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	<title>SALZBURGWIKI - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-05-04T16:59:35Z</updated>
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		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Entnazifizierung_(Saalfelden)&amp;diff=21008</id>
		<title>Entnazifizierung (Saalfelden)</title>
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		<updated>2007-04-30T15:52:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Nach dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Terrorregime war die Überwindung des Nationalsozialismus eine der Hauptaufgaben nach Kriegsende. Bereits in der Regierungserklärung vom [[27. April]] [[1945]] wurde eine strenge Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen angekündigt. Im erlassenen Verfassungsgesetz vom [[8. Mai]] [[1945]] über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz) wurden alle Parteigliederungen verboten, eine Registrierung der Nationalsozialisten verfügt, Strafbestimmungen gegen &amp;quot;Illegale&amp;quot; und &amp;quot;schwer belastete Nationalsozialisten“ und Förderer erlassen sowie Volksgerichte zur Aburteilung der NS-Verbrecher geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1946]] beschloss der Nationalrat das Nationalsozialistengesetz. Wesentlich war in diesem Zusammenhang die Novellierung des Verbotsgesetzes: Eine Änderung betraf dabei die Abgrenzung des Personenkreises, für die das Gesetz seine Anwendung finden sollte: Anstelle formaler Gesichtspunkte (beispielsweise das Datum des Eintrittes in die NSDAP) wurde nun das Ausmaß der Aktivität in der Partei (NSDAP) in den Vordergrund gerückt. Die registrierungspflichtigen Personen wurden nunmehr in Kriegsverbrecher, Belastete und Minderbelastete eingeteilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser Maßnahmen war die Entnazifizierung zum Scheitern verurteilt: „&#039;&#039;Denn das nationalsozialistische Regime hinterließ neben zahllosen Toten, materiellen Kriegsschäden und einer katastrophalen ökonomischen Lage vor allem auch eine ideologisch fragmentierte Bevölkerung.&#039;&#039;“ &amp;lt;sup&amp;gt;([[#1|1]])&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Raimund_Rohrmoser.jpg|thumb|Bürgermeister Raimund Rohrmoser (1945-1949)]]&lt;br /&gt;
== Der Entnazifizierungsprozess in Saalfelden ==&lt;br /&gt;
Laut der [[Saalfelden]]er Ortschronik aus dem Jahr [[1992]] gab es in der Gemeinde insgesamt 456 NSDAP-Mitglieder, darunter 104 Frauen und 352 Männer. 236 Personen stellten demnach am 1. Mai 1938 einen Antrag auf Parteimitgliedschaft. Zwischen 1938 und 1945 beantragten weitere 117 Personen eine Mitgliedschaft in der Partei. Weitere 103 Saalfeldener waren bereits vor dem Anschluss als illegale Nazis aktiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Primärliteratur widerlegt jedoch die bislang bekannte Zahl von 456 Nationalsozialisten. Gemäß einem Erlass der [[Salzburger Landesregierung]] (Zahl 923/LAD/1947) vom [[29. Jänner]] [[1947]] übermittelte der damalige Saalfeldener Bürgermeister [[Raimund Rohrmoser]] (ÖVP) eine Aufstellung aller registrierten Nationalsozialisten „nach altersmäßiger und berufsständischer Aufschlüsselung“. Demnach wurden in Saalfelden insgesamt 627 Personen (466 Männer und 161 Frauen) als Nationalsozialisten registriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, ob eine Berufsgruppe innerhalb der NSDAP besonders hervorstach, kann verneint werden. Mitglieder waren in allen Berufsständen vertreten, unabhängig davon, ob es sich um Gewerbetreibende, Bauern oder Beamte handelte. Auffällig ist jedoch, dass Mitglieder des „Ortsbürgertums“ in einem überdurchschnittlich hohen Maße Führungsfunktionen innerhalb der Saalfeldener Parteiorganisation innehatten und nach 1945 ebenfalls überdurchschnittlich oft als „belastet“ eingestuft wurden, beziehungsweise nach § 10, 11 oder 12 des Verbotsgesetzes verurteilt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prozentuelle Anteil der Nationalsozialisten an der Saalfeldener Gesamtbevölkerung lässt sich hingegen nicht mehr vollständig nachvollziehen. Für das Jahr 1945 liegen keine genauen Einwohnerzahlen für Saalfelden vor. Volkszählungen wurden lediglich in den Jahren [[1939]] (7.018 Einwohner) und [[1951]] (8.315 Einwohner) durchgeführt. Je nachdem, auf welche Einwohnerzahl man sich hier beziehen möchte, waren zwischen 7,5 und 8,9 Prozent der damaligen Gemeindebevölkerung eingetragene Nationalsozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erste Konfliktsituationen ==&lt;br /&gt;
Neben den katastrophalen Lebensumständen unmittelbar nach Kriegsende ergaben sich in Saalfelden zwangsläufig erste Konfliktsituationen zwischen ehemaligen Nationalsozialisten, Mitläufern, Verfolgten und Denunzierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Auseinandersetzungen ereigneten sich zunächst in den „klassischen kommunalen Aufgabenbereichen“ – hier vor allem im Wohnungsbereich. Auch wenn es in Saalfelden keine kriegsbedingten Zerstörungen gab, führten die politischen und ethnischen Umwälzungen nach dem Krieg doch zu einer massiven Wohnungsnot. Somit war es wenig verwunderlich, wenn bei der schwierigen Suche nach einer neuer Wohnung offene Gräben zu Tage traten: Wohnungssuchende intervenierten beim Gemeindeoberhaupt, sofern sich ehemalige Mitläufer oder NS-Funktionäre ebenfalls um das gleiche Wohnobjekt bemühten und aussichtsreiche Chancen darauf hatten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;[...] Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich die ganze Zeit hindurch auch nicht eine Sekunde lang Nazi gewesen oder mit diesen sympathisiert habe und daher auch von diesem Gesichtspunkte aus berücksichtigt werden sollte. Es wäre bedauerlich, wenn man ehemaligen 100%igen Nazis als Dankbarkeit für ihre zahlreichen Schandtaten den Vorzug gäbe, indem man sie aus ihrer jetzigen Wohnstätte herausnimmt und sie in bessere und schönere hineinsetzt, während man verlässliche Leute, die die Nazis früher mit den Worten abspeisten ‚Zuerst kommen unsere verdienten Leute dran’, auch jetzt wieder völlig übergeht.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1945 unterlag der Entnazifizierungsprozess den Alliierten. Unmittelbare Ansprechpartner vor Ort waren in der Gemeinde Saalfelden die Mitglieder des „Politischen Sechserausschusses“, der sich aus jeweils zwei Vertretern der Volkspartei ([[ÖVP]]), der damaligen Sozialistischen Partei ([[SPÖ]]) sowie der Kommunistischen Partei ([[KPÖ]]) zusammensetzte. Die Mitglieder hatten unter den strengen Augen der Alliierten die Aufgaben, mit den Besatzern Verhandlungen zu führen, um die politischen Verhältnisse wiederum zu konsolidieren, Ämter neu zu besetzen und die verschiedenen Parteiorganisationen neu aufzubauen. Der Ausschuss erstellte jedoch auch für die Saalfeldener Bevölkerung politische Gutachten. Auf Grundlage der resultierenden politischen Einschätzungen lieferte der „Sechserausschuss“ damit grundsätzliche Informationen zur Beurteilung von Nationalsozialisten. Diese Beurteilungen wurden beispielsweise bei den ersten freien Gemeinderatswahlen im Jahr 1945 als Grundlage für die Wahlberechtigung herangezogen. Dabei entschied der „Sechserausschuss“ in strittigen Fällen, welche Personen in Saalfelden an den Wahlen teilnehmen durften und welche davon aufgrund ehemaliger NS-Betätigung ausgeschlossen waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Meldestelle ==&lt;br /&gt;
Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres [[1946]] die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen.&amp;lt;sup&amp;gt;([[#2|2]])&amp;lt;/sup&amp;gt; In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz „besonderen Wert“ auf die Erfassung der “Illegalen” legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. „Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre.“ &amp;lt;sup&amp;gt;([[#3|3]])&amp;lt;/sup&amp;gt; Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem „moralischen Dilemma“: Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als „erste Anlaufstelle“ Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ersuchte die Marktgemeinde Saalfelden beispielsweise das Landesgericht (Volksgericht) Linz um Begnadigung einer Mutter, die zuvor aufgrund Denunziation zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihr Gatte selbst befand sich zu dieser Zeit in Kriegsgefangenschaft. Die drei Kinder befanden sich bei einer Schwester, die aufgrund ihrer eigenen Entbindung jedoch sich nicht mehr länger um die Kinder kümmern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine strenge Durchführung der Entnazifizierung stand somit in einem ständigen Widerstreit mit persönlichen Interessen, die man durch Interventionen beim Bürgermeister oder beim „Sechserausschuss“ durchzusetzen erhoffte. Die Saalfeldener Kommunalpolitiker kamen dadurch in eine äußerst prekäre Situation, da die Entnazifizierung auf eine persönliche Ebene abglitt. Das kleinstrukturierte Handlungsumfeld – also die überschaubare Gemeindebene – trug zusätzlich dazu bei. Belegen lässt sich dies durch zahlreiche Interventionen des Bürgermeisters bei übergeordneten Instanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem vertraten zahlreiche Bürger die Meinung, dass alle Kraft in den Wiederaufbau und die Versorgung der Allgemeinheit gesteckt werden sollte, und die Entnazifizierung als zweitrangiges Problem zu behandeln sei. Dieser ständige Widerstreit macht sichtbar, warum die Entnazifizierung nicht konsequent durchgeführt werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der offensichtlichsten Interventionen für ehemalige Nationalsozialisten durch die Gemeinde Saalfelden erfolgte im Sommer 1946. Darin verwickelt war die ehemalige Saalfeldener Bergwacht. Am [[9. August]] [[1946]] bekam der Saalfeldener Obmann der Bergwacht, ein Schreiben von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See mit der Aufforderung, die Entnazifizierung auch in „seiner“ Ortsorganisation konsequent durchzuführen. Dieser intervenierte wiederum bei Bürgermeister Rohrmoser, der anschließend seinerseits versuchte, die Situation zugunsten der betroffenen Bergwacht-Mitglieder zu klären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Der Mitgliederstand der Bergwacht in Saalfelden beträgt gegenwärtig 21 Mann. Von diesen 21 Männern gehörten sechs der ehemaligen NSDAP an und sind diese gerade die besten Bergsteiger und erfahrensten Kletterer. Gemäß einer Zuschrift der Bezirkshauptmannschaft [[Zell am See]] sollen nun diese sechs sofort von der Bergwacht ausgeschieden werden. Es handelt sich hiebei wohl um Parteimitglieder, die aber unseres Wissens in keiner Weise als schwer belastet zu betrachten sind. […] Sehr geehrter Herr Hofrat, Sie wissen, welche Aufgabe die Bergwacht zu erfüllen hat und dass es sich hiebei um Personen handelt, welche in vollkommen uneigennütziger Weise, ohne jeden Verdienst, ihre Pflicht an der Allgemeinheit erfüllen und so manchem Bergfreund das Leben retten können. Ich bitte Sie daher an geeigneter Stelle diesbezüglich vorstellig zu werden, um es vielleicht doch zu ermöglichen, dass diese Männer weiterhin im Dienste der Bergwacht verbleiben können. Für weitere Auskünfte stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung und nehmen Sie im Voraus für Ihre Bemühungen meinen aufrichtigsten Dank entgegen. Der Bürgermeister&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ende der Entnazifizierung ==&lt;br /&gt;
Der österreichische Nationalrat setzte im Jahr 1948 durch zwei Amnestiegesetze (Jugendamnestiegesetz und Minderbelastetenamnestiegesetz) die Sühnefolgen für die Mehrheit der ehemaligen Nationalsozialisten außer Kraft. Diese Gesetzesinitiativen läuteten auch formal das Ende des Entnazifizierungsprozesses in Österreich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch Gerechtigkeit zu schaffen, sowohl vom Ansatz als auch von der Durchführung her, blieb auch in Saalfelden unvollkommen: Jene Säuberung von Nationalsozialisten, die nach bürokratischen Aspekten erfolgen sollte, fand sich im ständigen Widerspruch mit der Situation vor Ort. Als „Prellböcke“ mussten Saalfeldens Gemeindepolitiker herhalten, die zwischen der bürokratischen Abwicklung der Entnazifizierung und den persönlichen Anliegen der unterschiedlichen Interessensgruppen standen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* Neunherz, Alexander (2006) &#039;&#039;Der Entnazifizierungsprozess zwischen Konflikt und Konsens&#039;&#039; in: Aschauer-Smolik, Sabine/Steidl Mario (Hg.), &#039;&#039;Saalfeldner Alltag 1945 - 1955&#039;&#039; Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, Seite 45-69.&lt;br /&gt;
* Archiv des [[Pinzgauer Heimatmuseum]]s ([[Schloss Ritzen]]): Aktenbestände Gemeindekorrespondenz ab 1946.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Referate von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer, beide abrufbar unter [http://www.doew.at www.doew.at]. &lt;br /&gt;
