die Blasonierung dieses Geschlechter-Wappens war: in Gold über sechsstrahligem silbernen Stern zwei silberne Jakobsmuscheln. Im Jahr 1595 wird in Hohenrain noch ein Kaspar Hagenauer zu Wangen in seinem Gültbrief auf dem "3 Königs Gütli" genannt.

In einer von Kaiser Sigmund III. (von Luxemburg) am 31. Oktober 1433 in Basel unterzeichneten Urkunde wird Hans Hagenauer (Johann Hagnower) ein Wappen verliehen. Die Blasionierung dieses Wappens ist unbekannt, da die Original-Urkunde verloren ging und nur mehr in Regesten eine Abschrift ohne Wappenabbildung vorhanden ist. Um 1484/85 wird ebenfalls in Basel Herr Wolfgang Hagenauer (Wolfgang von Hagenau) genannt, der eine Bestellung mehrerer Bücher bei dem Basler Drucker Johann von Besicken in Auftrag gegeben hatte. In Urkunden fand man bisher keinen Hinweis über eine verwandtschaftliche Beziehung der schweizer Geschlechter zueinander oder zu den Herren von Hagenau (aus Bayern).

Aus welchem Geschlecht hingegen die im 15. und 16. Jahrhundert in Tirol genannten Hagenauer stammten, ist noch nicht erforscht. Wir finden den im Jahr 1473 in Innsbruck genannten Kaplan Andre Hagenauer, den um 1501 in Hall genannten Vogt Simon Hagenauer, sowie den um 1530 in Rodeneck und Innsbruck genannten Vogt und Richter Sigmund Hagenauer. In der von Erzherzog Sigismund (genannt der Münzreiche) ausgebauten Residenz in Innsbruck und der dort gestifteten Kapelle, wird 1473 ein Andre Hagenauer als erster Kaplan genannt. Simon Hagenauer (* ca. 1457) wurde als der Lieblingsfalkner Kaiser Maximilian I. erwähnt, den der jagdbegeisterte Kaiser als seinen besten Oberfalkner bezeichnet hatte. Von ihm wurde Simon 1510 als Vogt zur Verwaltung von dessen geliebten aber abgelegenen Anwesens Turnhout in Belgien geschickt, einer Burg mit großem Besitz und Jagdrevier. Dort lebte auch Simons urkundlich erwähnte Tochter Kathelijne van Hagenau(e)r (1501 als Katharina Hagenauer in Hall in Tirol geboren), die 1516 Friedrich von Ghent (von Gent oder Dergent) heiratete und 1559 in Turnhout (Belgien) begraben wurde. Im Jahr 1501 wurde laut Eintragung in die Hofkammerbuchhaltung (Kaiser Maximilians) dem Falkner Sigmund Hagenauer (Hagenawer) mehrmals ein Sold ausbezahlt (Regesta Imperii). Möglicherweise handelt es sich um einen Übertragungsfehler in den Regesten und es hatte sich um den Falkner und späteren Vogt Simon Hagenauer gehandelt. Der 1529 und 1532 in Urkunden genannte Sigmund Hagenauer war Pfleger bzw. Richter in Rodeneck (Südtirol) und Innsbruck.

Bayern und Österreich

Das ab dem frühen 14. Jahrhundert auftretende (wie die Herren von Hagenau ebenfalls) bayrisch-österreichische Geschlecht, das sich ursprünglich de Hahenau und später Hagenauer genannt hatte, war mit den Herren von Hagenau offensichtlich nicht verwandt. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts scheinen Mitglieder dieses Schiffsherren-Geschlechts (Fergen oder Förgen) in Urkunden auf (siehe auch Salzachschifffahrt). Aus dieser Zeit haben sich Siegel erhalten, auf denen ein Pfahlbau, seitlich davon Ruder, und die Umschrift "de Hahenau" (Seifridi de Hahenau 1315, Laurentii de Hahenaw 1327) dargestellt sind. Diese Schiffsherren Hagenauer (früher Hahenauer) tauchen in Passau und Regensburg auf, später dann auch in verschiedenen oberösterreichischen Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts. Anfänglich nannten sie sich noch de Hahenau und de Hohenau (natürlich nicht mit den Grafen von Hohenau des 19. und 20. Jh. verwandt), dann Hohenauer (bzw. Hahenauer) und schließlich Hagenauer. Der Name leitet sich aber nicht wie bei den Herren von Hagenau von dem Flurnamen "Hagenau" ab, sondern von dem alten Begriff "Hahenau". Hahenau (oder Hohenau) bedeutete soviel wie "ein stromaufwärts gezogenes (Salz)Schiff". Als "Hahenauer" bzw. "Hohenauer" bezeichnete man ursprünglich einen gegen den Strom fahrenden Schiffmann oder einen Schiffszug aus mehreren Schiffen. In Urkunden des 15./16. Jahrhunderts wurde aus "Hahenauer" beziehungsweise "Hohenauer" schließlich "Hagenauer" (altbayrisches Wörterbuch). Diese vermögenden Schiffsherren wurden in Steyregg, Perg, Linz, Eschelberg, Walding und Pürnstein als Bürger, Markt- und Oberförgen (Erbnauffergen), sowie als Marktrichter und Hausbesitzer genannt. An Hand von Urkunden kann man die meisten auf Grund ihrer geographischen Herkunft sowie ihrer Zugehörigkeit zur Gilde der Schiffherren und Kaufleute einem Geschlecht zuordnen.