* Chronik Saalfelden, Band 1, 1992 (hier vor allem Eduard Schuster). &lt;br /&gt;
* Schuster, Walter/Weber, Wolfgang (2004) &#039;&#039;Entnazifizierung im regionalen Vergleich&#039;&#039;, Archiv der Stadt Linz (hier vor allem Gerhard Baumgartner). &lt;br /&gt;
* Stiefel, Dieter (1981) &#039;&#039;Entnazifizierung in Österreich&#039;&#039;, Wien, Europa Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fußnoten==&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;1&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;siehe Brigitte Bailer in ihrem Referat „Der ‚antifaschistische Geist’ der Nachkriegszeit“, 1999&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;2&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;vergleiche Publikation „Entnazifizierung im regionalen Vergleich“&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;3&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;vergleiche [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Saalfelden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Geschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Entnazifizierung_(Saalfelden)&amp;diff=21007</id>
		<title>Entnazifizierung (Saalfelden)</title>
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		<updated>2007-04-30T15:50:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Nach dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Terrorregime war die Überwindung des Nationalsozialismus eine der Hauptaufgaben nach Kriegsende. Bereits in der Regierungserklärung vom [[27. April]] [[1945]] wurde eine strenge Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen angekündigt. Im erlassenen Verfassungsgesetz vom [[8. Mai]] [[1945]] über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz) wurden alle Parteigliederungen verboten, eine Registrierung der Nationalsozialisten verfügt, Strafbestimmungen gegen &amp;quot;Illegale&amp;quot; und &amp;quot;schwer belastete Nationalsozialisten“ und Förderer erlassen sowie Volksgerichte zur Aburteilung der NS-Verbrecher geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1946]] beschloss der Nationalrat das Nationalsozialistengesetz. Wesentlich war in diesem Zusammenhang die Novellierung des Verbotsgesetzes: Eine Änderung betraf dabei die Abgrenzung des Personenkreises, für die das Gesetz seine Anwendung finden sollte: Anstelle formaler Gesichtspunkte (beispielsweise das Datum des Eintrittes in die NSDAP) wurde nun das Ausmaß der Aktivität in der Partei (NSDAP) in den Vordergrund gerückt. Die registrierungspflichtigen Personen wurden nunmehr in Kriegsverbrecher, Belastete und Minderbelastete eingeteilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser Maßnahmen war die Entnazifizierung zum Scheitern verurteilt: „&#039;&#039;Denn das nationalsozialistische Regime hinterließ neben zahllosen Toten, materiellen Kriegsschäden und einer katastrophalen ökonomischen Lage vor allem auch eine ideologisch fragmentierte Bevölkerung.&#039;&#039;“ &amp;lt;sup&amp;gt;([[#1|1]])&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Raimund_Rohrmoser.jpg|thumb|Bürgermeister Raimund Rohrmoser (1945-1949)]]&lt;br /&gt;
== Der Entnazifizierungsprozess in Saalfelden ==&lt;br /&gt;
Laut der [[Saalfelden]]er Ortschronik aus dem Jahr [[1992]] gab es in der Gemeinde insgesamt 456 NSDAP-Mitglieder, darunter 104 Frauen und 352 Männer. 236 Personen stellten demnach am 1. Mai 1938 einen Antrag auf Parteimitgliedschaft. Zwischen 1938 und 1945 beantragten weitere 117 Personen eine Mitgliedschaft in der Partei. Weitere 103 Saalfeldener waren bereits vor dem Anschluss als illegale Nazis aktiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Primärliteratur widerlegt jedoch die bislang bekannte Zahl von 456 Nationalsozialisten. Gemäß einem Erlass der [[Salzburger Landesregierung]] (Zahl 923/LAD/1947) vom [[29. Jänner]] [[1947]] übermittelte der damalige Saalfeldener Bürgermeister [[Raimund Rohrmoser]] (ÖVP) eine Aufstellung aller registrierten Nationalsozialisten „nach altersmäßiger und berufsständischer Aufschlüsselung“. Demnach wurden in Saalfelden insgesamt 627 Personen (466 Männer und 161 Frauen) als Nationalsozialisten registriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, ob eine Berufsgruppe innerhalb der NSDAP besonders hervorstach, kann verneint werden. Mitglieder waren in allen Berufsständen vertreten, unabhängig davon, ob es sich um Gewerbetreibende, Bauern oder Beamte handelte. Auffällig ist jedoch, dass Mitglieder des „Ortsbürgertums“ in einem überdurchschnittlich hohen Maße Führungsfunktionen innerhalb der Saalfeldener Parteiorganisation innehatten und nach 1945 ebenfalls überdurchschnittlich oft als „belastet“ eingestuft wurden, beziehungsweise nach § 10, 11 oder 12 des Verbotsgesetzes verurteilt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prozentuelle Anteil der Nationalsozialisten an der Saalfeldener Gesamtbevölkerung lässt sich hingegen nicht mehr vollständig nachvollziehen. Für das Jahr 1945 liegen keine genauen Einwohnerzahlen für Saalfelden vor. Volkszählungen wurden lediglich in den Jahren [[1939]] (7.018 Einwohner) und [[1951]] (8.315 Einwohner) durchgeführt. Je nachdem, auf welche Einwohnerzahl man sich hier beziehen möchte, waren zwischen 7,5 und 8,9 Prozent der damaligen Gemeindebevölkerung eingetragene Nationalsozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erste Konfliktsituationen ==&lt;br /&gt;
Neben den katastrophalen Lebensumständen unmittelbar nach Kriegsende ergaben sich in Saalfelden zwangsläufig erste Konfliktsituationen zwischen ehemaligen Nationalsozialisten, Mitläufern, Verfolgten und Denunzierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Auseinandersetzungen ereigneten sich zunächst in den „klassischen kommunalen Aufgabenbereichen“ – hier vor allem im Wohnungsbereich. Auch wenn es in Saalfelden keine kriegsbedingten Zerstörungen gab, führten die politischen und ethnischen Umwälzungen nach dem Krieg doch zu einer massiven Wohnungsnot. Somit war es wenig verwunderlich, wenn bei der schwierigen Suche nach einer neuer Wohnung offene Gräben zu Tage traten: Wohnungssuchende intervenierten beim Gemeindeoberhaupt, sofern sich ehemalige Mitläufer oder NS-Funktionäre ebenfalls um das gleiche Wohnobjekt bemühten und aussichtsreiche Chancen darauf hatten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;[...] Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich die ganze Zeit hindurch auch nicht eine Sekunde lang Nazi gewesen oder mit diesen sympathisiert habe und daher auch von diesem Gesichtspunkte aus berücksichtigt werden sollte. Es wäre bedauerlich, wenn man ehemaligen 100%igen Nazis als Dankbarkeit für ihre zahlreichen Schandtaten den Vorzug gäbe, indem man sie aus ihrer jetzigen Wohnstätte herausnimmt und sie in bessere und schönere hineinsetzt, während man verlässliche Leute, die die Nazis früher mit den Worten abspeisten ‚Zuerst kommen unsere verdienten Leute dran’, auch jetzt wieder völlig übergeht.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1945 unterlag der Entnazifizierungsprozess den Alliierten. Unmittelbare Ansprechpartner vor Ort waren in der Gemeinde Saalfelden die Mitglieder des „Politischen Sechserausschusses“, der sich aus jeweils zwei Vertretern der Volkspartei ([[ÖVP]]), der damaligen Sozialistischen Partei ([[SPÖ]]) sowie der Kommunistischen Partei ([[KPÖ]]) zusammensetzte. Die Mitglieder hatten unter den strengen Augen der Alliierten die Aufgaben, mit den Besatzern Verhandlungen zu führen, um die politischen Verhältnisse wiederum zu konsolidieren, Ämter neu zu besetzen und die verschiedenen Parteiorganisationen neu aufzubauen. Der Ausschuss erstellte jedoch auch für die Saalfeldener Bevölkerung politische Gutachten. Auf Grundlage der resultierenden politischen Einschätzungen lieferte der „Sechserausschuss“ damit grundsätzliche Informationen zur Beurteilung von Nationalsozialisten. Diese Beurteilungen wurden beispielsweise bei den ersten freien Gemeinderatswahlen im Jahr 1945 als Grundlage für die Wahlberechtigung herangezogen. Dabei entschied der „Sechserausschuss“ in strittigen Fällen, welche Personen in Saalfelden an den Wahlen teilnehmen durften und welche davon aufgrund ehemaliger NS-Betätigung ausgeschlossen waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Meldestelle ==&lt;br /&gt;
Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres [[1946]] die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen.&amp;lt;sup&amp;gt;([[#2|2]])&amp;lt;/sup&amp;gt; In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz „besonderen Wert“ auf die Erfassung der “Illegalen” legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. „Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre.“ &amp;lt;sup&amp;gt;([[#3|3]])&amp;lt;/sup&amp;gt; Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem „moralischen Dilemma“: Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als „erste Anlaufstelle“ Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ersuchte die Marktgemeinde Saalfelden beispielsweise das Landesgericht (Volksgericht) Linz um Begnadigung einer Mutter, die zuvor aufgrund Denunziation zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihr Gatte selbst befand sich zu dieser Zeit in Kriegsgefangenschaft. Die drei Kinder befanden sich bei einer Schwester, die aufgrund ihrer eigenen Entbindung jedoch sich nicht mehr länger um die Kinder kümmern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine strenge Durchführung der Entnazifizierung stand somit in einem ständigen Widerstreit mit persönlichen Interessen, die man durch Interventionen beim Bürgermeister oder beim „Sechserausschuss“ durchzusetzen erhoffte. Die Saalfeldener Kommunalpolitiker kamen dadurch in eine äußerst prekäre Situation, da die Entnazifizierung auf eine persönliche Ebene abglitt. Das kleinstrukturierte Handlungsumfeld – also die überschaubare Gemeindebene – trug zusätzlich dazu bei. Belegen lässt sich dies durch zahlreiche Interventionen des Bürgermeisters bei übergeordneten Instanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem vertraten zahlreiche Bürger die Meinung, dass alle Kraft in den Wiederaufbau und die Versorgung der Allgemeinheit gesteckt werden sollte, und die Entnazifizierung als zweitrangiges Problem zu behandeln sei. Dieser ständige Widerstreit macht sichtbar, warum die Entnazifizierung nicht konsequent durchgeführt werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der offensichtlichsten Interventionen für ehemalige Nationalsozialisten durch die Gemeinde Saalfelden erfolgte im Sommer 1946. Darin verwickelt war die ehemalige Saalfeldener Bergwacht. Am [[9. August]] [[1946]] bekam der Saalfeldener Obmann der Bergwacht, ein Schreiben von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See mit der Aufforderung, die Entnazifizierung auch in „seiner“ Ortsorganisation konsequent durchzuführen. Dieser intervenierte wiederum bei Bürgermeister Rohrmoser, der anschließend seinerseits versuchte, die Situation zugunsten der betroffenen Bergwacht-Mitglieder zu klären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Der Mitgliederstand der Bergwacht in Saalfelden beträgt gegenwärtig 21 Mann. Von diesen 21 Männern gehörten sechs der ehemaligen NSDAP an und sind diese gerade die besten Bergsteiger und erfahrensten Kletterer. Gemäß einer Zuschrift der Bezirkshauptmannschaft [[Zell am See]] sollen nun diese sechs sofort von der Bergwacht ausgeschieden werden. Es handelt sich hiebei wohl um Parteimitglieder, die aber unseres Wissens in keiner Weise als schwer belastet zu betrachten sind. […] Sehr geehrter Herr Hofrat, Sie wissen, welche Aufgabe die Bergwacht zu erfüllen hat und dass es sich hiebei um Personen handelt, welche in vollkommen uneigennütziger Weise, ohne jeden Verdienst, ihre Pflicht an der Allgemeinheit erfüllen und so manchem Bergfreund das Leben retten können. Ich bitte Sie daher an geeigneter Stelle diesbezüglich vorstellig zu werden, um es vielleicht doch zu ermöglichen, dass diese Männer weiterhin im Dienste der Bergwacht verbleiben können. Für weitere Auskünfte stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung und nehmen Sie im Voraus für Ihre Bemühungen meinen aufrichtigsten Dank entgegen. Der Bürgermeister&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ende der Entnazifizierung ==&lt;br /&gt;
Der österreichische Nationalrat setzte im Jahr 1948 durch zwei Amnestiegesetze (Jugendamnestiegesetz und Minderbelastetenamnestiegesetz) die Sühnefolgen für die Mehrheit der ehemaligen Nationalsozialisten außer Kraft. Diese Gesetzesinitiativen läuteten auch formal das Ende des Entnazifizierungsprozesses in Österreich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch Gerechtigkeit zu schaffen, sowohl vom Ansatz als auch von der Durchführung her, blieb auch in Saalfelden unvollkommen: Jene Säuberung von Nationalsozialisten, die nach bürokratischen Aspekten erfolgen sollte, fand sich im ständigen Widerspruch mit der Situation vor Ort. Als „Prellböcke“ mussten Saalfeldens Gemeindepolitiker herhalten, die zwischen der bürokratischen Abwicklung der Entnazifizierung und den persönlichen Anliegen der unterschiedlichen Interessensgruppen standen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* Neunherz, Alexander (2006) &#039;&#039;Der Entnazifizierungsprozess zwischen Konflikt und Konsens&#039;&#039; in: Aschauer-Smolik, Sabine/Steidl Mario (Hg.), &#039;&#039;Saalfeldner Alltag 1945 - 1955&#039;&#039; Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, Seite 45-69.&lt;br /&gt;
* Archiv des [[Pinzgauer Heimatmuseum]]s ([[Schloss Ritzen]]): Aktenbestände Gemeindekorrespondenz ab 1946.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Referate von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer, beide abrufbar unter [http://www.doew.at www.doew.at]. &lt;br /&gt;
* Gemeindechronik Saalfelden, Band 1, 1992. &lt;br /&gt;
* Schuster, Walter/Weber, Wolfgang (2004) &#039;&#039;Entnazifizierung im regionalen Vergleich&#039;&#039;, Archiv der Stadt Linz (hier vor allem Gerhard Baumgartner). &lt;br /&gt;
* Stiefel, Dieter (1981) &#039;&#039;Entnazifizierung in Österreich&#039;&#039;, Wien, Europa Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fußnoten==&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;1&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;siehe Brigitte Bailer in ihrem Referat „Der ‚antifaschistische Geist’ der Nachkriegszeit“, 1999&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;2&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;vergleiche Publikation „Entnazifizierung im regionalen Vergleich“&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;3&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;vergleiche [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Saalfelden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Geschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Datei:Raimund_Rohrmoser.jpg&amp;diff=21005</id>
		<title>Datei:Raimund Rohrmoser.jpg</title>
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		<updated>2007-04-30T15:48:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: Raimund Rohrmoser (Bürgermeister von Saalfelden 1945-1949)
Bildquelle: Chronik Saalfelden, 1992
Repro: H. Unterberger&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Raimund Rohrmoser (Bürgermeister von Saalfelden 1945-1949)&lt;br /&gt;
Bildquelle: Chronik Saalfelden, 1992&lt;br /&gt;
Repro: H. Unterberger&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Benutzer:Saalfelden2910&amp;diff=20575</id>
		<title>Benutzer:Saalfelden2910</title>
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		<updated>2007-04-28T18:41:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Bestätigter Benutzer}}&lt;br /&gt;
==Name==&lt;br /&gt;
Mag. Alexander Neunherz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Current Interests:&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:- Lokal- und Regionalforschung/ Regionalentwicklung&lt;br /&gt;
:- Der demografische Wandel im ländlichen Raum&lt;br /&gt;
:- Methoden empirischer Sozialforschung&lt;br /&gt;
:- Entnazifizierung auf lokaler und regionaler Ebene&lt;br /&gt;
:- Salzburger Zeitgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meine Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
* [[Entnazifizierung (Saalfelden)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
*[http://www.politikforschung.at Meine Website]&lt;br /&gt;
*[http://www.dagegenhalten.at Mein privates Forschungsprojekt über Karl Reinthaler]&lt;br /&gt;
*[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Zeitgeschichte Saalfelden 1945-1955]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Entnazifizierung_(Saalfelden)&amp;diff=20551</id>
		<title>Entnazifizierung (Saalfelden)</title>
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		<updated>2007-04-28T15:19:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Nach dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Terrorregime war die Überwindung des Nationalsozialismus eine der Hauptaufgaben nach Kriegsende. Bereits in der Regierungserklärung vom 27. April 1945 wurde eine strenge Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen angekündigt. Im erlassenen Verfassungsgesetz vom 8. Mai 1945 über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz) wurden alle Parteigliederungen verboten, eine Registrierung der Nationalsozialisten verfügt, Strafbestimmungen gegen &amp;quot;Illegale&amp;quot; und &amp;quot;schwer belastete Nationalsozialisten“ und Förderer erlassen sowie Volksgerichte zur Aburteilung der NS-Verbrecher geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1946 beschloss der Nationalrat das Nationalsozialistengesetz. Wesentlich war in diesem Zusammenhang die Novellierung des Verbotsgesetzes: Eine Änderung betraf dabei die Abgrenzung des Personenkreises, für die das Gesetz seine Anwendung finden sollte: Anstelle formaler Gesichtspunkte (beispielsweise das Datum des Eintrittes in die NSDAP) wurde nun das Ausmaß der Aktivität in der Partei (NSDAP) in den Vordergrund gerückt. Die registrierungspflichtigen Personen wurden nunmehr in Kriegsverbrecher, Belastete und Minderbelastete eingeteilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser Maßnahmen war die Entnazifizierung zum Scheitern verurteilt: „Denn das nationalsozialistische Regime hinterließ neben zahllosen Toten, materiellen Kriegsschäden und einer katastrophalen ökonomischen Lage vor allem auch eine ideologisch fragmentierte Bevölkerung.“ (siehe Brigitte Bailer in ihrem Referat „Der ‚antifaschistische Geist’ der Nachkriegszeit“, 1999)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Entnazifizierungsprozess in Saalfelden ==&lt;br /&gt;
Laut der Saalfeldener Ortschronik aus dem Jahr 1992 gab es in der Gemeinde insgesamt 456 NSDAP-Mitglieder, darunter 104 Frauen und 352 Männer. 236 Personen stellten demnach am 1. Mai 1938 einen Antrag auf Parteimitgliedschaft. Zwischen 1938 und 1945 beantragten weitere 117 Personen eine Mitgliedschaft in der Partei. Weitere 103 Saalfeldener waren bereits vor dem Anschluss als illegale Nazis aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Primärliteratur widerlegt jedoch die bislang bekannte Zahl von 456 Nationalsozialisten. Gemäß einem Erlass der Salzburger Landesregierung (Zahl 923/LAD/1947) vom 29. Jänner 1947 übermittelte der damalige Saalfeldener Bürgermeister Raimund Rohrmoser (ÖVP) eine Aufstellung aller registrierten Nationalsozialisten „nach altersmäßiger und berufsständischer Aufschlüsselung“. Demnach wurden in Saalfelden insgesamt 627 Personen (466 Männer und 161 Frauen) als Nationalsozialisten registriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, ob eine Berufsgruppe innerhalb der NSDAP besonders hervorstach, kann verneint werden. Mitglieder waren in allen Berufsständen vertreten, unabhängig davon, ob es sich um Gewerbetreibende, Bauern oder Beamte handelte. Auffällig ist jedoch, dass Mitglieder des „Ortsbürgertums“ in einem überdurchschnittlich hohen Maße Führungsfunktionen innerhalb der Saalfeldener Parteiorganisation innehatten und nach 1945 ebenfalls überdurchschnittlich oft als „belastet“ eingestuft wurden, beziehungsweise nach § 10, 11 oder 12 des Verbotsgesetzes verurteilt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prozentuelle Anteil der Nationalsozialisten an der Saalfeldener Gesamtbevölkerung lässt sich hingegen nicht mehr vollständig nachvollziehen. Für das Jahr 1945 liegen keine genauen Einwohnerzahlen für Saalfelden vor. Volkszählungen wurden lediglich in den Jahren 1939 (7.018 Einwohner) und 1951 (8.315 Einwohner) durchgeführt. Je nachdem, auf welche Einwohnerzahl man sich hier beziehen möchte, waren zwischen 7,5 und 8,9 Prozent der damaligen Gemeindebevölkerung eingetragene Nationalsozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erste Konfliktsituationen ==&lt;br /&gt;
Neben den katastrophalen Lebensumständen unmittelbar nach Kriegsende ergaben sich in Saalfelden zwangsläufig erste Konfliktsituationen zwischen ehemaligen Nationalsozialisten, Mitläufern, Verfolgten und Denunzierten.&lt;br /&gt;
Diese Auseinandersetzungen ereigneten sich zunächst in den „klassischen kommunalen Aufgabenbereichen“ – hier vor allem im Wohnungsbereich. Auch wenn es in Saalfelden keine kriegsbedingten Zerstörungen gab, führten die politischen und ethnischen Umwälzungen nach dem Krieg doch zu einer massiven Wohnungsnot. Somit war es wenig verwunderlich, wenn bei der schwierigen Suche nach einer neuer Wohnung offene Gräben zu Tage traten: Wohnungssuchende intervenierten beim Gemeindeoberhaupt, sofern sich ehemalige Mitläufer oder NS-Funktionäre ebenfalls um das gleiche Wohnobjekt bemühten und aussichtsreiche Chancen darauf hatten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[...] Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich die ganze Zeit hindurch auch nicht eine Sekunde lang Nazi gewesen oder mit diesen sympathisiert habe und daher auch von diesem Gesichtspunkte aus berücksichtigt werden sollte. Es wäre bedauerlich, wenn man ehemaligen 100%igen Nazis als Dankbarkeit für ihre zahlreichen Schandtaten den Vorzug gäbe, indem man sie aus ihrer jetzigen Wohnstätte herausnimmt und sie in bessere und schönere hineinsetzt, während man verlässliche Leute, die die Nazis früher mit den Worten abspeisten ‚Zuerst kommen unsere verdienten Leute dran’, auch jetzt wieder völlig übergeht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1945 unterlag der Entnazifizierungsprozess den Alliierten. Unmittelbare Ansprechpartner vor Ort waren in der Gemeinde Saalfelden die Mitglieder des „Politischen Sechserausschusses“, der sich aus jeweils zwei Vertretern der Volkspartei (ÖVP), der damaligen Sozialistischen Partei (SPÖ) sowie der Kommunistischen Partei (KPÖ) zusammensetzte. Die Mitglieder hatten unter den strengen Augen der Alliierten die Aufgaben, mit den Besatzern Verhandlungen zu führen, um die politischen Verhältnisse wiederum zu konsolidieren, Ämter neu zu besetzen und die verschiedenen Parteiorganisationen neu aufzubauen. Der Ausschuss erstellte jedoch auch für die Saalfeldener Bevölkerung politische Gutachten. Auf Grundlage der resultierenden politischen Einschätzungen lieferte der „Sechserausschuss“ damit grundsätzliche Informationen zur Beurteilung von Nationalsozialisten. Diese Beurteilungen wurden beispielsweise bei den ersten freien Gemeinderatswahlen im Jahr 1945 als Grundlage für die Wahlberechtigung herangezogen. Dabei entschied der „Sechserausschuss“ in strittigen Fällen, welche Personen in Saalfelden an den Wahlen teilnehmen durften und welche davon aufgrund ehemaliger NS-Betätigung ausgeschlossen waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Meldestelle ==&lt;br /&gt;
Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres 1946 die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen. (Vgl. Publikation „Entnazifizierung im regionalen Vergleich“) In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz „besonderen Wert“ auf die Erfassung der “Illegalen” legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. „Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre.“ (Vgl. [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]) Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem „moralischen Dilemma“: Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als „erste Anlaufstelle“ Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ersuchte die Marktgemeinde Saalfelden beispielsweise das Landesgericht (Volksgericht) Linz um Begnadigung einer Mutter, die zuvor aufgrund Denunziation zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihr Gatte selbst befand sich zu dieser Zeit in Kriegsgefangenschaft. Die drei Kinder befanden sich bei einer Schwester, die aufgrund ihrer eigenen Entbindung jedoch sich nicht mehr länger um die Kinder kümmern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine strenge Durchführung der Entnazifizierung stand somit in einem ständigen Widerstreit mit persönlichen Interessen, die man durch Interventionen beim Bürgermeister oder beim „Sechserausschuss“ durchzusetzen erhoffte. Die Saalfeldener Kommunalpolitiker kamen dadurch in eine äußerst prekäre Situation, da die Entnazifizierung auf eine persönliche Ebene abglitt. Das kleinstrukturierte Handlungsumfeld – also die überschaubare Gemeindebene – trug zusätzlich dazu bei. Belegen lässt sich dies durch zahlreiche Interventionen des Bürgermeisters bei übergeordneten Instanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem vertrat die Bevölkerung die Meinung, dass alle Kraft in den Wiederaufbau und die Versorgung der Allgemeinheit gesteckt werden sollte, und die Entnazifizierung als zweitrangiges Problem zu behandeln sei. Dieser ständige Widerstreit macht sichtbar, warum die Entnazifizierung nicht konsequent durchgeführt werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der offensichtlichsten Interventionen für ehemalige Nationalsozialisten durch die Gemeinde Saalfelden erfolgte im Sommer 1946. Darin verwickelt war die ehemalige Saalfeldener Bergwacht. Am 9. August 1946 bekam der Saalfeldener Obmann der Bergwacht, ein Schreiben von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See mit der Aufforderung, die Entnazifizierung auch in „seiner“ Ortsorganisation konsequent durchzuführen. Dieser intervenierte wiederum bei Bürgermeister Rohrmoser, der anschließend seinerseits versuchte, die Situation zugunsten der betroffenen Bergwacht-Mitglieder zu klären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mitgliederstand der Bergwacht in Saalfelden beträgt gegenwärtig 21 Mann. Von diesen 21 Männern gehörten sechs der ehemaligen NSDAP an und sind diese gerade die besten Bergsteiger und erfahrensten Kletterer. Gemäß einer Zuschrift der Bezirkshauptmannschaft Zell am See sollen nun diese sechs sofort von der Bergwacht ausgeschieden werden. Es handelt sich hiebei wohl um Parteimitglieder, die aber unseres Wissens in keiner Weise als schwer belastet zu betrachten sind. […] Sehr geehrter Herr Hofrat, Sie wissen, welche Aufgabe die Bergwacht zu erfüllen hat und dass es sich hiebei um Personen handelt, welche in vollkommen uneigennütziger Weise, ohne jeden Verdienst, ihre Pflicht an der Allgemeinheit erfüllen und so manchem Bergfreund das Leben retten können. Ich bitte Sie daher an geeigneter Stelle diesbezüglich vorstellig zu werden, um es vielleicht doch zu ermöglichen, dass diese Männer weiterhin im Dienste der Bergwacht verbleiben können. Für weitere Auskünfte stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung und nehmen Sie im Voraus für Ihre Bemühungen meinen aufrichtigsten Dank entgegen. Der Bürgermeister“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ende der Entnazifizierung ==&lt;br /&gt;