Im 15. Jahrhundert tauchten im Raum Oberösterreich - Bayern auch einige Bäcker und Bauern des Namens Hagenauer auf. Ob diese ebenfalls dem Geschlecht der "Hahenauer" angehörten sei dahingestellt. Interessant erscheinen jedenfalls jene Hagenauer, die in Urkunden des Klosters Raitenhaslach (ehemaliger Besitz des Bistums Salzburg) sowie in Starhemberger Urkunden genannt wurden. In einer Raitenhaslacher Urkunde aus dem Jahr 1474 findet man den Pfarrer zu Loiching (Lewching), Ortlof Hagenauer (Ortolff Hagnawer). Er stiftete 1488 die Allerseelenbruderschaft in dieser Pfarrei Loiching (bei Dingolfing), die eine eigene Kapelle, zahlreichen Grundbesitz und ein Anwesen in Piegendorf besaßen. Er ist möglicher Weise noch ein Angehöriger des bayrischen Zweiges der Herren von Hagenau. 1496 wird in einer weiteren Urkunde des Klosters Raitenhaslach der zu Munderfing (Mundolfing) gesessene Mühlenbesitzer und Bäcker Linhard Hagenwer (Leonhard Hagenauer?) und sein verstorbener Vater genannt. Munderfing gehörte damals zu Bayern und wurde erst 1779 österreichisch. Linhard verkaufte die ebenfalls schon von seinem Vater besessenen Ansprüche an der zu "freyer stifft inngehabt"en Mühle zu Munderfing an den Abt Benedikt Eck (1463 bis 1499) und das Konvent des Klosters Mondsee. Ob der Name "Hagenwer" überhaupt eine mögliche Schreibvariante des Namens Hagenauer ist, müßte von einem Sprachwissenschaftler geklärt werden. In dieser Form taucht er jedenfalls weder davor noch danach in irgendwelchen Urkunden auf. Kurz vor 1600 wurden einige Hagenauer in Oberösterreich bei Eschelberg nördlich von Linz genannt. Woher diese in den Raitenhaslacher Urkunden genannten Hagenauer, die Bäcker und später Bauern waren, kamen und von welchem Hagenau sie ihren Namen hatten ist unbekannt. Es bieten sich jedoch die in der Nähe liegenden Ortschaften Hagenau bei Braunau oder Hagenau bei Linz an. Später tauchten in den Starhemberger Urkunden 1592 auch ein Bernhard Hagenauer, 1651 ein Paul Hagenauer und seine Frau Katharina, sowie 1670 ein Wolf Hagenauer auf, alle aus dem Bauernstand. 1687 wurde noch ein Bestätigungsbrief des Gundaker Tomas Reichsgraf v. Starhemberg über Adam Hagenauers "eigentümliche Hofwiese, zur Hft. (Herrschaft) Eschelberg dienstbar" ausgestellt.