Der österreichische Nationalrat setzte im Jahr 1948 durch zwei Amnestiegesetze (Jugendamnestiegesetz und Minderbelastetenamnestiegesetz) die Sühnefolgen für die Mehrheit der ehemaligen Nationalsozialisten außer Kraft. Diese Gesetzesinitiativen läuteten auch formal das Ende des Entnazifizierungsprozesses in Österreich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch Gerechtigkeit zu schaffen, sowohl vom Ansatz als auch von der Durchführung her, blieb auch in Saalfelden unvollkommen: Jene Säuberung von Nationalsozialisten, die nach bürokratischen Aspekten erfolgen sollte, fand sich im ständigen Widerspruch mit der Situation vor Ort. Als „Prellböcke“ mussten Saalfeldens Gemeindepolitiker herhalten, die zwischen der bürokratischen Abwicklung der Entnazifizierung und den persönlichen Anliegen der unterschiedlichen Interessensgruppen standen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* Neunherz, Alexander (2006). Der Entnazifizierungsprozess zwischen Konflikt und Konsens, in: Aschauer-Smolik, Sabine/Steidl Mario (Hg.). Saalfeldner Alltag 1945-1955. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, S. 45-69.&lt;br /&gt;
* Archiv des Pinzgauer Heimatmuseums (Schloss Ritzen): Aktenbestände Gemeindekorrespondenz ab 1946.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Referate von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer, beide abrufbar unter [http://www.doew.at www.doew.at]. &lt;br /&gt;
* Gemeindechronik Saalfelden, Band 1, 1989. &lt;br /&gt;
* Schuster, Walter/Weber, Wolfgang (2004): Entnazifizierung im regionalen Vergleich, Archiv der Stadt Linz (hier vor allem Gerhard Baumgartner). &lt;br /&gt;
* Stiefel, Dieter (1981). Entnazifizierung in Österreich, Wien, Europa Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Saalfelden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Geschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Entnazifizierung_(Saalfelden)&amp;diff=20547</id>
		<title>Entnazifizierung (Saalfelden)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Entnazifizierung_(Saalfelden)&amp;diff=20547"/>
		<updated>2007-04-28T15:16:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Entnazifizierung (Saalfelden)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Nach dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Terrorregime war die Überwindung des Nationalsozialismus eine der Hauptaufgaben nach Kriegsende. Bereits in der Regierungserklärung vom 27. April 1945 wurde eine strenge Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen angekündigt. Im erlassenen Verfassungsgesetz vom 8. Mai 1945 über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz) wurden alle Parteigliederungen verboten, eine Registrierung der Nationalsozialisten verfügt, Strafbestimmungen gegen &amp;quot;Illegale&amp;quot; und &amp;quot;schwer belastete Nationalsozialisten“ und Förderer erlassen sowie Volksgerichte zur Aburteilung der NS-Verbrecher geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1946 beschloss der Nationalrat das Nationalsozialistengesetz. Wesentlich war in diesem Zusammenhang die Novellierung des Verbotsgesetzes: Eine Änderung betraf dabei die Abgrenzung des Personenkreises, für die das Gesetz seine Anwendung finden sollte: Anstelle formaler Gesichtspunkte (beispielsweise das Datum des Eintrittes in die NSDAP) wurde nun das Ausmaß der Aktivität in der Partei (NSDAP) in den Vordergrund gerückt. Die registrierungspflichtigen Personen wurden nunmehr in Kriegsverbrecher, Belastete und Minderbelastete eingeteilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser Maßnahmen war die Entnazifizierung zum Scheitern verurteilt: „Denn das nationalsozialistische Regime hinterließ neben zahllosen Toten, materiellen Kriegsschäden und einer katastrophalen ökonomischen Lage vor allem auch eine ideologisch fragmentierte Bevölkerung.“ (siehe Brigitte Bailer in ihrem Referat „Der ‚antifaschistische Geist’ der Nachkriegszeit“, 1999)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Entnazifizierungsprozess in Saalfelden ==&lt;br /&gt;
Laut der Saalfeldener Ortschronik aus dem Jahr 1992 gab es in der Gemeinde insgesamt 456 NSDAP-Mitglieder, darunter 104 Frauen und 352 Männer. 236 Personen stellten demnach am 1. Mai 1938 einen Antrag auf Parteimitgliedschaft. Zwischen 1938 und 1945 beantragten weitere 117 Personen eine Mitgliedschaft in der Partei. Weitere 103 Saalfeldener waren bereits vor dem Anschluss als illegale Nazis aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Primärliteratur widerlegt jedoch die bislang bekannte Zahl von 456 Nationalsozialisten. Gemäß einem Erlass der Salzburger Landesregierung (Zahl 923/LAD/1947) vom 29. Jänner 1947 übermittelte der damalige Saalfeldener Bürgermeister Raimund Rohrmoser (ÖVP) eine Aufstellung aller registrierten Nationalsozialisten „nach altersmäßiger und berufsständischer Aufschlüsselung“. Demnach wurden in Saalfelden insgesamt 627 Personen (466 Männer und 161 Frauen) als Nationalsozialisten registriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, ob eine Berufsgruppe innerhalb der NSDAP besonders hervorstach, kann verneint werden. Mitglieder waren in allen Berufsständen vertreten, unabhängig davon, ob es sich um Gewerbetreibende, Bauern oder Beamte handelte. Auffällig ist jedoch, dass Mitglieder des „Ortsbürgertums“ in einem überdurchschnittlich hohen Maße Führungsfunktionen innerhalb der Saalfeldener Parteiorganisation innehatten und nach 1945 ebenfalls überdurchschnittlich oft als „belastet“ eingestuft wurden, beziehungsweise nach § 10, 11 oder 12 des Verbotsgesetzes verurteilt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prozentuelle Anteil der Nationalsozialisten an der Saalfeldener Gesamtbevölkerung lässt sich hingegen nicht mehr vollständig nachvollziehen. Für das Jahr 1945 liegen keine genauen Einwohnerzahlen für Saalfelden vor. Volkszählungen wurden lediglich in den Jahren 1939 (7.018 Einwohner) und 1951 (8.315 Einwohner) durchgeführt. Je nachdem, auf welche Einwohnerzahl man sich hier beziehen möchte, waren zwischen 7,5 und 8,9 Prozent der damaligen Gemeindebevölkerung eingetragene Nationalsozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erste Konfliktsituationen ==&lt;br /&gt;
Neben den katastrophalen Lebensumständen unmittelbar nach Kriegsende ergaben sich in Saalfelden zwangsläufig erste Konfliktsituationen zwischen ehemaligen Nationalsozialisten, Mitläufern, Verfolgten und Denunzierten.&lt;br /&gt;
Diese Auseinandersetzungen ereigneten sich zunächst in den „klassischen kommunalen Aufgabenbereichen“ – hier vor allem im Wohnungsbereich. Auch wenn es in Saalfelden keine kriegsbedingten Zerstörungen gab, führten die politischen und ethnischen Umwälzungen nach dem Krieg doch zu einer massiven Wohnungsnot. Somit war es wenig verwunderlich, wenn bei der schwierigen Suche nach einer neuer Wohnung offene Gräben zu Tage traten: Wohnungssuchende intervenierten beim Gemeindeoberhaupt, sofern sich ehemalige Mitläufer oder NS-Funktionäre ebenfalls um das gleiche Wohnobjekt bemühten und aussichtsreiche Chancen darauf hatten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[...] Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich die ganze Zeit hindurch auch nicht eine Sekunde lang Nazi gewesen oder mit diesen sympathisiert habe und daher auch von diesem Gesichtspunkte aus berücksichtigt werden sollte. Es wäre bedauerlich, wenn man ehemaligen 100%igen Nazis als Dankbarkeit für ihre zahlreichen Schandtaten den Vorzug gäbe, indem man sie aus ihrer jetzigen Wohnstätte herausnimmt und sie in bessere und schönere hineinsetzt, während man verlässliche Leute, die die Nazis früher mit den Worten abspeisten ‚Zuerst kommen unsere verdienten Leute dran’, auch jetzt wieder völlig übergeht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1945 unterlag der Entnazifizierungsprozess den Alliierten. Unmittelbare Ansprechpartner vor Ort waren in der Gemeinde Saalfelden die Mitglieder des „Politischen Sechserausschusses“, der sich aus jeweils zwei Vertretern der Volkspartei (ÖVP), der damaligen Sozialistischen Partei (SPÖ) sowie der Kommunistischen Partei (KPÖ) zusammensetzte. Die Mitglieder hatten unter den strengen Augen der Alliierten die Aufgaben, mit den Besatzern Verhandlungen zu führen, um die politischen Verhältnisse wiederum zu konsolidieren, Ämter neu zu besetzen und die verschiedenen Parteiorganisationen neu aufzubauen. Der Ausschuss erstellte jedoch auch für die Saalfeldener Bevölkerung politische Gutachten. Auf Grundlage der resultierenden politischen Einschätzungen lieferte der „Sechserausschuss“ damit grundsätzliche Informationen zur Beurteilung von Nationalsozialisten. Diese Beurteilungen wurden beispielsweise bei den ersten freien Gemeinderatswahlen im Jahr 1945 als Grundlage für die Wahlberechtigung herangezogen. Dabei entschied der „Sechserausschuss“ in strittigen Fällen, welche Personen in Saalfelden an den Wahlen teilnehmen durften und welche davon aufgrund ehemaliger NS-Betätigung ausgeschlossen waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Meldestelle ==&lt;br /&gt;
Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres 1946 die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen. (Vgl. Publikation „Entnazifizierung im regionalen Vergleich“) In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz „besonderen Wert“ auf die Erfassung der “Illegalen” legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. „Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre.“ (Vgl. [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]) Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem „moralischen Dilemma“: Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als „erste Anlaufstelle“ Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ersuchte die Marktgemeinde Saalfelden beispielsweise das Landesgericht (Volksgericht) Linz um Begnadigung einer Mutter, die zuvor aufgrund Denunziation zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihr Gatte selbst befand sich zu dieser Zeit in Kriegsgefangenschaft. Die drei Kinder befanden sich bei einer Schwester, die aufgrund ihrer eigenen Entbindung jedoch sich nicht mehr länger um die Kinder kümmern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine strenge Durchführung der Entnazifizierung stand somit in einem ständigen Widerstreit mit persönlichen Interessen, die man durch Interventionen beim Bürgermeister oder beim „Sechserausschuss“ durchzusetzen erhoffte. Die Saalfeldener Kommunalpolitiker kamen dadurch in eine äußerst prekäre Situation, da die Entnazifizierung auf eine persönliche Ebene abglitt. Das kleinstrukturierte Handlungsumfeld – also die überschaubare Gemeindebene – trug zusätzlich dazu bei. Belegen lässt sich dies durch zahlreiche Interventionen des Bürgermeisters bei übergeordneten Instanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem vertrat die Bevölkerung die Meinung, dass alle Kraft in den Wiederaufbau und die Versorgung der Allgemeinheit gesteckt werden sollte, und die Entnazifizierung als zweitrangiges Problem zu behandeln sei. Dieser ständige Widerstreit macht sichtbar, warum die Entnazifizierung nicht konsequent durchgeführt werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der offensichtlichsten Interventionen für ehemalige Nationalsozialisten durch die Gemeinde Saalfelden erfolgte im Sommer 1946. Darin verwickelt war die ehemalige Saalfeldener Bergwacht. Am 9. August 1946 bekam der Saalfeldener Obmann der Bergwacht, ein Schreiben von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See mit der Aufforderung, die Entnazifizierung auch in „seiner“ Ortsorganisation konsequent durchzuführen. Dieser intervenierte wiederum bei Bürgermeister Rohrmoser, der anschließend seinerseits versuchte, die Situation zugunsten der betroffenen Bergwacht-Mitglieder zu klären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mitgliederstand der Bergwacht in Saalfelden beträgt gegenwärtig 21 Mann. Von diesen 21 Männern gehörten sechs der ehemaligen NSDAP an und sind diese gerade die besten Bergsteiger und erfahrensten Kletterer. Gemäß einer Zuschrift der Bezirkshauptmannschaft Zell am See sollen nun diese sechs sofort von der Bergwacht ausgeschieden werden. Es handelt sich hiebei wohl um Parteimitglieder, die aber unseres Wissens in keiner Weise als schwer belastet zu betrachten sind. […] Sehr geehrter Herr Hofrat, Sie wissen, welche Aufgabe die Bergwacht zu erfüllen hat und dass es sich hiebei um Personen handelt, welche in vollkommen uneigennütziger Weise, ohne jeden Verdienst, ihre Pflicht an der Allgemeinheit erfüllen und so manchem Bergfreund das Leben retten können. Ich bitte Sie daher an geeigneter Stelle diesbezüglich vorstellig zu werden, um es vielleicht doch zu ermöglichen, dass diese Männer weiterhin im Dienste der Bergwacht verbleiben können. Für weitere Auskünfte stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung und nehmen Sie im Voraus für Ihre Bemühungen meinen aufrichtigsten Dank entgegen. Der Bürgermeister“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ende der Entnazifizierung ==&lt;br /&gt;
Der österreichische Nationalrat setzte im Jahr 1948 durch zwei Amnestiegesetze (Jugendamnestiegesetz und Minderbelastetenamnestiegesetz) die Sühnefolgen für die Mehrheit der ehemaligen Nationalsozialisten außer Kraft. Diese Gesetzesinitiativen läuteten auch formal das Ende des Entnazifizierungsprozesses in Österreich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch Gerechtigkeit zu schaffen, sowohl vom Ansatz als auch von der Durchführung her, blieb auch in Saalfelden unvollkommen: Jene Säuberung von Nationalsozialisten, die nach bürokratischen Aspekten erfolgen sollte, fand sich im ständigen Widerspruch mit der Situation vor Ort. Als „Prellböcke“ mussten Saalfeldens Gemeindepolitiker herhalten, die zwischen der bürokratischen Abwicklung der Entnazifizierung und den persönlichen Anliegen der unterschiedlichen Interessensgruppen standen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* Neunherz, Alexander (2006). Der Entnazifizierungsprozess zwischen Konflikt und Konsens, in: Aschauer-Smolik, Sabine/Steidl Mario (Hg.). Saalfeldner Alltag 1945-1955. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, S. 45-69.&lt;br /&gt;
* Archiv des Pinzgauer Heimatmuseums (Schloss Ritzen): Aktenbestände Gemeindekorrespondenz ab 1946.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Referate von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer, beide abrufbar unter [http://www.doew.at www.doew.at]. &lt;br /&gt;
* Gemeindechronik Saalfelden, Band 1, 1989. &lt;br /&gt;
* Schuster, Walter/Weber, Wolfgang (2004): Entnazifizierung im regionalen Vergleich, Archiv der Stadt Linz (hier vor allem Gerhard Baumgartner). &lt;br /&gt;
* Stiefel, Dieter (1981). Entnazifizierung in Österreich, Wien, Europa Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Saalfelden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Geschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Entnazifizierung_(Saalfelden)&amp;diff=20544</id>
		<title>Entnazifizierung (Saalfelden)</title>
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		<updated>2007-04-28T15:13:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Entnazifizierung (Saalfelden)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Nach dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Terrorregime war die Überwindung des Nationalsozialismus eine der Hauptaufgaben nach Kriegsende. Bereits in der Regierungserklärung vom 27. April 1945 wurde eine strenge Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen angekündigt. Im erlassenen Verfassungsgesetz vom 8. Mai 1945 über das Verbot der NSDAP (Verbotsgesetz) wurden alle Parteigliederungen verboten, eine Registrierung der Nationalsozialisten verfügt, Strafbestimmungen gegen &amp;quot;Illegale&amp;quot; und &amp;quot;schwer belastete Nationalsozialisten“ und Förderer erlassen sowie Volksgerichte zur Aburteilung der NS-Verbrecher geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1946 beschloss der Nationalrat das Nationalsozialistengesetz. Wesentlich war in diesem Zusammenhang die Novellierung des Verbotsgesetzes: Eine Änderung betraf dabei die Abgrenzung des Personenkreises, für die das Gesetz seine Anwendung finden sollte: Anstelle formaler Gesichtspunkte (beispielsweise das Datum des Eintrittes in die NSDAP) wurde nun das Ausmaß der Aktivität in der Partei (NSDAP) in den Vordergrund gerückt. Die registrierungspflichtigen Personen wurden nunmehr in Kriegsverbrecher, Belastete und Minderbelastete eingeteilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser Maßnahmen war die Entnazifizierung zum Scheitern verurteilt: „Denn das nationalsozialistische Regime hinterließ neben zahllosen Toten, materiellen Kriegsschäden und einer katastrophalen ökonomischen Lage vor allem auch eine ideologisch fragmentierte Bevölkerung.“ (siehe Brigitte Bailer in ihrem Referat „Der ‚antifaschistische Geist’ der Nachkriegszeit“, 1999)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Entnazifizierungsprozess in Saalfelden ==&lt;br /&gt;
Laut der Saalfeldener Ortschronik aus dem Jahr 1992 gab es in der Gemeinde insgesamt 456 NSDAP-Mitglieder, darunter 104 Frauen und 352 Männer. 236 Personen stellten demnach am 1. Mai 1938 einen Antrag auf Parteimitgliedschaft. Zwischen 1938 und 1945 beantragten weitere 117 Personen eine Mitgliedschaft in der Partei. Weitere 103 Saalfeldener waren bereits vor dem Anschluss als illegale Nazis aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Primärliteratur widerlegt jedoch die bislang bekannte Zahl von 456 Nationalsozialisten. Gemäß einem Erlass der Salzburger Landesregierung (Zahl 923/LAD/1947) vom 29. Jänner 1947 übermittelte der damalige Saalfeldener Bürgermeister Raimund Rohrmoser (ÖVP) eine Aufstellung aller registrierten Nationalsozialisten „nach altersmäßiger und berufsständischer Aufschlüsselung“. Demnach wurden in Saalfelden insgesamt 627 Personen (466 Männer und 161 Frauen) als Nationalsozialisten registriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, ob eine Berufsgruppe innerhalb der NSDAP besonders hervorstach, kann verneint werden. Mitglieder waren in allen Berufsständen vertreten, unabhängig davon, ob es sich um Gewerbetreibende, Bauern oder Beamte handelte. Auffällig ist jedoch, dass Mitglieder des „Ortsbürgertums“ in einem überdurchschnittlich hohen Maße Führungsfunktionen innerhalb der Saalfeldener Parteiorganisation innehatten und nach 1945 ebenfalls überdurchschnittlich oft als „belastet“ eingestuft wurden, beziehungsweise nach § 10, 11 oder 12 des Verbotsgesetzes verurteilt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prozentuelle Anteil der Nationalsozialisten an der Saalfeldener Gesamtbevölkerung lässt sich hingegen nicht mehr vollständig nachvollziehen. Für das Jahr 1945 liegen keine genauen Einwohnerzahlen für Saalfelden vor. Volkszählungen wurden lediglich in den Jahren 1939 (7.018 Einwohner) und 1951 (8.315 Einwohner) durchgeführt. Je nachdem, auf welche Einwohnerzahl man sich hier beziehen möchte, waren zwischen 7,5 und 8,9 Prozent der damaligen Gemeindebevölkerung eingetragene Nationalsozialisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erste Konfliktsituationen ==&lt;br /&gt;
Neben den katastrophalen Lebensumständen unmittelbar nach Kriegsende ergaben sich in Saalfelden zwangsläufig erste Konfliktsituationen zwischen ehemaligen Nationalsozialisten, Mitläufern, Verfolgten und Denunzierten.&lt;br /&gt;
Diese Auseinandersetzungen ereigneten sich zunächst in den „klassischen kommunalen Aufgabenbereichen“ – hier vor allem im Wohnungsbereich. Auch wenn es in Saalfelden keine kriegsbedingten Zerstörungen gab, führten die politischen und ethnischen Umwälzungen nach dem Krieg doch zu einer massiven Wohnungsnot. Somit war es wenig verwunderlich, wenn bei der schwierigen Suche nach einer neuer Wohnung offene Gräben zu Tage traten: Wohnungssuchende intervenierten beim Gemeindeoberhaupt, sofern sich ehemalige Mitläufer oder NS-Funktionäre ebenfalls um das gleiche Wohnobjekt bemühten und aussichtsreiche Chancen darauf hatten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[...] Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich die ganze Zeit hindurch auch nicht eine Sekunde lang Nazi gewesen oder mit diesen sympathisiert habe und daher auch von diesem Gesichtspunkte aus berücksichtigt werden sollte. Es wäre bedauerlich, wenn man ehemaligen 100%igen Nazis als Dankbarkeit für ihre zahlreichen Schandtaten den Vorzug gäbe, indem man sie aus ihrer jetzigen Wohnstätte herausnimmt und sie in bessere und schönere hineinsetzt, während man verlässliche Leute, die die Nazis früher mit den Worten abspeisten ‚Zuerst kommen unsere verdienten Leute dran’, auch jetzt wieder völlig übergeht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1945 unterlag der Entnazifizierungsprozess den Alliierten. Unmittelbare Ansprechpartner vor Ort waren in der Gemeinde Saalfelden die Mitglieder des „Politischen Sechserausschusses“, der sich aus jeweils zwei Vertretern der Volkspartei (ÖVP), der damaligen Sozialistischen Partei (SPÖ) sowie der Kommunistischen Partei (KPÖ) zusammensetzte. Die Mitglieder hatten unter den strengen Augen der Alliierten die Aufgaben, mit den Besatzern Verhandlungen zu führen, um die politischen Verhältnisse wiederum zu konsolidieren, Ämter neu zu besetzen und die verschiedenen Parteiorganisationen neu aufzubauen. Der Ausschuss erstellte jedoch auch für die Saalfeldener Bevölkerung politische Gutachten. Auf Grundlage der resultierenden politischen Einschätzungen lieferte der „Sechserausschuss“ damit grundsätzliche Informationen zur Beurteilung von Nationalsozialisten. Diese Beurteilungen wurden beispielsweise bei den ersten freien Gemeinderatswahlen im Jahr 1945 als Grundlage für die Wahlberechtigung herangezogen. Dabei entschied der „Sechserausschuss“ in strittigen Fällen, welche Personen in Saalfelden an den Wahlen teilnehmen durften und welche davon aufgrund ehemaliger NS-Betätigung ausgeschlossen waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Meldestelle ==&lt;br /&gt;
Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres 1946 die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen. (Vgl. Publikation „Entnazifizierung im regionalen Vergleich“) In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz „besonderen Wert“ auf die Erfassung der “Illegalen” legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. „Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre.“ (Vgl. [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]) Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem „moralischen Dilemma“: Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als „erste Anlaufstelle“ Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ersuchte die Marktgemeinde Saalfelden beispielsweise das Landesgericht (Volksgericht) Linz um Begnadigung einer Mutter, die zuvor aufgrund Denunziation zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ihr Gatte selbst befand sich zu dieser Zeit in Kriegsgefangenschaft. Die drei Kinder befanden sich bei einer Schwester, die aufgrund ihrer eigenen Entbindung jedoch sich nicht mehr länger um die Kinder kümmern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine strenge Durchführung der Entnazifizierung stand somit in einem ständigen Widerstreit mit persönlichen Interessen, die man durch Interventionen beim Bürgermeister oder beim „Sechserausschuss“ durchzusetzen erhoffte. Die Saalfeldener Kommunalpolitiker kamen dadurch in eine äußerst prekäre Situation, da die Entnazifizierung auf eine persönliche Ebene abglitt. Das kleinstrukturierte Handlungsumfeld – also die überschaubare Gemeindebene – trug zusätzlich dazu bei. Belegen lässt sich dies durch zahlreiche Interventionen des Bürgermeisters bei übergeordneten Instanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem vertrat die Bevölkerung die Meinung, dass alle Kraft in den Wiederaufbau und die Versorgung der Allgemeinheit gesteckt werden sollte, und die Entnazifizierung als zweitrangiges Problem zu behandeln sei. Dieser ständige Widerstreit macht sichtbar, warum die Entnazifizierung nicht konsequent durchgeführt werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der offensichtlichsten Interventionen für ehemalige Nationalsozialisten durch die Gemeinde Saalfelden erfolgte im Sommer 1946. Darin verwickelt war die ehemalige Saalfeldener Bergwacht. Am 9. August 1946 bekam der Saalfeldener Obmann der Bergwacht, ein Schreiben von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See mit der Aufforderung, die Entnazifizierung auch in „seiner“ Ortsorganisation konsequent durchzuführen. Dieser intervenierte wiederum bei Bürgermeister Rohrmoser, der anschließend seinerseits versuchte, die Situation zugunsten der betroffenen Bergwacht-Mitglieder zu klären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mitgliederstand der Bergwacht in Saalfelden beträgt gegenwärtig 21 Mann. Von diesen 21 Männern gehörten sechs der ehemaligen NSDAP an und sind diese gerade die besten Bergsteiger und erfahrensten Kletterer. Gemäß einer Zuschrift der Bezirkshauptmannschaft Zell am See sollen nun diese sechs sofort von der Bergwacht ausgeschieden werden. Es handelt sich hiebei wohl um Parteimitglieder, die aber unseres Wissens in keiner Weise als schwer belastet zu betrachten sind. […] Sehr geehrter Herr Hofrat, Sie wissen, welche Aufgabe die Bergwacht zu erfüllen hat und dass es sich hiebei um Personen handelt, welche in vollkommen uneigennütziger Weise, ohne jeden Verdienst, ihre Pflicht an der Allgemeinheit erfüllen und so manchem Bergfreund das Leben retten können. Ich bitte Sie daher an geeigneter Stelle diesbezüglich vorstellig zu werden, um es vielleicht doch zu ermöglichen, dass diese Männer weiterhin im Dienste der Bergwacht verbleiben können. Für weitere Auskünfte stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung und nehmen Sie im Voraus für Ihre Bemühungen meinen aufrichtigsten Dank entgegen. Der Bürgermeister“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Ende der Entnazifizierung ==&lt;br /&gt;
Der österreichische Nationalrat setzte im Jahr 1948 durch zwei Amnestiegesetze (Jugendamnestiegesetz und Minderbelastetenamnestiegesetz) die Sühnefolgen für die Mehrheit der ehemaligen Nationalsozialisten außer Kraft. Diese Gesetzesinitiativen läuteten auch formal das Ende des Entnazifizierungsprozesses in Österreich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch Gerechtigkeit zu schaffen, sowohl vom Ansatz als auch von der Durchführung her, blieb auch in Saalfelden unvollkommen: Jene Säuberung von Nationalsozialisten, die nach bürokratischen Aspekten erfolgen sollte, fand sich im ständigen Widerspruch mit der Situation vor Ort. Als „Prellböcke“ mussten Saalfeldens Gemeindepolitiker herhalten, die zwischen der bürokratischen Abwicklung der Entnazifizierung und den persönlichen Anliegen der unterschiedlichen Interessensgruppen standen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* Neunherz, Alexander (2006). Der Entnazifizierungsprozess zwischen Konflikt und Konsens, in: Aschauer-Smolik, Sabine/Steidl Mario (Hg.). Saalfeldner Alltag 1945-1955. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, S. 45-69.&lt;br /&gt;
* Archiv des Pinzgauer Heimatmuseums (Schloss Ritzen): Aktenbestände Gemeindekorrespondenz ab 1946.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Referate von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer, beide abrufbar unter [http://www.doew.at www.doew.at]. &lt;br /&gt;
* Gemeindechronik Saalfelden, Band 1, 1989. &lt;br /&gt;
* Schuster, Walter/Weber, Wolfgang (2004): Entnazifizierung im regionalen Vergleich, Archiv der Stadt Linz (hier vor allem Gerhard Baumgartner). &lt;br /&gt;
* Stiefel, Dieter (1981). Entnazifizierung in Österreich, Wien, Europa Verlag.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Benutzer:Saalfelden2910</title>
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		<updated>2007-04-03T13:02:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: /* Mein Beiträge */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Bestätigter Benutzer}}&lt;br /&gt;
==Name==&lt;br /&gt;
Mag. Alexander Neunherz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Current Interests:&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:- Lokal- und Regionalforschung/ Regionalentwicklung&lt;br /&gt;
:- Der demografische Wandel im ländlichen Raum&lt;br /&gt;
:- Methoden empirischer Sozialforschung&lt;br /&gt;
:- Entnazifizierung auf lokaler und regionaler Ebene&lt;br /&gt;
:- Salzburger Zeitgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meine Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
*[http://www.politikforschung.at Meine Website]&lt;br /&gt;
*[http://www.dagegenhalten.at Mein privates Forschungsprojekt über Karl Reinthaler]&lt;br /&gt;
*[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Zeitgeschichte Saalfelden 1945-1955]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Bestätigter Benutzer}}&lt;br /&gt;
==Name==&lt;br /&gt;
Mag. Alexander Neunherz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Current Interests:&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:- Lokal- und Regionalforschung/ Regionalentwicklung&lt;br /&gt;
:- Der demografische Wandel im ländlichen Raum&lt;br /&gt;
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:- Salzburger Zeitgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mein Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
*[http://www.politikforschung.at Meine Website]&lt;br /&gt;
*[http://www.dagegenhalten.at Mein privates Forschungsprojekt über Karl Reinthaler]&lt;br /&gt;
*[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Zeitgeschichte Saalfelden 1945-1955]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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&lt;div&gt;{{Bestätigter Benutzer}}&lt;br /&gt;
==Name==&lt;br /&gt;
Mag. Alexander Neunherz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Current Interests:&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
- Lokal- und Regionalforschung/ Regionalentwicklung&lt;br /&gt;
- Der demografische Wandel im ländlichen Raum&lt;br /&gt;
- Methoden empirischer Sozialforschung&lt;br /&gt;
- Entnazifizierung auf lokaler und regionaler Ebene&lt;br /&gt;
- Salzburger Zeitgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mein Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
*[http://www.politikforschung.at Meine Website]&lt;br /&gt;
*[http://www.dagegenhalten.at Mein privates Forschungsprojekt über Karl Reinthaler]&lt;br /&gt;
*[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Zeitgeschichte Saalfelden 1945-1955]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Benutzer:Saalfelden2910</title>
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		<updated>2007-04-03T12:54:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Bestätigter Benutzer}}&lt;br /&gt;
==Name==&lt;br /&gt;
Mag. Alexander Neunherz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mein Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
*[http://www.politikforschung.at Meine Website]&lt;br /&gt;
*[http://www.dagegenhalten.at Mein privates Forschungsprojekt über Karl Reinthaler]&lt;br /&gt;
*[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Zeitgeschichte Saalfelden 1945-1955]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<updated>2007-04-03T12:53:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Bestätigter Benutzer}}&lt;br /&gt;
==Name==&lt;br /&gt;
Mag. Alexander Neunherz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mein Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
*[http://www.politikforschung.at Meine Website]&lt;br /&gt;
*[http://www.dagegenhalten.at Mein privates Forschungsprojekt über Karl Reinthaler]&lt;br /&gt;
*[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Zeitgeschichte Saalfelden 1945-1955]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<updated>2007-04-03T12:52:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
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==Lebenslauf==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;geb:&#039;&#039;&#039; am 29. Oktober 1978 in Schwarzach&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mein Beiträge==&lt;br /&gt;
* [[Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
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==Mein Beitrag==&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Saalfelden2910/Artikel|Meine Artikel auf Salzburgwiki]]&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Saalfelden2910/Bilder|Meine Bilder auf Salzburgwiki]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
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		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<updated>2007-04-03T12:49:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ausbildung:&#039;&#039;&#039; Volksschule Saalfelden, BG Saalfelden, HAK Zell am See, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beruf:&#039;&#039;&#039; Wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung an der WissenschaftsAgentur der Universität Salzburg, Lehrbeauftragter am Fachbereich für Politikwissenschaft und Soziologie sowie an der Sozialakademie Ried im Innkreis&lt;br /&gt;
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		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<updated>2007-03-31T09:30:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
[http://www.dagegenhalten.at Karl Reinthaler. Dagegenhalten.]&lt;br /&gt;
[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
* Persönliche Aufzeichnungen und Dokumente Karl Reinthalers.&lt;br /&gt;
* Bildquellen: Verlassenschaft Karl Reinthaler, Mag. Alexander Neunherz;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bürgermeister (Pinzgau)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13272</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T09:26:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Links ==&lt;br /&gt;
[http://www.dagegenhalten.at Karl Reinthaler. Dagegenhalten.]&lt;br /&gt;
[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
* Persönliche Aufzeichnungen und Dokumente Karl Reinthalers.&lt;br /&gt;
* Bildquellen: Verlassenschaft Karl Reinthaler, Mag. Alexander Neunherz;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bürgermeister (Pinzgau)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13271</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13271"/>
		<updated>2007-03-31T09:24:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Links ==&lt;br /&gt;
[http://www.dagegenhalten.at Karl Reinthaler. Dagegenhalten.]&lt;br /&gt;
[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
* Persönliche Aufzeichnungen und Dokumente Karl Reinthalers.&lt;br /&gt;
* Bildquellen: Verlassenschaft Karl Reinthaler, Mag. Alexander Neunherz;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13268</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T09:19:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Links ==&lt;br /&gt;
[http://www.dagegenhalten.at Karl Reinthaler. Dagegenhalten.]&lt;br /&gt;
[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
* Persönliche Aufzeichnungen und Dokumente Karl Reinthalers.&lt;br /&gt;
* Bildquellen: Verlassenschaft Karl Reinthaler, Mag. Alexander Neunherz;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13267</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T09:17:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Links ==&lt;br /&gt;
[http://www.dagegenhalten.at Karl Reinthaler. Dagegenhalten.]&lt;br /&gt;
[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
* Persönliche Aufzeichnungen und Dokumente Karl Reinthalers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13266</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T09:16:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Links ==&lt;br /&gt;
[http://www.dagegenhalten.at Karl Reinthaler. Dagegenhalten.]&lt;br /&gt;
[http://www.zeitgeschichte-saalfelden.at Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13260</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T09:10:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Und die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Denn seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Saalfelden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13239</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Karl_Reinthaler&amp;diff=13235</id>