Alle diese eben genannten Hagenauer sind in Oberösterreich im Mühlviertel in der Umgebung von Schloss Eschelberg im Bezirk Urfahr-Umgebung angesiedelt, in der Herrschaft der Grafen Starhemberg. Die Starhembergs waren damals wie die meisten anderen Oberösterreicher Protestanten. So waren höchst wahrscheinlich auch die meisten dieser Hagenauer evangelischen Glaubens, da in Oberösterreich die Anzahl der Protestanten vor 1600 bei fast 90 Prozent lag. Im Jahr 1600 hatte Kaiser Rudolf II. den Protestantismus in Linz verboten und durch das Reformationspatent von Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1624 mußten alle Evangelischen, die nicht zum katholischen Glauben konvertierten, Oberösterreich verlassen (Frankenburger Würfelspiel). Einige Hagenauer scheinen den katholischen Glauben behalten oder wieder angenommen zu haben und durften bleiben, die anderen mußten Oberösterreich verlassen. Von den ungefähr 100.000 oberösterreichischen Protestanten wanderten die meisten nach Mittelfranken aus (im 17. Jahrhundert werden Hagenauer auch in Nürnberg genannt). Eine Teil der vertriebenen Protestanten zog auch Richtung Ungarn und so tauchten Mitglieder der Hagenauer in ungarischen Urbaren des 17. Jahrhunderts auf. Im südlichen Burgenland (damals ein Teil Ungarns) fanden sie bei Freiherrn Franz II. Batthyány Aufnahme, der selbst Calvinist war und sich als Schutzherr der Protestanten verstand. Batthyánys Sohn Adam trat jedoch zum katholischen Glauben über und sein Enkelsohn Paul Graf Batthyány verpfändete aus Geldnot bereits 1661 Höfe von protestantischen Besitzern, unter denen sich auch ein Gregor Hagenauer befand.

Im Jahr 1600 wurde in einer Urkunde des bereits erwähnten Klosters Raitenhaslach ein Peter Hagenauer bei Grabenstätt (Traunsteiner Gericht) im katholischen Erzbistum Salzburg genannt. Eine Verwandtschaft zu den bei Ainring zeitgleich auftretenden Hagenauern aus dem Geschlecht der Herren von Hagenau, den drei Brüdern Wolf, Rupert und Georg Hagenauer, kann jedoch ausgeschlossen werden. Dieser Peter Hagenauer war wahrscheinlich ein kleiner Bauer, der in jener Urkunde als Besitzer eines angrenzenden Wiesen-Grundstückes bei Grabenstätt (Chiemsee) genannt worden war. Er hatte eine andere soziale Stellung wie die in Urkunden genannten drei Brüder (Wolf, Rupert und Georg), die einerseits als Guts- und Mühlenbesitzer genannt wurden, andererseits vertrauensvolle Aufgaben als Urbar-Verwalter von Gütern des Domkapitels und des Benediktinerstifts St. Peter von Salzburg sowie als Gutsverwalter von Schloss Staufeneck übernommen hatten. Auch war der Vorname Peter im Geschlecht der Herren von Hagenau völlig unüblich, er tauchte nur ein einziges Mal (im Jahr 1432) bei diesen auf, und wurde in den folgenden 580 Jahren kein einziges Mal mehr verwendet. Der Familienname dieses Peter Hagenauer leitet sich höchstwahrscheinlich aus dem nur drei Kilometer von Grabenstätt entfernten Hagenau ab, das am östlichen Chiemseeufer lag und ein Weiler mit drei Bauernhäusern war.

Ebenso scheint das bereits im Kapitel "Herkunft" erwähnte alte Geschlecht der Ahamer (1290 erste urkundliche Erwähnung) mit den Herren von Hagenau nicht verwandt gewesen zu sein, obwohl manche Forscher beide Geschlechter als von einem "Ursprung" bezeichnen. Das Geschlecht Aham (Aheim, Ahaim) stammte aus dem Dorf Aham bei St. Peter am Hart (wo die Herren von Hagenau einen Stammsitz gehabt hatten) im heutigen Bezirk Braunau am Inn. Die Ahamer, Ministeriale des Bistums Passau und ein altbayrisches turnierfähiges Geschlecht, teilten sich in die drei Hauptlinien zu Hagenau, zu Wildenau und zu Neuhaus. Seit 1383 besass das Geschlecht den Ansitz Neuhaus ("Newes Haws") sowie Geinberg im heutigen Oberösterreich und im 14. Jahrhundert hatten sie den Sitz Hagenau (bei Braunau) übernommen. Hierauf bezeichnete sich dieser Zweig der Ahamer auch als von Hagenau, wodurch es in Aufsätzen immer wieder zu Verwechslungen mit den Hagenauern von Hagenau gekommen war. Diesen Besitz verkauften sie 1525 an die Taimer zu Mühlheim. 1881 starb mit Joseph Matthias Franz Xaver Benedict Graf von Aham (1820-1881), Kammerherr des Königs von Bayern, das Geschlecht der Ahamer aus.