		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T08:54:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T08:52:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Gefangenschaft.jpg|thumb|NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).]]&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände&amp;quot;)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<updated>2007-03-31T08:51:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;NS-Zuchthaus in Amberg (Oberpfalz).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T08:49:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* [[18. September]] [[1913]] in Villach; † [[1. August]] [[2000]] in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und [[Bürgermeister]] von [[Saalfelden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, [[1913]] in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;&#039;&#039;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&#039;&#039;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. [[1927]] bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr [[1931]] bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur [[SPÖ|Sozialistischen Partei Österreichs]], zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am [[4. März]] [[1933]] und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im [[Februar]] [[1934]] zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1934]] gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst [[1936]] wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof [[Gnigl]] und am [[Hauptbahnhof Salzburg]] für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach [[Saalfelden]] (Bezirk [[Zell am See]]) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach [[1934]]. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor [[1934]] aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung [[Saalfelden]]s hatte ab [[1934]] nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am [[13. Februar]] [[1934]] von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis [[1936]] leitete [[Johann Eiböck]] als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. [[1936]] wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später [[Hans Großlercher]]. Recherchiert man in den für Saalfelden  veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre [[1934]] bis [[1938]] eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. [[1938]] führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres [[1942]] wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch [[Josef Scherleitner]], bei dem er zwischen [[1936]] und [[1938]] wohnte und der zum Tode verurteilt und [[1943]] hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor [[1938]]. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Buergermeister.jpg|thumb|Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.]]&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler [[1945]] nach [[Saalfelden]] zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im [[19. Jahrhundert]] durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. [[1945]] wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, [[1948]] seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten 16 Jahre als Fraktionsobmann der [[SPÖ]] und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1972]] folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte [[Adam Pichler]] in das Amt des [[Bürgermeister]]s nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung [[1998]] in [[Salzburg]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am [[1. August]] [[2000]] sein Leben abrupt. Drei Tage später, am [[4. August]] [[2000]], wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die [[SPÖ]] Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang [[2004]] das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
*Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004) &#039;&#039;Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz&#039;&#039;, Studienverlag.&lt;br /&gt;
* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &#039;&#039;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation&#039;&#039;, 2 Bände&amp;quot;)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Karl Reinthaler war von 1972 bis 1978 als Saalfeldener Bürgermeister tätig.&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T08:44:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* 18. September 1913 in Villach; † 1. August 2000 in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Saalfelden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, 1913 in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. 1927 bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr 1931 bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur Sozialistischen Partei Österreichs, zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am 4. März 1933 und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im Februar 1934 zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. 1934 gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst 1936 wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof Gnigl und am Hauptbahnhof Salzburg für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach Saalfelden (Bezirk Zell am See) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach 1934. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor 1934 aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung Saalfeldens hatte ab 1934 nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am 13. Februar 1934 von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis 1936 leitete Johann Eiböck als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. 1936 wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später Hans Großlercher. Recherchiert man in den für Saalfelden (Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &amp;quot;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945, Eine Dokumentation, 2 Bände&amp;quot;) veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre 1934 bis 1938 eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. 1938 führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres 1942 wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch Josef Scherleitner, bei dem er zwischen 1936 und 1938 wohnte und der zum Tode verurteilt und 1943 hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor 1938. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler 1945 nach Saalfelden zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im 19. Jahrhundert durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. 1945 wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, 1948 seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten sechzehn Jahre als Fraktionsobmann der SPÖ und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1972 folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte Adam Pichler in das Amt des Bürgermeisters nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung 1998 in Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am 1. August 2000 sein Leben abrupt. Drei Tage später, am 4. August 2000, wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bild:Karl_Reinthaler_Haus.jpg|thumb|Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden]]&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die SPÖ Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang 2004 das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz, Studienverlag.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.sn.at/wiki/index.php?title=Datei:Karl_Reinthaler_Haus.jpg&amp;diff=13218</id>
		<title>Datei:Karl Reinthaler Haus.jpg</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Karl-Reinthaler-Haus in Saalfelden&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T08:40:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* 18. September 1913 in Villach; † 1. August 2000 in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Saalfelden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, 1913 in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. 1927 bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr 1931 bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur Sozialistischen Partei Österreichs, zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am 4. März 1933 und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im Februar 1934 zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. 1934 gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst 1936 wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof Gnigl und am Hauptbahnhof Salzburg für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach Saalfelden (Bezirk Zell am See) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach 1934. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor 1934 aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung Saalfeldens hatte ab 1934 nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am 13. Februar 1934 von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis 1936 leitete Johann Eiböck als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. 1936 wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später Hans Großlercher. Recherchiert man in den für Saalfelden (Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &amp;quot;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945, Eine Dokumentation, 2 Bände&amp;quot;) veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre 1934 bis 1938 eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. 1938 führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres 1942 wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch Josef Scherleitner, bei dem er zwischen 1936 und 1938 wohnte und der zum Tode verurteilt und 1943 hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor 1938. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler 1945 nach Saalfelden zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im 19. Jahrhundert durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. 1945 wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, 1948 seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten sechzehn Jahre als Fraktionsobmann der SPÖ und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1972 folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte Adam Pichler in das Amt des Bürgermeisters nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung 1998 in Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am 1. August 2000 sein Leben abrupt. Drei Tage später, am 4. August 2000, wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die SPÖ Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang 2004 das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz, Studienverlag.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<title>Karl Reinthaler</title>
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		<updated>2007-03-31T08:39:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Saalfelden2910: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:Karl_Reinthaler.jpg|thumb|Karl Reinthaler]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Karl Reinthaler&#039;&#039;&#039; (* 18. September 1913 in Villach; † 1. August 200 in Saalfelden) war ein ehemaliger Zeitzeuge, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Saalfelden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Leben ==&lt;br /&gt;
Karl Reinthaler, 1913 in Villach geboren, erlebte bereits als Kind die grausamen Auswirkungen des Krieges: Sein Vater, ein begeisterter Bergsteiger, verlor während des 1. Weltkrieges nach nur wenigen Wochen Fronteinsatz beide Beine. Die im Krieg nicht ausgeheilte Ruhrerkrankung forderte bald darauf ihren Tribut: Reinthaler, gerade neun Jahre alt, verlor 1922 seinen Vater. Als Vermächtnis hinterließ er seinem Sohn jenen Satz, der ihn ein Leben lang begleiten sollte: &amp;quot;Ich kann mein Schicksal mit der Gewissheit ertragen, dass er nie mehr in einen Krieg ziehen muss!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust seines Vaters brachte nicht nur seelische Entbehrungen mit sich. Seine Mutter, selbst schwer an TBC erkrankt, musste mit einer kleinen Invalidenpension fünf Kinder ernähren. 1927 bestand der erst 14jährige Reinthaler die Aufnahmeprüfung für die Lehrwerkstätte der Hauptwerkstatt St. Pölten und absolvierte dort eine Lehre zum Maschinenschlosser. Das Ende seiner Lehrzeit im Jahr 1931 bedeutete für ihn aber nicht die Übernahme in den aktiven Dienst der Eisenbahn, sondern drei Jahre Arbeitslosigkeit, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten musste. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zur Sozialistischen Partei Österreichs, zunächst über die Kinderfreunde und anschließend über die sozialistische Gewerkschaftsbewegung. Zudem besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien, um sich in seinem Beruf weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Veränderungen der dreißiger Jahre fanden in der Ausschaltung des Nationalrates am 4. März 1933 und mit dem Verbot der Sozialdemokratie im Februar 1934 zwei ihrer undemokratischen Höhepunkte. Der autoritäre Ständestaat brachte auch für die Bediensteten der Eisenbahnen gewaltige Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit sich: Massive Entlassungen, Herabsetzung der Eisenbahnerpensionen, Auszahlung der Gehälter in drei Raten, Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit, Dienstrechtsänderungen ohne Rücksprache mit der Personalvertretung, um nur einige Beispiele zu nennen; mit dem faschistischen System verbundene Funktionäre durchdrangen dabei typische Arbeiterorganisationen wie die Eisenbahn. Bewerber mussten sich als Mitglieder von Wehrformationen (z.B. Heimwehr) ausweisen - Ausnahmen wurden nur selten geduldet. 1934 gelang es Karl Reinthaler dennoch wieder in den Eisenbahnerdienst aufgenommen zu werden. Zunächst arbeitete er in der Oberbauwerkstätte in Wörth, ein Jahr später erhielt er die Möglichkeit, wieder nach St. Pölten zurückzukehren. Da er als &amp;quot;Roter&amp;quot; bekannt war, reagierten seine Arbeitskollegen ablehnend auf ihn. Trotz seines guten Eignungstests, der Reinthaler erst den Wiedereintritt in den Eisenbahnerdienst ermöglichte, konfrontierten systemtreue Arbeitskollegen ihn immer öfters mit Sätzen wie &amp;quot;Unsere Heimwehrler stehen ohne Arbeit auf der Straße und ein Roter wird uns vor die Nase gesetzt&amp;quot;. Für ihn stand damals fest, bereits abgestempelt zu sein. Lange hielt es ihn - aufgrund der Ablehnung seiner Person durch die Kollegen - nicht in St. Pölten, denn im Spätherbst 1936 wurde er nach einer Ausbildung zum Wagenmeister am Güterbahnhof Gnigl und am Hauptbahnhof Salzburg für sechs Monate als &amp;quot;Mädchen für alles&amp;quot;, wie er es selbst bezeichnete, nach Saalfelden (Bezirk Zell am See) versetzt. Er übernahm in dieser Zeit sowohl Aufgaben als Schlosser als auch als Wagenmeister. Das Versprechen des Bahnhofsvorstandes von Salzburg, er könne nach diesen sechs Monaten wieder nach Salzburg zurückkehren, sollte von ihm allerdings nicht eingelöst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in allen anderen Eisenbahn-Knotenpunkten hatten auch die Saalfeldener Sozialisten vor ihrem Verbot zu großen Teilen aus Eisenbahnern bestanden. In den Kernschichten der ehemaligen Partei wurde die sozialistische Gemeinschaft als Schutz- und Hilfsgemeinschaft trotz der zerschlagenen Strukturen weitergelebt und bildete die Basis für den Widerstand nach 1934. Dieses sympathisierende politische Umfeld fand auch in zahlreichen widerständischen Alltagsverhalten seinen Niederschlag und Ausdruck. Dabei arbeiteten Revolutionäre Sozialisten und Kommunisten auf enge Weise zusammen. Illegale Informationen wurden über das fahrende Personal der Eisenbahn beschafft, die heimlich streng verbotene Zeitungen transportieren. Doch die Ränder des sozialistischen Milieus waren schon vor 1934 aufgeweicht: Vor allem die beständig steigende Arbeitslosigkeit machte etliche Betroffene für die Agitation der NSDAP empfänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Verwaltung Saalfeldens hatte ab 1934 nichts mehr mit demokratisch gewählten Strukturen zu tun. Bürgermeister Riedler wurde am 13. Februar 1934 von der Heimwehr am Betreten des Gemeindeamtes gehindert und in der Folge seines Amtes enthoben. Bis 1936 leitete Johann Eiböck als kommissarischer Verwalter die Arbeit in der Marktgemeinde. 1936 wird Bartholmäus Fersterer als Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte zwei Jahre später Hans Großlercher. Recherchiert man in den für Saalfelden (Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: &amp;quot;Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945, Eine Dokumentation, 2 Bände&amp;quot;) veröffentlichten Akten des Gendarmeriepostens Saalfelden, so sind für die Jahre 1934 bis 1938 eine Reihe von Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Widerstandsaktivitäten Karl Reinthalers während der NS-Zeit ==&lt;br /&gt;
Seine Kritik an den Ereignissen äußerte Karl Reinthaler immer wieder öffentlich, so z.B. bei der Wirtin des Bahnhofs-Restaurant, die ihn auch an die GESTAPO verriet. Auch seine - auf der Basis historischer Kenntnisse beruhenden - kritischen Äußerungen zum Polenfeldzug brachten ihm eine Vorladung bei der GESTAPO ein. Seit diesen Äußerungen galt Karl Reinthaler als verdächtig und stand im Abseits. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer besorgte er in der Schweiz internationale Zeitungen, z.B. die Baseler Nationalzeitung, und gab diese an die Kollegen weiter. Er berichtet auch davon, dass man als Zeichen des Widerstandes in die Kirche zur Messe gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Nepomuk-Kapelle an der Urslaubrücke in Saalfelden stand ein Kiosk, an dem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen konnte; auch Karl Reinthaler kaufte dort ein. 1938 führte plötzlich eine andere Frau den Kiosk und ein Arbeitskollege verriet ihm, dass die Söhne der alten Betreiberin als Kommunisten verhaftet wurden und die Frau, als deren Mutter, daraufhin gezwungen worden war, den Kiosk aufzugeben. Mit dieser Geschichte nahm der Grund für Reinthalers Verhaftung seinen Anfang: Er erklärte sich in der Folge bereit, im Rahmen der &amp;quot;Roten Hilfe&amp;quot; für die Frau zu spenden. Diese regelmäßigen Spenden begründeten schließlich den Verdacht organisierter Tätigkeit und Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei und der Vorbereitung zum Hochverrat.&lt;br /&gt;
Verhaftung und Zuchthaus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Jahres 1942 wurde Karl Reinthaler gemeinsam mit anderen verhaftet, unter ihnen auch Josef Scherleitner, bei dem er zwischen 1936 und 1938 wohnte und der zum Tode verurteilt und 1943 hingerichtet wurde. Seine Mutter bemühte sich um einen Rechtsanwalt, doch dieser meinte, die Urteile stünden vor Prozessbeginn bereits fest und jeder bekäme einen Pflichtverteidiger zugewiesen. Die Verhandlung sei letztlich nur eine Formalität. Karl Reinthaler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus und Ehrverlust (= Verlust aller bürgerlichen Rechte) verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Transport ins Zuchthaus nach Amberg erfolgte über die beiden Stationen Regensburg und Straubing. Die Gefangenen wurden in umgebaute Personenwagen gepfercht, die Zeit für den Gang zur Toilette war reglementiert und kaum zu schaffen, die Fenster waren mit Blech verschlagen und nur durch einen Trichter konnte Luft ins Abteil strömen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amberg galt als Lager für politische Häftlinge (&amp;quot;Vergeltungslager&amp;quot;) und bestand bereits vor 1938. In den Anfangsjahren des Nationalsozialismus wurde es noch vom Gefängnispersonal aus der Weimarer Republik geführt. Erst später übernahmen es SS- und SA-Männern. Ab 1938 wurden in diesem Lager auch ausländische, vor allem kommunistische Widerstandskämpfer inhaftiert.&lt;br /&gt;
Als die Firma Zeiss begann, ihre MitarbeiterInnen aus dem Zuchthaus Amberg zu rekrutieren, konnte er aus der Schneiderei (TBC-Gefahr) in die Funktion eines Werkzeugmachers wechseln. Die Tatsache, dass er dort keinen Schichtdienst zu versehen hatte, bezeichnet er als einen Grund für sein Überleben. Immer wieder wurde er mit Sonderaufgaben betraut, die mit seinem gelernten Beruf des Schlossers in Verbindung standen. In diesem Zusammenhang schildert er in einem Interview ein Beispiel für die Unterstützung durch das Wachpersonal: Als er bei Schlosserarbeiten auf dem Lagergeländer unterwegs war, wurde er von seinem Bewacher in den Schweinestall gesperrt. Schnell erkannte er, warum dieser das tat: Er konnte sich dort mit frisch gekochten Kartoffeln (für die Schweine) satt essen! Ab den Weihnachtsproben 1943 war Reinthaler auch Mitglied des Gefangenenchors. Das Singen ermöglichte es ihm, Kraft zu schöpfen. Zudem gab es am Ende der Proben für die Weihnachtsfeier immer eine dicke Nudelsuppe. An diese musste er auch bei späteren Weihnachtsfesten denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schleifen eines Werkstückes zog er sich eine Augenverletzung zu. Der Abteilungsleiter der Firma Zeiss ermöglichte es ihm, einen Facharzt aufzusuchen. Dieser suchte das Gespräch mit ihm und die Arzthelferin steckte ihm bei jedem Besuch eine Wurstsemmel zu. Sie ging als &amp;quot;der Schutzengel von Amberg&amp;quot; in die persönliche Lebensgeschichte Karl Reinthalers ein. In einem der Interviews schilderte er sehr eindringlich, dass er der festen Überzeugung ist, wären die Amerikaner 14 Tage später nach Amberg gekommen, hätte er die Haftzeit nicht überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende seiner Kräfte angelangt war.&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Haftzeit leistete er für sich den Schwur, sollte er das Zuchthaus überleben, in der weiteren Folge sein Leben der Allgemeinheit zu widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1945: Neuanfang und politische Karriere ==&lt;br /&gt;
Von den Entbehrungen gezeichnet, kehrte Karl Reinthaler 1945 nach Saalfelden zurück. Der militärischen Kapitulation im Jahr 1945 folgte jedoch keineswegs die allgemein verbreitete Einsicht über den Irrweg des Nationalsozialismus. Die &amp;quot;Stunde Null&amp;quot;, den vollständigen Bruch mit der NS-Vergangenheit, gab es auf der Ebene der Verfassung und der Ordnung der Institutionen, nicht aber bei den Mentalitäten und Einstellungen. Die tiefe und verbreitete Feindseligkeit der Österreicher gegenüber den Juden, die bereits im 19. Jahrhundert durch Ausgrenzung und Argwohn sichtbar wurde, konnte nicht in einer kurzen Übergangszeit verschwinden. Ebenso war es nicht sofort möglich, die tiefen Gräben zwischen den jeweiligen parteipolitischen Lagern auszuräumen. Die Konflikte der 1. Republik und die bürgerkriegsähnlichen Zustände während des Ständestaates waren dafür noch zu greifbar.&lt;br /&gt;
Und die Entnazifizierung bedeutete in Saalfelden keineswegs nur einen rein bürokratischen Vorgang: Opfer und Täter kannten sich dafür zu gut und waren zudem auch räumlich eng miteinander verbunden. Während rechtliche und politische Konsequenzen gezogen wurden, wurden die sozialen Auswirkungen zu ignorieren versucht und blieben oftmals ungeklärt. An seinem Entschluss, für die Allgemeinheit Positives bewirken zu wollen, hielt Reinthaler aber unbeirrt fest. 1945 wurde er in den Saalfeldener Gemeindevorstand sowie in den Salzburger Landtag gewählt. Schwerer Rheumatismus zwang ihn jedoch, 1948 seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter zurückzulegen. Es folgten sechzehn Jahre als Fraktionsobmann der SPÖ und acht Jahre als Vizebürgermeister, in denen er als Rechts- und Schulreferent auf sich aufmerksam machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1972 folgte sein &amp;quot;dichtester Lebensabschnitt&amp;quot;: Er folgte Adam Pichler in das Amt des Bürgermeisters nach. In seiner Amtszeit verzeichnete Saalfelden grundlegende Veränderungen, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckten. Das Altersheim wurde ausgebaut, Schulen erweitert, ein Rehabilitationszentrum errichtet und der Reinhalteverband gegründet. Doch die mit Freude übernommene Belastung wurde zur Überlastung. Die Ärzte diagnostizierten Dickdarmkrebs und er musste nach fünfeinhalbjähriger Amtszeit als Bürgermeister zurücktreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner zwangsläufigen Pensionierung war es Karl Reinthaler ein großes Anliegen, bei besonderen Anlässen als Zeitzeuge aufzutreten. Er sprach zum 50. Jahrestag der Zweiten Republik, besuchte zahlreiche Schulen und diskutierte mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten bei der Wehrmachtsausstellung 1998 in Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein tragischer Unfall beendete am 1. August 2000 sein Leben abrupt. Drei Tage später, am 4. August 2000, wurde der Saalfeldener Ehrenbürger unter großer Anteilnahme der Saalfeldener Bevölkerung beerdigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Karl Reinthalers Vermächtnis ==&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Jahre später, setzte man ihm ein erstes Andenken: Die SPÖ Saalfelden kaufte jenes Gewerkschaftsheim, an dessen Gründung Reinthaler maßgeblich beteiligt war und benannte es nach ihm „dem Pionier der Arbeiterbewegung in Saalfelden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem veröffentlichten Mag. Alexander Neunherz (Politologe) und Mag. Sabine Aschauer-Smolik (Historikerin) Anfang 2004 das im Studienverlag erschienene Buch &amp;quot;Karl Reinthaler. Dagegenhalten.&amp;quot;. Im Zuge dessen wurde auch eine umfassende Veranstaltungsreihe durchgeführt (Verleihung des 1.-Karl-Reinthaler-Preises, eine vierzehntägige Ausstellung über sein Leben und Wirken sowie ein Symposium zum Thema „Zivilcourage und widerständisches Verhalten“), die dem Saalfeldener Ehrenbürger gewidmet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz, Studienverlag.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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		<updated>2007-03-31T08:38:19Z</updated>

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&lt;div&gt;Karl Reinthaler&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Saalfelden2910</name></author>
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