Elsass und Hessen

Der Ort Hagenau (Haguenau) im Unter-Elsass war 1035 um eine Burg entstandenen und im Jahr 1164 von dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa zur Stadt erhobenen worden. Später wurde Hagenau Reichsstadt und im 14. Jahrhundert Hauptort des elsässichen Städtebundes, sowie Sitz der kaiserlichen Landvogtei. Mehrere aus dieser Stadt Hagenau stammende Familien hatten von dieser Stadt ihren Nachnamen von Hagenau beziehungsweise Hagenauer abgeleitet. Ein Verteter einer solchen Familie war zum Beispiel der im Dezember 1492 zum königlichen Tag in Frankfurt genannte "Alt-stättmeister, Gesandter Hagenaus und der Städte der Landvogtei im Elsass", Jungvogt Ulrich Hagenauer. Heute sind vor allem zwei dieser Elsasser Familien Hagenauer bekannt. Die erste und bekanntere war die Bildhauerdynastie Hagenauer aus dem 15. und 16. Jahrhundert. In dieser Elsasser Familie findet man die zwischen 1445 und 1546 genannten berühmten Schnitzer Niklas von Hagenau, Veit und Paul Hagenauer, sowie den Augsburger Medailleur Friedrich Hagenauer. Die andere Familie aus der Stadt Hagenau war jüdischen Glaubens und hatte ihren Namen erst Anfang des 19. Jahrhunderts angenommen. Im Elsass mußten nach einem Erlaß Kaiser Napoleon I. im Jahr 1808 alle Juden im französischen Reich einen festen Nachnamen tragen. So nahmen Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Stadt Hagenau, in der sich auch die älteste seit dem 13. Jahrhundert beinahe durchgehend bestehende jüdische Gemeinde im Elsass befand, den Familiennamen Hagenauer (nach der Stadt ihrer Herkunft Hagenau) an. Der bekannteste dieser jüdischen Familie war Herr Jakob Hagenauer, Rabbiner zu Mauersmünster († 1846). Dass jüdische Familien im 19. Jahrhundert gleichlautende Namen alter noch blühender Adelsgeschlechter (wie zum Beispiel Breuner, Ehrenberg, Frankenstein, Galler, Hagenauer, Hohenberg, Liechtenstein, Löwenstein, Rosenberg(er), Schwarzburg, Schwarzenberg, Waldstein, Winterfeld etc.) oder auch ausgestorbener Adelsgeschlechter (wie Schalkenbach, Schalkenberg oder Sternberg) angenommen hatten, war zwar durchaus keine Seltenheit, jedoch in Österreich durch das Namensannahme-Gesetz für jüdische Untertanen aus dem Jahr 1787 von Kaiser Joseph II. verboten worden.

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch das Geschlecht der Herren und Grafen von Hanau in Hessen, die seit 1191 bis zu ihrem Austerben 1736 die Herrschaft Hanau inne hatten. Ihren Namen hatten sie von der Wasserburg (Herrschaft) Hanau, als dessen Bauherr der 1143 erwähnte Dammo von Hagenowe (der sich früher auch von Buchen nannte) angenommen wird. In den Urkunden ab dem 13. Jahrhundert taucht dieses Geschlecht vorerst als "Herren von Buchen" und als "Herren von Dorfelden" auf, später als "Herren de Hagenowe" um sich schließlich endgültig nur mehr "von Hanau" zu nennen. "De Hagenowe" nannten sich aber ebenso einige Hagenauer in Urkunden des 12. bis 14. Jahrhunderts. Allerdings ist es ein leichtes diese beiden Geschlechter (von Hanau und von Hagenau) an Hand der Siegeln und an Hand des geographischen Auftretens voneinander zu unterscheiden. Die Hanauer führten drei goldene Sparren auf rotem Grund im Wappen, die Hagenauer hingegen einen Hagenstrauch auf einem Dreiberg. Das spätere Geschlecht der Fürsten von Hanau (seit 1853) ist mit dem oben erwähnten ausgestorbenen Geschlecht der Herren und Grafen von Hanau allerdings nicht verwandt.

Weblinks

Quelle

  • alle Quellenangaben siehe Hauptartikel Hagenauer